Suche
  • TIPP: Nutze die Suche, um bestimmte Verse zu finden.
  • z. B.: die Eingabe 01-21 bringt dir 1. Kapitel, 21 Vers.
Suche Menü

02-09 Wort-für-Wort Übersetzung

saṃjayaḥ – Saṃjaya
uvāca – sprach
evam – so
uktvā – gesprochen habend
hṛṣīkeśam – zu Hṛṣīkeśa „Herr über die Sinne“ (Kṛṣṇa)
guḍākeśaḥ – der „Dickhaarige“ (Arjuna)
paraṃtapaḥ – Verbrenner der Feinde
na – nicht
yotsye – ich werde kämpfen
iti – so
govindam – zu Govinda (Kṛṣṇa)
uktvā – nachdem er sagte
tūṣṇīm – still
babhūva ha – wurde

02-10 Wort-für-Wort Übersetzung

tam – zu dem
uvāca – sprach
hṛṣīkeśaḥ – Hṛṣīkeśa „Herr über die Sinne“ (Kṛṣṇa)
prahasan – lächelnd
iva – gleichsam
bhārata – oh Nachkomme Bharatas
senayoḥ – Heere
ubhayoḥ – der beiden
madhye – inmitten
viṣīdantam – Verzweifelten
idam – diese
vacaḥ – Worte

02-11 Wort-für-Wort Übersetzung

śrī-bhagavān – der Erhabene
uvāca – sprach
aśocyān – die nicht zu Betrauernden
anvaśocas – betrauerst
tvam – du
prajñā-vādān – Worte der Weisheit (prajñā)
ca – aber
bhāṣase – sprichst du
gata-asūn – die Toten („deren Leben bereits vergangen ist“)
agata-asūn – die Lebenden („deren Leben noch nicht vergangen ist“)
ca – und
na – nicht
anuśocanti – betrauern
paṇḍitāḥ – die Weisen

02-11 Kommentar Swami Sivananda

Mit diesem Vers beginnt die Philosophie der Gita.
Man braucht sich um Bhishma und Drona nicht zu sorgen, denn ihre wahre Natur ist ewig und sie sind tugendhafte Menschen von tadellosem Verhalten. Obwohl du weise Worte sprichst, bist du unweise, denn du sorgst dich um die, die in Wahrheit ewig sind und keiner Sorge bedürfen. Wer das Selbst kennt, ist weise. Er sorgt sich weder um die Lebenden noch um die Toten, denn er weiß, daß das Selbst unsterblich ist, und daß es nicht geboren wurde.
Er weiß auch, daß es so etwas wie den Tod nicht gibt, daß er eine Trennung von Astralkörper und physischem Körper ist, daß der Tod nichts anderes ist als eine Auflösung von Materie, und daß die fünf Elemente, aus denen sich der Körper zusammensetzt, zu ihrer Quelle zurückkehren.
Arjuna hat vergessen, daß die Seele in ihrer Natur ewig und der Körper veränderlich ist. Bedingt durch seine Unwissenheit, begann er so zu handeln, als wären die zeitlich begrenzten Verbindungen mit den Verwandten, den Lehrern, usw. von Dauer. Er vergaß, daß seine Beziehungen zu dieser Welt in seinem gegenwärtigen Leben das Ergebnis seiner vergangenen Handlungen sind. Wenn sich diese erschöpft haben, endet jede Beziehung und neue entstehen, wenn ein neuer Körper angenommen wird.
Die Auswirkung vergangener Handlungen bezeichnet man als Karma, und der Teil des Karma, der zur gegenwärtigen Inkarnation geführt hat, heißt Prarabdha Karma.

02-12 Wort-für-Wort Übersetzung

na – nicht
tu – doch
eva – gewiss
aham – ich
jātu – jemals
na – nicht
āsam – existierte
na – noch
tvam – du
na – noch
ime – diese
jana-adhipāḥ –  Herrscher
na – nicht
ca eva – und
na – nicht
bhaviṣyāmaḥ – werden existieren
sarve – alle
vayam – wir
ataḥ param – hiernach, in Zukunft

02-12 Kommentar Sukadev

Die Seele ist unsterblich. Ob wir jetzt leben oder nicht ist unerheblich. Vor der Geburt waren wir, nach dem Tod werden wir sein. Jetzt leben wir eine Weile, die Ewigkeit ist sehr lange, und dieses Leben ist kurz. Vielleicht leben wir 20 Jahre, 80 Jahre oder gar 100 Jahre. Vielleicht werden wir es noch erleben, dass der Durchschnitt von uns 100 oder 120 Jahre alt werden könnte. Aber es ist nichts im Vergleich zur Ewigkeit. Wir werden auch in Wahrheit niemals aufhören zu sein.

