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06-10 Kommentar Swami Sivananda

Der Yogi, der den Pfad der Entsagung beschreitet (Nivritti-Marga), kann in einer einsamen Höhle in den Bergen meditieren. Er muß auf alle Besitztümer verzichten.

Ein verheirateter Mensch mit yogischen und spirituellen Neigungen kann zu Hause meditieren, in einem abgeschiedenen und ruhigen Raum oder an einem stillen Platz an den Ufern irgendeines heiligen Flusses (während der Ferien oder das ganze Jahr über, wenn er seine gesamte Zeit dem spirituellen Streben widmet, oder im Ruhestand).

Man muß beharrlich üben. Nur dann kann man sicher und rasch Selbstverwirklichung erreichen. Wer nur dann und wann und nur einige Minuten täglich meditiert, dem wird es nicht möglich sein, irgendein greifbares Resultat im Yoga zu erzielen. Der Yogaschüler muß frei sein von Hoffnung, Wunsch und Gier. Nur dann wird sein Geist ruhig werden. Hoffnung, Wunsch und Gier machen den Geist ruhelos und ungestüm. Sie sind die Feinde von Frieden und Selbsterkenntnis. Der Suchende darf auch nicht viele Besitztümer haben. Er braucht nur die Dinge zu behalten, die zum Erhalt seines Körpers unbedingt nötig sind. Wenn er viele Dinge besitzt, wird der Geist immer an sie denken und versuchen, sie zu bewahren.

Wer in der Praxis von Pratyahara, Sama und Dama (Zurückziehen der Sinne, Kontrolle über Körper und Geist) fest verwurzelt bist, wenn die Sinne vollkommen beherrscht sind, können vollkommene Einsamkeit und Frieden gefunden werden, auch am belebtesten und lautesten Platz einer Großstadt. Wenn die Sinne ungestüm sind, wenn du nicht die Kraft erworben hast, sie zurückzuziehen, wirst du keinen Frieden im Geist finden, auch nicht in einer einsamen Höhle im Himalaya. Ein Yogi mit Selbstdisziplin, der Sinne und Geist beherrschen kann, kann in einer einsamen Höhle den Frieden des Geistes genießen. Ein leidenschaftlicher Mensch, der seine Sinne und seinen Geist nicht beherrschen kann, wird nur Luftschlösser bauen, wenn er in einer einsamen Höhle in den Bergen lebt. Wer seinen Bedürfnissen reduziert hat und von der Welt nicht im mindesten angezogen wird, wer über Unterscheidungskraft verfügt und über das brennenende Verlangen nach Befreiung, und wer einige Monate lang Mauna (das Schweigegelübde) eingehalten hat, wird in einer Höhle leben können. Durch das regelmäßige Üben von Yoga Asanas muß vollkommene Kontrolle über den Körper erworben worden sein, bevor mit ernsthafter und ausdauernder Meditation begonnen werden kann.

Aparigraha bedeutet ›Nicht-Begehren‹, ›Freisein von Besitztümern‹.

Der spirituelle Sucher braucht sich um die Bedürfnisse seines Körpers keine Sorgen zu machen. Gott hat für alles vorgesorgt. Alles wurde von Mutter Natur bereits vorbereitet. Sie kümmert sich sehr sorgsam um die körperlichen Bedürfnisse von allen, besser als sie selbst es tun würden. Sie kennt die Bedürfnisse besser und kümmert sich unmittelbar darum. Verstehe die geheimnisvollen Wege von Mutter Natur und werde weise. Sei Ihr dankbar für Ihre einzigartige Freundlichkeit, Gnade und Güte.

Wenn du dich zur Meditation in die Einsamkeit zurückzuziehen wünschst, verheiratet bist und nach intensivem spirituellem Sadhana dürstest, kannst du die Verbindung zu deiner Familie nicht aus heiterem Himmel abbrechen. Das plötzliche Durchtrennen von weltlichen Bindungen kann in dir starke geistige Qualen hervorrufen und in ihnen einen Schock. Du mußt die Bande schrittweise durchtrennen. Ziehe dich zu Beginn eine Woche oder ein Monat lang zurück. Dann steigere allmählich die Dauer. Sie werden den Schmerz der Trennung von dir nicht empfinden.

Da dein Wille sehr schwach geworden ist, weil du in deiner Jugend in Schule und Hochschule keine religiöse Unterweisung und Ausbildung erhalten hast, und das Schwert materialistischer Einflüsse über dir schwebt, ist es notwendig, daß du dich für einige Tage oder Wochen (zu Weihnachten, Ostern oder während anderer Ferien) zurückziehst, um intensiv Japa und Meditation zu üben und deine Willenskraft zu entwickeln.

Diejenigen, deren Söhne fest im Leben stehen, die nicht mehr ihrem Beruf nachgehen, und die ihre Pflichten als Familienväter erfüllt haben, können vier oder fünf Jahre zurückgezogen leben und intensiv Meditation und Tapas (Entsagung) üben zur Reinigung und Selbstverwirklichung. Das entspricht dem Besuch einer Universität für höhere Studien oder einer Fortbildung nach Abschluß des Studiums. Wenn das Tapas vorbei ist, und wenn sie Selbsterkenntnis erlangt haben, müssen sie sich wieder unter Menschen begeben und ihr Wissen vom Selbst mit anderen teilen durch Vorträge, Gespräche, Reden oder Unterhaltungen unter vier Augen, je nach ihren Fähigkeiten und Anlagen.

Wie kann man in einem einsamen Wald, wo es keine Versuchungen gibt, feststellen, ob man seine Sinne beherrscht? Der in einer Höhle lebende Yogaschüler muß sich selbst prüfen, nachdem er entsprechende Fortschritte gemacht hat, und die Gesellschaft von Menschen aufsuchen. Doch er darf sich nicht immer wieder prüfen, so wie der Mann, der die junge Pflanze jeden Tag nach dem Gießen aus dem Boden gezogen hat, um zu sehen, ob sie tiefe Wurzeln geschlagen hat oder nicht.

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