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18-01 Kommentar Sukadev

Hrishikesha“, ein Beiname von Krishna, heißt wörtlich, „der Herr über die Sinne“. Rishikesh ist auch der Name einer Stadt in Nordindien am Fuß des Himalaya. In ihrem Vorort Muni-ki-reti, dem „Ort der Munis“, der Weisen, gibt es viele Ashrams, unter anderem auch den Sivananda Ashram. Rishikesh soll eben auch eine Stadt sein, wo man jenseits der Sinne kommen kann. „Keshi Nisudana“, „ Zerstörer Keshis“ ist ein anderer Name von Krishna. Keshi war einer der vielen Dämonen, die Krishna überwunden hat. Das steht dafür, dass wir mit Hilfe der Lehre auch Dämonen überwinden können.

Unterschiedliche Beziehungen zu Gott

Das Interessante in der indischen Mythologie ist, wenn Dämonen besiegt werden oder getötet werden, landen sie nicht unbedingt in der Hölle. Im Ramayana-Epos, welches die Geschichte von Rama  erzählt, kommen viele Gestalten vor, die in unterschiedlicher Beziehung zu Rama standen. Das symbolisiert die verschiedenen Beziehungen, die man zu Gott haben kann. Sita hat Rama angesehen als ihren Mann, ihren Geliebten. Für Lakshmana war er der Bruder und damit der Freund. Dasharata hat Rama als Sohn angesehen, aber auch als göttlichen Sohn, den er gleichzeitig verehrt hat. Dann hatte Rama auch zwei Söhne, die ihn später als ihren Vater verehrten. Der bekannteste Anhänger von Rama ist sicherlich Hanuman, der Rama als seinen Meister verehrt und ihm mit tiefem Glauben und Hingabe gedient hat.

Der besiegte Dämon als Symbol für Transformation

Ravana hat Rama von dem Moment an gehasst, als er das erste Mal von ihm hörte. Denn Rama wurde von allen gelobt und gerühmt als großartiger Mensch und zukünftiger Regent, während Ravana selbst als der größte aller Könige gelten wollte.

Von all jenen, die eine Beziehung zu Rama hatten, hat Ravana in dem Moment, als Rama ihn besiegte, als Erster die Selbstverwirklichung erreicht. Das ist eine paradoxe Auflösung von Dualität. Es bedeutet im psychologischen Sinn, Rama hat Ravana nicht einfach getötet, sondern eine scheinbar negative Eigenschaft ins Positive verwandelt, aus einem Dämonen einen Verwirklichten gemacht. So ist es oft auch mit unseren Eigenschaften. Wenn wir das, was in uns ist, einfach nur bekämpfen, kommen wir nicht übermäßig weit, denn alle Eigenschaften, die wir in uns tragen, haben auch eine gute Seite. Da alles Gott ist, sind auch unsere scheinbar schlechten Eigenschaften irgendwo göttlich. Es hilft manchmal zu überlegen, in welchem Kontext war die betreffende Eigenschaft vielleicht sinnvoll, wo hat sie eine sinnvolle Komponente, wie könnte ich sie annehmen und konstruktiv einsetzen. Wir erkennen die Eigenschaft an und wandeln sie in positivem Sinn um.

Im Devi Mahatmyam, einer Verehrung des Absoluten in Form von Devi, der göttlichen Mutter, heißt es an einer Stelle, „Oh göttliche Mutter, ich verehre Dich wieder und wieder, die Du Dich manifestierst in der Form von Friedfertigkeit. – Die Du Dich in allen Wesen manifestierst als Schönheit. – Die Du Dich in allen Wesen manifestierst als Mitgefühl. – Die Du Dich in allen Wesen manifestierst als Gier. Die Du Dich in allen Wesen manifestierst als Ärger.”, usw.

