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06-07 Wort-für-Wort Übersetzung

jita-ātmanaḥ – der sich selbst (ātman) bezwungen (jita) hat
praśāntasya – des friedvollen (Menschen)
parama-ātmā – das höchste Selbst
samāhitaḥ – (bleibt) gesammelt, ruhig
śīta-uṣṇa-sukha-duḥkheṣu – bei Hitze (uṣṇa), Kälte (śīta), Freude (sukha) und Schmerz (duḥkha)
tathā – ebenso
māna-apamānayoḥ – bei Ehre und Schmach

06-07 Kommentar Sukadev

Das ist eines der grundlegenden Themen in der Bhagavad Gita, die Krishna immer wieder anspricht. Im vorigen Vers hat Krishna gesagt: „Der Mensch möge durch das Selbst nur erhoben werden, er erniedrige sich selbst nicht. Denn allein das Selbst ist sein Freund, und allein das Selbst ist sein Feind.“ Wir selbst sind uns also Freund und Feind und wir sollten lernen, uns freundlich gegenüber zu stehen. Und natürlich sollten wir unsere Unterscheidungskraft nutzen, das zu tun, was für uns hilfreich und gut ist. Aber wie wir alle wissen, ist das alles nicht so einfach.

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06-07 Kommentar Swami Sivananda

Der selbstbeherrschte Yogi, der fest im Selbst ruht, bewahrt Gleichmut inmitten der Gegensatzpaare (Dvandvas), der wechselnden Wellen von Hitze und Kälte, Freude und Schmerz, Ehre und Schmach. Wenn der Yogi seine Sinne bezwungen hat, wenn sein Geist ausgeglichen und unter allen Umständen friedvoll ist, wenn ihn die Gegensatzpaare in keiner Weise berühren und er allen Handlungen entsagt hat, wird das höchste Selbst wahrhaft zu seinem eigenen Selbst. Er erreicht Selbstverwirklichung. Da er in seinem Selbst ruht, ist er immer gelassen, ruhig; die Gegensatzpaare berühren ihn nicht, und unerschütterlich begegnet er den sich verändernden Naturgegebenheiten.

06-08 Wort-für-Wort Übersetzung

jñāna-vijñāna-tṛpta-ātmā – dessen Selbst (ātman) durch intuitive Weisheit (jñāna) und unterscheidendes Wissen (vijñāna) 
     zufrieden (tṛpta) ist
kūṭa-sthaḥ – der unveränderlich ist („sich auf dem Gipfel (kūṭa) befindet)“
vijita-indriyaḥ – der die Sinne (indriya) bezwungen (vijita) hat
yuktaḥ –  einer, der (mit Yoga) verbunden ist („der den Yoga erklommen hat“)
iti – so
ucyate – wird genannt
yogī – ein Yogi
sama-loṣṭa-aśma-kāṃcanaḥ – für den ein Erdklumpen (loṣṭa), ein Stein (aśman) oder Gold (kāñcana) gleich (sama) sind

06-08 Kommentar Sukadev

Swami Sivananda kommentiert diese Aussage, indem er sagt, dass man sagen kann, dieser Yogi hätte Nirvikalpa Samadhi erreicht. Er hat in der Erkenntnis und der Weisheit Zufriedenheit gefunden. Nicht die Zufriedenheit, die entsteht, wenn die äußeren Umstände gut und die Menschen zu uns freundlich sind. Sondern die Zufriedenheit, die aus unserem eigenen Selbst heraus kommt. Dann ist es uns egal, ob wir Gold bekommen oder ein Stück Stein oder einen Klumpen Erde. Es spielt keine Rolle. Gleichzeitig meint Krishna aber damit nicht, dass wir uns nicht bemühen sollten, in der Außenwelt zu helfen und zu dienen. Er selbst hat im 4. Kapitel gesagt: „Wann immer Adharma auf der Welt überhand nimmt, muss ich mich inkarnieren, um Dharma wieder herzustellen.“ Er hatte dann auch seine karmischen Aufgaben in der Welt zu erfüllen. Unsere Aufgabe ist es, uns immer wieder zu bemühen, unsere Sinne zu beherrschen.

06-08 Kommentar Swami Sivananda

Jñana ist Paroksha-Jñana, theoretisches Wissen aus dem Studium der Schriften. Vijñana ist Vishesha Jñana, Aparoksha Jñana, d.h. direkte Selbsterkenntnis durch Selbstverwirklichung (spirituelle Erfahrung, Anubhava). Kutastha bedeutet unveränderlich wie der Amboß. Verschiedene Eisenstücke werden auf dem Amboß gehämmert und geformt, der Amboß aber bleibt unverändert. Genauso bleibt der Yogi unerschüttert, unverändert und unberührt, obwohl er mit den Sinnesobjekten in Berührung kommt. Daher wird er Kutastha genannt. Kutastha ist ein anderer Name für Brahman, der stille Beobachter des Geistes. (Vgl.V.18; VI.18)

