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10-07 Wort-für-Wort Übersetzung

etām – diese
vibhūtim – Entfaltung (meiner Macht, meines Wesens)
yogam – Yogakraft, mystische Kraft
ca – und
mama – meine
yaḥ – wer
vetti – kennt
tattvataḥ – wirklichkeitsgetreu
saḥ – der
avikampena – mit unerschütterlichem
yogena – Yoga
yujyate – wird verbunden
na – nicht
atra – hierüber
saṃśayaḥ – (besteht) ein Zweifel

10-07 Kommentar Swami Sivananda

Wissen um die Herrlichkeit des Herrn ist für Yoga wirklich förderlich. Wer die dem Herrn innewohnende erfüllende Kraft ihrem Wesen kennt, durch welche Er die Manifestationen bewirkt, und Seine verschiedenen Erscheinungsformen (Vibhutis), gelangt in festem unveränderlichem Yoga zu Einheit mit Ihm und erreicht ewige Seligkeit und vollkommene Harmonie. Von der Ameise bis zum Schöpfer gibt es nichts außer dem Herrn. Wer in Wahrheit diese umfassende Manifestation des Herrn und Seinen Yoga kennt (Yoga steht hier für das, was aus dem Yoga entsteht, d.h. unendliche yogische Kräfte und Allwissenheit), besitzt festen, nicht schwankenden Yoga. Er lebt im Ewigen und hat höchste Selbsterkenntnis. Wer diese Wahrheit verwirklicht hat, ist sowohl von Überheblichkeit als auch von Minderwertigkeitskomplexen frei. In ihm findet ein wirkliches Erwachen von Weisheit statt. Er wird den Herrn in allen Wesen sehen und in allen Wesen den Herrn. Er wird kein Geschöpf dieser Erde hassen. Das ist eine seltene, lebendige, kosmische Erfahrung. Der Yogi erkennt, daß der Herr und Seine Manifestationen ein und dasselbe sind. Er erreicht das höchste Ziel und geht durch seine rückhaltslose Hingabe in Ihm auf. Er ist sich seiner Einheit mit dem Höchsten durch Meinen göttlichen Yoga vollkommen bewußt.

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10-08 Kommentar Swami Sivananda

Wellen entstehen im Wasser, sind vom Wasser abhängig und lösen sich im Wasser auf. Die einzige Grundlage für die Wellen ist das Wasser. So ist auch der Herr die einzige Grundlage der Welt. Die Weisen, die dies verwirklichen und die Allgegenwart des Herrn spüren, verehren Ihn allerorts mit Hingabe und Liebe. Der Erhabene ist in allen Ländern und zu jeder Zeit gleich. Er ist sowohl die materielle als auch die bewirkende Ursache. Als Mulaprakriti oder Avyaktam ist der Herr der Ursprung aller Formen. Der Herr ist das Primum mobile. Er blickt auf Seine Shakti (schöpfende Kraft), die ganze Welt entwickelt sich, und die Formen geraten in Bewegunng. Der weltliche Mensch, dessen Verstand weder subtil noch scharf ist, nimmt die sich verändernden Formen nur durch seine fleischlichen Augen wahr. Er hat keine Vorstellung von der innewohnenden Gegenwart, der Substanz, der alldurchdringenden Intelligenz, des wonnevollen Bewußtseins. Er ist betört von den vergänglichen Formen. Seine Hoffnungen und seine Freude hängen an diesen vergänglichen Formen. Für sie lebt und strebt er. Er erfreut sich an Frau und Kindern. Wenn diese Formen verschwinden, versinkt er in Kummer. Die Weisen aber ruhen stets im Höchsten, im Ursprung allen Lebens, und genießen die ewige Seligkeit des unsterblichen inneren Selbst, ihres eigenen nichtdualen Atmans, obgleich um sie herum all diese Formen sich verändern und vergehen. Sie sind fest im Yoga. Sie befinden sich auf dem Thron des Yoga. In Kontemplation huldigen sie dem Erhabenen und erfreuen sich der unbeschreiblichen Seligkeit von Nirvikalpa Samadhi.

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10-09 Wort-für-Wort Übersetzung

mat-cittāḥ – ihr Geist (citta) ist auf mich (mat) gerichtet
mat-gata-prāṇāḥ – ihr Leben (prāṇa) ist auf mich (mat) ausgerichtet (gata)
bodhayantaḥ – sie bringen sich zum (geistigen) Erwachen
parasparam – gegenseitig
kathayantaḥ – sie erzählen, sprechen
ca – und
mām – von mir
nityam – immer
tuṣyanti – sie sind zufrieden
ca – und
ramanti – sie sind froh, vergnügt
ca – und

10-09 Kommentar Swami Sivananda

In diesem Vers werden die Charakteristika eines Gläubigen beschrieben, der die Verwirklichung der Einheit erlangt hat. Der Gläubige denkt immerfort an den Herrn. Auch sein Leben selbst geht in Ihm auf. Er hat sein ganzes Leben dem Herrn geweiht. Laut einer anderen Interpretation gehen all seine Sinne (die auf Grund von Prana funktionieren), wie z.B. das Auge, in Ihm auf. Er empfindet ungeheure Freude, wenn er von Ihm spricht, über Seine höchste Weisheit, Seine Kraft, Seine Macht und andere Eigenschaften. Er hat sich vollständig dem Herrn geweiht.

