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06-19 Wort-für-Wort Übersetzung

yathā – wie
dīpaḥ – eine Lampe
nivāta-sthaḥ – die sich an einem windgeschützten Ort (nivāta) befindet (stha)
na – nicht
iṅgate – flackert
sā – dieser
upamā – Vergleich
smṛtā – wird erinnert, gelehrt
yoginaḥ – für einen Yogi
yata-cittasya – dessen Geist (citta) beherrscht (yata) ist
yuñjataḥ – der übt
yogam – den Yoga
ātmanaḥ – des Selbst

06-20 Wort-für-Wort Übersetzung

yatra – wo, in welchem (Zustand, d.h. im Samādhi)
uparamate – zur Ruhe kommt
cittam – der Geist
niruddham – bezähmt
yoga-sevayā – durch die Yogapraxis
yatra – wo, in welchem Zustand
ca eva – und
ātmanā – mit dem Selbst
ātmānam – das Selbst
paśyan – schauend
ātmani – im Selbst
tuṣyati – er (der Yogi) zufrieden ist

06-21 Wort-für-Wort Übersetzung

sukham – Wonne
ātyantikam – unendliche
yat tat – welche
buddhi-grāhyam – vom Verstand (buddhi) erfasst werden kann (grāhya)
ati-indriyam – die Sinne (indriya) übersteigt
vetti – (der Yogi) erfährt
yatra – wo, in welchem (Zustand, d.h. im Samādhi)
na – nicht
ca – und
eva – wahrlich
ayam – er (der Yogi)
sthitaḥ – gefestigt, verankert
calati – abweicht
tattvataḥ – von der Wahrheit (tattva)

06-21 Kommentar Sukadev

Das ist wie ein „Engelskreislauf“. Wenn wir unseren Geist beherrschen und zur Ruhe kommen, dann erfahren wir grenzenlose Wonne, denn unsere wahre Natur ist Satchidananda. Und wenn wir umgekehrt erstmal in Satchidananda verwurzelt sind – also im reinen Sein (Sat), im unendlichen Wissen und Bewusstsein (Chid) und in der unendlichen Wonne (Ananda) – dann kommen spontan Handlungen aus uns hervor, die in der Wahrheit begründet sind.

06-21 Kommentar Swami Sivananda

Die grenzenlose Wonne des Selbst (die die Sinne nicht zu erfassen vermögen) kann durch den reinen Verstand unabhängig von den Sinnen erfaßt (erfahren) werden. In tiefer Meditation hören die Sinne auf zu arbeiten, da sie in ihrer Ursache, dem Geist, aufgegangen sind. Der Verstand wird durch das Üben von Yama (Selbstbeschränkung) und Niyama (Gebote und Übungen zur Disziplin) und durch konstante Meditation gereinigt.

06-22 Wort-für-Wort Übersetzung

yam – den (Zustand, d.h. Samādhi)
labdhvā – wenn man erreicht hat
ca – und
aparam – an einen anderen
lābham – Gewinn
manyate – man glaubt
na – nicht (mehr)
adhikam – größeren
tataḥ – als diesen (Zustand)
yasmin – in welchem (Zustand)
sthitaḥ – gefestigt, verankert
na – nicht
duḥkhena – Leid
guruṇā – von schwerem
api – sogar
vicālyate – er (der Yogi) erschüttert wird

06-22 Kommentar Swami Sivananda

Das, was: Der Gewinn, Selbstverwirklichung, Erkennen der unsterblichen Seele. Darin: Im völlig wonnevollen Selbst, das frei ist von Täuschung und Sorge. Das Selbst ist in sich erfüllt und in sich enthalten. Wer Selbstverwirklichung erlangt hat, dem sind alle Wünsche erfüllt. Deshalb sagt der Herr: »Es gibt nichts Höheres zu erlangen als die Selbstverwirklichung.« Wenn man fest im höchsten Selbst ruht, kann man nicht erschüttert werden, nicht einmal von großer Sorge und Schmerz, denn man ist ohne Geist und identifiziert sich mit dem sorgenlosen und schmerzlosen Brahman. Man kann Sorge und Schmerz erfahren, wenn man sich mit Körper und Geist identifiziert. Wenn kein Geist da ist, kann es keine Schmerzen geben. In Narkose verspürt man keinen Schmerz, nicht einmal die Amputation einer Hand, denn der Geist ist vom Körper gelöst.

