Suche
  • TIPP: Nutze die Suche, um bestimmte Verse zu finden.
  • z. B.: die Eingabe 01-21 bringt dir 1. Kapitel, 21 Vers.
Suche Menü
Kapitel
Vers
Schrift öffnen

07-28 Kommentar Sukadev

Krishna beschreibt erneut, wie wir Gott verehren können. Wir können ihn verehren, indem wir Yoga üben, den Geist auf ihn richten, unseren Geist unter Kontrolle bekommen und Gott verehren in seinen verschiedenen Manifestationen und letztlich Nichtmanifestationen.

Er beschreibt, woran wir arbeiten können, wie wir Yoga praktizieren können und woran wir unsere Praktiken ausrichten sollen. Er sagt, es sei gut, tugendhaft zu handeln. Punya-karmanam – Gutes zu tun. Wenn wir das machen, finden die Sünden ein Ende (Anta-gatam papam) und wir vermeiden Schlechtes.

Er geht noch einmal auf eine Ebene von einfacher Ethik: Es gibt Dinge, die sind gut, und es gibt Dinge, die sind schlecht. Krishna hat zwar zuvor gesagt, wir sollen in gleichem Geist der Liebe denjenigen begegnen, die voller Punyas sind, die tugendhaft sind, und gegenüber denen, die voller Papas sind. Dies sollte uns jedoch nicht davon abhalten, Gutes zu tun und Schlechtes zu vermeiden. Dies sollten wir erwartungslos tun, was irgendwie paradox ist.

Erst sagt er, wir sollen uns bemühen, tugendhaft zu handeln und das Unethische vermeiden, und dann sagt er, wir sollen die Gegensatzpaare überwinden. Wir sollen aufhören zu urteilen und allein gleichen Geist der Liebe behandeln.

Jetzt sagt er: „Verehre Mich.“ Wir sollen bewusst daran arbeiten, Gegensätze in unserem Leben aufzulösen und sie immer weniger Grundlage unseres Handelns werden lassen. Bei der Gottesverehrung sollen wir Vorsätze und Gelübde einhalten.

Die wenigsten Menschen in der heutigen Zeit machen noch Gelübde, vielleicht weil der Ausdruck im deutschen stärker ist, als der Sanskritausdruck „Vrata“. Heutzutage würden wir eher von Vorsätzen sprechen. Vorsätze spielen in der alten indischen Spiritualität eine große Rolle.

Es ist durchaus gut, wenn wir uns etwas vornehmen, dem eine gewisse Verbindlichkeit zu geben. Viele Menschen sagen heutzutage und das ist wahrscheinlich geradezu ein Kriterium unserer Zeit: „Schauen wir mal“. Wenn man sie fragt, „Kannst du mal kommen?“, wie ist dann die Antwort? „Mal schauen.“ „Weiß ich noch nicht“. Und wenn man fragt:“ Kann ich mich auf dich verlassen?“ Dann: “Mal sehen.“ Und selbst wenn jemand sagt: „Du kannst dich auf mich verlassen“, wird man heutzutage bei 90 % der Menschen wissen, es gibt eine 50%ige Wahrscheinlichkeit, dass es nicht so ist. Das nennt sich geistige Schwäche. So kommt man nicht zur Selbstverwirklichung. Wir müssen bestimmte Grundsätze haben, denen wir eine gewisse Verbindlichkeit geben.

Nicht umsonst ist das zweite Glied der Raja Yoga Sutras „Satya“, Wahrhaftigkeit. Wahrhaftigkeit heißt, dass wir das, was wir sagen, auch wirklich tun. Es heißt auch, dass wir eine gewisse Klarheit haben.

Wenn wir in unserem ganzen Leben unklar sind, wie kann dann der Geist klar sein? Wenn wir unsere Versprechen nicht halten und in dieser Weise die Wahrheit nicht einhalten, wie können wir erwarten, die Wahrheit zu verwirklichen? So ist es wichtig, dass, wenn man sein Wort gibt, es dann auch hält.

