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05-05 Kommentar Sukadev

Karma Yoga und Jnana Yoga sind untrennbar miteinander verbunden. Wirkliches Karma Yoga können wir auch nur dann ausführen, wenn wir zum einen das Wissen über das Karma haben, und zum anderen das Wissen haben, dass alles eins mit dem Unendlichen ist.

Dazu kommt: Jede Identifikation unsererseits mit etwas erschafft neues Karma.

Wenn wir das Gefühl haben, nur ein Instrument Gottes zu sein, zu fühlen: „Ich bin nur eine Zelle im Rahmen des kosmischen Körpers“ um zu handeln ohne Verhaftung und ohne Identifikation, dann schaffen wir kein neues Karma.

Wenn wir als Jnana Yogi wissen: „Das Selbst in allen Wesen ist eins, du bist in mir, ich bin in dir“, dann muss daraus notwendigerweise Liebe entstehen. Es muss daraus der Wunsch entstehen, anderen zu helfen und zu dienen. Es kann nicht sein, dass wir sagen: „Ich bin du und du bist ich und das Selbst aller Wesen ist eins – aber wehe, du brauchst meine Hilfe! Ich will nicht aus meinem Gleichgewicht rauskommen. Ich will meine Meditation. Ich bin eins mit dir, schon richtig! Aber das werde ich jetzt nicht dadurch ausdrücken, dass ich meine innere Gelassenheit aufgebe und dir jetzt ein paar Stunden helfe.“ Wäre das Jnana? Nein, das wäre nur Scheinheiligkeit! Das eine bedingt das andere. Wir können nur wirklich ein Karma Yogi sein und ohne Verhaftung an die Handlung handeln, wenn wir gleichzeitig Jnana (Wissen) und das Gefühl der Einheit haben. Und aus dem Gefühl der Einheit muss notwendigerweise selbstloses Dienen heraus erwachen.

Im Alltag gehört beides zusammen. Auch Swami Vishnu-devananda, mein Meister, hat uns immer gelehrt, beides miteinander zu verbinden. Er hat oft gesagt: „Es braucht beides: Zeit für die Meditation und Zeit für die Alltagspflichten.“ So wie der Leser sich jetzt gerade die Zeit nimmt, dieses Buch zu lesen und danach das Wissen im Alltag umzusetzen, so nehmen sich die Teilnehmer dieser 9-tägigen Weiterbildung Zeit, zu meditieren, Vorträge zu hören, zu entspannen und Yogastunden zu besuchen. Nebenbei gibt es noch 45 Minuten Karma Yoga.

Es ist gut, mal eine Zeit zu nehmen, wo man sich zurückzieht, wo man seine Batterien auflädt, wo man wieder seine eigene Motivation überprüft, wo man neue Vorsätze fasst und überlegt, mit welcher Motivation gehe ich nachher wieder heim oder höre ich auf zu lesen, wo man neue Inspirationen sammelt, die man nachher wieder in den Alltag bringt.

Man braucht jeden Tag eine bestimmte Zeit, in der man meditiert, Asanas, Pranayama macht, vielleicht die Bhagavad Gita studiert, vielleicht Mantras rezitiert. Für die meisten Menschen ist das zwischen einer und drei Stunden am Tag. Für die meisten unserer Mitarbeiter im Haus Yoga Vidya Silvaticum sind das, wenn man den Satsang mitzählt, zwischen 2-3 Stunden am Tag. Daneben haben sie noch die Möglichkeit, 7,8,9 Stunden Seva am Tag zu machen, also zu dienen.

Menschen außerhalb des Ashrams werden vermutlich, wenn sie eine Familie und einen Beruf haben und nebenberuflich Yoga unterrichten, nicht drei Stunden Zeit für ihr Sadhana haben. Sie werden eher eine Stunde Zeit haben. Aber diese Stunde brauchen sie! Wer sich diese Stunde Zeit nicht nimmt, den kann ich nur ermutigen sie zu nehmen: Die Stunde braucht ihr! Und das ist dann auch nichts Egoistisches. Denn wenn man die Batterien nicht täglich auflädt, ist es äußerst schwierig – ich will nicht sagen unmöglich- aber es ist äußerst schwierig, wirklich mit der richtigen Karma Yoga Einstellung den Rest des Tages zu verbringen. Es ist ebenfalls notwendig, öfters die Schriften zu studieren. Das ist nötig, um hinterher Karma Yoga ausführen zu können. Umgekehrt ist aber auch Karma Yoga notwendig, um in die Meditation zu gehen.

