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08-27 Kommentar Sukadev

Krishna lehrt immer wieder, dass wir uns bewusst sein sollen, dass letztlich alles Eins ist. Alles ist Eins, alles ist Gott, die niedere Natur, die höhere Natur, alle Gunas, alles. Dennoch gilt es, Unterscheidungskraft zu üben: Auch wenn alles göttlich ist, gibt es dennoch einen Weg, der zum Licht führt und es gibt einen Weg, der zur Dunkelheit führt. Um das Göttliche zu verwirklichen müssen wir immer wieder Entscheidungen treffen und danach handeln. Je nachdem, welche Entscheidung wir treffen, heißt das, dass wir zur Befreiung und damit zum Licht oder zur Bindung und damit in die Dunkelheit gehen. Krishna fordert Arjuna auf, „fest im Yoga“ zu sein. Wir stehen immer wieder vor dem Scheideweg. Wollen wir den Weg zur Befreiung gehen oder den Weg in die Bindung?

Im Jnana Yoga gibt es das Konzept der 7 Bhumikas, der 7 Stufen des Wissens. Die erste Stufe ist Subhecha, wörtlich übersetzt „Verlangen nach Wahrheit“. Hier erwacht der Aspirant zur Frage: „Wer bin ich?“ Auf Subhecha stellen sich die Fragen: „Gibt es überhaupt so was wie die Wahrheit? Was könnte der höhere Sinn im Leben sein? Warum ist alles so, wie es ist, und was ist höchstes Glück? Gibt es überhaupt so etwas wie höheres Glück?“

Die zweite Bhumika wird „Vicharana“ genannt.Vicharana heißt wörtlich: „Rechtes Befragen“. Das ist die Bhumika, von der ich annehme, dass die meisten der Leser dieses Buches sich befinden.

Im Vicharana sind wir überzeugt, es gibt die Selbstverwirklichung. Wir wollen zur Selbstverwirklichung kommen. Wir praktizieren, um zum Höchsten zu kommen. Vicharana bedeutet dabei, beständig zu fragen: „Was muss ich machen um zur höchsten Verwirklichung zu kommen?“ Es bieten sich dem Aspiranten immer wieder neue Optionen: Man kann dies machen, man kann jenes machen. Ein wichtiges Kriterium bei jeder Entscheidung sollte Viveka (Unterscheidungskraft) sein: „Führt mich das zur Wahrheit oder führt mich das weg von der Wahrheit?“ Das Üben von Viveka ist manchmal schwierig. Viele Menschen, auch viele moderne Aspiranten, verstehen die Notwendigkeit von Viveka nicht.

Wie kann man das Konzept von Advaita, Einheit, verbinden mit Viveka, der Unterscheidungskraft? Advaita heißt: „Nichtdualität“. Advaita sagt: „Alle sind Eins, alles ist Gott.“ Es gibt weder gut noch schlecht, es gibt nicht Teufel, Himmel oder Hölle. Es gibt nicht eine Trennung zwischen Welt und Gott, es gibt nicht die Trennung zwischen spirituellem und weltlichem Leben. Vom höchsten Standpunkt aus ist alles eine Manifestation Gottes. Das ist Advaita. Das hat Krishna im siebten Kapitel so gesagt. Dann könnte man sagen: Es ist alles egal, was ich mache, ich bin immer in Gott. Ist das richtig oder falsch? Auf der absoluten Ebene ist das richtig. Vom erleuchteten Standpunkt aus ist es völlig egal, was wir machen, wir sind immer in Gott. Es gibt nur Brahman, es gibt nur Krishna, es gibt nur Manifestationen des Bewusstseins und das sollten wir auch immer wieder erkennen.

Wir brauchen jedoch Unterscheidungskraft, um zwischen dem hellen und dem dunklen Weg zu unterscheiden. Es gibt den Hellen Weg, der uns zur Befreiung führt und es gibt den Dunklen Weg, der uns zur Bindung führt. Erst im dritten Drittel der Bhagavad Gita gibt Krishna uns mehr Einzelheiten, um zu verstehen, was er damit meint. Er unterscheidet dann zwischen den drei Gunas, Sattva, Rajas, Tamas. Er erklärt uns, was sattvig, rajassig und tamassig in jedem Lebensumstand für uns bedeutet und wie wir da die richtige Unterscheidung treffen können. Hier im achten Kapitel definiert er es nicht weiter.