Bei manchen Menschen gibt es Abstufungen: Wenn jemand sagt: „ich mache es“, macht er es mit einer Wahrscheinlichkeit von 80%. Wenn jemand sagt: „ich verspreche es“, beträgt die Wahrscheinlichkeit 90% und wenn jemand sagt „ich schwöre es“, dann macht er es zu 100%.

Jesus hat sich gegen diese Lösung gewandt. Er sagte: „Du sollst nicht schwören“ (Matth. V 34). Man sollte nur mit Ja oder Nein antworten. Die normalen Worte – ohne Schwur – sollten für Menschen bindend und verlässlich sein.

Ein spiritueller Aspirant sollte, wenn er etwas verspricht, es einhalten. Das ist der Weg, wie wir unseren Geist erziehen sollen. Denn der Geist will demgegenüber rebellieren. Wenn wir stark bleiben, bringen wir schrittweise den Geist unter Kontrolle

In der indischen Spiritualität haben Vratas, bewusste Vorsätze, einen hohen Stellenwert. Wenn man sich bewusst etwas vornimmt, dann hält man es auch ein. Ihr könntet zum Beispiel jetzt für euch selbst ein Vrata machen: „Die nächsten zwei Monate werde ich jeden Tag 35 Minuten meditieren.“

Es ist gut, sich diesen Vorsatz zu machen. Am Klügsten ist natürlich, wir machen es allgemein zur Gewohnheit, uns an unsere Versprechen und Vorsätze zu halten. Und wenn es mal passiert, dass wir uns nicht an unsere Vorsätze halten, dann empfiehlt Swami Sivananda uns gleich eine Strafe festzusetzen. Selbstbestrafungen finden wir im Yoga, im Buddhismus, im Christentum. Das klingt heutzutage eigenartig, und manche der Leser werden das komisch finden. In moderner Spiritualität ist es etwas aus der Mode gekommen. Das soll nicht heißen, dass es nicht trotzdem effektiv sein kann. Also ersetze ich das Wort „Strafe“ mit „Konsequenz“. Das werden die meisten Leser einfacher annehmen können… Wir legen also gleich eine Konsequenz fest, die folgen wird, wenn wir ein Vrata nicht einhalten. Swami Sivananda hat als mögliche Konsequenzen für das Nichteinhalten eines Vratas empfohlen: einen Tag zu fasten, ein paar Malas mehr Japas zu machen oder kalt zu duschen etc. Wenn einem das zu hart oder ungeeignet erscheint, kann man sagen: „Ich verzichte auf den Nachtisch.“ Oder: „Ich schlafe auf dem Fußboden ohne Matratze. Ich putze die Toilette (wenn ich das sonst nicht mache). Ich bringe den Müll runter etc.“

Swatmarama beschreibt in der Hatha Yoga Pradipika, dass der Yogi durch ungeeignete Vratas zu Grunde geht und erfolgreich ist durch das Einhalten von geeigneten Gelübden/Vorsätzen. Man sollte sich also überlegen, welche Vorsätze man fasst, diese dann aber auch umsetzen.

Natürlich ist es falsch, sein ganzes Leben mit Vorsätzen zu füllen,alles zu verplanen. Es sollte auch Raum für Spontaneität verbleiben.

Trotzdem: Ich möchte jedem Leser und spirituellen Aspiranten dazu ermutigen sich Vorsätze zu machen und bewusst an sich arbeiten und die Vorsätze auch einzuhalten bzw. die Konsequenzen bei Nichteinhaltung umzusetzen. Wenn ihr das regelmäßig macht, dann lernt ihr, den Geist unter Kontrolle zu bringen und dann reicht es aus, einen Vorsatz zu fassen, um ihn auch umzusetzen. Mein Vorschlag: Überlege jetzt in diesem Moment, welchen neuen Vorsatz du ab sofort umsetzen willst.

Schreibe einen Kommentar

Pflichtfelder sind mit * markiert.