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06-02 Kommentar 2 von Sukadev

Bhagavad Gita, 6. Kapitel, 2. Vers: Handeln und Entsagen hängen zusammen. Lass deine Gedanken los

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„Wisse, Oh Arjuna, Yoga ist das, was man Entsagung nennt. Niemand wird wahrhaftig ein Yogi, der nicht den Gedanken entsagt hat.“

„Gedanken entsagen“, hat viele Bedeutungen und mein Anliegen in diesen täglichen Inspirationen ist ja jetzt nicht, einen historisch korrekten oder einen historisch kritischen Kommentar zur Bhagavad Gita zu geben, auch nicht, jeden Vers in seiner Tiefe zu interpretieren, dazu habe ich ein Buch geschrieben, „Die Yogaweisheit der Bhagavad Gita für Menschen von heute“, sondern vielmehr, aus den Versen kleine, inspirierende Alltagsempfehlungen zu geben. Entsage deinen Gedanken, heißt auch, entsage deinen konkreten, vorgefassten Meinungen und Vorstellungen, Vorurteilen. Natürlich, wir gehen an alles mit irgendwelchen Gedanken heran. Der Mensch kommt noch nicht mal auf die Welt als Tabula Rasa, also als leeres, unbeschriebenes Blatt, sondern wir kommen schon, sei es, von der Evolution her, mit bestimmten Mechanismen, Genen und Instinkten auf die Welt, oder Yogis gehen davon aus, wir kommen mit Erfahrungen aus früheren Leben auf die Welt. Und so, in jeder Situation, in die du hineinkommst, hast du natürlich auch Erfahrungen vorher gemacht, du machst dir Gedanken. Wenn dich jemand etwas fragt, dann antwortest du nicht einfach so, sondern du antwortest aus deiner Erfahrung heraus.

Es ist aber gut, ab und zu mal einen Schritt zurückzutreten. Du kannst dir bewusst werden: „Was sind meine sofortigen Gedanken in der Situation? Was sind meine Vorstellungen? Was denke ich, was ich tun müsste, was die anderen tun müssten, was sein sollte und was denke ich, was als nächstes kommt?“ Und tritt mal einen Moment zur Seite! Lass einen Moment diese Gedanken los und überlege: „Gibt es einen anderen Standpunkt? Könnte ich dort anders reagieren? Gibt es eine Möglichkeit, das anders zu sehen?“ Wenn du das tust, löst du dich langsam von den Grenzen deines Egos. Du bekommst einen weiteren Geist. Und es ist leichter, seinen Geist zu transzendieren, wenn man etwas spielerischer damit umgeht. Manche Menschen sind sehr identifiziert mit ihren Gedanken. Sie sind sehr überzeugt von ihren Überzeugungen. Als Yogaübender kannst du lernen, dass es verschiedene Weisen gibt, die Wirklichkeit zu sehen, dass auch du verschiedene Standpunkte gleichzeitig und parallel haben kannst. Als Yogaübender kannst du auch lernen, wie spielerisch zwischen Standpunkten hin und her zu wandern. Ich würde dir empfehlen, probier es mal aus! Lasse mal deine Gedanken los und überlege: „Gibt es einen anderen Standpunkt? Gibt es eine andere Weise, das zu sehen?“ Und werde ganz konkret und zwar am besten jetzt gleich, in diesem Moment oder direkt danach.

Ich wünsche dir einen offenen Geist und die Bereitschaft, immer wieder zu lernen, und die Bereitschaft, Dinge von einem neuen Standpunkt zu sehen.

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