Das Göttliche manifestiert sich in allem. Es geht nicht darum, etwas Böses auszurotten und seiner gerechten Strafe zuzuführen, sondern es geht um Transformation und Integration. Das ist sicher eine der tieferen Bedeutungen der vielen mythologischen Geschichten um Dämonen.

Den Dämon Aggression positiv umwandeln

Eine negative Eigenschaft ist zum Beispiel Aggression. Ärger und Aggression hängen zusammen und sind an sich natürlich. Aber manche Menschen haben ein stärkeres Aggressionspotential. Aggression pur schafft viel Leid und Probleme und natürlich darf man bestimmte Aggressionen nicht einfach ausleben.

Aber die Aggression an sich ist erst mal von Natur aus nicht als etwas Schlechtes angelegt. Man braucht Aggression, um zu überleben. Das Wort Aggression kommt vom Lateinischen, „aggredere“,  etwas angehen, etwas tun. Man kann also überlegen, „Ich spüre in mir plötzlich diesen Aggressionsinstinkt. Vielleicht will mir das zeigen, dass ich etwas angehen sollte. Vielleicht bin ich bisher zu passiv gewesen. Vielleicht habe ich mich zu sehr geschont. Vielleicht sollte ich mich mal mehr engagieren“  – also auf positive Weise lenken und transformieren. So ist jeder unserer inneren Dämonen umwandelbar.

Wie machtvoll sind Aggressionsfantasien?

Damit wir die inneren Dämonen nicht überschätzen, will ich eine kleine Geschichte erzählen. Vor vielen Jahren hat mir einmal eine Schülerin im Frankfurter Yoga Vidya Zentrum gesagt,  sie würde ja gerne in den Ashram, das Yoga Vidya Seminarhaus im Westerwald, kommen, aber das könne sie nicht. Ich habe sie gefragt, „Warum nicht? Wenn du kein Geld hast, gibt es Mithilfeprogramme. Es gibt den Tag der offenen Tür, wo alles kostenlos ist. Von Frankfurt werden Mitfahrgelegenheiten organisiert.“

“Nein”, antwortete sie, „das ist es nicht.“

Ich habe weiter gefragt: „Was ist es dann?“

Da hat sie gesagt: „Mit meiner Schwingung kann ich das nicht machen.“

Da ist mir rausgerutscht: „Überschätze dich da nicht. Die Ashramschwingung ist schon stark.“

Daraufhin hat sie gesagt, ich könnte mir nicht vorstellen, was sie gemacht hätte. Sie hätte nämlich jemanden umgebracht.

Ich erschrak natürlich zuerst, aber dann hat sie erzählt, sie hatte einen Chef, einen ziemlichen Menschenschinder, und eines Morgens habe sie gedacht, „Ich wünschte, er käme bei einem Autounfall ums Leben.“ Am nächsten Tag, als sie zur Arbeit kam, hat sie gehört, ihr Chef sei bei einem Autounfall umgekommen. Von da an hatte sie ein schlechtes Gewissen und gedacht, ihre Gedanken hätten den Unfall herbei geführt. Es hat mich viel Mühe  gekostet, ihr das auszureden.

Automatische Gedanken solcher Art schaffen kein solches Karma. Sie sind bei weitem nicht stark und intensiv genug, um tatsächlich so etwas real geschehen zu lassen. Wenn wir bewusst an etwas denken, unseren Geist bewusst in eine bestimmte Richtung lenken, kann das eine gewisse Kraft haben, insbesondere für uns selbst, aber nicht über Leben oder Tod, insbesondere nicht bei anderen Menschen.

Affirmationen und Gedanken können eine Heilkraft haben, sie können eine beunruhigende oder beruhigende Kraft haben, sie können die Stimmung heben oder senken, aber sie sind keine tötende Kraft. Durch bloßes Denken kann man das Karma eines anderen Menschen nicht verändern.

