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18-02 Kommentar Sukadev

Sannyasa – handeln ohne Wunsch

Krishna definiert hier Sannyasa als bewussten Verzicht auf Handlungen, die mit Wünschen verbunden sind. Das heißt also, man verzichtet nicht insgesamt auf Handlung, sondern verwandelt alles Handeln in spirituelle Praxis. Diese Art von Handeln ist eine Hilfe, ein Mittel, um zur Verwirklichung zu kommen.

Der moderne hedonistisch geprägte Mensch geht davon aus, dass er glücklich ist, wenn seine Bedürfnisse befriedigt sind. Wir müssen also nur unsere Bedürfnisse kennen und sie erfüllen, dann sind wir glücklich. Daher rennen wir unser Leben lang dem Glück hinterher im vergeblichen Versuch, immer wieder neue Bedürfnisse zu befriedigen.

Die Bhagavad Gita vertritt eine andere Philosophie. Du bist in deinem Kern unendlich und deine wahre Natur ist reines Sein, reine Bewusstheit, reine Glückseligkeit, “Aham Brahma Asmi” – “Ich bin Brahman” und “ Satchidananda Swarupoham” – “Meine wahre Natur ist Sein, Wissen, Glückseligkeit”. Meine wahre Natur ist reines Glück. Du brauchst nicht wirklich etwas Äußeres, um glücklich zu sein.

Bedürfnisse sind weiterhin da. Der Körper hat seine Bedürfnisse. Er muss essen, trinken, schlafen. Die Emotionen haben ihre Bedürfnisse. Und natürlich müssen wir Geld verdienen und vieles andere tun, und das hat auch alles irgendwo seinen Sinn. Nur sollten wir uns nicht vorstellen, dass über die Befriedigung von Bedürfnissen dauerhaftes Glück erreicht werden kann. Im Gegenteil, wenn man unbedingt alle seine Bedürfnisse befriedigen will, führt das eher zum Unglücklichsein. Denn die Welt ist nicht so beschaffen, dass wir immer alle unsere Bedürfnisse befriedigen können. Da steht öfter das ein oder andere dagegen, und die Mitmenschen spielen auch nicht immer mit. Prompt haben wir ein Problem.

Freiheit durch Verzicht

Damit wir frei sein können, und darum geht es letztlich immer wieder im Yoga, um KaivalyaFreiheit, befreien wir uns von der Getriebenheit durch Wünsche. Wir wollen frei sein. Wir wollen nicht gebunden sein an irgendwelche Wünsche und Bedürfnisse und uns von ihrer Erfüllung abhängig machen. Deshalb hilft es, als bewusste Übung auch einmal zu sagen, „Aha, ich habe jetzt diesen Wunsch. Diesen Wunsch erfülle ich mir nicht, und zwar nur aus dem einen Grund, frei zu sein.“ Wir verzichten ja auch sonst aus unterschiedlichen Gründen auf Wünsche, zum Beispiel wegen des Kindes, des Partners/der Partnerin, der Eltern, aus beruflichen Rücksichten usw. Und so ist es eine sehr gute Praxis, auch einmal auf etwas zu verzichten, einfach nur, um frei zu werden von der Tyrannei der Reiz-Reaktionsketten, von der Tyrannei des Wunsches und des Zwangs, sich um jeden Wunsch, der im Geist auftaucht, zu kümmern.

Menschen verzichten in unterschiedlichem Kontext häufig auf ihre eigenen Wünsche, aber manchmal mit einem leichten Grummeln: „Ich komme immer zu kurz. Ich muss mich immer für andere aufopfern.“ Dann bleibt ein unangenehmes Gefühl zurück. Man macht es nicht gern, fühlt sich ausgenutzt oder benachteiligt. Wenn wir hingegen zum Wohl anderer bewusst auf etwas verzichten, ohne Grummeln, ohne es dem anderen bei nächster Gelegenheit an den Kopf zu werfen, dann kommt auch Freiheit.

