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06-23 Kommentar Sukadev

Yoga hat zwei Bedeutungen: Praxis und Zielzustand.

Das Wort „Yoga“ bedeutet „Einheit“ und „Harmonie“ und das Ziel des Yoga ist es zu dieser Einheit zu kommen. In diesem Vers beschreibt Krishna, was Yoga als Zustand ist. Es ist das, wo es nichts Höheres mehr geben kann. Wenn wir im Höchsten verankert sind, gibt es nichts mehr, wovon wir denken, dass wir es noch brauchen. Es ist ein nicht zu übertreffender Gewinn. Krishna sagt nicht, dass es keine Sorgen mehr gibt, sondern, dass wir von der größten Sorge nicht mehr erschüttert werden. Die Katastrophen des Lebens wird es weiterhin geben, auch die Schönheiten des Lebens, Krankheit und Tod des Körpers werden immer noch existieren genauso wie die Veränderungen der Natur. Aber die Sorgen, die damit verbunden sind, werden uns nicht erschüttern, da wir tief im Inneren wissen, dass wir Eins mit dem Unendlichen sind. Und mehr noch: Wir wissen es nicht nur, sondern wir erfahren es, und wann immer wir wollen, können wir in dieses Einheitsbewusstsein hineingehen. Dann hört die Verbundenheit mit dem Schmerz auf. Wenn uns jemand auf den Fuß tritt, tut es weiter weh; Schmerzen sind immer noch da. Wenn jemand einen Herzinfarkt hat, hat dies seine Konsequenzen, selbst wenn derjenige die Einheit erreicht hat. Aber wir verbinden uns nicht mehr damit, bzw. haben die Fähigkeit, uns davon zu lösen. Körper und Geist werden weiter ihre Beschränkungen haben. Emotionen werden weiter ihre Funktion für das Leben haben, nur dass wir uns, wenn wir wollen, davon lösen können. Wir wissen, dass unsere wahre Natur unendlich ist.

Aber um dort hinzukommen, sollten wir mit Entschlossenheit und unverzagtem Geist üben.

Es ist ein oft vorhandenes Missverständnis, dass Menschen denken, wenn sie Yoga üben, werden sie nicht mehr krank, es passieren ihnen keine Unfälle mehr, Menschen verlassen sie nicht mehr, Menschen in ihrem Umfeld sterben nicht mehr, keiner wird mehr böse zu ihnen sein usw. Vielleicht denken sie auch noch, dass das Wetter immer schön sein sollte… Wenn irgendetwas anderes eintritt, denken sie, dass sie im Yoga etwas falsch gemacht haben. Ich erlebe immer wieder Menschen, die, wenn sie krank werden, sofort überlegen, was sie alles falsch gemacht haben in ihrem Leben. Manchmal kommen diese Gedanken den Menschen, die nur eine Erkältung haben, die nach fünf Tagen immer noch nicht verschwunden ist. Und manche Menschen denken: „Yoga kann nicht richtig für mich sein.“

Hatha Yoga und eine gesunde yogische Lebensweise senken die Wahrscheinlichkeit von Krankheiten. Zahlreiche Studien beweisen das. Auch Swami Sivananda wusste schon von dem Zusammenhang zwischen Gesundheit/Krankheit und Yoga. Hatha Yoga war zur Zeit der englischen Kolonialherrschaft in Indien nicht so eng verbunden mit den anderen Yogawegen. Es ist hauptsächlich ein Verdienst von Swami Sivananda, dass er das Hatha Yoga als Bestandteil des ganzheitlichen Yogas eingeführt hat. Als Arzt meinte er, es sei gut, wenn man als spiritueller Mensch sich darum bemüht, den Körper gesund zu halten. Denn wenn wir als Mensch schon das große Glück haben, in diesem Leben nach Selbstverwirklichung streben zu wollen, und wenn wir das große Glück haben, die Zeit dafür zu haben und die äußeren Möglichkeiten, dann wäre es doch klug, diesen Körper lange genug gesund zu halten, dass wir das lange genug in diesem Leben durchhalten können. Wir wissen nicht, ob wir erstens im nächsten Leben überhaupt einen menschlichen Körper haben und zweitens, ob wir in eine Situation geboren werden, wo wir Zeit haben nach der Verwirklichung zu streben. So ist es gut, ein so gesundes Leben wie möglich zu leben. Hatha Yoga kann einem einiges dabei helfen, ebenso eine gesunde geistige Einstellung.

