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07-11 Kommentar Sukadev

In den Versen zuvor hat Krishna beschrieben, dass in allem etwas Großartiges ist und dass Gott jedem Menschen verschiedene Talente und Kräfte schenkt. Diese Talente und Kräfte können uns an Gott erinnern. Die Schönheiten der Natur können uns an Gott erinnern. Krishna hat uns so die Aufgabe gegeben, nach dem Großartigen im Menschen zu suchen und Gott darin zu erkennen.

Ich möchte Euch eine praktische Übung gerne ans Herz legen: Schreibt eine Liste mit 10 Namen von Menschen auf, mit denen ihr regelmäßig zu tun habt. Findet heraus, wie sich Gott als besondere Eigenschaften/Talente in diesen Menschen manifestiert. Ihr könnt diese Übung auch täglich abends machen, dann vielleicht nur mit 3 Menschen. Es ist eine ganz einfache Übung, die eure Beziehungen zu Menschen entscheidend verändern kann.

Umgekehrt machen wir es ja häufiger. Typischerweise, wenn man sich unterhält und über einen Menschen spricht, lästert man. Schlecht über jemanden denken, kommt vermutlich noch häufiger vor. Das muss nicht nur schlecht sein. In einem Artikel der Zeitschrift „Psychologie heute“ habe ich mal gelesen, wie wichtig Klatsch für den Menschen sei und dass zur Zusammengehörigkeit Klatsch gehört.

Es gab mal einen Artikel im Spiegel. Dort stand, dass Boshaftigkeit charakteristisch für Menschen sei und auch in menschlichen Gesellschaften zum Zusammenhalt wichtig sei. Boshaftigkeit wurde dort definiert als: „Einem anderen Menschen etwas Schlechtes tun, auch wenn man nichts davon hat.“ Dazu ist nur der Mensch fähig. Kein Affe, kein Schimpanse würde auf diese Idee kommen. Affen tragen, wie experimentell bewiesen wurde, diese Eigenschaft nicht in sich. Es gab mal eine Versuchsreihe mit Affen, wo einem Affen verschiedene Möglichkeiten auf Tasten zu drücken gegeben wurden. Wenn er Taste A drückt, bekommt er selbst etwas Gutes zu Essen. Wenn er Taste B drückt, bekommt der Affe nebenan etwas Gutes zu Essen. Wenn er Taste C drückt, bekommen beide etwas.

Im ersten Durchgang des Experiments drückte der Affe wahlweise mal auf die Tasten A, B und C.

Im zweiten Durchgang drückt der Affe konsequent auf Taste C, wodurch beide Affen etwas Gutes zu Essen bekommen. Es zeigt sich, dass Affen tendenziell Mitgefühl entwickeln.

Demgegenüber ist der Mensch auch bereit auf eine Taste zu drücken, wo weder er noch der andere etwas bekommen. Er macht das dann, wenn er glaubt, den anderen eins auswischen zu müssen. Er ist bereit, dieses Opfer zu bringen, um jemand anderes leiden zu lassen. Zunächst mag ein solches Verhalten als negativ erscheinen. Allerdings braucht der Mensch diese Fähigkeit, um zu verhindern von anderen ausgenutzt zu werden. Wenn Menschen allerdings nicht aus Güte heraus boshaft sind, sondern einfach nur unfair handeln, dann ist es wichtig, dieses Verhalten auch zu ahnden. Erst dadurch ist auf die Dauer die Mehrheit der Menschen fähig zu kooperativem Verhalten und fähig, auf etwas zu verzichten zum Wohl der Gemeinschaft.

Je nach Betrachtung des Kontextes kann Boshaftigkeit also auch etwas Gutes oder Sinnvolles sein. Als spiritueller Aspirant wollen wir aber über diese Art von Steinzeitethik hinauswachsen und uns an das Göttliche im Menschen erinnern. Dabei hilft die kleine Übung, die ich zuvor beschrieben habe. Man kann ja mit Menschen, die man besonders bewundert, beginnen und später Menschen nehmen, mit denen man sich verkracht hat. Und obwohl wir über diese Steinzeitethik hinauswachsen sollen, kann es trotzdem auch hilfreich sein, ein negatives Bild über sich selbst und über andere zu haben, wenn man erkennt, dass praktisch jedes menschliche Verhalten irgendwann in einem evolutionären Kontext einmal sinnvoll war und nicht auf der Dualität von Teufel und Gott besteht. Krishna selbst sagt: „Ich bin die ganze Welt, die ganze Natur und damit das Gute, wie auch das Schlechte.“

Im 9. und 10. Vers geht es also um die Großartigkeit, welche zum Guten und zum Schlechten eingesetzt werden kann. Es gibt hochintelligente Menschen, die ihre Intelligenz nicht zum Nutzen, sondern zum Schaden anderer einsetzen. Es gibt Menschen mit viel Enthusiasmus, die mit viel Enthusiasmus großes Leiden in die Welt bringen.

Und dann im 11. Vers geht es Krishna darum, den Aspekt der Ethik ins Spiel zu bringen. Man kann auch die ethischen Eigenschaften von Menschen besonders bewundern.

„In dem Starken bin Ich die Kraft, die frei ist von Wunsch und Verhaftung.“ Stärke – Tejas – kann man in jedem Menschen bewundern. Besonders bewundernswert ist es, wenn es eine Stärke ist, bei der es nicht darum geht, eigene Wünsche zu erfüllen und eigene Verhaftungen auszuleben.

„In allen Wesen bin ich der Wunsch im Einklang mit Dharma.“ Wir können Wünsche haben, die dem Dharma, der Rechtschaffenheit entgegenstehen. Wir können aber auch Wünsche haben im Sinne von Rechtschaffenheit. Darin ist Gott besonders leicht zu erkennen.

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