Suche
  • TIPP: Nutze die Suche, um bestimmte Verse zu finden.
  • z. B.: die Eingabe 01-21 bringt dir 1. Kapitel, 21 Vers.
Suche Menü
Kapitel
Vers
Schrift öffnen

09-12 Kommentar Sukadev

Wenn wir Gott nicht erkennen in einer seiner Gestalten, sagt Krishna, sind letztlich alle Hoffnungen vergebens.

Angenommen, man sagt: „Mein Ziel des Lebens ist es, nicht krank zu werden.“ Ist das ein gutes Ziel? Angenommen, mein Ziel ist es, gesund zu bleiben, ist das ein gutes Ziel? Nein. Es ist unrealistisch. Warum ist es unrealistisch? Wir werden irgendwann im Leben krank werden und sterben.

Angenommen, unser Ziel ist, reich zu werden. Ist das ein sinnvolles Ziel? Nein. Irgendwann werden wir alle unseren Reichtum hinter uns lassen müssen. Spätestens, wenn wir sterben. Egal wie viel Tausende oder Millionen Euro wir bis dahin angehäuft haben.

Es gibt eine schöne Geschichte über einen großen indischen Heiligen namens Shivaji. Er war ein König. Er war sehr stolz, hat sein Königreich vergrößert, war ein sehr fähiger Menschenkenner und hatte gute Verwalter gehabt. Die Wirtschaft prosperierte, er konnte sich andere Königreiche einverleiben und dachte von sich, er wäre großartig. Er war auch fromm und ist regelmäßig zur Puja gegangen. Eines Tages konnte er mal nicht zur Puja gehen und hat zu seinem Boten gesagt: „Geh du zu der Puja und bringe mir etwas von dem Prassad mit.“ Der Bote tat wie geheißen. Der Priester hat ihm aber nicht etwas Süßes oder Obst für den König mitgegeben, sondern ihm stattdessen ein paar zerbrochene Nadeln mitgegeben. Unter den zerbrochenen Nadeln lag ein ganz kleiner Zettel auf dem stand: „Selbst die wirst du nicht mitnehmen.“ Der König bekam nun das Prassad, sah zunächst nur die zerbrochenen Nadeln und dachte, der Priester wollte ihn auf den Arm nehmen. Er wollte ihn schon köpfen lassen. Aber da sah er unter den zerbrochenen Nadeln den Zettel. Er piekste sich in den Finger, als er ihn hervorholte und las: „Selbst die wirst du nicht mitnehmen.“ Da durchzuckte es ihn. Er erkannte seine Dummheit. Er würde nichts mit in den Tod nehmen können.

Einige Menschen nehmen an, der Sinn ihres Lebens sei es, für ihre Kinder da zu sein. Auch dazu möchte ich euch eine kleine Geschichte erzählen. Es ist eine jüdische Geschichte. Von den Juden heißt es, dass sie sich ganz besonders um ihre Kinder kümmern.

Die Geschichte lautet folgendermaßen:

Eines Tages kam ein junger Sohn von der Schule nach Hause und brachte eine schlechte Zensur in der Mathearbeit mit. Er zeigte das seiner Mutter und diese sagte zu ihm: „Mein Sohn, wie kannst du uns das antun? Unser ganzes Leben haben wir nur darauf verwendet, um für dich und für deine Bildung da zu sein, uns geopfert, unser ganzes Leben – nur für dich!“ Der Junge war jetzt nicht am Boden zerstört, sondern etwas kess und fragte: „Und wie war das mit deinen Eltern? Haben die sich für dich aufgeopfert?“ „Ja, selbstverständlich!“ „ Und die Großeltern, haben die sich für deine Eltern aufgeopfert?“ „Ja, selbstverständlich!“ Da fragt er: „Wann endlich wird der geboren werden, der es wert war, dass sich Generationen von Leuten aufgeopfert haben?“

Ich will euch nicht dazu verleiten, eure Kinder zu vernachlässigen. Das Kümmern um die eigenen Kinder gehört zum Dharma (Pflicht, Aufgabe) jedes Elternteils dazu. Es ist Prema, Liebe, ein Teil des spirituellen Wegs. Nur wenn das unser ausschließlicher Wunsch ist, unsere ausschließliche Hoffnung: „Wir opfern uns, damit unser Sohn es besser hat“ dann ist es nicht sehr klug. Die meisten Probleme der Kinder kommen, weil die Eltern denken, ihnen all das ersparen zu wollen, was sie selbst erleiden mussten. Daran leiden dann die Kinder.

Deshalb spricht Krishna davon, dass die Hoffnungen und die Handlungen, die auf Relativem ruhen, letztlich vergeblich sind. Alles muss man irgendwann aufgeben.

„Ihr Wissen ist ohne Sinn.“ Was nutzt es, alles mögliche Wissen anzusammeln? Relatives Wissen führt nicht zur Freiheit.

Im späteren Kapitel beschreibt Krishna die Unterscheidung zwischen dem Göttlichen und dem Dämonischen. Dämonen müssen wir uns nicht so vorstellen, wie die Gestalten in Gruselfilmen mit langen Zähnen und grässlichen Gesichtern, die durch Wände gehen und sich mit schrecklichem Aussehen manifestieren und mit Mordsgetöse in Szene setzen. Krishna versteht unter Dämonen Menschen, denen es nur um das Materielle geht. Diese sind oft mächtig. Es sind Menschen, die ihren Geist bis zu einem gewissen Grad unter Kontrolle gebracht haben.

Als Beispiel könnte man einen Wirtschaftsführer nehmen, der machtvoll ist, nichts teilen möchte mit anderen, keine altruistischen Motive besitzt oder einen Politiker, dem es nur um Macht geht. Das heißt nicht, dass alle Politiker machtgierig sind. Ich trage sogar eine rosarote Brille und behaupte, die Mehrheit der Politiker sind Politiker geworden, weil sie irgendetwas verbessern wollten; dass Macht korrumpiert, steht auf einem anderen Blatt. Wenn jemand als Jugendlicher in eine Partei eintritt und sich engagiert, Plakate klebt etc. während andere Jugendliche sonstigen Dingen nachgehen, dann ist er sehr idealistisch. Ob dann alle Politiker korrumpiert sind, steht auch wieder auf einem anderen Blatt. Unsere Politiker müssen einiges aushalten. Ein Politiker hat mal in einem Interview gesagt, die wichtigste Eigenschaft eines Politikers sei, zu lächeln, wenn auf ihn eingeprügelt wird. Ich habe viel verstanden, als ich dieses Interview gelesen habe.

Wenn es einem nicht um das Gemeinwohl geht, sondern nur um das Materielle, dann ist man ein Dämon. Wir brauchen diese Menschen nicht zu bestrafen – sie sind in sich selbst bestraft. Sie werden irgendwann erkennen, dass ihr Leben sinnlos ist.

Krishna formuliert das äußerst deutlich, für unseren heutigen Geschmack vielleicht etwas zu radikal. An einer anderen Stelle sagt er, jeder Mensch habe alles in sich. Jeder Mensch hat Sattva, Rajas und Tamas in sich. Jeder Mensch hat etwas Idealistisches, etwas Materialistisches in sich. Es sind nur die Fragen, in welchem Mischungsverhältnis, welchem Teil unserer Natur wir Ausdruck verleihen und welchen Teil wir mehr entwickeln. Wir sollten deshalb niemals denken: „Ach, die sind die Bösen. Und ich bin ein Guter.“ Wir wissen nicht, wie wir in ein paar Jahren sind.

Schreibe einen Kommentar

Pflichtfelder sind mit * markiert.