Das heißt nicht, dass man sich ausnutzen lassen soll und es heißt auch nicht, dass man auf jeden Wunsch verzichten und immer nur nachgeben soll. Aber es heißt, dass wir die Fähigkeit bekommen wollen, frei zu sein.

Intellekt, Willens- und Unterscheidungskraft

Der Mensch unterliegt zwar auch bestimmten Reiz-Reaktionsketten, aber im Unterschied zum Tier hat er einen freien Willen und die Fähigkeit der freien Entscheidung.

Man kann Tiere abrichten, dann werden sie automatisch auf eine bestimmte Weise reagieren. Ein Hund kann nicht überlegen: „Warum mache ich eigentlich sofort Männchen, wenn das und jenes gesagt oder gemacht wird?” Oder “Warum sollte ich  vor Freude jaulen oder mit der Pfote scharren, wenn ich etwas Besonderes zu fressen bekomme? Das mache ich von jetzt an nicht mehr.” So kann ein Hund nicht denken.

Einem Hund fehlt die Buddhi, der abwägende Intellekt. Zur Buddhi gehört auch Viveka, die Unterscheidungskraft. Der Mensch hat diese Fähigkeit zur Unterscheidungskraft, die Fähigkeit, freie Entscheidungen zu treffen und er kann sehr wohl sagen, „Das will ich nicht.“ Dann werden weiter die Wünsche da sein – das kennst du vermutlich, gerade wenn man sich zu etwas entschlossen hat, sind die anderen Wünsche oft besonders stark da. Nicht immer behält das die Oberhand, wofür man sich entschlossen hat. Aber dann übt man eben weiter. Im Laufe der Zeit entwickelt man einen festen Willen. Die alten Samskaras, Eindrücke im Geist, werden schwächer und irgendwann erreicht man einen höheren Grad an Freiheit.

Natürliche Instinkte

Nicht, dass Wünsche grundsätzlich etwas Schlechtes wären. Wünsche im Sinn von Instinkten haben ursprünglich ihr Gutes. Sie sind etwas Natürliches und Notwendiges zur Erhaltung des Körpers oder beruhen auf Erfahrungswissen. Wünsche sind ursprünglich eine Fähigkeit der Natur, dass Lebewesen aus sich heraus von selbst wissen und wollen, was gut für sie ist. Angenommen, man müsste jede seiner Handlungen vomIntellekt her steuern oder sich vorher jedes Mal ausdrücklich an Gott oder die Natur richten, „Lieber Gott, sage mir, welche Obstsorte jetzt für mich am besten ist“, dann wäre das ziemlich unpraktisch bei den Tausenden von Entscheidungen, die man tagsüber ununterbrochen treffen muss. Normalerweise wählt man instinktiv das, was einem gut tut. Daher haben Instinkte ihren Sinn. Nur wenn wir ausschließlich Sklaven von Reizreaktionsketten sind, dann haben wir keine Freiheit.

Und die heutige Zivilisation hat so viele Dinge hervor gebracht, dass die ursprüngliche Intelligenz der Instinkte oft außer Kraft gesetzt ist und wir umso mehr unsere Buddhi, die Unterscheidungskraft, einsetzen müssen.

Zum Beispiel hat es die Natur so eingerichtet, dass der Mensch viel Zucker und Fett zu sich nehmen will. In der Natur gibt es wenig Nahrungsmittel mit Zucker und Fett, aber was es gibt, hat mehr Kalorien und Nährkraft. Außerdem ist die Wahrscheinlichkeit, dass etwas Süßes für den Menschen giftig ist, geringer als bei bitteren Sachen. Da der Mensch ein Lauftier ist, das vermutlich in der Steppe viele Stunden am Tag gegangen oder gelaufen ist, hat er von Natur aus einen hohen Kalorienbedarf, und so war der natürliche Instinkt, Fettes und Süßes zu bevorzugen, durchaus sinnvoll. Aber in unserer heutigen Zeit ist das etwas anders, wo es erstens gelungen ist, Lebensmittel zu erzeugen, die fast nur aus Zucker und Fett bestehen, was es in der Natur nirgendswo gibt und wo wir zweitens nicht mehr viele Stunden laufen. Der irregeleitete Instinkt mag nun alle möglichen Nahrungsmittel, die nicht gesund sind und die auch in der Natur so nicht vorkommen.