06-09 Wort-für-Wort Übersetzung

suhṛt-mitra-ari-udāsīna-madhyastha-dveṣya-bandhuṣu – bei Freunden (suhṛt), Gefährten (mitra), Feinden (ari), 
     Gleichgültigen (udāsīna), Unparteiischen (madhyastha), Verhassten (dveṣya) und Verwandten (bandhu)
sādhuṣu – bei Rechtschaffenen
api – auch
ca – und
pāpeṣu – bei Sündern
sama-buddhiḥ – wer gleichen (sama) Sinnes (buddhi) ist
viśiṣyate – der zeichnet sich aus

06-09 Kommentar Sukadev

Krishna sagt nicht, dass man alle gleich behandeln soll. Vielmehr sagt er: „Wer allen im gleichen Geiste begegnet, ist vortrefflich.“ In welchem Geist sollen wir ihnen begegnen? Im Geist der Liebe. Krishna gebraucht den Ausdruck „Liebe“ selten in der Bhagavad Gita. Doch verstehen können wir Krishnas Aussagen nur, wenn wir sie im Geist der Liebe sehen, wenn wir den Geist der Liebe in uns tragen. Krishna handelt in der gesamten Bhagavatam[1] aus Liebe heraus. Wann immer wir anderen begegnen, sollten wir das im Geist der Liebe und des Verständnisses tun. Aus Liebe heraus tun wir anderen Gutes und nehmen Wohltaten anderer an. Manchmal fällt Aspiranten letzteres schwerer: Sie haben Schwierigkeiten zuzulassen, dass andere ihnen gegenüber wohltätig sein, ihnen helfen möchten. Liebe heißt auch, dass wir anderen erlauben, uns gegenüber Wohltäter zu sein, Hilfe zu geben. Liebe heißt auch um Hilfe zu bitten. Ein Sprichwort besagt: „Geben ist seliger als Nehmen“. Also sollten wir dem anderen auch die Gelegenheit geben, etwas zu tun, was seliger ist. Für zufriedenstellende zwischenmenschliche Beziehungen ist es notwendig, anderen zu erlauben, uns etwas Gutes zu tun.

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06-10 Wort-für-Wort Übersetzung

yogī – ein Yogi
yuñjīta – möge ruhig halten, sammeln
satatam – stets
ātmānam – den Geist
rahasi – in der Einsamkeit
sthitaḥ – befindlich
ekākī – allein
yata-citta-ātmā – Geist (citta) und Körper (ātman) zügelnd (yata)
nirāśīḥ – ohne Hoffnung, Erwartung
aparigrahaḥ – ohne Besitzanspruch

06-10 Kommentar Sukadev

Ab dem zehnten Vers der Bhagavad Gita spricht Krishna über die Meditation. Er rät uns durch seine Worte jetzt nicht, in die Einsamkeit zu gehen. Er rät uns, wenn wir uns zur Meditation hinsetzen, zu sagen: „Jetzt bin ich alleine. Da mögen zehn Kinder um mich herum sein; da mögen 100 Arbeiten auf mich warten; ich werde mir bewusst machen, jetzt, während ich meditiere, bin ich allein. Ich habe in dem Moment, wo ich meditiere, keine Pflichten gegenüber meinen Kindern, meinem Hund, Ehepartner oder anderen. Ich bin allein mit Gott, verbunden mit allen Wesen.“

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06-11 Wort-für-Wort Übersetzung

śucau – an einem sauberen
deśe – Ort
pratiṣṭhāpya – bereitend
sthiram – einen festen
āsanam – Sitz
ātmanaḥ – für sich
na – weder
ati-ucchritam – zu hoch
na – noch
ati-nīcam – zu niedrig
caila-ajina-kuśa-uttaram – mit  Kuśa-Gras, einem Fell (ajina) und einem Tuch (caila) obendrauf (uttara)

06-11 Kommentar Sukadev

Kusha-Gras soll eine angenehme Schwingung haben und dabei helfen, Insekten fernzuhalten. Die Kuhhaut, die darüber gelegt werden soll, stammt nicht von einer extra für die Meditation geschlachteten Kuh, sondern von einer Kuh, die natürlich verendet ist. Nach ihrem Tod wurden alle Teile verwendet. Diese Art des Meditationssitzes ist in Indien weit verbreitet, auf den Westen allerdings weniger gut anwendbar. Wir sollten heutzutage keine Kuhhaut für die Meditation nehmen, da die Tiere typischerweise nicht natürlich verenden, sondern geschlachtet werden und wir somit nur die Fleischindustrie unterstützen würden. Wir können im Westen  allerdings auch darauf achten, dass unser Sitz weder zu hoch noch zu niedrig ist. Wenn wir ein Kissen haben, welches zu dick oder zu dünn ist, können wir nicht gut meditieren.

06-12 Wort-für-Wort Übersetzung

tatra – dort
eka-agram – auf einen Punkt konzentriert („einspitzig“)
manaḥ – den Geist
kṛtvā – haltend („machend“)
yata-citta-indriya-kriyāḥ – die Aktivitäten (kriyā) von Geist (citta) und Sinnen (indriya) beherrschend (yata)
upaviśya – sich niedersetzend
āsane – auf den Sitz
yuñjyāt – möge er üben
yogam – Yoga
ātma-viśuddhaye – für die Reinigung (viśuddhi) seiner selbst (ātman)