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12-04 Kommentar Sukadev

Krishna lehrt Arjuna, dass auch die Menschen Gott verwirklichen können, die Gott abstrakt verehren. Allerdings ist es für sie sehr viel schwieriger. Sie verehren Gott in einer unveränderlichen Form, bezähmen dann die Sinne, bleiben in jeder Situation gelassen und sind auf das Wohl aller Wesen bedacht.

Diejenigen, die Gott in konkreter, persönlicher Form verehren, haben es etwas leichter. Denn dem menschlichen Geist fällt es schwer, dauerhaft abstrakt zu denken. Konkret und persönlich bedeutet nicht, dass wir uns Gott als Krishna vorstellen müssen. Ich glaube, heutzutage ist es für westliche Aspiranten eher selten, dass sie zu Krishna oder zu Shiva in der konkreten Form beten.

Manche Menschen praktizieren Yoga und haben Jesus als konkreten persönlichen Gottesbezug. Die oberen Verse Krishnas bestärken diese Menschen in ihrem Glauben. Jedoch manche Menschen im Westen, die Yoga praktizieren, haben sich bewusst von der christlichen Gottesvorstellung gelöst und wollen sich Gott gar nicht in einer anderen Form vorstellen. Sie nehmen zwar die verschiedenen Formen Gottes, z.B. aus der hinduistischen Mythologie, als Symbole, singen Mantras mit Namen aus der indischen Mythologie, machen Pujas (Verehrungsrituale), stellen sich Murtis von Krishna, Shiva,  Durga etc. auf den Altar und meditieren über die Bedeutung dieser Symbolik, aber sie beten nicht zu Gott in solch einer konkreten Gestalt. Sie stellen sich Gott mehr als kosmisches Licht, kosmische Intelligenz, als nicht vorstellbare Allgegenwärtigkeit vor. Aber auch wenn du dir Gott nicht konkret vorstellst, kannst du eine persönliche Beziehung zu Gott aufbauen. Du kannst zu Gott beten. Du kannst Gott dein Herz ausschütten. Du kannst zu ihm sprechen. Und oft hörst du dann Gott zu dir sprechen, erfährst die Gewissheit seiner Gegenwart. Du spürst den Segen und fühlst, dass er da ist. Das ist eine Verbindung zwischen abstrakter und konkreter Gottesvorstellung. Das machen sehr viele Menschen. Diese Art der persönlichen Gottesbeziehung ist etwas sehr Machtvolles und Segensreiches.

Manchen Menschen fällt es leichter, eine persönliche Gottesbeziehung zu einem großen Meister aufzubauen. Im Haus Yoga Vidya Bad Meinberg gibt es viele Mitarbeiter, die beim Beten Swami Sivananda als ihren Ansprechpartner betrachten. Über ihn wissen sie etwas. Über ihn können sie etwas lesen. Von ihm gibt es Fotos. Es gibt Geschichten. Manche Fotos von Swami Sivananda sind sehr machtvoll. Du kannst darüber meditieren, z. B. Tratak darauf üben, also das Bild anschauen und anschließend innerlich darüber meditieren. Manchmal bekommst du dann das Gefühl, dass sich Swami Sivananda auf dem Foto bewegt und dass von ihm eine große Kraft ausgeht. Bei vollständig selbstverwirklichten Meistern ist es so, dass Gott, also Ishwara, die Gestalt der großen Meister annimmt. Und auch wenn der Meister als Individuum nicht mehr lebt, ist seine Gestalt dennoch eine Manifestation Gottes auf der Welt. Die Gestalt des Meisters wird zur Manifestation von Ishwara und nimmt die konkreten Eigenschaften des Meisters an, weshalb man zu diesem Meister durchaus beten und sich segnen lassen kann. Es ist also nicht mehr der Meister als Individuum, sondern Gott selbst, der diese Gestalt annimmt. Der Meister kann einem auch erscheinen. Er kann einem Darshan, also eine Vision geben. Er kann einen führen, manchmal im Traum, manchmal mit offenen Augen, manchmal in der Meditation, manchmal über Eingebungen im Alltag.

Es ist hilfreich, eine persönliche Beziehung zu Gott aufzubauen. Dies kann über Gottinkarnationen wie Jesus, Buddha und Krishna, Manifestationen Gottes wie Shiva, Vishnu und die Göttliche Urmutter geschehen, über Meister/Meisterinnen/Heilige sowie über abstrakte Gottesvorstellungen wie Gott als Licht, als kosmische Intelligenz. Wir können Gott aber auch als unveränderlich, unerklärbar, nichtmanifest, allgegenwärtig und undenkbar verehren. Wir können uns Gott als so erhaben vorstellen, dass wir keine persönliche Beziehung zu Ihm aufbauen. Krishna sagt, auch mit dieser Art der völlig abstrakten Verehrung kommen wir zur höchsten Verwirklichung. Das ist jedoch erheblich schwerer als über die persönliche Gottesbeziehung und -verehrung.

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