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18-06 Kommentar Sukadev

Auch an “gute” Handlungen wie Yajna, Dana und Tapas soll man sich nicht verhaften. Beständig und konsequent darin zu sein, ist gut, sich damit völlig zu identifizieren und daran zu haften ist nicht so gut.

Nehmen wir ein Beispiel für das Anhaften an seiner spiritueller Praxis (tapas):

Angenommen, du übst jeden Tag Asanas auf eine bestimmte Weise und weißt, die Asanas tun dir ganz besonders gut.

Was einem gut tut, daran ist man logischerweise auch ein bisschen verhaftet.

Und dann passiert eines Tages etwas, du verknackst dir zum Beispiel das Fußgelenk und kannst eine Weile einige Asanas nicht mehr in der gewohnten Weise machen, zum Beispiel den Sonnengruß, die kreuzbeinige Sitzhaltung usw. Wenn du nun sehr verhaftet bist, hast du nicht einfach einen verknacksten Fuß und ein bisschen Schmerzen, sondern zusätzlich ärgerst du dich über dich selbst, über Gott und die Welt und zermarterst dir das Gehirn: „Was habe ich falsch gemacht?“, „Alles was ich bisher gemacht habe, muss sicher falsch gewesen sein, dass ich mir jetzt den Fuß verknackst habe.“

So macht man sich das Leben schwer, weil man an der gewohnten Weise, Dinge zu tun, hängt. Wenn der Fuß längst wieder heil ist, schwirrt er immer noch im Geist herum und man überlegt, was man alles falsch gemacht haben könnte und was einem das sagen wollte – das kenne ich von relativ vielen spirituellen Aspiranten.

Wenn man nicht so verhaftet ist, findet man sich halt mit der Situation ab und wandelt die Praxis entsprechend ab.

Unser Hund hatte sich mal den Fuß verknackst. Er hat einfach eine Weile lang den Fuß ein bisschen geschont, ansonsten war er genauso fröhlich wie sonst auch. Er hat sich deswegen nicht selbst in Frage gestellt und die Menschen in seiner Umgebung auch nicht. Er hat nicht überlegt, was er falsch gemacht haben könnte und sein Urvertrauen ist nicht erschüttert worden. Er hatte einfach einen verknacksten Fuß, nach ein paar Tagen wurde es besser und nach einer Woche hat man nichts mehr davon gemerkt.

Ein anderes Beispiel:

Regelmäßige Praxis führt grundsätzlich zu mehr Energie, Glücksgefühlen und Gesundheit. Aber oft gibt es Phasen, wo man sich nach dem Üben von Asanas, Pranayama, Meditation ganz besonders toll fühlt. Man schwebt auf Wolken, Energie und Inspiration fließen, wir sprühen vor Unternehmungslust und Selbstvertrauen. – Und dann ist diese besondere Hochphase auch mal wieder zu Ende, vielleicht weil wir etwas weniger Zeit zum Üben haben oder eine Trockenphase zu durchlaufen haben. Eine zu enge Verhaftung daran, dass die Praxis jeden Tag auf dieselbe Weise wirken muss, sollten wir daher meiden.

Anhaftung ist eine Sache des Geistes

Eine kleine Geschichte dazu: Zwei Mönche gingen eines Tages eine Straße entlang und kamen an eine Furt. Dort stand eine Frau, die Angst hatte, den Fluß zu durchqueren.

Da nahm der eine Mönch die Frau auf seinen Rücken, trug sie durch das Wasser und setzte sie auf der anderen Seite ab. Die beiden Mönche setzten ihren Weg fort.

Nach ein paar Stunden sagte schließlich der andere Mönch zu ihm: „Du, da hast du jetzt aber etwas gemacht!  Als Mönch darfst du doch keine Frau ansehen, noch viel weniger berühren. Du aber hast die Frau sogar über den Fluss getragen.“ Da lachte der andere Mönch: „Ich habe die Frau schon vor vier Stunden wieder abgesetzt. Du trägst sie immer noch mit dir herum.“

Also, es ist gut, konsequent zu sein, aber wir sollten dabei nicht starr und unflexibel an den Buchstaben hängen, sondern immer wieder schauen, was in der aktuellen Situation angebracht und möglich ist.

“… Wunsch nach Belohnung”

Selbst  in spirituelle Handlungen kann sich ein Wunsch nach Belohnung einschleichen.

Ein Beispiel: Bei Yoga Vidya gibt es ja unter anderem auch Kundalini Yoga Seminare, wo die Teilnehmer stundenlang sehr intensiv praktizieren, besonders fortgeschrittene Pranayama-Techniken. Manche machen nach einer zwei- oder dreistündigen Sitzung eine Riesen-Energieerfahrung, andere bekommen Kraft, die die nächsten Tage und Wochen anhält.

Oft melden sie sich deshalb noch einmal für ein Kundalini-Yoga-Seminar an und erwarten, dass exakt die gleiche Erfahrung wieder kommt. Es kann sein, dass es genauso oder noch schöner ist, es kann aber auch sein, dass es ganz anders wird.

Man erwartet zum Beispiel, dass die Wirbelsäule heiß wird, dass dieses sanfte wohlige Schüttelgefühl wieder da ist, dass man das Sonnengeflecht heiß spürt und das Herz geöffnet. Aus den Händen fließt warme Energie, und wenn man dem Kind mit Magenproblemen zu Hause die Hand auflegt, ist es sofort gesund. Solche Erfahrungen geschehen; das schildern mir Teilnehmer immer wieder. Aber es kann sein, dass es beim zweiten Mal nicht mehr so sein wird. Vielleicht sollte stattdessen die Meditation sehr tief werden. Oder vielleicht sollte das Mehr an Energie einem einfach das Herz weiter öffnen, sollte man die Schönheit der Natur ganz neu wahrnehmen, die Schönheit der Gesichter der Menschen. Aber weil man so sehr darauf achtet und darauf wartet, dass die Wirbelsäule heiß wird und die Finger vor Energie strahlen, kann nicht das eintreten, was in der Meditation oder sonst jetzt passieren soll und will. Man ist zu verhaftet an die Ergebnisse, an seine Vorstellung des Ergebnisses.

Es ist jedes Mal anders. Und es kann dann segensreich wirken, egal wie es sich äußert, wenn man offen ist für das, was geschehen will und nicht verhaftet ist an konkrete Erwartungen und Wirkungen. Das gilt natürlich nicht nur in diesem Fall, sondern ganz allgemein.

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