Besonders deutlich wurde mir das auch auf meinen vielen Indienreisen. Ich sehe dort oft Aspiranten, die den größten Teil des Jahres in Indien verbringen, um dort hauptsächlich zu meditieren. In Indien kann man ja mit sehr wenig Geld auskommen. Früher hätten vermutlich 2 Euro pro Tag – einer für Unterkunft und einer fürs Essen – ausgereicht, um einfach gut leben zu können. Heute wird es vermutlich mindestens doppelt so teuer sein, besonders auch, da die Ansprüche der Aspiranten an Unterkünfte gestiegen sind. Viele haben dann 2 Monate im Jahr bei einer Zeitarbeitsfirma gearbeitet und in dieser Zeit bei Freunden oder den Eltern auf der Couch gelebt und so das Geld für die restlichen 10Monate gespart, um bequem dann meditieren zu können. Das hört sich doch gut an, oder?

Wenn ich die Ausstrahlung dieser Menschen verglichen habe mit den Menschen, die ich aus aktiveren Ashrams kannte, die 7-10 Stunden am Tag aktiv Seva (Dienst) geübt haben, – dann hatten diejenigen in den Ashrams, die intensiv geübt haben, die weitaus größere Ausstrahlung. Die anderen, die gesagt haben, sie meditieren sechs Stunden am Tag, sahen immer so aus, als müsste sie mal jemand durchschütteln, damit sie mal aus ihrer Trägheit erwachen. Schon ihr Gang war langsam, die Sprache bedächtig und wenn sie einen angeschaut haben, sind die Augen ab und zu mal zugefallen. Natürlich war es nicht immer und bei allen so, aber bei vielen Aspiranten. Sie schafften es gerade noch sich um ihre persönlichen Sachen zu kümmern, aber wenn mal was Außergewöhnliches auftrat, hat es sie überfordert. Das bedeutet kein spirituelles Vorankommen. Karma Yoga ist nötig, um in der Meditation voran zu schreiten. Man muss sich davor hüten zu denken, ein bequemes Leben ist ein Leben, das einen auf dem spirituellen Weg voran bringt. Das ist es nicht!

Mir ist aufgefallen, dass alle großen Meister intensivste Praktiken geübt haben, meist auch intensiv Karma Yoga geübt haben. Ich habe keinen Meister entdeckt, der ein bequemes Leben geführt hat und der in diesem bequemen Leben die Selbstverwirklichung erreicht hat. Überall, wo vielleicht jemand gesagt hat, er arbeitet so drei, vier Stunden am Tag, meditiert seine zwei Stunden am Tag, macht jeden Tag drei Stunden Spaziergänge, liest ein bisschen und schläft seine acht Stunden, habe ich keinen echten, mindestens keinen starken, spirituellen Fortschritt gesehen. Das müsst ihr einfach wissen! Es mag verlockend erscheinen und ist vielleicht auch ganz nett, wenn es die finanzielle Lage zulässt, man etwas geerbt, im Lotto gewonnen oder an der Börse erfolgreich gewesen ist. Doch wirkliches spirituelles Wachstum bringt es nicht.

Wir wachsen, indem wir uns intensiv bemühen. Und das heißt konkret: Karma Yoga und spirituelle Übungen in Verbindung, dynamisch und intensiv. Natürlich unserer Swarupa entsprechend, denn übertreiben darf man es auch nicht. Wir müssen dieses Gleichgewicht halten. Nur Gleichgewicht heißt nicht, dass es immer sehr ruhig ist. Eine Schülerin von Swami Vishnu hat es mal so gesagt: „Die Aufgabe des spirituellen Lehrers ist es zu verhindern, dass uns das Leben zu angenehm wird.“ Das ist eine Hauptaufgabe des spirituellen Lehrers. Und ich meine: Im Kali Yuga braucht das der spirituelle Lehrer auch gar nicht bewusst zu tun, es geschieht einfach. Das Leben ist so, dass es verhindert, dass es uns zu lange zu anstrengungslos erscheint. Wenn euer Leben sehr stressig ist, freut euch: es gibt mehr Prarabdha Karma für euch abzuarbeiten und schnelleren spirituellen Fortschritt.

So sagt er eben:

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