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14-08 Kommentar 2 von Sukadev

Bhagavad Gita, 14. Kapitel 8. Vers: Tamas bindet aus Unachtsamkeit

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„Tamas tv ajnana-jam viddhi mohansam sarva-dehinam pramadalasya-nidrabhis tan nibadhnati bharata.“
Krishna spricht zu Arjuna, Krishna, der Lehrer, zu Arjuna, dem Schüler:
„Wisse, dass Tamas aus Unwissenheit entstanden ist und alle verkörperten Wesen täuscht; es bindet fest durch Unachtsamkeit, Trägheit und Schlaf.“
Tamas ist die Eigenschaft der Trägheit, der Dunkelheit, der Unwissenheit. Tamas an sich entsteht aus Unwissenheit. Es gibt verschiedene Grade der Unwissenheit. Ein Grad der Unwissenheit oder die Ur-Unwissenheit, die existenzielle Unwissenheit, ist, du weißt nicht, wer du wirklich bist. Du bist das unsterbliche Selbst, du bist Atman, du bist Sein, Wissen und Glückseligkeit. Das ist das höchste Wissen. Das zu vergessen, ist der erste Schritt der Unwissenheit. Der nächste Schritt ist, du verhaftest dich mit dem Instrument des Handelns und dem Instrument der Wahrnehmung, also dem ganzen Körper-Geist-Komplex. Du denkst: „Ich bin der Körper. Ich bin die Psyche. Ich bin die Persönlichkeit.“ Dann kommt der nächste Schritt der Unwissenheit. Du vergisst sogar, was der Körper eigentlich kann, und du vergisst, was eigentlich deine Psyche und deine Persönlichkeit ist. Du identifizierst dich mit Selbstbildern und Fremdbildern. Und du hast kein authentisches Wissen über dich selbst im Sinne von Körper und Psyche. Noch weiter, du denkst, andere denken dieses und jenes über dich und du verhaftest dich daran und weißt diesen Fremdbildern sehr hohe Wertigkeit zu und überlegst und denkst aus dieser Verhaftung. Du hast weitere Unwissenheit im Sinne von unangebrachtem oder zu starkem Einfühlungsvermögen. Einfühlungsvermögen ist eine gute Fähigkeit des Menschen, aber fehlerhaftes Einfühlungsvermögen ist wieder Tamas. Viele Menschen denken, dass andere sehr viel über sie denken. Dabei sind die meisten Menschen zu sehr mit sich selbst beschäftigt, um viel über andere zu denken. Auch das kann tamasige Unwissenheit sein. Des Weiteren, du kannst Unwissenheit haben über deine Aufgaben, Unwissenheit haben über das, was zu tun ist. Also, diese Unwissenheit ist Quelle von Tamas und täuscht die Wesen. Und als spiritueller Aspirant solltest du dir immer wieder bewusst sein, dein Geist kann dich täuschen. Wenn du irgendwelche Gedanken hast, dass dieses geschehen würde oder dass jemand anderes darüber in der und der Art denkt oder dass jemand anderes schlecht über dich denkt oder dass du denkst, die anderen denken dieses und jene, dann sei dir immer wieder bewusst, es könnte bis zu einem gewissen Grad richtig sein, es könnte aber auch falsch sein. Und der spirituelle Aspirant zieht immer in Betracht, dass das, was der Geist einem sagt, auch nicht der Wahrheit entsprechen könnte und ist deshalb verhaftungslos daran. Ständig macht unser Geist irgendwelche Annahmen. Die Annahmen können richtig sein, sie können falsch sein. Wenn du daran gebunden bist, an das, was du denkst, dann kannst du in der Unwissenheit sein. Du kannst aber auch diese Annahmen prüfen, du kannst darüber nachdenken, du kannst darüber sprechen, du kannst beten und du kannst grundsätzlich so sagen: „Ich will immer vom Besten ausgehen.