Auch in anderer Hinsicht hat sich gezeigt, dass man zur Weiterentwicklung des Menschen zu einem höheren Bewusstsein nicht einfach nur seinen Instinkten folgen kann – wenn wir zum Beispiel an den Flucht-Kampfmechanismus oder an Kannibalismus denken.

Dafür hat der Mensch Buddhi, den Intellekt mit der Unterscheidungskraft. Um diese weiter zu entwickeln ist es gut, bewusst ab und zu einmal auf Objekte zu verzichten, mit denen man Wünsche verbindet. Es gilt, sie anzuerkennen als etwas, was in einem gewissen Kontext sinnvoll ist oder war, um in der Welt zurechtzukommen. Aber dann gilt es, sich von ihnen zu lösen und zu schauen, ist dieser Wunsch in der jetzigen Situation tatsächlich hilfreich und zuträglich.

Wünsche und Emotionen als Ausdruck tiefer liegender Bedürfnisse

In mancherlei Hinsicht sind Wünsche auch Ausdruck von tieferen Bedürfnissen. Wenn wir Wünschen nicht einfach instinktiv folgen, sondern zuerst überlegen und unsere Buddhi einschalten, lernen wir, dass Wünsche wertvolle Informationen sind, die uns entweder direkt weiter helfen oder auf etwas anderes hindeuten.

So ist es nicht nur mit Wünschen, sondern auch mit Emotionen. Sie sind ursprünglich ein wichtiger Schutz- und Überlebensmechanismus. Nehmen wir als Beispiel Angst. Auch Angst ist grundsätzlich eine nützliche Emotion. Angenommen, Kinder hätten vor nichts Angst, dann würden sie vermutlich alle noch vor ihrem zehnten Lebensjahr sterben. Angst verhindert, dass wir bestimmte schädliche Dinge tun und ist Ausdruck instinktiver Intelligenz.

Wenn sich die Angst aber verselbständigt, verhindert sie unter Umständen den Ausdruck einiger unserer Fähigkeiten und vielleicht sogar die Erfüllung unserer karmischen Aufgaben.

Tyaga – Verzicht auf die Früchte des Handelns

Der andere Aspekt, den Krishna immer wieder betont, ist Tyaga, der Verzicht auf die Früchte der Handlungen.

Wir säen und kümmern uns um die Saat und zur rechten Zeit kommt die Ernte oder manchmal auch nicht. Man hat alles Notwenige getan, gepflügt, gesät usw., und dann hagelt es oder es gibt eine Trockenheit und man kann keine Ernte einfahren.

Auf ähnliche Weise gilt es, im Sinne von Tyaga innerlich auf die Früchte der Handlungen zu verzichten. Wir tun alles dafür und lassen dann los.

Praxis-Übung: Wir bemühen uns bei allem was wir tun. Wir bemühen uns mit großem Enthusiasmus, stecken viel Energie und Herz hinein. Wir tun es mit großem Geschick. “Yoga Karma-su kaushalam”, “Yoga ist Geschick im Handeln” ist eine der ersten Definitionen von Yoga, die Krishna im 2. Kapitel der Bhagavad Gita gibt. Wir tun all das, und dann lassen wir los. Immer wird wird es passieren, dass Dinge nicht so laufen, wie wir es gedacht hatten, obwohl wir alles dafür gegeben haben. Das Universum, der Lauf der Dinge, lehren uns Tyaga.

Wir sollten uns nicht vorstellen, wenn wir nur das Richtige tun, dann geht alles gut. Obwohl es natürlich oft auch gut geht. Aber gerade wenn es schief geht, können wir Loslassen lernen und so können wir frei werden.

