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15-07 Kommentar Swami Sivananda

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Nun erklärt der Herr, wie die individuelle Seele entsteht. Die individuelle Seele ist ein Strahl des Herrn. Ein Strahl des höchsten Wesens betritt die Natur, zieht die fünf Sinne und den Geist an sich und wird zu einer verkörperten Seele (Jiva), indem sie einen Körper annimmt. Hier ist eine Beschreibung, wie der subtile Körper, LingaSarira, in den grobstofflichen Körper eingeht.

Wenn sich die Sonne auch im Wasser spiegelt, wird sie doch in keiner Weise befleckt. Wenn ein Kristall mit einem roten Tuch oder einer roten Blume in Berührung kommt, scheint er rot zu sein; in Wirklichkeit ist er es nicht. Ebenso wird das höchste Wesen in keiner Weise vom Handeln der individuellen Seele befleckt.

Unwissenheit ist die begrenzende Hülle der individuellen Seele. Aufgrund der von Unwissenheit geschaffenen Begrenzung erfährt die Seele, daß sie Ausführender und Erlebender ist. In ihrer Essenz ist die individuelle Seele identisch mit dem höchsten Wesen, Brahman. Wenn Unwissenheit, die begrenzende Hülle, das Prinzip, zerstört ist, erkennt die individuelle Seele (der Jiva) ihr Einsseins mit dem höchsten Wesen (Brahman).

So wie der Äther im Gefäß eins wird mit dem universellen Äther, wenn die begrenzende Hülle, das Gefäß, zerbrochen ist, so wird auch die individuelle Seele eins mit Brahman, wenn die begrenzende Hülle, Unwissenheit, ausgelöscht ist. So wie es keine Rückkehr gibt für den Gefäß-Äther, wenn er sich nach dem Zerbrechen des Gefäßes mit dem universellen Äther vereinigt hat, so gibt es auch hier keine Rückkehr für die individuelle Seele, nachdem die begrenzende Hülle (das Anthakarana, der Geist und die anderen inneren Instrumente) zerstört worden sind. Sie wird eins mit Brahman.

Pratibimba (Spiegelung) ist nur ein Teil des Bimba (Dings). Die reflektierte Sonne ist nur ein Teil der wirklichen Sonne (die Sonnenstrahlen). Wenn das Wasser weg ist, geht die reflektierte Sonne zur ursprünglichen Sonne zurück, könnte man sagen. Sie kehrt nicht mehr zum Wasser zurück. Ebenso, wenn Unwissenheit, der Geist, ausgelöscht ist, wird der Jiva (die individuelle Seele), der eine Reflexion Brahmans ist, in das Bimba Brahman aufgenommen. Er kehrt nicht zu dieser Welt von Geburt und Tod zurück.

Die individuelle Seele ist nur ein eingebildeter, fiktiver Teil Brahmans. Sie ist kein wirklicher Teil. Denn das höchste Wesen ist unteilbar. Es hat keine Teile. Hätte Es Teile hat, wäre es der Zerstörung anheim gegeben, wenn die Teile abgetrennt oder weggenommen werden.

Die Sinne sind in der Natur, in ihrem jeweiligen Sitz wie Ohr, Haut, Zunge, Augen und Nase. Ein Sannyasin, der in einer Höhle im Himalaya lebt, träumt, er wäre verheiratet und ginge hierhin und dorthin, um eine Arbeit zu finden und seinen Lebensunterhalt zu verdienen. Ebenso vergißt die individuelle Seele ihre wahre göttliche Natur, hält fälschlicherweise den unreinen, vergänglichen Körper für das reine, unsterbliche Selbst und stellt sich vor, sie wäre der eigentlich Handelnde und Erlebende, da sie sich mit dem Körper identifiziert. Sie sagt: »Ich bin Karta. Ich bin Bhokta. Ich bin eine von Samsara gebundene Seele. Ich bin glücklich. Ich bin traurig.« Sie wird begrenzt.

Im wesentlichen ist der Jiva identisch mit Brahman. Der Unterschied beruht auf Täuschung, Einbildung oder Überlagerung. Die Illusion des Andersseins ist zurückzuführen auf die begrenzende Hülle, das Prinzip (den Geist), so wie auch die Illusion, daß sich der Äther im Gefäß vom universellen Äther, von der begrenzenden Hülle unterscheidet, auf das Gefäß zurückzuführen ist. Jiva-brahma-bheda-bhranti (die Illusion des Unterschieds zwischen der individuellen Seele und dem höchsten Wesen) wird beseitigt, wenn die begrenzende Hülle (der Geist) ausgelöscht wird. Im Tiefschlaf ruht der Geist in einem subtilen Zustand gemeinsam mit den Samskaras (Eindrücken) und Vasanas (Neigungen) in seiner Ursache (Urunwissenheit). Er kommt wieder zurück aus diesem Zustand der Unwissenheit, wenn er zum Wachzustand zurückkehrt. Wenn die Ursache (Unwissenheit) durch Selbsterkenntnis zerstört worden ist, wird auch ihre Auswirkung (der Geist) ausgelöscht.

So wie die Schildkröte Kopf und Füße herausstreckt, die im Zustand von Laya (Absorption) in ihrem Körper waren, so streckt die individuelle Seele ihren Geist und die Sinne heraus, die in der Urunwissenheit, im Tiefschlaf, in einem Zustand der Absorption waren, um im Wachzustand Sinnesobjekte zu erfahren.
Ein Strahl des höchsten Wesens geht in die Natur ein, zieht die fünf Sinne und den Geist an sich: In diesem Vers wird die Bildung des Astralkörpers (Linga-Sarira oder Sukshmasarira) beschrieben.
Die Shruti sagt:

»Dieses höchste Wesen selbst hat die Zusammensetzung des Körpers geschaffen,
von Kopf bis Zeh, und hat in der Form des Jiva diesen Körper betreten.«

Vedanta sagt, es gibt neunzehn Prinzipien, nämlich die fünf Wahrnehmungsorgane, die Handlungsorgane, die fünf Lebensströme (Prana, Apana, Vyana, Samana, Udana), den Geist, den Verstand, Chitta (den unterbewußten und unbewußten Geist) und das Ichbewußtsein. Wir müssen schließen, daß die Worte die fünf Sinne und der Geist auch die restlichen dreizehn Prinzipien miteinschließen.
Amsa: Das bedeutet hier nicht Partikel oder Teil, der herausgetrennt worden ist. Es ist wie ein Amsa des Äthers im Gefäß: Der Äther ist nicht herausgetrennt, sondern bleibt nach wie vor der gesamte Äther. (Vgl.XIV.3)

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