Suche
  • TIPP: Nutze die Suche, um bestimmte Verse zu finden.
  • z. B.: die Eingabe 01-21 bringt dir 1. Kapitel, 21 Vers.
Suche Menü
Kapitel
Vers
Schrift öffnen

18-14 Kommentar Sukadev

Das sind also fünf verschiedene Aspekte bzw. Voraussetzungen, die beim Handeln allgemein und beim Schaffen bzw. Ausleben von Karma beteiligt sind.

1) Es braucht einen Körper, eine konkrete Form, wo dieses Geschehen stattfindet. Angenommen, es findet jenseits der Verkörperung statt oder auf dem Sirius, dann ist es für uns erst einmal nicht weiter von Belang. Selbst wenn ein Stern in ein paar Millionen Lichtjahren Entfernung explodiert, haben wir zunächst nichts damit zu tun. Damit das Karma überhaupt für uns von Belang ist, spielt der konkrete individuelle Körper eine wichtige Rolle.

2) Dann braucht es einen Handelnden. Angenommen, da ist nur einfach ein Körper, ohne dass Bewusstsein dahinter ist, dann ist das auch nicht weiter von Belang. Angenommen, das Bewusstsein, die Seele, das Prana, wie immer man es bezeichnen will, hätte diesen Körper längst verlassen und nun passiert irgend etwas mit dem Körper, dann spielt es keine große Rolle. Bewusstsein und Körper müssen zusammen sein.

3) Man braucht auch Sinne. Angenommen, man hätte keine Sinnesorgane, dann mögen Körper und Bewusstsein da sein, aber man bekommt nichts von der Außenwelt mit.

Das gibt es übrigens auch, nämlich bei sogenannten Locked-in-Patienten. Das sind Menschen, die eine weitestgehende Lähmung haben. Beim vollen Locked-in haben sie keinerlei Sinneserfahrung, kriegen nichts von der Welt mit und können sich nicht mitteilen. Ihr Körper ist trotzdem lebendig und wird künstlich ernährt. Gleichzeitig sind sie bei vollem Bewusstsein, also nicht im Koma. Manchen dieser Locked-in-Patienten gelingt es heutzutage, sich über Hirnwellenmuster, die auf einen Computerbildschirm übertragen werden, doch irgendwie mitzuteilen. Wenn aber alle Karma Indriyas, die Handlungsorgane, vollständig funktionsunfähig sind, können sie überhaupt nicht handeln und dann geschieht natürlich auch kein Karma.

4) Mit “verschiedenen Funktionen” ist das Spiel der Energien der Organe inklusive der Psyche und des Geistes gemeint, während man handelt – all die unzähligen verschiedenen Funktionen des Körpers und alles, was dabei auf geistiger, emotionaler und gefühlsmäßiger Ebene abläuft. Angenommen, man hat keine Gefühle und keine Emotionen, dann kann Karma auch nicht wirklich ablaufen. Zum Menschen gehört Gefühl dazu. Und selbst wenn kein offensichtliches Gefühl da ist, ist es ein Gefühl der Leere und der Kälte.

5) Und die “herrschende Gottheit”. Im Sanskrit steht hier “daiva”, Engelswesen. leuchtend. Das bedeutet, wenn auf der menschlichen Ebene etwas passiert, passiert immer auch etwas auf einer subtilen Ebene. Es gibt nichts, was wir erfahren, was nicht irgendwo auch einen subtileren, feinstofflicheren Aspekt hätte.

Praktische Anwendung:

Wenn einem etwas Bestimmtes begegnet (Karma) kann man sich an diese fünf Aspekte erinnern, die Begebenheit nach diesen fünf Aspekten analysieren und manchmal hilft das, sich davon zu lösen. Angenommen, man steckt in einer Emotion drin, dann kann man beobachten:

1) Die körperliche Reaktion: Das Herz pocht ein bisschen schneller, der Magen-Darm-Trakt ist vielleicht auch beeinflusst, vielleicht spürt man Kopfschmerzen oder ein Ziehen oder einen Druck im Bauch dabei usw.