Was denkbar ist, ist, dass so etwas wie ein Unfall im Karma des Menschen vorgesehen ist, es liegt in der Luft, in der Atmosphäre. Wenn man in dem Moment an den Menschen denkt und sensibel ist für feinere Schwingungen, fängt man auf, was auf einer feinstofflichen Ebene da ist und nimmt es als Gedanken wahr.

Natürlich sollten wir nicht ständig mit Mordgedanken durch die Gegend laufen; das trägt nicht zur Erweiterung des Bewusstseins, zu mehr Mitgefühl zwischen allen Wesen bei und ist der spirituellen Entwicklung, dem eigenen Glücksgefühl und dem Glücksgefühl auf dieser Welt nicht zuträglich. Daher ist es vorteilhaft, man lernt so zu leben, dass man solche Aggressionen nicht hat. Man lernt stattdessen, Mitgefühl zu entwickeln usw.

Wenn man solche Aggressionsgedanken hat, dann kann man konstruktiv überlegen, „In welchen Kontexten kommen sie? Ist mir vielleicht tatsächlich Unrecht passiert? Habe ich bestimmte Anliegen, die nicht erfüllt werden können? Und wie könnte ich die vielleicht geschickt umsetzen? Wie kann ich vielleicht ein Projekt anders angehen, im Sinne dieser Marsenergie, welche sich als Aggression bemerkbar macht?” – Das könnte transformiert werden in Unternehmungslust, enthusiastisch etwas angehen, nicht gleich aufgeben, sich nicht gleich ins Schneckenhaus zurückziehen usw.

Mit Dämonen wie Traumata und Selbstmordfantasien geschickt umgehen

In einer Hörsendung habe ich kürzlich gehört, dass etwa ein Viertel der Menschen regelmäßig Selbstmordfantasien habe. Dort wurde empfohlen, diese Fantasien abzuwandeln und einem Happy End zuzuführen, wenn sie auftauchen. Das scheint eine sehr gut funktionierende Intervention zu sein. Es gibt eine ganze Reihe von Empfehlungen, wie man mit solchen Fantasien geschickt umgehen kann.

1) Wenn zum Beispiel in der Fantasie das Bild auftaucht, von einem Felsen zu springen, stellt man sich vor, man hat Flügel oder einen Fallschirm und schwebt wunderbar leicht hinunter. Dabei findet man neue Lösungen, einen neuen Überblick und kommt zu einer neuen Leichtigkeit.

Das soll übrigens auch bei Alpträumen funktionieren. Wenn man nach einem Alptraum aufwacht, soll man den Traum weiter spinnen und positiv enden lassen.

Sogar in der Traumatherapie soll sich diese Methode bewährt haben. Natürlich ist das allein nicht ausreichend für eine Traumatherapie. Ich will nur aufzeigen, dass man mit dem Geist einiges machen kann. Selbst wenn man Schlimmes erlebt hat, das immer wieder hoch kommt, kann man es in der Fantasie anders enden lassen, umdeuten oder ganz neu schreiben.

2) Die Yoga-Philosophie geht davon aus, dass es viele Dimensionen des menschlichen Seins gibt. So könnte ein yogisch-philosophischer Ansatz zum Beispiel sein, sich vorzustellen, das Geschehnis hätte sich in in einer anderen Dimension abgespielt. Und jetzt stellt man sich vor, in einer anderen Seins-Dimension verläuft es anders und geht ganz anders aus.

Auch vom Ramayana-Epos gibt es verschiedene Versionen. Tulsidas, ein späterer Autor, der eine Version in einer anderen Sprache verfasst hat, wurde einmal gefragt, welche dieser sich widersprechenden Versionen denn korrekt sei. Er antwortete: „Sie sind alle korrekt.“ Und als nachgehakt wurde:  „Wie kann das sein?“, erklärte Tulsidas, „Es gibt so viele Dimensionen der Wirklichkeit und so viele Zeitalter. In jeder Dimension und in jedem Zeitalter inkarniert sich Rama auf seine Weise und da muss nicht alles gleich gewesen sein.“ Vom Standpunkt des Vedanta  ist die ganze Welt ohnehin Mithya, ein geistiges Konstrukt.

