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14-01 Kommentar Sukadev

Krishna versichert Arjuna, er wird ihm jetzt das höchste Wissen mitteilen, die höchste Erkenntnis, die zu Vollkommenheit führt. Es geht nicht einfach um etwas Alltägliches oder Banales. Es geht nicht darum, was man gegen Rückenprobleme machen kann oder um besser mit dem Partner auszukommen. Hier geht es um das das Großartigste! – Nur, wir schätzen es nicht immer. Oft scheint uns das interessanter, was uns bei einem Rückenproblem helfen kann, wie wir besser mit unseren Emotionen umgehen, wie wir unsere Kommunikation verbessern können usw., was natürlich auf einer relativen Ebene auch alles wichtig ist. Und tatsächlich hilft uns die Bhagavad Gita ja auch bei diesen Themen. Aber jenseits dessen ist sie auf das Höchste ausgerichtet. Wir wollen zur höchsten Vollkommenheit kommen, und sie will uns den Weg dorthin zeigen. Es lohnt sich, sich dessen ganz bewusst zu werden: Höchste Vollkommenheit ist das Ziel; das Großartigste und Höchste, was wir überhaupt erreichen können.

Der Schwerkraft des Alltags widerstehen

Der Alltag hat eine starke Tendenz, uns immer wieder in den alten Trott fallen zu lassen bzw. alles zu relativieren. Es gibt so viele interessante Sachen, die man auch noch alle machen kann. Und man kann ja tatsächlich auch Vieles machen. Krishna befürwortet ja explizit das aktive Handeln im Alltag, die Vielseitigkeit, die Flexibilität. Bei alledem sollte man sich aber immer wieder ins Bewusstsein rufen: „Jenseits all dieser interessanten Dinge will ich zum Höchsten kommen. Ich will mich nicht mit begrenzten Sachen zufrieden geben.“

Warum eigentlich nicht? Wir könnten uns doch mit begrenzten Sachen zufrieden geben? – Relative Dinge haben ein Problem – sie sind begrenzt! Und weil sie begrenzt sind – zeitlich, örtlich – begrenzen wir uns, wenn wir sie zum höchsten Ziel setzen. Wenn es zum Beispiel unser höchstes Ziel ist, dauerhaft gesund zu sein, dann ist Eines ganz sicher: Wir werden dieses Ziel auf Dauer nicht erreichen! Vorübergehend können wir mit einer gesunden Lebensweise, Yoga, Ernährung usw. viel erreichen, aber eben nicht dauerhaft. Alles, was geboren ist, unterliegt der Vergänglichkeit, und so wird dieser Körper irgendwann sterben.

In ähnlicher Weise lassen wir uns viele relative Ziele einfallen, die wir erreichen wollen und die uns doch begrenzen. Krishna will uns zur Unbegrenztheit führen.

Das Schöne an der Bhagavad Gita ist, dass diese Unbegrenztheit auch das begrenzte Leben einbezieht. Sie rückt alles in die rechte Perspektive, nämlich auch mittels und inmitten von allem Relativen zum höchsten Wissen zu kommen.

Seid vollkommen, wie euer Vater im Himmel vollkommen ist

Krishna sagt aber auch, dies sei keine neue Lehre, sondern es handele sich um empirische Erfahrung: Diejenigen, die dieses Wissen kannten und befolgt haben, haben die höchste Vollkommenheit erreicht. Und diese Vollkommenheit, die die Weisen früherer Zeiten erreicht haben, können auch wir erreichen. Wir neigen dazu, unseren Anspruch zu schnell zu niedrig anzusetzen. Wir sagen: „Ein Swami Sivananda konnte die Vollkommenheit erreichen, vielleicht noch ein Swami Chidananda, eine Anandamayi Ma, ein Ramakrishna, aber das waren alles große Yogis. Ich bin nur ein Yoginchen.“

Es ist auch ok, wenn wir uns erst mal so fühlen. Nur: In jedem von uns ist Vollkommenheit angelegt. Dies zu erkennen und zu verwirklichen fordert Krishna uns immer wieder auf.

Auch Jesus sagte zu seinen Jüngern: „Seid vollkommen wie euer Vater im Himmel vollkommen ist.“ (Matthäus 5.48) „Ist der Jünger vollkommen, ist er wie sein Meister.“ (Lukas 6.40, Matthäus 15.14).  Er wirft seinen Jüngern auch immer wieder vor: „Warum seid ihr so kleingläubig? Ihr könnt alles!“ (Matthäus 14.31) und „Ihr könnt Wunder wirken“.

So sollten wir nicht zu schnell das höchste Ziel aufgeben und uns zufrieden geben: „Wenn ich täglich meine Asanas mache, ab und zu mal an Gott denke und meine Umgebung nicht zu sehr schikaniere, ist das auch schon gut.“ Es ist tatsächlich auch schon gut, ohne Zweifel. Zu viele Menschen schikanieren andere und dabei sich selbst oft sogar am meisten.

Aber wir wollen immer wieder Krishnas hohe Ideale anstreben, uns ihrer immer wieder bewusst werden. Und wir sollten sie nicht zu sehr in die Zukunft verschieben. Manches sollte man zwar geduldig angehen, aber wir können uns immer wieder, in diesem Moment, bewusst werden:

Aham brahmãsmi – Ich bin Brahman, das Absolute

oder

Sarvam Khalvidam Brahma – Alles ist wahrlich Brahman.

Wir können uns jetzt, in diesem Moment, bewusst werden: Ich bin eine Zelle im unendlichen Organismus Gottes und ich kann mich als solche fühlen – jetzt, nicht irgendwann in der Zukunft, wenn ich alles andere auf der relativen Ebene erreicht habe.

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