Karma Yoga – ein Rezept zum Glücklichsein

Ein Hauptthema der Bhagavad Gita ist Karma Yoga, das Ausführen von Handlungen mit einer bestimmten inneren Grundhaltung und auf bestimmte Weise, nämlich

Man handelt aus einem sattwigen Motiv, also zum Beispiel,
– um anderen zu helfen, um anderen zu dienen.
– um spirituell zu wachsen.
– um seine Pflicht, seine Aufgabe zu tun.
– damit dieser Körper seine Grundbedürfnisse erfüllen kann, also etwas zu essen und zu trinken hat, vor Regen, Schnee, Hitze usw. geschützt ist, damit wir den Körper als Instrument für spirituelle Praxis und Karma Yoga einsetzen können.
– aus einer Inspiration heraus, weil man fühlt, dass etwas Bestimmtes getan werden muss und man es als seine Aufgabe ansieht. Oder man spürt es von innen heraus und merkt, da ist eine höhere Motivation dahinter.

.Man macht das, was man macht, so gut man kann. „Yoga Karma-su Kaushalam, Yoga ist Geschick im Handeln.“ Kaushala, geschickt und auch mit Tejas, mit Feuer und Enthusiasmus.

Man hängt nicht an den Früchten und am Ergebnis.

Man identifiziert sich nicht mit der Handlung.

Trägheit versus Gelassenheit

Die Bhagavad Gita propagiert keine Trägheit; noch nicht einmal eine vollständige Gelassenheit. Die Gelassenheit, die in der Bhagavad Gita und im Yoga im Allgemeinen gemeint ist, ist eine von innen kommende Gelassenheit, eine innere Festigkeit und Ruhe inmitten aller Handlung, nicht ein lauwarmes Sein.

Im Deutschen gibt es ja auch das Sprichwort, das, was man macht, sollte man richtig tun. Das heißt nicht, dass es nachher vollkommen sein muss, sondern man gibt sein Herz, seine Hand und seinen Verstand hinein.

Und dann folgt der „Verzicht auf die Früchte“ und der „Gleichmut in Erfolg und Misserfolg.“ Das scheint wie ein Widerspruch zu sein.

Die meisten Menschen sind motiviert, weil sie ergebnisorientiert handeln. Nichts motiviert mehr als Erfolg. Erfolg, positives Feedback, Anerkennung motivieren und bestärken. – Die Gefahr dabei ist, dass man sich massiv an die Früchte, Anerkennung usw. verhaftet. Das führt zu Problemen.

Praxisbeispiel: Angenommen, du gibst deinen ersten Yogakurs oder Vortrag, und alle sind am Ende glücklich und begeistert. Das bestärkt dich, du machst weiter und vielleicht gibst du deinen bisherigen Beruf auf und unterrichtest nur noch Yoga.

Irgendwann hast du vielleicht mal einen schlechten Tag oder einen Teilnehmer, dem dein Unterrichtsstil nicht liegt und der dir negatives Feedback gibt. Wenn du dann nur an den Früchten hängst, bricht die Welt zusammen.

Ergebnisorientiert handeln, ohne am Ergebnis zu hängen

Ein anderer scheinbarer Widerspruch: Wenn man handeln will so gut man kann, muss man an das Ergebnis denken. Es macht keinen Sinn, etwas zu tun, ohne das Ergebnis, das Ziel, den gewünschten Erfolg vor Augen zu haben. Zum Handeln so gut man kann gehört natürlich schon, Pläne zu machen und die Sache auch vom Ergebnis her zu betrachten.

Wenn man beispielsweise ein Haus baut, kann man nicht sagen: „Ich fange jetzt einfach mal irgendwie an. Mit meinem ganzen Herzen setze ich Steine mit Mörtel aufeinander und nachher werde ich sehen, was dabei heraus kommt. Ich spüre einfach mal so, was geschieht.“ – Das mag funktionieren, wenn man schon hundert Häuser gebaut hat. Dann passiert es vielleicht, dass das Haus sich auf diese Weise manifestiert, weil es in der Gewohnheit drin ist. – Aber im Normalfall muss man überlegen, wie soll es nachher aussehen und einen Plan haben. Dann legt man los und macht es so gut man kann.