3) Eine andere Möglichkeit mit solchen Fantasien umzugehen wäre, sie als eine nützliche Information zu werten und zu schauen, worauf sie einen hinweisen wollen. Natürlich nicht, sie tatsächlich umzusetzen, sondern zu überlegen und zu beobachen: „Wann, in welchen Situationen und Befindlichkeiten geschieht es, dass diese Fantasien hochkommen?“ Vielleicht stellt man fest, diese Fantasien kommen immer dann, wenn man sich überlastet hat oder wenn man enttäuscht worden ist oder wenn Menschen sich einem gegenüber schlecht verhalten haben. Dann kann man das Auftauchen dieser Fantasien als Signal dafür nehmen, dass man wieder an einem solchen Punkt angelangt ist und anschließend konstruktiv überlegen: „Wie kann ich geschickt mit der Situation umgehen, die dieses Muster in mir ausgelöst hat.“

Anstatt sich zu ärgern über die Fantasien oder sie zu analysieren, kann man ihnen danken, „Danke, dass diese Information da ist und mich darauf aufmerksam macht, dass ich wieder an dem und dem Punkt stehe und jetzt überlegen muss, wie ich mit dieser Situation in meinem Leben umgehen soll.“

4) Eine weitere Variante wäre, sich zu erinnern: “Als ich das letzte Mal in dieses Muster hinein gerutscht bin, was hat mir da geholfen, wieder herauszukommen?” – Vielleicht kann man sich das Gefühl in Erinnerung rufen, wie man sich danach besser gefühlt hat und sich so in dieses positive Lebensgefühl hinein versetzen, es in sich wachrufen.

5) Oder man sagt sich: „Angenommen, mir ginge es besser, wie würde ich jetzt mit der Situation umgehen?“  Und man kann sich ausmalen: „Angenommen, mir ginge es gut. Wie würde ich das angehen? Ich weiß, mir geht es jetzt nicht gut, aber nur mal angenommen, mir würde es gut gehen. Angenommen, ich hätte ein bisschen mehr Energie. Angenommen, ich hätte ein bisschen mehr Enthusiasmus, was könnte ich dann machen?“ oder „Angenommen, ich wäre jetzt so geschickt, wie ich vor 5 Jahren war. Wie würde ich das dann umsetzen?“ Der Geist, das Unterbewusstsein, kennt keinen Konjunktiv. Wenn man ausreichend darüber nachdenkt, „Wie würde ich reagieren, wenn ich so und so wäre?“ wird man letztlich so und die innere Befindlichkeit kippt ins Positive.

Solche Empfehlungen sind natürlich nur geeignet, wenn die Fantasien nicht zu stark und zu bedrohlich sind. Bei allem, was darüber hinaus geht, ist es sicher angebracht, sich weitergehende therapeutische Hilfe zu holen.

So gibt es verschiedene kleine Dämonen, die wir in uns haben und man kann lernen, mit manchen seiner Dämonen etwas gelassener umzugehen.

Talente, Fähigkeiten, Handlungsalternativen als „Waffen“ nutzen

Arjuna bezeichnet Krishna als „Oh mächtig Bewaffneter“.  Wörtlich macht das keinen Sinn, denn Krishna hat sich nur als Wagenlenker zur Verfügung gestellt mit der ausdrücklichen Ansage, dass er selbst keine Waffe in die Hand nimmt. Damit sind also nicht physische Waffen gemeint, sondern gewissermassen ein breites Arsenal von Weisheiten, Techniken und Möglichkeiten, mit sich selbst umzugehen. Daraus besteht letztlich die Bhagavad Gita.

