Suche
  • TIPP: Nutze die Suche, um bestimmte Verse zu finden.
  • z. B.: die Eingabe 01-21 bringt dir 1. Kapitel, 21 Vers.
Suche Menü
Kapitel
Vers
Schrift öffnen

14-02 Kommentar Sukadev

Jetzt bringt Krishna das Ganze in einen umfassenden Kontext. Wenn wir diese Vollkommenheit erreicht haben, brauchen wir nicht mehr als Individuum wiedergeboren zu werden. Wir sind eins geworden mit dem Absoluten.

Wenn man das Abitur geschafft hat, braucht man nicht die Unter- oder Oberstufe noch einmal zu wiederholen. Ebenso, wenn wir die Prüfung bestanden haben, brauchen wir uns nicht mehr zu inkarnieren. Manche mögen jetzt vielleicht denken: „Ja, aber das Leben ist doch schön, ich will doch gern wieder geboren werden und noch viel erleben!“ – Da kann ich dich trösten. Die Bhagavad Gita und alle indischen Schriften sagen, solange wir den Wunsch danach haben, werden wir uns auch weiter inkarnieren.  – Warum sollten wir uns nicht immer wieder von Neuem inkarnieren wollen, da das Leben doch so schön ist? Die Antwort lautet: Alles Erleben auf dieser relativen Ebene birgt Verlust und Leid in sich. Und es gibt etwas ungleich viel Schöneres als dieses begrenzte Leben!

Der Körper als Raumanzug

Stellt dir vor, du würdest zum Mars fliegen. Um auf dem Mars gehen zu können, braucht man einen Raumanzug. Er muss warm sein. Er muss dick genug sein. Er muss schützen. Aufgrund der geringeren Schwerkraft muss er auch schwer sein, damit man auf der Oberfläche bleibt und man, wenn man mal ein bisschen springt, nicht gleich hundert Meter entfernt mit gebrochenen Knochen landet. Er muss eng anliegen, damit man trotz des Anzugs alles ganz normal machen kann: essen, gehen, schlafen, etc. Jetzt kommst du mit diesem Anzug zurück auf die Erde. Was machst du normalerweise zuerst, vielleicht sogar schon im Raumschiff? Du ziehst den Anzug aus. So toll der Anzug auf dem Mars ist, auf der Erde begrenzt er dich doch.

Der Raumanzug ist absolut notwendig wenn man auf dem Mars leben will, zumindest nach dem bisherigen technologischen Stand. Aber er begrenzt einen, man fühlt nicht mehr mit der eigenen Haut und irgendwie ist er schwer und lästig. Man braucht ihn und er ermöglicht viele Erfahrungen, die sonst nicht möglich wären. Aber – wir sind nicht der Raumanzug. Wir haben ihn und nutzen ihn.

Auch auf dieser Erde haben wir einen Raumanzug, nämlich diesen physischen Körper, der übrigens ganz phantastisch ist. Er passt sich an, er wird dicker oder dünner, wächst, passt sich an verschiedene Temperaturen an, kann mit verschiedenen Bakterien umgehen, usw. Also: dieser Körper ist ein toller Raumanzug! Früher oder später brauchen wir jedoch einen neuen Körper weil dieser uns nur eine begrenzte Form von Erfahrungen ermöglicht. Gehen wir in die Astralwelten, bekommen wir einen neuen Raumanzug mit dem wir neue Erfahrungen machen können. Aber – alle Raumanzüge haben ihre Begrenzungen.

Wer jemals die Erfahrung gemacht hat, wie schön es ist vom Unendlichen berührt zu werden, der weiß: Es gibt etwas sehr viel Großartigeres als alle Körpererfahrungen uns geben können. Es gibt sogar etwas noch viel Großartigeres als sich bewusst zu sein, dass dieser Körper eine Zelle im kosmischen Organismus Gottes ist. Noch unbeschreiblich viel schöner ist es zu erfahren: Ich bin das Bewusstsein hinter allem; ich bin Bewusstsein. Und da ich das Bewusstsein hinter allem bin, warum sollte ich mich nochmals beschränken auf einen Körper, dieses unendliche Bewusstsein begrenzen in eine Form?

Das Karma und die Selbstverwirklichung

So verspricht uns Krishna: Wenn wir die höchste Verwirklichung erreichen, brauchen wir uns nicht mehr zu inkarnieren. Aber nur der Wunsch, nicht mehr wieder geboren zu werden, reicht allein nicht aus. Selbst wenn wir uns nicht mehr reinkarnieren wollen, solange noch Karma da ist, solange wir noch etwas zu lernen haben, Aufgaben zu erfüllen haben, und solange wir noch ein paar Wünsche haben, müssen – oder dürfen, je nach Sichtweise – wir wieder geboren werden. Wenn wir den Wunsch nach Befreiung haben und danach handeln, arbeiten wir so unser Karma langsam aus. Wenn wir dann unsere Mission im Leben erfüllt haben und keine Anhaftungen mehr haben, brauchen wir uns nicht wieder zu inkarnieren, nicht einmal, wenn dieser Schöpfungszyklus zu Ende ist und ein neuer beginnt.

Die indische Chronologie und Reinkarnationslehre besagt, dass die nicht befreite Seele selbst dann wieder geboren wird, wenn ein neuer Schöpfungszyklus beginnt und ein neues Universum entsteht, solange sie ihr Karma nicht erfüllt und die Selbstverwirklichung erreicht hat. Also selbst das Ende des Universums, welches laut dieser Chronologie in den nächsten 200 Trillionen Jahren kommen wird, ist keine Garantie für Befreiung! –  In diesem Vers verspricht uns Krishna, wenn wir höchste Erkenntnis erlangt und unser Karma erfüllt haben, brauchen wir uns nie wieder zu inkarnieren, auch nicht im neuen Schöpfungszyklus.

Schreibe einen Kommentar

Pflichtfelder sind mit * markiert.