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02-60 Kommentar Sukadev

Selbst einem Weisen, wenn er noch nicht selbstverwirklicht ist, passiert es immer wieder, dass er die Kontrolle verliert. Diese Beobachtung kann uns trösten. Selbst wenn wir schon weise sind, kann es immer wieder Objekte geben, die unsere Sinne unkontrolliert werden lassen.

Es gibt eine alte Geschichte, die sowohl als eine Rabbigeschichte, als auch als eine alte indische Weisheitsgeschichte bekannt geworden ist.

Es lebte einmal ein alter Weiser, zu dessen Geburtstag ganz viele Menschen kamen. Alle lobten und verehrten ihn, bis auf Einen. Dieser Mensch war ein Materialist, der von Spiritualität nicht viel hielt und nur sagte: „Was macht ihr nur für ein Tamtam um diesen Weisen? Sein Bart ist auch nicht mehr wert, als der eines Ziegenbocks.“ Der Meister überhörte die Worte, die Gäste waren sehr schockiert. Am Ende seines Lebens, als alle Schüler um den Meister versammelt waren, bat er diese, den Mann zu holen, der das damals gesagt hatte. Die Schüler brachten den Mann zu dem Weisen und der Weise sagte zu ihm: „Du hast mir etwas sehr Wichtiges gesagt, wofür ich dir danken möchte. Du hast gesagt, dass mein Bart nicht mehr wert ist, als der Bart eines Ziegenbocks. Das hat mir deutlich klar gemacht, dass es keinen großen Unterschied zwischen Mensch und Tier und zwischen Weisen und Nichtweisen gibt. In jedem Moment wusste ich, dass es jederzeit passieren kann, dass ich alten Gewohnheiten zum Opfer falle.“

 

Bis zum Zustand von Nirvikalpa Samadhi sind alle Samen noch in uns. Sagt deshalb niemals: „Darüber bin ich hinaus. Das brauche ich nicht. Das kann mir nicht passieren.“ Ich höre das immer wieder von Aspiranten und bete dann innerlich: „Möge dein Fall ein sanfter sein.“ Der Fall wird auf jeden Fall kommen. Wenn jemand denkt, er sei 100% über etwas hinausgewachsen, ist die Wahrscheinlichkeit sehr hoch, dass diese Sache noch einmal wiederbelebt wird. Deshalb sollten wir demütig und vorsichtig sein.

Swami Vishnu-devananda hat seinen Schülern auch immer wieder gesagt: „Es gibt keine Garantie dafür, dass ich in fünf Jahren noch auf dem spirituellen Weg bin.“

 

Es gibt eine Geschichte eines Sufi Heiligen, der ein großer Meister mit vielen Schülern war. Er hatte sich eines Tages in eine Frau verliebt. Sie war sehr viel jünger als er selbst. Er schenkte ihr Blumen und versuchte mit ihr zu sprechen. Er erklärte ihr seine Liebe und sie wollte mit ihm nichts zu tun haben. Nachts stand er vor ihrem Schlafzimmerfenster und sang Liebeslieder für sie. Sie warf Unrat auf seinen Kopf. Er sang einfach weiter. Sie erwirkte eine Verfügung gegen ihn wegen Belästigung, so dass er nicht näher als einen Kilometer an sie heran kommen durfte. Er beobachte sie täglich aus genau einem Kilometer Entfernung. Er schrieb ihr Liebesbriefe und wunderschöne Gedichte. Er magerte ab, aß fast nichts mehr und ein Schüler nach dem nächsten verließ den Meister. Schließlich heiratete die Angebetete einen anderen Mann, zog in ein entferntes Dorf. Auch dorthin folgte ihr der Meister. Aber irgendwann, von einem Tag auf den nächsten, stand der Meister auf, ging weg und das Problem war beendet.

Ich habe schon verschiedenste Interpretationen über diese Geschichte gehört. Eine Interpretation besagt, der Meister hätte noch dieses Karma gehabt. Er hätte noch mal intensivstes Liebesschmerzkarma erfahren müssen.

Andere Interpreten sprechen davon, dass kein Meister vor solchen Versuchungen gefeit ist. Dennoch wird die Gnade Gottes einen beschützen. Man erlebt die Sache und danach ist sie beendet.

Wieder andere Interpreten glauben, dies sei nur ein Test für seine Schüler gewesen. Sehen sie des Meisters tiefe göttliche Natur, oder werden sie von seiner offensichtlich verrückten Handlungsweise in ihrem Glauben beirrt. Es gab auch nur einen einzigen Schüler, der dem Meister treu blieb. Er hat am nächsten Tag die Selbstverwirklichung erreicht.

Doch egal, wie wir die Geschichte interpretieren, sollten wir vorsichtig sein. Und noch vorsichtiger sollten wir sein, wenn jemand von sich behauptet, er sei gänzlich verwirklicht. Swami Vishnu hat oft erzählt, wenn jemand Swami Sivananda gefragt hatte, dass es von dem und demjenigen hieße es, er sei selbstverwirklicht, ob das stimme und woran man erkennen könnte, ob er selbstverwirklicht ist, antwortete der Meister nur: „Es gibt einen Test, der sich SB 40 nennt.“ S steht für „shoe“. B steht für „beating“. 40 steht für „40 Mal“. Wenn jemand sagt, er sei selbstverwirklicht und ein anderer kommt und ihn dann 40 Mal mit einem alten Schuh abklopft und er immer noch so ruhig und gleichmütig ist, dann ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass er tatsächlich selbstverwirklicht ist. Swami Vishnu hat uns dann immer gesagt, weil er wusste, dass westliche Schüler so etwas wörtlich nehmen: „Ich bin nicht selbstverwirklicht. Also versucht es gar nicht erst bei mir.“

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