Bhakti Sutra 5

Narada Bhakti Sutra 5

Deutsche Übersetzung

Hat ein Mensch DAS erlangt, wünscht er sich nichts anderes mehr; er grämt sich nicht mehr, er ist frei von Haß oder Neid; er findet keine Freude an den Eitelkeiten der Welt, und er verliert jeglichen Eifer, etwas für sich selbst zu gewinnen.

Sanskrit Text

  • yat prāpya na kiñcid vāñchati na śocati na dveṣṭi na ramate notsāhī bhavati ।। 5 ।।
  • यत्प्राप्य न किञ्चिद् वाञ्छति न शोचति न द्वेष्टि न रमते नोत्साही भवति ।। ५ ।।
  • yat prapya na kinchid vanchhati na shochati na dveshti na ramate notsahi bhavati || 5 ||

Wort-für-Wort-Übersetzung:

  • yad : welches (Yad)
  • prāpya : erlangt habend (pra + āp)
  • na kiñcid : nichts (Na Kinchid)
  • vāñchati : er wünscht (vāñch)
  • na : nicht (Na)
  • śocati : er sorgt sich, bekümmert sich (śuc)
  • na : nicht
  • dveṣṭi : er hasst (dviṣ)
  • na : nicht
  • ramate : er freut sich (ram)
  • na : nicht
  • utsāhī : begeistert, aktiv, energisch  (Utsahin)
  • bhavati : er ist (bhū)     || 5 ||

Kommentar von Sukadev Bretz

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Dieser Vers sagt sehr viel aus. Er sagt, Bhakti ist in sich die Vollkommenheit. Wenn du Bhakti voll verwirklicht hast – Parama Bhakti, hast du Parama Prema, höchste Liebe, Paramananda, höchste Glückseligkeit erlangt. Und er sagt, wenn du das erlangt hat, dann sind alle Wünsche erfüllt. Du brauchst nichts mehr.

In Indien gibt es Gegenden, wo Menschen kein Wasser in ihren Häusern haben. Sie müssen dann immer zum Brunnen laufen und manchmal müssen sie um Wasser betteln, wenn sie nicht die Kraft haben, bis zum Brunnen zu gehen.  Wenn du aber in einem Haus lebst, wo fließendes,  vorzüglich  schmeckendes  Wasser direkt aus den Wasserhähnen kommt – musst du dann noch auf die Straße gehen und nach Wasser betteln? Brauchst du nicht, du hast genügend Wasser.

In gewisser Weise ist der Mensch wie ein Bettler. Er will diese kleine Sache, er will jene kleine Sache. Er braucht noch dieses und er braucht noch jenes. Ja, er lechzt danach, Liebe von diesem zu bekommen, Liebe von jenem zu bekommen. Das sind kleine Dinge, die auch schön sein mögen. Aber tief im Inneren sehnt sich der Mensch danach, eins zu werden mit Gott.

Wie wird er eins mit Gott? Durch Gottesliebe. Diese Gottesliebe ist höchste Freude, höchste Glückseligkeit. Und wenn du die erlangt hast, dann brauchst du keine anderen Wünsche mehr. Es wird weiter so sein, dass der Körper seine Wünsche hat. Du wirst auch wieder Appetit bekommen, um etwas zu essen. Es wird Dir auch Freude bereiten mit anderen zu sprechen. Du wirst Deinen Körper kleiden wollen usw. All das hat auch ein Bhakta.

Es gibt ja große Gottverwirklichte  wie Swami Sivananda, wie Swami Vishnu-devananda, die hatten auch noch ihre kleinen Wünsche. Der Körper braucht etwas, um gesund zu sein. Die Psyche braucht ein bisschen was, um gesund zu sein. Aber im Grunde genommen, diese Wünsche waren wie Lila – wie Spiel. Sie wussten, ich brauche nichts für mich. Und ihr ganzes Streben war auch nicht mehr danach gerichtet, irgendetwas für sich selbst zu bekommen. Sie hatten unendliche Liebe und Hingabe zum Göttlichen. Aus dieser Liebe und Hingabe zum Göttlichen heraus haben sie gedient, gedient und gedient; gegeben, gegeben und gegeben.

Daher – hat ein Mensch DAS, diese höchste Liebe und Freiheit erlangt, dann wünscht er sich nichts mehr. Er grämt sich nicht mehr. Egal, was passiert oder nicht passiert. Er braucht keine Trauer mehr zu haben. Er ist frei von Abneigung, Groll oder Hass, frei von Neid. Wen könnte man beneiden? Man hat doch alles. Man braucht keine Freuden an den Eitelkeiten der Welt, man kann sehr wohl sich freuen an verschiedenem. Die Welt ist Ausdruck Gottes. Und die großen Heiligen die konnten sich so freuen an den Blumen, an Sonnenschein, an einem Lächeln eines Menschen usw. An den Eitelkeiten der Welt hatten sie kein Interesse. Eitelkeit heißt mehr Geld, mehr Macht, mehr Ansehen, größeres Haus usw. Das sind alles Eitelkeiten. Die braucht man nicht. Gottesliebe, die braucht man. Wenn man sie hat, braucht man nichts anderes.

Daher sagt er auch, man verliert jedweden Eifer etwas für sich selbst zu gewinnen. Man weiß ich bin mit Gott verbunden, ich bin eins mit Gott. Letztlich gibt mir Gott alles. Eventuell muss ich etwas tun, damit dieser Körper hat was er braucht. Denn dieser Körper ist Tempel Gottes, daher kümmere ich mich um den Körper. Aber ich selbst brauche nichts, denn alles ist Gott. Und ich bin eins mit Gott.

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