An anderen Stellen in der Gita, besonders im 16. Kapitel, spricht Krishna von dem Daiva– und dem Asura-Weg. Vieles, was in unserer Gesellschaft als normal gilt, bezeichnet Krishna als den Weg der Asuras. Wir stehen oft am Scheideweg und müssen uns entscheiden, welchen Weg wir wählen.

In der Katha Upanishad wird ebenfalls zwischen diesen beiden Wegen unterschieden. Dort werden sie als „Shreya Marga“ und als „Preya Marga“ bezeichnet. Shreya Marga ist „der Weg des Guten“. Preya Marga ist „der Weg des Angenehmen“. Das Angenehme ist nicht immer das Gute und das Gute nicht immer das Angenehme. Aber glücklicherweise gibt es auch Ausnahmen, wo das Gute auch angenehm ist.

Krishna spricht im letzten Kapitel der Bhagavad Gita (Bh G XVIII 36-39) über die drei Arten von Freude. Es gibt die Freude, die zuerst wie Gift ist und nachher wie Nektar. Diese Freude nennt er sattvig. Dann gibt es die rajassige Freude, die zuerst wie Nektar und nachher wie Gift ist. Es erscheint erst als angenehm, und nachher hat man dadurch Probleme. Tamassige Freude ist am Anfang und am Ende unangenehm, und nur durch Täuschung denkt man vorher, es sei gut. Süchte sind ein Beispiel für tamassige Freuden. Menschen, die süchtig sind, genießen nicht, wenn sie ihrer Sucht nachgehen, sie fühlen sich auch nachher schlecht, können sie aber trotzdem nicht lassen.

Angenommen man übt längere Zeit sattvige Freuden zu entwickeln, dann entsteht irgendwann der Punkt, wo man sich wirklich darauf freut. Als Beispiel: Angenommen man soll morgens um 5.00 Uhr aufstehen. Für viele Menschen ist frühes Aufstehen erst mal eine große Herausforderung und Anstrengung. Aber wenn sie sich dazu überwinden, wird es zu Nektar und wenn sie es regelmäßig machen, freuen sie sich darauf. Dann kommt die Frage: „Drehe ich mich lieber auf die andere Seite und stelle den Wecker 3 Stunden weiter?“ gar nicht mehr auf. Jeden Morgen zu meditieren ist für jemand, der es nicht gewohnt ist, erstmal schwierig. Wenn man es eine Weile gemacht hat, ist es ganz natürlich und man mag es. So kann es ein Kennzeichen des geschulten Geistes sein, dass er das Gute für angenehm empfindet. Der Mensch ist dann auf die nächste Stufe des spirituellen Wegs „Tanumanasa“ gekommen, die Stufe, wo man das mag, was gut für einen ist und wo die Intuition einem das sagt, was gut ist.

Auf der Stufe von Vicharana haben wir auch manchmal Intuition: Manchmal hilft uns die Intuition und manchmal führt sie uns in die Irre. Manchmal sagt unser Herz auf der Vicharana Ebene etwas und manchmal ist es gut, dem zu folgen und manchmal ist es nicht so gut.

Wir müssen uns bewusst sein, dass die Entscheidungen, die wir treffen, einen Einfluss haben, ob wir die Selbstverwirklichung früher oder später erreichen. Auch wenn alles die Höchste Wirklichkeit ist, dürfen wir das nicht zu blauäugig sehen. Auch wenn es heutzutage Mode ist, sich auf dem spirituellem Gebiet nichts vorschreiben lassen zu wollen. Auch wenn Krishna an mehreren Stellen sagt: „Widme alles Gott, egal was du machst“, müssen wir immer wieder anhand eines Kriterienkatalogs abwägen und die rechten Entscheidungen treffen.

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