Auf dem Weg, ein Haus zu bauen, kann natürlich alles Mögliche geschehen. Die Einkommenssituation kann sich ändern, die Anzahl der Kinder sich erhöhen, neue Bauverordnungen erlassen werden, ein Baustoffhersteller geht Pleite, man trennt sich vom Partner…- um nur einige Eventualitäten aufzuzählen. Gegebenenfalls  werden die Pläne des Hauses sich radikal ändern müssen. In dieser Situation kann man testen (und natürlich üben!): „Bin ich gleichmütig in Erfolg und Misserfolg? Hänge ich an den Früchten der Handlung oder nicht?“ – Das meint Krishna mit Tyaga.

Wir gehen es enthusiastisch an, hängen dann aber nicht an konkretem Erfolg und Misserfolg und auch nicht an konkreten Belohnungen oder Früchten, die dabei herauskommen.

Menschen sind unglücklich, wenn sich Misserfolg einstellt. Menschen sind unglücklich, wenn sie massiv erfolgsmotiviert sind und zwanghaft von einem Erfolg zum nächsten streben. Das kann zwar sehr motivierend sein, es gibt genügend Workaholics, aber da ist nicht wirklich Freude dabei, sondern ein gewisses Getriebensein. In beiden Fällen ist Karma Yoga, die innere Einstellung des Loslassens bei allem Engagement, das beste Rezept zum Glücklichsein.

Nicht-Identifikation

Ein weiterer wichtiger Punkt einer Karma-Yoga-Handlung ist die Nicht-Identifikation.

Um das zu üben und zu kultivieren, gibt Krishna uns zwei Weisen, nämlich den Bhakti Yoga und den Jnana Yoga-Weg.

Der Jnana Yoga Aspekt
Man erkennt: Ich bin nicht der Handelnde. Meine wahre Natur ist Brahman, unbewegt, ewig, uralt, was auch immer geschieht. Alle Handlung geschieht in den Gunas, in der Prakriti. Karma läuft ab. Ich – der innere Beobachter – kann mich davon lösen und das Ganze betrachten wie ein göttliches Schauspiel (Lila).

Der Bhakti Yoga Aspekt

Wir bringen die Handlung ganz Gott dar. Dies kann auf verschiedene Weise geschehen, je nach eigener Veranlagung, Gefühl oder Situation. Zum Beispiel:

– „Oh Gott, Dein Wille geschehe“.
– „Ich spüre, dass ich das und das tun muss. Ich nehme an, dass dieses Gespür letztlich Dein Wille ist, und ich bringe dir diese Handlung dar.“
– „Du wirkst durch mich hindurch.“
– “Ich bin Dein Instrument.”

Im 11. Kapitel zeigt Krishna Arjuna die kosmische Gestalt Gottes. Arjuna sieht Krishna als das ganze Universum und erkennt, dass jeder Mensch wie eine Zelle im Körper Gottes ist. Daher sind wir nicht wirklich der Handelnde, sondern dieses Körper-Geist-Kontinuum als Instrument Gottes, als Diener Gottes, führt Handlungen aus, bringt den Willen Gottes in die relative Welt.

Angenommen, jemand, den du sehr liebst und verehrst, bittet dich um etwas, was machst du dann? – Wirklich alles.  – Angenommen, du bist frisch verliebt und der Partner bittet dich um einen Gefallen. Da wird man sich mindestens zu 200 Prozent anstrengen. Übrigens, oft geht es gerade dann schief, wenn man es zu übereifrig macht… Auch im Eifer den gesunden Menschenverstand nicht außer acht zu lassen ist wichtig. Eben das richtige Maß zu finden.

