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17-22 Kommentar Sukadev

Man gibt jemand widerstrebend etwas, nach dem Motto: „Wenn es unbedingt sein muss, hier hast du es halt…“ – schon wenn man das nur denkt, wird es ein tamasiges Geschenk. Wenn man jemandem etwas gibt, sollte es mit Respekt und natürlich auch mit Liebe geschehen.

….an eine nicht würdige Person…: Swami Nityananda, ein Schüler von Swami Sivananda, der in Delhi in den Slums vieles getan hat, eine Schule, ein Waisenhaus, medizinische Versorgung und andere soziale Werke aufgebaut hat, sagt immer: „Wenn du in Indien bist, gib ja keinem Kind Geld.“ In Indien herrscht Schulpflicht, und wenn die Kinder tagsüber um Geld betteln gehen, dann tun sie es nicht aus eigenem Antrieb, sondern weil sie entweder von den Eltern dazu angehalten werden oder, noch häufiger, es gibt mafia-artige Strukturen, wo Kinder eingesammelt und gezwungen werden, zu betteln, und deshalb gehen sie nicht in die Schule. Als Folge davon wächst eine weitere Generation von Kindern heran, die keine Schulbildung hat, und so wird der Kreislauf nie durchbrochen. Deshalb sollte man seiner Empfehlung zufolge unter keinen Umständen Kindern Geld geben. Sachwerte – eine Banane, ein Buch oder ein spirituelles Comic – ist schon eher ok, dann sieht man, wie das Kind darauf reagiert.

Das gilt übrigens nicht nur für Indien. Es gab mal eine Weile in Frankfurt eine Zeit, da standen an jeder Ecke bosnische oder kroatische Kinder mit herzzerreißendem Gesichtsausdruck und haben Passanten angebettelt. Damals war ich gerade in Frankfurt und weil es mich interessiert hat, was das Kind nachher mit dem Geld macht, habe ich es eine Weile lang beobachtet. Nachdem es von etwa 20 Passanten Geld bekommen hatte, ist es um die Ecke gegangen. Da stand ein dicker Mercedes mit einem gut genährten Mann, dem hat es das Geld abgeliefert und ist dann wieder zurück auf den Platz zum Betteln gegangen. An solchen Missständen sind nicht nur die Mafiosi schuld, sondern auch diejenigen, die den Kindern Geld geben. Denn wo eine solche Tendenz ist, Kindern auf der Straße Geld zu geben, zieht es solche Methoden nach sich.

Etwas ähnlich Grenzwertiges in Indien ist, wenn man Krüppel am Straßenrand sieht und ihnen Geld gibt. Das sind oft Menschen, denen als Kind ein Arm abgeschlagen wurde, damit sie leichter betteln können. So lange Verkrüppelung das Betteln erleichtert, wird es weiter viele Krüppel in Indien geben. Viel sinnvoller ist es, das Geld gemeinnützigen Institutionen zu geben, die es tatsächlich verwenden für bessere Bildung, für eine Verbesserung der Wohn- und sozialen Verhältnisse. Es gibt auch gemeinnützige Stationen, die künstliche Gliedmaßen herstellen, da sind die Inder inzwischen führend. Vor kurzem habe ich einen Artikel gelesen über solche Initiativen, die mit einfachsten Mitteln sehr gute Prothesen herstellen. Solchen Institutionen sollte man dann eben helfen, oder solchen, die anderweitig Kranken helfen. Individuelle Bettelgaben sind im Normalfall keine echte Hilfe. Wer helfen will, sollte es so machen, dass dem Bettelunwesen nicht Vorschub geleistet wird.

Ich habe das jetzt nur als Beispiele gebraucht. Es gäbe noch viele andere Beispiele für „würdiges Schenken“.

Zum Beispiel im Umgang mit den eigenen Kindern. Generell wird in der Erziehung geraten, einem Kind ein festes Taschengeld zu geben, aber nicht im Einzelfall, wenn ein Kind bettelt: „Mami, ich bräuchte noch das, könntest du mir bitte…“. Damit erzieht man Menschen zur Bettelei. Sie werden konditioniert, dass sie denken, wenn ich nur ausreichend lange quengele, bekomme ich es. Das funktioniert ab einem gewissen Alter nicht mehr. Man zieht so eine Generation von Menschen heran, die meint, Lamentieren führe dazu, dass man etwas erreicht. Besser wäre in so einem Fall zum Beispiel zu sagen: „Gut, der Rasen ist zu mähen, oder das Bad zu putzen, wenn du das machst, kriegst du noch etwas dafür.“ Dass also Kinder und Jugendliche lernen, wenn sie mehr haben wollen, müssen sie etwas dafür tun. Also hier ein Geschenk ohne Gegenleistung zu geben, ist für Heranwachsende nicht hilfreich, im Gegenteil.

„… unrechte Gaben am unrechten Ort“: Wenn man Menschen spirituelle Weisheit gibt, die dafür nicht offen sind, dann ist es auch kein sattwiges Geschenk. Wir müssen überlegen und wissen, wie sprechen wir wann zu wem. Angenommen, man gibt an einer Reha-Klinik in einem Kurort einen Vortrag, dann wird man anders über Yoga sprechen als bei einem Treffen von spirituellen Traditionen, wo Buddhisten und andere spirituelle Meister dabei sind. Und so müssen wir aufpassen, dass wir auch mit großer Bewusstheit geben.

Oder jemand will mit dem Rauchen aufhören und bittet uns um eine Zigarette. Sie ihm zu geben, wäre eine tamasige Gabe. Man verhindert damit, dass er sich von seiner Sucht befreien kann.

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