Es kann auch sein, dass ein anderes Prarabdha-Karma auf uns zukommt und wir wieder 50 Jahre warten müssen, bevor der Wunsch nach Befreiung aus dem Unterbewusstsein hervor kommt.

Deswegen ist es klug und geschickt, wenn wir versuchen, in diesem Leben gesund zu sein und vielleicht 20 gesunde zusätzliche Jahre haben, in denen wir nach Selbstverwirklichung streben können. Gesundheit erreichen wir durch gute Ernährung, Entspannung, gesunden Schlaf und andere positive Gewohnheiten und das Führen eines spirituellen Lebens.

Nur sollten wir nicht annehmen, dass wir dadurch die Garantie haben auf ewig gesund zu sein.

Die moderne Schulmedizin ist sehr viel realistischer als die vielen „Pseudo-Spiritualitäten“. Sie sagt niemals: „Du musst nur das und das machen und du wirst niemals krank werden.“ Sie sagt: „Wenn man täglich Sport ausführt, ist die Wahrscheinlichkeit, Brustkrebs zu bekommen 40 % niedriger, als wenn man nicht täglich Sport ausführt. Wenn man schon Brustkrebs hat, ist die Wahrscheinlichkeit, ihn wieder zu bekommen, um 30-40 % geringer, wenn man täglich Sport macht. Wenn man weitestgehend vegetarisch lebt und täglich seine fünf Portionen Gemüse und Salat zu sich nimmt, ist die Wahrscheinlichkeit, Darmkrebs zu kriegen, 40 % geringer, als wenn man das nicht macht usw.“

Schulmediziner sprechen oft von Wahrscheinlichkeiten. Sie sagen nicht: „Wenn man gesund lebt, wird man nicht krank und wenn man krank wird, hat man nicht gesund gelebt.“ Als spirituelle Aspiranten können wir viel von der Schulmedizin lernen.

Ich kenne Menschen, die 25 Jahre Yoga gemacht und Brustkrebs bekommen haben. Da kann man sich fragen, ob sie etwas falsch gemacht haben. Sicher weiß man es nicht. Es kann sein, dass sie etwas falsch gemacht haben. Es kann aber genauso gut sein, dass sie jetzt für die letzen Stufen der Erleuchtung diese Erfahrung noch machen müssen und sie gar nichts falsch gemacht haben.

Auch wenn wir im ganzheitlichen Yoga viel für die Gesundheit tun, müssen wir verstehen, dass Krankheit jederzeit kommen kann, auch wenn wir alles „richtig“ machen.

Manche große mir bekannte Yoga Meister haben in den letzten Jahren ihres Lebens bzw. im hohen Alter schwere Krankheiten gehabt. Dazu zählen z.B. Vivekananda, Swami Sivananda, Ramakrishna, Yogananda, Ramana Maharishi, Swami Vishnu-devananda, Swami Chidananda, Swami Krishnananda und Swami Nityananda. Sie wurden nicht deshalb krank, weil sie irgendetwas falsch gemacht haben in den letzten Lebensjahrzehnten, sondern weil sie dem Gesetz der Materie unterworfen sind. Im Normalfall stirbt man nicht, ohne dass im Körper irgendetwas nicht funktioniert. Das gehört zum Prozess des Lebens dazu. Vom karmischen Standpunkt aus betrachtet gibt es bestimmte Lektionen, die wir zu lernen haben, die einfach auf dem Lehrplan stehen und denen selbst der Selbstverwirklichte noch unterworfen ist.

Viele westliche Aspiranten verstehen diesen Zusammenhang nicht. Selbst wenn sie ihn schon 50 Mal gehört haben. Kein Mensch wäre früher auf die Idee gekommen, zu denken, dass wenn man Yoga macht und ein spirituelles Leben führt, dass man nicht krank wird. Krankheit gehört zum Leben dazu.

