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05-07 Kommentar Sukadev

Das ist einer der schönsten und bedeutungsvollsten Verse für mich. Ein Vers, der vieles zusammenfasst, was Krishna vorher gesagt hat.

Sowohl Mitarbeiter im Ashram als auch Menschen außerhalb des Ashrams müssen sich bewusst machen, dass den Alltag zu leben nicht gleichbedeutend ist, ein weltliches Leben zu führen. Auch hier im Ashram gibt es immer wieder Mitarbeiter, die versuchen, mir den Unterschied zwischen einem kommerziellen Seminarbetrieb auf der einen Seite und einem Ashram auf der anderen Seite zu verdeutlichen. Sie sagen, wir wären eine Verbindung zwischen Weltlichem und Spirituellem. Diese Unterscheidung kann man in einem Satz zusammenfassen: Sie ist Unsinn. Es gibt nicht diesen Unterschied.

Auch im Alltag außerhalb des Ashrams sollte man diese Unterscheidung nicht vornehmen, sondern die beruflichen und häuslichen Pflichten mit der Spiritualität verbinden.

Es ist egal, ob wir z.B. die Buchhaltung in einem Handelsunternehmen machen und dabei mit der richtigen Einstellung Karma ausarbeiten oder wenn wir Yoga in einem Ashram unterrichten.

Krishna sagt: „Wer selbstbeherrscht ist“, also die zu erledigenden Dinge auch dann tut, wenn sie einem mal keinen Spaß machen, sie auch dann pflichtbewusst ausführt, Engagement zeigt, seine positiven Eigenschaften einsetzt und dann sein Selbst als das Selbst aller Wesen ansieht, hat die richtige Einstellung. Auch ein Chef, dem es hauptsächlich darum geht, dass seine Abteilung die beste in der Firma ist, damit er gelobt wird und eine Prämie bekommt, ist unser eigenes Selbst. Das Selbst aller Wesen ist gleich.

Und so sollten wir uns bewusst sein: ich erledige bewusst mein Karma Yoga. Und Karma Yoga ist nicht nur die Zeit, wo ich Yoga unterrichte; es ist nicht nur die Zeit, wo ich im Krankenhaus ehrenamtliche Zeit verbringe oder im Altenheim, um für Menschen Einkäufe zu erledigen, ihnen zuzuhören, Sterbebegleitung zu machen. Es ist wichtig, dass man ehrenamtliche Arbeit macht, damit man sich nicht letztlich selbst betrügt. Man sollte sich auch um seine Familie kümmern, Yoga unterrichten, anderen helfen. Karma Yoga ist umfassender. Wir sollten nicht zu viele Trennungslinien ziehen. Uns das zu vermitteln ist Krishnas Anliegen in der Bhagavad Gita. Er fordert eindeutig die Abschaffung der Trennungslinie zwischen weltlichem und spirituellem Leben, was er Arjuna in einer extremen Grenzsituation – einem Krieg – erläutert.

Und letztlich ist es der Krieg des täglichen Lebens. Manche mögen denken: „Ja, der Sukadev kann das leicht sagen: er lebt in einem Ashram, wo sicher alle harmonisch und liebevoll miteinander umgehen. Ich dagegen lebe im Alltag, in meinem Unternehmen, wo ständig gemobbt wird, ein großer Konkurrenzkampf besteht, einer Familie, in der es viel Streit gibt; es lässt sich leicht sagen, wenn man im Ashram lebt…“

Die Bhagavad Gita ist vielleicht gerade deshalb im Krieg verkündet worden, weil all diese Prinzipien auch und gerade in den Situationen gelten, wo Dinge nicht so harmonisch sind. Und wo es auch heißen kann, sein Prarabda Karma zu erfüllen, sich auch mal durchzusetzen und Menschen davon abzuhalten, etwas Schlechtes zu tun. Immer in dem Bewusstsein: „Ich bin das Selbst in allen Wesen. Selbst in dem Wesen, in dem Menschen, den ich jetzt davon abhalten muss, das zu tun, was er eigentlich tun will, nämlich sich selbst zu bereichern und andere zu unterdrücken.“

Das kann unsere Pflicht und Aufgabe sein. Und es kann sein, dass wir durch Widerstände hindurchgehen müssen. Und es kann sein, dass wir in vollem Bewusstsein „Ich bin das Selbst im anderen Menschen“, etwas durchsetzen müssen, was dem anderen weh tut. Natürlich sollten wir dabei die Grundethik von Ahimsa und Satyam beachten.

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