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12-02 Kommentar Sukadev

Krishna antwortet Arjuna, dass es besser ist, eine konkrete Gottesvorstellung zu haben. Wobei mit „Mich“ nicht ausschließlich „Krishna“ gemeint ist. Es kann jede konkrete Gottesvorstellung sein. In der Bhagavatam[1] werden verschiedene Möglichkeiten der Gottesbeziehung erwähnt:

Dasya Bhava, die Liebe (Bhava) zu Gott als Diener (Dasya)

Sakhya Bhava, die Liebe zu Gott als Freund/Freundin

Vatsalya Bhava, die Liebe zu Gott wie die Liebe zwischen Eltern und Kind: Gott als Vater, Gott als Mutter oder auch Gott als Sohn/Tochter

Madhurya Bhava, die Liebe zu Gott als Geliebter/Geliebte

Shanta Bhava, die friedvolle Verehrung Gottes des Jnanis, des Wissenden, letztlich die abstrakte Gottesverehrung

In der Bhagavatam und in der Ramayana gibt es Beispiele für alleFormen der Gottesliebe. Zunächst einige Beispiele aus der Bhagavatam:

Uddhava fühlte sich ganz als Diener Krishnas.

Arjuna war der Freund Krishnas.

Yashoda und Devaki verehrten Krishna als ihr Kind – und wussten gleichzeitig, dass er/sie Gott war.

Die Gopis sahen Krishna als ihren Geliebten an.

Sukadev hatte das stete Gefühl von Krishnas Gegenwart und wusste, dass Krishna ihn immer beschützen würde.

In der Ramayana finden wir folgende Beispiele:

Hanuman gilt als der ideale Diener von Rama – kraft seiner Hingabe war ihm alles möglich. Er erledigte alle Aufgaben, die ihm Rama auftrug. Er zeigte, dass Glaube und Hingabe Berge versetzen und durch Liebe Weisheit kommt.

Lakshmana als Bruder Ramas war wie ein Freund. Er war auch dessen Ratgeber. Er widersprach ihm manchmal und wusste dennoch, dass Rama eine Inkarnation Gottes war.

Sita, die Frau von Rama, war ihm bedingungslos ergeben und sehnte sich in jeder Minute nach seiner Gegenwart. Sie konnte aber auch mit Rama schimpfen und ihn um einen Gefallen bitten.

Dasharatha und Kausalya als Eltern von Rama verehrten ihren Sohn von ganzem Herzen. Sie lebten für Rama und wussten, dass ihre wichtigste Aufgabe war, Gott in seiner Gestalt als Rama zu verehren. UndRama hatte zwei Söhne, die große Hingabe an ihren Vater hatten.

Die Weisen des Landes, darunter Vasishtha und Vishwamitra, verehrten Rama mit Shanti Bhava.

Viele moderne Aspiranten haben diese 5 Formen der Gottesliebe parallel. Du kannst auch zwischen diesen Formen wechseln:

Dasya Bhava: Vielleicht fühlst du dich am meisten als Gottes Diener und betest: „Nicht mein Wille, sondern dein Wille geschehe. Alles, was ich tue, bringe ich dir dar. Zeige mir, was meine Aufgabe ist!“

Sakhya Bhava: Du kannst Gott all deinen Kummer darbringen. Du kannst ihm erzählen, was du auf dem Herzen hast. Im Gebet kannst du alles Gott darbringen, Gott sogar Vorwürfe machen und mit ihm schimpfen: „Oh Gott, jetzt habe ich all das für dich getan – und trotzdem ist alles schief gegangen. Hättest du mich nicht vorher warnen können?“ „Oh Gott, das, was jetzt alles geschieht, ist zuviel. Musst du mir so viele Herausforderungen auf einmal geben?“ Was für einen Diener unangemessen ist, ist für einen Freund selbstverständlich. Ein Freund (idealerweise) verzeiht alles, versteht alles, ist immer für einen dar.

Madhurya Bhava: Du kannst Gott lieben wie eine/n Geliebte/n. Du willst Gottes Gegenwart spüren und das Gefühl haben, von Gott umarmt zu werden. Wenn du Gott einmal nicht spürst, bekommst du große Sehnsucht. Und ein klein wenig Gotteserfahrung führt dich zur Sehnsucht nach intensiverer Erfahrung. Alles andere wird unwichtig. Mit jeder Faser deines Lebens suchst du Gott. Bei den Katholiken nimmt eine Nonne Jesus Christus als ihren Gemahl an.

Vatsalya Bhava: Im Westen ist die Beziehung zu Gott als Vater sehr verbreitet: „Vater unser im Himmel. Geheiligt werde dein Name…“ So beginnt das „Vaterunser“, das bekannteste christliche Gebet. Im Zeitalter der Frauenbewegung haben auch mehr und mehr Menschen (nicht nur Frauen sondern auch Männer) eine Beziehung zu Gott als ihrer Mutter. Gerade im Katholizismus hat die Marienverehrung viele Charakteristika der Göttinnenverehrung aus anderen Religionen. Du kannst dich ganz an Gott als Vater wenden und ihn bitten, dich bei deiner Entwicklung zu unterstützen. Du kannst dich ganz an die göttliche Mutter wenden und sie darum bitten, dir alles zu geben, was du brauchst.
Des weiteren wird im Christentum auch das Jesuskind verehrt: Gott braucht deine Hilfe und Unterstützung. So kannst du das Gefühl der Verantwortung entwickeln: „Gott braucht mich.“

Shanti Bhava: Oft handelst du einfach im Bewusstsein von Gottes Gegenwart, ohne besonders mit Gott zu kommunizieren. Du tust deine Pflichten, machst das, was zu tun ist. Du weißt, hinter allem ist letztlich Gott. Du sehnst dich danach, Gott vollständig zu erfahren, trittst aber in keine besondere Kommunikation zu Gott.

„Diejenigen, die ihren Geist auf Mich richten und Mich verehren, die immer standhaft sind und höchsten Glauben haben, halte Ich für die Besten im Yoga.“

Krishna beschreibt auch, dass die Gottesliebe mit Standhaftigkeit und höchstem Glauben verbunden sein sollte. Im Alltag hast du viele Prüfungen zu bestehen. Bleibst du standhaft, behältst du deinen Glauben? Zum einen ist die Intensität der Gottesliebe wichtig, zum anderen aber auch die Beständigkeit.

 


[1] Eine der indischen Schriften, welche besonders Geschichten der Inkarnationen von Vishnu, insbesondere von Krishna erzählt. Die Bhagavatam ist eine der 18 Puranas.

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