02-13 Wort-für-Wort Übersetzung

dehinaḥ – des Verkörperten (der Seele)
asmin – in diesem
yathā – wie
dehe – Körper
kaumāram – Kindheit
yauvanam – Jugend
jarā – Alter (stattfinden)
tathā – ebenso
deha-antara-prāptir – (gibt es) das Erlangen (prāpti) eines anderen (antara) Körpers (deha)
dhīras – ein Weiser
tatra – diesbezüglich
na – nicht
muhyati – ist verwirrt

02-13 Kommentar Sukadev

Wir haben schon viele Jahre mit unserem Körper gelebt und sind mit ihm alt geworden. Wenn wir ein altes Foto von uns anschauen sagen wir oft: „Das bin ich.“ Was heißt das eigentlich: „Das bin ich?“ Bin ich dieses Stück Papier? Nein. Bin ich derjenige mit diesen kurzen Haaren. Nein, die Haare sind ergraut und sehen anders aus. Bin ich derjenige, der so gut sehen kann?

02-13 Kommentar Swami Sivananda

Genauso wie der Übergang von der Kindheit zur Jugend und zum Alter in diesem Körper nahtlos geschieht, so unterbricht auch der Tod nicht die Kontinuität des Ich. Das Selbst stirbt nicht, wenn eine Phase, die Kindheit, zu Ende geht. Es wird mit Sicherheit nicht am Beginn der zweiten Phase, der Jugend, neu geboren. So wie das Selbst unverändert von der Kindheit in die Jugend übergeht und von der Jugend ins Alter, so geht das Selbst unverändert von einem Körper in einen anderen weiter. Deshalb ist der Weise darüber keineswegs besorgt.

02-14 Wort-für-Wort Übersetzung

mātrā-sparśās – Sinneskontakte
tu – aber
kaunteya – oh Sohn Kuntīs (Arjuna)
śīta-uṣṇa-sukha-duḥkha-dāḥ – die Kälte (śīta), Hitze (uṣṇa), Freude (sukha) und Leid (duḥkha) hervorrufen
āgama-apāyinaḥ – kommen und gehen
anityās – (sie sind) nicht ewig
tān – diese
titikṣasva – ertrage
bhārata – oh Nachkomme Bharatas

02-14 Kommentar Sukadev

Die Kontakte der Sinne haben ein Anfang und ein Ende. Das ist eine banale Weisheit, aber eine Weisheit, die wir immer wieder vergessen. Wenn es uns schlecht geht haben wir manchmal die Befürchtung, dass es uns nie mehr besser gehen wird. Und wenn es uns gut geht, dann denken wir, das muss immer so bleiben. Aber wenn es uns gut geht, geht dieser Zustand irgendwann wieder vorbei. Wenn es uns schlecht geht, dann geht dieser Zustand ebenfalls wieder vorbei. Gestern schien die Sonne. Heißt das, dass ab sofort immer die Sonne scheint? Heute war der Himmel den ganzen Tag grau. Wird der Himmel jetzt immer den ganzen Tag grau sein? Heute loben einen die Menschen, werden sie einen immer loben? Heute tadeln einen die Menschen, werden sie einen immer tadeln? Ein anderes Mal seid ihr in einen Raum gekommen indem es kalt war. Ist er deswegen immer kalt? Irgendwann seid ihr in einen Raum gekommen, der sehr warm war. Habt ihr jetzt immer warme Räume?

 ...>>> weiter zum vollen Artikel...

02-14 Kommentar Swami Sivananda

Kälte kann einmal angenehm und dann wieder schmerzhaft sein. Hitze ist im Winter angenehm und im Sommer schmerzhaft. Derselbe Gegenstand, der einmal Freude schenkt, bringt ein anderes Mal Schmerz. So kommen und gehen die Sinneskontakte, die Empfindungen von Hitze und Kälte, Freude und Schmerz entstehen lassen. Sie sind daher in ihrer Natur unbeständig. Die Dinge kommen mit den Sinnen, den Indriyas, in Kontakt, mit Haut, Ohr, Auge, Nase, usw. und die Nerven bringen die Empfindungen zum Geist, der sich im Gehirn befindet. Es ist der Geist, der Freude und Schmerz empfindet. Man muß versuchen, Hitze und Kälte, Freude und Leid geduldig zu ertragen und einen ausgeglichenen Gemütszustand zu entwickeln. (Vgl.V.22.)