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17-05 Kommentar 2 von Sukadev

Bhagavad Gita, 17. Kapitel 5. Vers: Fallstricke und Arglist auf dem geistigen Weg

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„Asastra-vihitam ghoram tapyante ye tapo janah dambhahankara-samyuktah kama-raga-balanvitah.“

Krishna, der Lehrer, spricht zu Arjuna, dem Schüler:

„Menschen, die schreckliche, von den Schriften nicht gebotene Askesen üben, die der Heuchelei und dem Egoismus unterliegen und getrieben sind von der Kraft von Gier und Verhaftung.“

Krishna spricht hier über tamasige Spiritualität oder auch rajasige. Er sagt nachher, das ist aus asurischen Vorsätzen. Asura kann rajasig und tamasig sein. Was heißt Spiritualität, die zerstörerisch ist? Wie kann Spiritualität zerstörerisch sein? Wenn man übertriebene, nicht gebotene Askesen übt. Also, wenn man etwas tut, was seinem Körper und seiner Psyche schadet. Yoga sagt, es ist gut, auch mal Askese zu üben, es ist auch mal gut, auf etwas zu verzichten, aber es sollte dabei gesund sein für den Körper. Zu fasten ist gut, solange man genügend trinkt. Wenn du fastest und nichts trinkst, kannst du dich schädigen. Das ist dann nicht gut, das solltest du nicht machen. Auf bestimmte Dinge zu verzichten, z.B. auf Zucker und Süßigkeiten zu verzichten für eine Weile, ist eine gute Askese. Aber auf Nährstoffe zu verzichten oder einfach nur von etwas zu leben, ohne auf die Bedürfnisse deines Körpers zu achten, das wiederum ist nicht gut. Eine zweite Weise, wie eine Spiritualität ungut sein kann, ist Heuchelei. Du behauptest, etwas zu tun, was du nicht wirklich machst. Du sagst, wie großartig es ist, zu meditieren und meditierst selbst nicht. Du sprichst davon, wie wichtig es ist, täglich Asanas und Pranayama zu üben, und du übst keine Asanas und Pranayama. Du sprichst davon, wie wichtig es ist, wahrhaftig zu sein, und bist es selbst nicht. Auch unter vielen Swamis gibt es solche, die predigen Brahmarcharya und erwähnen ganz besonders, wie wichtig es ist, sexuell enthaltsam zu sein, und haben selbst mehrere Beziehungen parallel laufen. Das ist dann Heuchelei. Wenn man demütig ist, dann kann man auch den einen oder anderen Fehler machen. Kein Mensch, außer vielleicht der Selbstverwirklichte, ist vollkommen. Wenn man vorgibt, etwas zu sein, was man nicht ist, ist es Heuchelei. Wenn man von anderen etwas erwartet, worum man sich nicht selbst bemüht, ist es Heuchelei. Wenn man sagt, das und das sind die Ideale und wir wollen gemeinsam danach streben, dann ist es keine Heuchelei, selbst wenn du dem noch nicht gerecht wirst.

Egoismus ist ein nächster Faktor, der Spiritualität untergraben kann. Du praktizierst Spiritualität, um großartiger zu erscheinen als andere. Oder wenn du eine gewisse spirituelle Ausstrahlung hast, dann nutzt du deine spirituelle Ausstrahlung, um Ruhm und Ansehen zu bekommen oder ein bequemes Leben zu haben. Es gibt manche Lehrer, die leben ein Luxusleben und ihre Schüler leben sehr armselig. Dann wird das Ego des Lehrers gesteigert. Also, dieser Gefahr muss man sich auch entgegensetzen. Kraft von Gier und Verhaftung: Man kann auch spirituell gierig sein im Sinne von: „Ja, ich will noch mehr Erfahrungen machen. Ich will noch mehr spirituelle Erfahrung. Ich will dieses noch mitnehmen und jenes mitnehmen.“ Es gibt auch Menschen, die wollen unbedingt jedes Seminar haben usw. Es ist gut, spirituell zu wachsen, es ist gut, Seminare zu besuchen. Nur, man muss aufpassen, dass man dort nicht zu gierig ist.

Verhaftung: Man kann auch verhaftet sein an alles Mögliche. Es gilt, zu sehen, dass die spirituellen Praktiken Mittel zum Zweck sind. Vorübergehende Erfahrungen werden irgendwann vorbeigehen. Und auch die Meister, die uns viel geben, irgendwann wird die Beziehung zu ihnen sich ändern. Meister können den physischen Körper verlassen. Es kann sogar sein, dass es einen Meister gibt, der sich nachher als ganz anders herausstellt als wir gedacht haben. Dann kommen Enttäuschungen. Manchmal klammern wir uns an ein Bild, wie der Meister ist und nachher ist er anders. Als das sind Verhaftungen, die es zu überwinden gilt. Das sind einige der Fallstricke auf dem Weg der Spiritualität, daher benutze deinen gesunden Menschenverstand, sei aufrichtig und ehrlich, sei nicht gierig und vertraue dich ganz Gott an.