Für Mönche in vielen christlichen Klöstern war Gesundheit für spirituelle Entwicklung gänzlich irrelevant. Oder sie haben Krankheit sogar bewusst als Sendbote Gottes angesehen, der ihnen hilft, sich ganz Gott hinzuwenden, und sich nicht an Irdisches zu klammern. Sie haben z. T. sogar Askese-Gelübde abgelegt, die der Gesundheit geschadet haben. Sie sind vielleicht sogar früher gestorben als andere Menschen, weil sie nicht gerade eine gesunde Lebensführung hatten. Es gab z.B. mehrere siebenwöchige Fastenzeiten im Jahr. Das ist sicherlich nicht gesund. Manchmal war in den Fastenzeiten das Hauptlebensmittel Bier. Da die Mönche ja Flüssigkeit und Kalorien zu sich nehmen mussten und Saft schnell verdarb, haben sie in den Fastenzeiten viel Bier und Wein konsumiert. Vielleicht hat es ihnen außergewöhnliche Bewusstseinserfahrungen beschert, aber es hat zu einer niedrigeren Lebenserwartung geführt… In der Adventszeit, die damals 7 Wochen dauerte, wurde gefastet. Das gleiche gilt für die Fastenzeit vor Ostern. So wurde in manchen christlichen Klöstern vieles getan, was der Gesundheit nicht förderlich war. Dennoch sind in diesen Bedingungen viele Heilige entstanden.

 

Mir hat mal jemand erzählt, dass er vor Yoga ganz entspannt krank sein konnte. Wenn er krank war, hat er sich in der Zeit um sich gekümmert, die Zeit genossen, mehr gelesen und Ruhe gehalten hat. Doch heute wäre es so, wenn er krank ist, dass er ständig überlegt, was er alles falsch gemacht hat und wie er sein Leben gründlich umstellen kann. Diese Einstellung ist eine moderne Entwicklung, hervorgerufen durch einige Bücher, die ich nicht namentlich erwähnen möchte….

Es gibt Lektionen, die uns der Alltag lehrt und die sehr wichtig sind. Vermutlich sind einige Leser über eine schwere Krankheit dazu gekommen, ihr bisheriges Leben in Frage zu stellen und in Folge dessen mit Yoga zu beginnen. Wenn du krank wirst, frage dich, ob du die Gesundheitsrichtlinien des Yoga beachtest: Hast du dir genügend Zeit für Bewegung, Asanas und frische Luft genommen? Hast du vielleicht deine Atemübungen vernachlässigt? Hast du dir genügend Zeit für Entspannung genommen? Hast du bei den Asanas zu oft die Tiefenentspannung weggelassen? Hast du dich richtig ernährt? Hast du zuviel sorgenvoll gegrübelt? Darüber kannst du nachdenken. Dann überlege: „Gibt es in dem, was ich jetzt gerade erfahre, vielleicht irgendeine Lektion?“ Wenn du feststellst, eigentlich habe ich alles weitestgehend richtig gemacht, und dir nichts einfällt, dann ist es vielleicht Karma aus früheren Leben. Vielleicht habe ich in früheren Leben jemanden verletzt. Vielleicht hatte ich nicht genügend Mitgefühl, als jemand anderes krank war. Dann kann ich meine jetzige Krankheit durchleiden und mir vornehmen: Wenn ich das nächste Mal jemanden sehe, der eine Krankheit hat, werde ich mit ihm mitfühlender umgehen, als ich es bisher getan habe.

Wenn z.B. ein Yogalehrer und Kreuzschmerzen hat, obwohl er fleißig Yoga übt, kann er besser mit Menschen in der Yogastunde umgehen, die ebenfalls Kreuzschmerzen haben. Vielleicht ist das der Sinn, der hinter dieser Krankheit steht. Vielleicht sollst du über Krankheit lernen, dass Perfektion auf der physischen Ebene nicht erreichbar ist. Höchste Vollkommenheit kommt, wenn man sich nicht mehr identifiziert. Die Aufgabe ist es zu lernen, sich von der Krankheit und dem Schmerz zu lösen.

„Dhuhkha-samyoga-viyogam yoga-samjnitam“ heißt übersetzt: „Yoga ist das Aufhören der Verbundenheit mit dem Schmerz.“ Das heißt nicht, dass, wer Yoga übt, keine Schmerzen mehr hat. Sondern die Schmerzen zu erleben und zu lernen, dass wir nicht der Körper sind, uns nicht mehr mit dem Schmerz zu verbinden, das ist unsere Lernaufgabe.