06-23 Wort-für-Wort Übersetzung

tam – diesen (Zustand, d.h. Samādhi)
vidyāt – soll man kennen, verstehen
duḥkha-saṃyoga-viyogam – der die Trennung (viyoga) der Verbindung (saṃyoga) mit dem Leid (duḥkha) bedeutet
yoga-saṃjñitam – unter der Bezeichnung (saṃjñita) Yoga
saḥ – dieser
niścayena – mit Entschlossenheit
yoktavyaḥ – ist zu üben
yogaḥ – Yoga
anirviṇṇa-cetasā – mit unverzagtem Geist (cetas)

06-23 Kommentar Swami Sivananda

In den Versen 20, 21 und 22 beschreibt der Herr den Nutzen des Yoga, nämlich vollkommene Zufriedenheit durch das Ruhen im Selbst, unendliche grenzenlose Seligkeit, Freisein von Sorge und Schmerz, usw. Weiters sagt er, daß dieser Yoga mit fester Überzeugung, eiserner Entschlossenheit und unbekümmertem Herzen geübt werden muß. Ein spiritueller Sucher, dessen Geist schwankt, kann keinen Erfolg im Yoga erlangen. Er hört auf zu üben, wenn er auf die ersten Hindernisse am Weg trifft. Der Übende muß auch kühn und freudvoll sein und Selbstvertrauen haben.

06-24 Wort-für-Wort Übersetzung

saṅkalpa-prabhavān – deren Ursprung (prabhava) Vorstellungen (saṅkalpa) sind
kāmān – Wünsche
tyaktvā – aufgebend
sarvān – alle
aśeṣataḥ – restlos
manasā – mit dem Geist
eva – nur
indriya-grāmam – die Gesamtheit (grāma) der Sinne (indriya)
viniyamya – (vollständig) einschränkend
samantataḥ – von allen Seiten

06-24 Kommentar Swami Sivananda

Vorbehaltslos: Der Geist ist so diplomatisch, daß er bestimmte Wünsche zurückbehält, um sie im Verborgenen zu befriedigen. Deshalb müssen alle Wünsche ohne Einschränkung aufgegeben werden. Der Wunsch entsteht aus der Vorstellung (Sankalpa). Daher vernichte zuerst Sankalpa. Wenn zuerst die Vorstellung ausgelöscht wird, vergehen die Wünsche von selbst. Merke hier auf! Alle Sinne müssen von allen Seiten her vom Geist unter Kontrolle gebracht werden. Wenn auch nur ein einziger Sinn in eine einzige Richtung hin ungezügelt ist, wird er den Geist oft und oft wegziehen. Die Sinne werden durch ständiges Üben des Zurückziehens (Pratyahara) im Geist absorbiert werden. Dann wird der Geist nicht an die Objekte der Sinnesvergnügungen denken und vollkommen ruhig werden.

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06-25 Wort-für-Wort Übersetzung

śanaiḥ śanaiḥ – allmählich
uparamet – möge er (der Yogi) zur Ruhe kommen
buddhyā – (da sein) Verstand
dhṛti-gṛhītayā – zum Stillstand gekommen ist („durch Festhalten (dhṛti ~ dhāraṇā) ergriffen (gṛhīta) wird“)
ātma-saṃstham – im Selbst (ātma) verankert (saṃstha)
manaḥ – den Geist
kṛtvā – habend
na kiṃcit api – ganz und gar nichts („nicht irgend etwas sogar“)
cintayet – möge er denken