Krishna rät Arjuna immer wieder etwas anderes, was sich scheinbar zu widersprechen scheint und nachdem er ihm schon fünf mögliche Techniken und Einstellungen genannt hat, gibt er ihm noch eine sechste und eine siebte. Das will uns sagen, dass auch wir “mächtig” und “bewaffnet” sind. Die kriegerische Ausdrucksweise liegt mir zwar nicht, aber Krishna hat eben zu einem Krieger gesprochen bzw. Arjuna benutzt die Sprache eines Kriegers. Wir sind mit vielen Werkzeugen ausgestattet, mit vielen verschiedenen Möglichkeiten, auf Situationen zu reagieren, wir haben viele alternative Handlungsebenen, Fähigkeiten und Talente, wenn wir sie nur zu nutzen verstehen und uns trauen, sie zu nutzen.

Später, ab dem 41. Vers, erklärt Krishna Arjuna, er solle seiner Prakriti, seiner Wesensnatur, gemäß handeln. Aber ich erlebe es immer wieder bei Aspiranten, dass sie ihre Wesensnatur sehr einschränken, ihre Fähigkeiten nicht zur Entfaltung kommen lassen. Man hat ein bestimmtes Selbstbild, und dieses Selbstbild ist oft sehr beschränkt. Die meisten Menschen haben Talente auf Gebieten, von denen sie noch nicht einmal ahnen, dass sie sie haben.

Ich höre relativ häufig, dass jemand sagt, „Das ist nicht mein Ding.” Oder “Das kann ich nicht.“ Und ich sehe, der Mensch hat das Talent dazu.

Im Gegensatz zu Swami Vishnu bin ich da etwas nachsichtiger. Swami Vishnu hat einen in einem solchen Fall nur angeschaut, oder als Steigerung noch tief geatmet, das hat ausgereicht, dass man es sofort gemacht hat. – Ich lasse es dann erst mal so stehen und denke, gut, wenn es jemand anderer machen kann, dann soll es eben so sein. Aber wenn niemand anders da ist, bin ich der festen Überzeugung, das Karma hat diesen Menschen in die Situation gebracht, damit er über die Beschränkungen seines Selbstbildes hinauswächst, um das zu manifestieren, was in ihm angelegt ist und brach liegt. Daher halte mehr in dir für möglich!  – Das heißt nicht, dass jeder alles kann, obwohl sehr viel trainierbar ist.

Stärken kultivieren

Es ist wichtig, seine Stärken und Schwächen herauszufinden. Man kann über sich hinauswachsen, indem man auch mal Dinge tut, die einem nicht liegen. Aber man arbeitet nicht übermäßig an seinen Schwächen. Statt dessen entdeckt man die Stärken in sich, die einen sehr erfolgreich auf einem Gebiet werden lassen können, wenn man sie fördert. Krishna sagt, man soll seiner Prakriti folgen und das heißt im Wesentlichen, seinen besonderen Stärken.

Angenommen, man arbeitet an seinen Schwächen, dann wird man höchstens mittelmäßig. Aber angenommen, man arbeitet an seinen Stärken, dann wird man darin richtig gut. Das gilt mit zwei Einschränkungen. Erstens, man kennt nicht all seine Stärken. Zweitens, Schwächen gilt es auch zu überwinden, nämlich in dem Maße, wie sie einen daran hindern, seine Stärken zum Vorschein zu bringen. Und natürlich, wenn sie unethisch sind, sowieso.

Ein Praxisbeispiel: Angenommen, du hast die weit verbreitete Schwäche der Schüchternheit. Schüchternheit muss man in dem Maße überwinden, wie sie einen davon abhält, Talente, die man hat – z.B. die Fähigkeit großartige Vorträge oder Yogastunden zu geben, wunderschön zu singen oder eine Teamleiterfunktion einzunehmen, andere Menschen zu etwas anzuleiten und zu begeistern – zum Vorschein zu bringen. Schüchternheit kann all das behindern, also muss man sie überwinden.