Gott gegenüber kann das manchmal auch so sein. Man liebt Gott über alles, also macht man alles so gut wie man kann und im überbordenden Enthusiasmus geht es manchmal auch schief. – Das macht nichts. Gottes Liebe hängt ganz sicher nicht von der Qualität des Ergebnisses ab. Aber durch das Bemühen, indem wir es wirklich so gut wie möglich tun, wird unsere Liebe stärker und löst eine entsprechende Resonanz aus.

Bhakti Yoga heißt, nachdem wir alles so gut wie möglich gemacht haben, übergeben wir es Gott und gehen davon aus, was letztlich dabei herauskommt, hängt von Gott ab. Es hängt nicht nur von uns ab. Wir können alles richtig machen und dennoch geht es manchmal schief. Das ist, glaube ich, ein sehr tröstlicher Gedanke, der viel Stress von uns nehmen kann.

Praxisbeispiel

Man hat sich mit einem kleinen Dienstleistungsunternehmen selbständig gemacht. Man ist gut in seinem Fach und macht alles richtig. Dann kommt eine wirtschaftliche Krise und es läuft nicht mehr, ohne eigene Schuld. In diesem Fall wird man es akzeptieren und als eine karmische Aufgabe ansehen, die Gott einem gibt, und man wird schauen: „Wie geht es weiter. Was ist jetzt meine Aufgabe?”

Die Früchte der Handlungen Gott darbringen

Manchmal mag man etwas Großartiges für einen Menschen getan haben und er scheint es nicht zu schätzen. Manchmal hat man selbst fast nichts gemacht und wird überhäuft mit Geschenken oder Anerkennung.

Nicht an den Früchten zu hängen, bedeutet: Weder lehnen wir den Dank ab, noch schimpfen wir über Mangel an Dank und das gibt uns Freiheit.

Das gilt es sich immer wieder bewusst zu machen, denn das ist auch ein hervorragendes Mittel für Swadhyaya, Selbstanalyse.

Angenommen, du engagierst dich sehr für etwas und fühlst eine gewisse Unzufriedenheit aus Mangel an Dank und Anerkennung, dann weißt du, „Aha, ich habe an den Früchten gehangen. Vielleicht war es nicht Geld, sondern Anerkennung und Dank, was ich erwartet habe.“

Geschickter Umgang mit Kritik

Mit Kritik hingegen geht man nicht einfach nur gleichmütig um. Kritik kann auch eine Hilfe sein. Als erstes kann man sich freuen und anerkennen, derjenige, der kritisiert, hat im Grunde eine positive Motivation. Die meisten Menschen, die einen kritisieren, wollen einem ja irgendwie Hilfe geben. Sie meinen, man würde etwas nicht gut genug machen und wollen einem Tipps dazu geben. Sonst würden sie sich ja nicht die Mühe machen, zu kritisieren. Und von ihrem Standpunkt aus haben sie meist auch eine Berechtigung zur Kritik.

Als zweites kann man sich wieder bewusst machen, „Ich selbst habe es so gut gemacht, wie ich es in dem Moment konnte. Vielleicht nicht so gut, wie ich es gekonnt hätte, wenn ich fünfmal soviel Energie oder mehr Informationen oder mehr Zeit gehabt hätte, aber in der Situation habe ich das Bestmögliche getan.“ Auch das gilt es anzuerkennen.

Als drittes kann man prüfen, ist an dieser Kritik etwas dran, was mir weiter helfen kann, was ich in Zukunft vielleicht berücksichtigen und besser machen kann.

Selbst echte Gegner sind große Lehrer für uns. Sie zeigen uns unsere Schwächen, an denen wir arbeiten können und helfen uns, Gleichmut zu entwickeln und nicht an den Früchten der Handlungen zu hängen.

Auch hier müssen wir wieder darauf achten, dass die Bhakti-Yoga-Einstellung nicht als Entschuldigung für Tamas missbraucht wird. Manchmal sagen Aspiranten: „Ich bin gleichmütig in Erfolg und Misserfolg. Ich mache alles so gut ich kann, den Rest überlasse ich Gott“, und nutzen das als Ausrede für gleichgültiges Handeln und mangelnde Disziplin.

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