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10-10 Wort-für-Wort Übersetzung

teṣām – denen
satata-yuktānām – die stets (satata) (im Geiste mit mir) verbunden (yukta) sind
bhajatām – die (mich) verehren
prīti-pūrvakam – liebevoll
dadāmi – gewähre ich
buddhi-yogam – Yoga („das Mittel“) der Unterscheidungskraft, Einsicht (buddhi)
tam – den
yena – durch den
mām – zu mir
upayānti – kommen
te – sie

10-10 Kommentar Swami Sivananda

Die Gläubigen, die sich dem Herrn geweiht haben, stets in Harmonie sind und in sich selbst ruhen, die immer voll Hingebung sind und Ihn mit intensiver Liebe verehren (nicht um selbstsüchtiger Absichten willen), erhalten die göttliche Gnade. Der Herr gibt ihnen Weisheit, den Yoga der Unterscheidungskraft, das Verstehen, das sie zur Erkenntnis des Selbst bringt. Der Herr schenkt diesen Gläubigen, die ihre Gedanken allein auf Ihn richten, »Frömmmigkeit der richtigen Erkenntnis« (Buddhi Yoga), wodurch sie Sein Wesen erkennen. Sie erkennen durch das intuitive Auge in tiefer Meditation den höchsten Herrn, das Eine in allem, das Selbst von allem als ihr eigenes Selbst, das ohne jede Begrenzung ist. Buddhi meint hier das innere Auge der Intuition, das die herrliche Erfahrung der Einheit gewährt. Buddhi Yoga ist Jñana Yoga. (Vgl.IV.39; XII.6 und 7)

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10-11 Wort-für-Wort Übersetzung

teṣām – dieser (Menschen)
eva – eben, genau
anukampa-artham – aus Mitgefühl (anukampa)
aham – ich
ajñāna-jam – die aus Unwissenheit (ajñāna) entstandene (ja)
tamaḥ – Dunkelheit
nāśayāmi – zerstöre
ātma-bhāva-sthaḥ – der ich mich in ihren eigenen (ātma) Herzen (bhāva) befinde (stha)
jñāna-dīpena – Lampe (dīpa) der Erkenntnis (jñāna)
bhāsvatā – mit der leuchtenden

10-11 Kommentar Sukadev

Hier spricht Krishna über die Wirkung von Bhakti (Gottesverehrung): Durch Liebe und Verehrung Gottes entzündet Gott die leuchtende Lampe des Wissens. Wenn es dir schwer fällt, Gott in allem zu sehen, das höchste Bewusstsein hinter allem zu sehen, kannst du Gott so verehren, wie du ihn dir vorstellst. Und Gott wird in dir die Lampe des Wissens entzünden, mit der du zur Erfahrung der Einheit kommst. Ähnlich drückt es Patanjali in den Yoga Sutras aus: „Samadhi kommt schnell für diejenigen, welche Gott verehren.“ (Yoga Sutra I, 23).

10-11 Kommentar Swami Sivananda

Die leuchtende Lampe des Wissens: Der Herr wohnt im Herzen der Gläubigen, die immer an Ihn denken, und vertreibt den Schleier der aus Unwissenheit entstandenen Dunkelheit, die auf dem Nichtvorhandensein von Unterscheidungsfähigkeit beruht, mit der leuchtenden Lampe des Wissens, die mit dem Öl der reinen Hingabe gespeist wird, die der Wind tiefer Meditation über Ihn anfacht, deren Docht richtige Intuition ist, und die entzündet wurde durch Einhalten ununterbrochenen Zölibats, durch Frömmigkeit und andere göttliche Tugenden, welche sich tief in Herzen befinden, die von jeder Weltlichkeit frei sind, und in den innersten Schlupfwinkeln eines Geistes, der den Wind der Verlockungen durch die Sinne nicht kennt, und strahlt vom Licht der Selbsterkenntnis, das durch fortdauernde Meditation entstanden ist.

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10-12 Wort-für-Wort Übersetzung

arjuna – Arjuna
uvāca – sprach
param – das höchste
brahma – Brahman
param – die höchste
dhāma – Wohnstatt
pavitram – Läuterungsmittel
paramam – das höchste
bhavān – du (bist)
puruṣam – Geist
śāśvatam – den ewigen
divyam – göttlichen
ādi-devam – Urgott (nennt man dich)
ajam – den ungeborenen
vibhum – allgegenwärtigen