Swami Vishnu ist ein Beispiel eines Menschen, der zu seinem Lebensende hin ein grauenhaftes Schicksal gehabt hat. Manche Leser wissen es, manche Leser nicht. Er hatte Ende der siebziger Jahre einen Unfall. Die Folgen davon waren: innere Blutungen, Verletzung der Bauchspeicheldrüse. Später entstand ein Diabetes. Einige Jahre konnte er der Diabetes mit gesunder Ernährung, regelmäßigen Spaziergängen, Körperübungen und natürlich weiter täglichen Asanas begegnen. Dann wurde die Diabetes ab 1986 stärker. Ich hatte erwähnt, dass er mal ein halbes Jahr in einer Höhle im Himalaya im Winter meditierte. Dabei sind ihm die Füße angefroren, ohne dass er es gleich bemerkt hatte. Die Füße waren aufgrund des Diabetes gefühllos geworden. Swami Vishnu hat das während der Meditation überhaupt nicht bemerkt. Hinterher musste er sich stärker um seine Gesundheit kümmern. Einige Jahre später bekam er einen Schlaganfall, der eine Körperhälfte weitestgehend lähmte und hat sich während eines neuen Unfalls die Knie gebrochen. Bei einem dritten Autounfall brach er sich einige Wirbel. Schließlich wurden die Nieren in Mitleidenschaft gezogen und er musste zur Dialyse. Nach und nach ist er langsam erblindet und ließ sich mittels Laser-Operationen behandeln. Schließlich hat er sich entschieden, es ist Zeit sein Leben abzuschließen. Er verweigerte weitere Dialysebehandlungen, ging nach Indien und ist dort infolge der Vergiftung aufgrund von nicht vorhandener Nierenfunktion in einem Tempel gestorben.

Jetzt könnte ich fragen: „Was hat Swami Vishnu alles falsch gemacht?“ Doch das ist eine falsche Frage und Betrachtungsweise. Das ganze begann letztlich mit einem Unfall. Da können wir auch fragen: „Was hat er dafür falsch gemacht?“

Letztlich hatte Swami Vishnu den intensiven Wunsch, nicht mehr wiedergeboren zu werden. Er hatte keine Angst vor dem Tod, nur vor der Wiedergeburt. Er hat die starken, körperlichen Schmerzen auf sich genommen und trotzdem eine große Freude um sich herum verbreitet.

Diejenigen, die ihn gepflegt haben, erzählten folgendes: Swami Vishnu konnte zum Schluss nicht mehr richtig sprechen und sagte nur: „I`m just a vegetable (ich bin nur noch Gemüse) – mit dem Unterschied, ein Gemüse braucht weniger viel Pflege als ich!“ und er hat gestrahlt und hatte ein fast übernatürliches Lächeln um seine Lippen. Inmitten von all dem Schmerz war Swami Vishnu verbunden mit dem Unendlichen. Er konnte seinen Geist vom Körper und dem Schmerz lösen, obwohl er ihn weiter erfahren musste. Er war notwendig, um die letzten Stufen seines Karmas abzuarbeiten. Und so finden wir das bei manchen Meistern.

Wir sollten uns bemühen, gesund zu leben. Wenn wir krank sind, sollen wir uns natürlich um unseren Körper kümmern. Wir sollten schauen, was wir mit yogatherapeutischen, ayurvedischen, sonstigen naturheilkundlichen oder notfalls auch schulmedizinischen Maßnahmen machen können, um den Körper gesund zu machen. Aber wir sollten uns damit nicht zu sehr beschäftigen.

Viele „moderne“ Aspiranten machen das oft falsch herum: Wenn sie krank werden, erfüllen sie ihren Geist plötzlich nur noch mit der Krankheit. Sie sind Dukha-Samyoga, verbunden mit dem Schmerz, oft doppelt so stark wie Nicht-Aspiranten. Nach dem Motto: „Wenn ich schon krank bin, dann will ich wenigstens von morgens bis abends nur an die Krankheit denken.“ Das ist genau das Gegenteil von dem, was Krishna sagt. Wir müssen tun, was nötig ist – wie Krishna es sagt – aber uns ansonsten davon lösen und uns nicht zu sehr damit beschäftigen. Krankheit ist eine Prüfung für jeden ernsthaften spirituellen Aspiranten. Krishna sagt dazu: „Dieser Yoga ist mit Entschlossenheit und unverzagtem Geist zu üben.“ Man darf sich nicht entmutigen lassen! Man muss es immer wieder üben, was natürlich auch heißt, dass es Rückschläge gibt.

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