“ Das mag nicht richtiger sein, als vom vom Schlimmsten auszugehen, aber es macht dein Leben angenehmer und du bleibst verhaftungsloser. Des Weiteren sagt Krishna, Tamas bindet auch durch Unachtsamkeit. Tamas heißt auch Unachtsamkeit. Anstatt zu schauen, was jetzt in dem Moment wirklich zu tun ist, denkt man zu viel über die Vergangenheit oder Zukunft nach. Das ist die eine Form der Unachtsamkeit. Tamas ist aber auch insgesamt ein Herunterfahren der Bewusstheit, in einer Art Halbschlaf zu sein. Manche Menschen oder eigentlich jeder Mensch hat Phasen am Tag, wo die Bewusstheit nicht ganz so groß ist. Wenn man das weiß, dann weiß man, in diesen Halbbewusstseinszustand wird man jetzt keine wichtigen Entscheidungen treffen. Im Gegenteil, da wird man vielleicht versuchen, dass man wieder bewusster wird. Vielleicht indem man eine kurze Tiefenentspannung macht. Vielleicht indem man einen kurzen Moment die Augen schließt, sich auf den Atem konzentriert. Vielleicht indem man einen Moment lang den Himmel auf sich wirken lässt. Vielleicht indem man eine kurze Pause macht. Unachtsamkeit überwinden ist aber auch eine Form der Disziplin. Du kannst dir vornehmen: „Wenn ich etwas mache, mache ich es mit dem ganzen Herzen. Wenn ich irgendeine Aufgabe habe, will ich sie mit ganzem Herzen machen. Wenn ich mit einem Menschen spreche oder mit ihm ein Gespräch führe, wenn ich zuhöre, will ich wirklich zuhören, um wirklich von ihm zu lernen.“ Viele Menschen sprechen und hören, aber sie hören nicht wirklich. Wenn jemand anderes spricht, dann warten sie nur auf den Moment, wo sie ihn unterbrechen können und selbst etwas sagen können. Achtsames Gespräch heißt, sich in den anderen Menschen hinein zu fühlen, wirklich eine Herzensverbindung herzustellen, wirklich herauszufinden, worum geht es ihm, was sind seine Anliegen. Und dann kann man mit großer Achtsamkeit anschließend sprechen und mit Einfühlungsvermögen. Achtsamkeit heißt auch, wenn du eine Yogastunde gibst, viele von euch sind ja auch Yogalehrer, achtsam zu sein gegenüber deinen Teilnehmern, achtsam zu sein, was vielleicht von höherer Warte dir eingegeben wird. All das – Achtsamkeit. Nicht tamasige Trägheit, einfach irgendwo dein Programm abspulen, sondern mit Achtsamkeit sein. Trägheit erwähnt Krishna als ein nächstes Charakteristikum, wie Tamas bindet. Trägheit. Der menschliche Geist neigt auch zu Trägheit. Trägheit hat auch eine gute Funktion, sie verhindert, dass man sich überfordert, dass Körper und Geist überlastet werden. Es ist gut, ab und zu mal auch Trägheit zu haben. Nur ist nicht gut, zu sehr unter dem Einfluss von Trägheit zu stehen. Um Trägheit zu überwinden, ist es sicher gut, viel Prana zu haben. Viel Prana bekommst du, indem du Asanas, Pranayama übst, indem du meditierst, indem du Mantras singst. Und manchmal auch durch Disziplin, indem du deinem Geist sagst: „Jetzt will ich konzentriert sein. Jetzt habe ich einiges zu tun.“ Und indem du sagst: „In der nächsten Stunde oder in den nächsten zwei Stunden oder in der nächsten halben Stunde will ich voll und ganz da sein.“ Es ist möglich, mit diesem bewussten Vorsatz und mit Willenskraft aktiv zu sein. Eine weitere Weise wäre, indem du selbst überlegst: „Wie könnte ich das, was zu tun ist, mit Enthusiasmus machen? Wie könnte ich das, was zu tun ist, mit Freude tun?“ Eine andere Alternative wäre, du überlegst: „Angenommen, ich würde das, was zu tun ist, mit Freude tun, wie würde ich es tun? Angenommen, ich würde das, was ich tue, mit Enthusiasmus tun, wie würde ich es tun? Angenommen, die nächste Stunde würde ich jetzt voller Freude, voller Energie, voller Enthusiasmus verbringen, wie würde ich das machen?“ Male dir das einen Moment lang aus, und dann schaue, vielleicht kannst du es sogar tun.

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