Swami Vishnu, mein Meister, hat mich sehr viele Dinge machen lassen und mich auf vielfältigste Weise gefordert und gefördert. Es funktionierte aber auch deshalb, weil ich mir vorgenommen hatte, wenn Swami Vishnu mir eine Aufgabe gibt, dann mache ich sie auch, egal was es ist. So habe ich vieles in mir entwickeln und entdecken können, was sich sonst vielleicht nie hätte entfalten können.

Was ist „Entsagung“?

In einigen Schriften, unter anderem auch in der Bhagavad Gita in den vorherigen Kapiteln, ist öfter von Entsagung die Rede. Um zur Verwirklichung zu kommen, müssen wir auch einmal auf etwas verzichten oder Handlungen ab und zu nicht ausführen, einfach um einen Wunsch nicht zu erfüllen, um den Geist zu beherrschen.

Arjuna will in diesem Vers wieder etwas über Entsagung hören, und zwar dieses Mal über den Unterschied zwischen Sannyasa und Tyaga. Die beiden Ausdrücke bedeuten etwas Ähnliches, unterscheiden sich aber in der Bedeutung doch etwas.

Sannyasa

Sannyasa im weiteren Sinn ist die Grundeinstellung der Entsagung. Sannyas im engeren Sinne heißt, man wird Swami, Mönch oder Nonne, verzichtet auf persönlichen Besitz, Familie, Zuhause, lebt enthaltsam und widmet sein ganzes Leben Gott. In der Yogatradition tragen Sannyasins Orange und bekommen den Titel „Swami“. Orange erinnert an das Feuer der Entsagung. So ist auch die Sannyas-Weihe ein Feuerritual, wo man symbolisch mit Gegenständen, die man ins Feuer gibt, seine eigene Totenzeremonie ausführt, zum Zeichen, dass man als individuelles Wesen mit einem individuellen Körper zu existieren aufhört.

Krishna interpretiert Sannyas hier anders, nämlich als Karma Sannyasa, d.h., auf mit Wünschen verbundene Handlungen zu verzichten. Es bedeutet auch, sich als spirituelle Praxis bewusst vorzunehmen, auf das eine oder andere zu verzichten.

Tyaga

Tyaga heißt, nicht an den Früchten der Handlung zu hängen.

Für die Mehrheit der Leser mag “Entsagung” nicht wirklich die Hauptfrage, das Hauptanliegen sein. – Wir wollen vielleicht etwas ganz anderes wissen. Aber in der ganzen Bhagavad Gita geht es darum, wie kommen wir zum Höchsten? Unter diesem Blickwinkel, im Hinblick auf dieses Ziel, gilt es auch, Verhaftungen zu überwinden, also bestimmten Verhaltens- und Denkgewohnheiten zu entsagen, ungesunden oder ungeschickten Wünschen und Bestrebungen zu entsagen. Es gilt, jenseits von Mögen und Nicht-Mögen zu kommen. Es gilt, jenseits von Gier, Ärger und Hass zu kommen und hinter allem das Göttliche zu sehen, eine höhere Wahrheit zu erkennen.

Gleichzeitig geht es auch darum, nicht wegzurennen. Weltliche Pflichten sind zu erfüllen. Die Welt hat ihren Sinn und wir haben auch eine Mission. Als Instrumente einer höheren Wahrheit haben wir bestimmte Aufgaben. So will Arjuna hier nochmals wissen, wie geht das, entsagen und handeln? Was ist mit Entsagung, Sannyas, und Verzicht, Tyaga, genau gemeint? Krishna – nachdem er im Laufe der Bhagavad Gita schon sehr viele Antworten auf diese Frage gegeben hat – gibt nochmals eine neue Antwort, von der er sagt, „Dies ist meine letzte und tiefste Aussage“. Von daher ist sie besonders wichtig.

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