2) Man stellt fest, das Bewusstsein wird davon auch beeinflusst: Es ist vielleicht etwas getrübt und nicht so klar wie sonst.

3) Als nächstes kann man schauen, was passiert mit den einzelnen Sinnen: Mantras hören sich vielleicht nicht mehr so an wie vorher. Die Gesichter der Menschen sehen anders aus als vorher. Die Arme und Beine fühlen sich wie gelähmt an, oder haben umgekehrt die Tendenz, sehr flink zu sein.

4) Während man so die Handlungsorgane und Sinnesorgane beobachtet, sieht man auch, wie alles miteinander funktioniert, ineinander greift und zu einem Ganzen, nämlich einer bestimmten Reaktion/Handlung führt.

5) Dieses Funktionieren wiederum ist faszinierend und man kann erkennen, wie wunderbar der menschliche Organismus bzw. das Zusammenspiel der verschiedenen Faktoren in der Welt ist. Und dass es letztlich auch einen höheren Zusammenhang gibt. Dafür steht „Daiva“, die “Gottheit” – für einen höheren Sinn, den das Ganze letztlich hat. Hinter all dem, was ich jetzt körperlich, mit den Sinnen, geistig, emotional usw. erfahre, ist auch irgendwo ein Licht, ein Strahlen, das sich dabei manifestiert. Jedes Karma, das ich erfahre, hat auf einer subtileren höheren Ebene auch seinen Sinn.
Wenn man Dinge oder Situationen so anschaut, fällt es einem etwas leichter, sich nicht ganz davon wegschwemmen zu lassen.

Dasselbe gilt für die eigene Handlung. Um sich nicht zu sehr mit der Handlung zu identifizieren, kann man, wenn man im Begriff ist etwas zu tun, überlegen: „Ich werde jetzt das und das machen. Dazu muss der Körper sich so und so bewegen und das Bewusstsein muss auch daran beteiligt sein. Handlungsorgane und Sinnesorgane brauche ich auch dazu, die machen dabei das und das, z.B. die Hände bewegen sich oder die Beine, oder die Augen müssen genau hinschauen usw. Dann müssen Verbindungen zwischen all dem geschaffen werden. Verschiedene Funktionen wie Prana, Emotionen und Denken sind beteiligt. Gleichzeitig weiß ich, von allein kann ich nichts machen, deshalb muss da auch eine göttliche Kraft dahinter sein, Daiva.“ Wenn man all das sieht, kann man sich von all dem lösen, tun, was notwendig ist und dabei verhaftungslos bleiben.

Das ist der Jnana-Yoga-Weg der Verhaftungslosigkeit, eben dieses Analysieren, Beobachten und dann Lösen. Das ist eine wichtige Technik des Sankhya-Philosophiesystems.

Sankhya” heißt klassifizieren, in Bestandteile auflösen, mit dem Ziel, sich davon zu lösen. Im Sankhya-System selbst sind solche Aufzählungen noch sehr viel detaillierter und daher teilweise logischer aufgebaut als in der Bhagavad Gita, wo Krishna öfter Aufzählungen einführt, um uns zu helfen, eine Logik hineinzubringen oder etwas besser zu verstehen.

Und wie macht es ein Bhakta? „Oh Gott, ich tue alles für Dich.“ und „Oh Gott, Du schaffst mir all diese Aufgaben.“, „Oh Gott, Du gibst mir dieses Karma.“, „Oh Gott, ich bin verzweifelt, ich weiß nicht weiter, ich kriege es nicht allein geschafft, hilf Du mir. Ich nehme Zuflucht bei Dir, bitte hilf mir.“

Schreibe einen Kommentar

Pflichtfelder sind mit * markiert.