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16-04 Kommentar Sukadev

Die Übersetzung „für einen dämonischen Zustand geboren“ ist etwas irreführend. Das klingt, als sei jemand so geboren und würde auf ewig so bleiben.

Selbst diese Eigenschaften entspringen nicht notwendigerweise nur einer Bösartigkeit.

Heuchelei… man gibt etwas vor. Das kann zum Beispiel auch aus einem Gefühl von Ahimsa heraus geschehen: Man möchte einem anderen nicht mit brutaler Offenheit begegnen, oder weil man ihn zu etwas Positivem motivieren will.

In Amerika sind Fernsehprediger sehr beliebt; ihre Predigten werden in Millionen von Haushalte übertragen. Einer von ihnen hat immer gegen außerehelichen Sex und Homosexualität gewettert. Vor einiger Zeit gab es einen Riesenskandal, als herauskam, dass er nicht nur außerehelichen Sex hatte, sondern noch dazu mit einem Mann zusammen. Natürlich war er ein Heuchler. Dennoch könnte man sagen, trotzdem hatte er irgendwo das Bedürfnis, Menschen zu Gott zu führen, aus seinem Verständnis heraus. Er hat es selbst nicht gepackt, sich an das zu halten, was er subjektiv für wichtig und richtig hielt, aber er wollte trotzdem wenigstens andere zum Guten führen. Natürlich ist es insgesamt nicht in Ordnung, aber man kann an sich arbeiten und versuchen zu sehen, dass selbst hinter diesem „Asurischen“ ursprünglich gute Intentionen stecken.

Auch Überheblichkeit und Eigendünkel können unter Umständen einem zugrunde liegenden positiven Prinzip entspringen.

Über Zorn haben wir schon mehrfach gesprochen.

Härte kann manchmal Prinzipientreue sein, manchmal aus einer Notwendigkeit heraus entstehen. Man ist vielleicht selbst tief im Inneren ein sehr weicher Mensch. Wenn man zu sehr auf andere eingeht, zerfließt man ständig in Mitgefühl und Verständnis und kann keine klaren Gedanken und Entscheidungen fassen. So legt man zum Selbstschutz eine gewisse Härte an den Tag. Das ist vermutlich keine geschickte Weise. Man wird dadurch nicht glücklich werden und es wird andere Menschen unglücklich machen, aber die  ursprüngliche Motivation dahinter ist auch eine positive.

Wenn man Menschen berät oder in Konflikt mit Menschen kommt, die unter solchen Eigenschaften leiden, kann man ihnen viel besser helfen, besser mit ihnen umgehen und ihre Motivation besser berücksichtigen, wenn man diese tieferen Dinge dahinter als Hypothese für sich gelten lässt.

Ich sage bewusst, „als Hypothese gelten lässt“, denn wissen tun wir es ja nicht. Man könnte auch den entgegengesetzten weit verbreiteten Standpunkt einnehmen, dass Menschen zum Bösen neigen. Aber welche Hypothese wird einen zu einem liebevolleren Umgang mit Menschen führen? Es gilt, das Prinzip der sich selbst erfüllenden Prophezeiung zu berücksichtigen. Wenn man einen Menschen behandelt, als sei er eine Ausgeburt des Teufels, wird er sich häufig auch so verhalten. Wenn man hingegen einen Menschen behandelt, als sei er tief im Inneren göttlich und als stamme alles, was er tut, aus einem vielleicht fehlgeleiteten aber ursprünglich bzw. subjektiv berechtigten Anliegen, dann hat das eine andere Auswirkung. Diese Sichtweise bewirkt vielleicht, dass man ihm helfen kann, seine Anliegen auf eine geschicktere Weise zu verfolgen.

In manchen Situationen – sei es in Not- oder Ausnahmesituationen, oder in Führungspositionen – muss man auch Verantwortung übernehmen und handeln. Man wird nicht immer nur darauf vertrauen können, dass die eigene Liebe alle und alles verändern wird. Aber auch wenn man in einer Situation energisch einem Menschen Einhalt gebieten muss, muss man ihn deshalb nicht hassen, sondern kann ihm trotzdem mit Mitgefühl, Liebe und Verständnis begegnen.

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