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11-45 Kommentar Sukadev

Arjuna als fehlerbehafteter Mensch wird hier etwas hochmütig. Er behauptet, dass er etwas gesehen hätte, was kein Mensch zuvor erblickte. Das ist natürlich unsinnig, auch wenn Krishna es ihm später scheinbar bestätigt. In der Bhagavatam gab es schon mehrere, die das erfahren haben. Vasudeva, der Vater von Krishna und Devaki haben die Erfahrung von Krishna als Gott gehabt, als Krishna geboren wurde. Yashoda hat die Erfahrung von Vishwarupa gemacht, als Krishna seinen Mund aufmachte und sie die ganze Welt in seinem Mund sah.

Hier die Geschichte wie Yashoda, die Ziehmutter von Krishna, zur Erfahrung von Vishwarupa kam: Krishna war als Kind ein Lausbub. Er hat immer wieder Streiche gespielt. Ganz besonders liebte er butterreiche Süßigkeiten. Und da er nie genug bekommen konnte, hat er immer wieder Leckereien stibitzt. Außerdem hat Krishna die Süßigkeiten an seine Spielkameraden verteilt. Deshalb mussten die Gopis die Süßigkeiten immer wieder verstecken. Als Krishna nirgendwo mehr etwas Süßes auftreiben konnte, ging er zu seinen Spielkameraden und sagte: Ich verwandle euch jetzt diesen Schlamm in Süßigkeiten. Dann haben alle Jungen und Mädchen Dreck, Lehm und Schlamm gegessen und es hat ihnen geschmeckt wie tollstes Halva, Burfi und Laddu[1]. Krishnas Bruder Balarama hat dann, wie es oft ältere Brüder so tun, bei Yashoda gepetzt. Natürlich nicht aus Bösartigkeit, denn es ist auch nicht gut für die Gesundheit, wenn man Schlamm isst. Er rannte zur Mutter: „Mami, Mami, der Krishna gibt allen Schlamm und sagt ihnen, es sei Butter.“ Yashoda ging mit einem großen Kochlöffel, es war keine gewaltfreie Erziehung damals, zu Krishna und sagte: „Was machst du wieder für einen Unsinn! Du gibst den Kindern Schlamm und behauptest, es sei Butter.“ Krishna erwiderte: „Mami, Mami, ich mache nichts Schlechtes, ich hab’ nichts Schlechtes gemacht.“ Yashoda: „Balarama lügt nicht, das weiß ich. Jetzt mach mal deinen Mund auf, dann werden wir ja gleich sehen, ob da Dreck drin ist.“ Krishna machte den Mund auf. Und im nächsten Moment bekam Yashoda eine Samadhi Erfahrung. Erst sah sie die Zunge Krishnas, dann sah sie plötzlich das ganze Universum in Krishna, so wie es hier in der Bhagavad Gita beschrieben ist. Das Belebte und das Unbelebte, das Physische und das Astrale, die Engelswesen, die Vergangenheit, die Gegenwart, die Zukunft. Yashoda war ganz überwältigt – und schließlich sagte sie: „Mach deinen Mund wieder zu.“ Sie bat Krishna, ihr wieder das Normalbewusstsein zu geben – was dann auch geschah.

Vorher haben Narada, Vyasa und andere bereits beschrieben, dass sie schon einmal diese Erfahrung hatten. Bewusstseinserweiterung ist also eigentlich nichts Außergewöhnliches. Aber viele, die aus dieser hohen Erfahrung zurückkommen, denken, dass sie etwas Besonderes seien.

Es taucht also jetzt bei Arjuna ein bisschen Ego, fast Arroganz auf, weshalb er nicht noch einmal so schnell eine solche Erfahrung bekommt. Er hat diese Erfahrung von Sarvikalpa Samadhi gehabt und sie wird ihm bleiben. Jetzt muss er lernen, sich noch weniger zu identifizieren, so dass, wenn diese Erfahrung wieder kommt, er sich nicht erneut identifiziert, Angst bekommt, darum bittet, dass die Erfahrung von ihm genommen wird und sich nachher wieder etwas darauf einbildet.

Das Ego ist gerade auf den höheren Stufen das größte Hindernis des spirituellen Fortschritts. Wenn du dich mit Bewusstseinserweiterungserfahrungen identifizierst und dir darauf etwas einbildest, dich für besser hältst als andere, trennst du dich von anderen, beschränkst deine Bewusstheit und bist wieder fest in der Individualität verankert. Vielleicht hast du das auch schon gemerkt: Wenn die Meditation mal besonders tief ist, denkst du vielleicht: „Ha, jetzt hab ich es erreicht, jetzt meditiere ich wirklich, ich bin doch ein toller Hecht…“ Und in dem Moment ist die Erfahrung auch schon weg. So gilt es, das Ego zu überwinden. Daher halten die großen Meister wie Swami Sivananda und Swami Vishnu-devananda uneigennützigen Dienst und Entwicklung kosmischer Liebe für so wichtig. Erst wenn du dich durch universelle Liebe und uneigennützigen Dienst vorbereitet hast, kann eine Bewusstseinserweiterungserfahrung zum dauerhaften Gefühl von Verbundenheit führen.

 


[1] Indische Süßspeisen

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