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04-08 Kommentar Sukadev

Ein Avatar inkarniert sich in jedem Zeitalter, um Dharma zu erhöhen und Adharma zu reduzieren, Gute zu schützen und Böse zu vernichten.

 

Im 10. Vers des 3. Kapitels hatte ich als ein biologisches Beispiel den Körper und seine Zellen gebraucht. Das kann man auch auf den Avatar übertragen. Normalerweise bekämpft unser Körper ständig irgendwelche Krankheitskeime. Im Winter gibt es immer wieder Erkältungswellen und in der Luft, in der Atmosphäre und an den Türklinken sind alle möglichen Bakterien. Zu der Zeit ist das Immunsystem von jedem Einzelnen aktiv. Bei den meisten Menschen ohne, dass sie es merken. Wenn wir in der Nähe von irgendjemandem sind, der eine Erkältung hat, dann werden wir automatisch mit diesen Viren konfrontiert. Noch dazu, wenn wir auf eine Türklinke drücken und uns danach die Augen wischen oder Brot essen usw. Im Normalfall überwältigt der Körper diese Viren ohne, dass wir irgendetwas davon mitbekommen. Die Zellen erfüllen ihre Aufgaben. Die Intelligenz des Körpers überlässt es dem Körper ganz bewusst, sich zu heilen. Dagegen, wenn die Erkältung jetzt weiter fortgeschritten ist, man hustet, heiser oder müde ist, die Nase verstopft hat oder Fieber bekommt, dann wird man aktiv diese Erkältungssymptome bekämpfen. Man kann homöopathische Mittel einnehmen, Dampfbäder machen oder inhalieren. Wir greifen bewusst in die Heilung unseres Körpers ein und sind somit wie ein Avatar für unseren Körper. Wir manifestieren uns als Avatar, um die guten Kräfte in uns zu stärken und die bösen Kräfte zu vernichten. Wenn es eine bakterielle Lungenentzündung ist, ist es wahrscheinlich angebracht Antibiotika zu nehmen. Das ist dann vom Standpunkt des Körpers aus betrachtet für ihn wie ein Wunder, wenn die Abwehrzellen mitbekommen, wie die Antibiotika die bösen Zellen vernichten. Plötzlich kommt, ohne dass man es versteht, göttliche Hilfe und die bösen Stoffe werden, zumindest zu einem Teil, umgebracht, so dass die Abwehrzellen danach leichtes Spiel haben mit den übrig gebliebenen bösen Zellen.

Genauso ist es, wenn die Abwehrzellen gerade dabei sind, einen gemütlichen Kampf zu machen und der Mensch plötzlich ein heißes Bad nimmt. Die Körpertemperatur steigt obwohl der Körper gar nichts dafür getan hat, dass die Körpertemperatur steigt und nun denken die Abwehrkräfte: „Okay. Toll, wir versuchen uns ein bisschen zu vermehren und anscheinend bekommen wir Unterstützung. Irgendjemand meint es gut mit uns. Ein göttlicher Avatar ist gekommen und der hilft uns jetzt die anderen zu vernichten.“

 

Ich hatte ja mal das Beispiel des Krebses gebraucht, bei dem die Abwehrzellen versuchen die Krebszellen zu vernichten. Die Krebszellen wehren sich aber erfolgreich dagegen und werden deshalb eingekapselt. Sie breiten sich aber trotzdem weiter aus. Die anderen Zellen wissen nicht, was passiert. Plötzlich wird der Körper aufgeschnitten, der Tumor herausoperiert. Die Abwehrzellen verstehen die Welt nicht mehr. Sie haben jahrelang versucht, dieses Krebsgeschwür loszuwerden und plötzlich ist es weg. Sie erleben das wie ein Wunder, wie ein Avatar.

 

Manchmal kann sich der Avatar so manifestieren, dass er die Abwehrkräfte des Körpers selbst stärkt. Manchmal kann es sein, dass er sich wie zusätzliche Zellen manifestiert. Antibiotika sind Lebewesen, sind zusätzliche Zellen. Und solche Wunder geschehen tatsächlich immer wieder. Immer dann, wenn es erscheint, als ob alles irgendwie kaputt geht, erscheint Gott wieder als Avatar. Nur wann genau der Zeitpunkt ist, dass wissen wir nicht.

Aber Krishna sagt: „Immer wenn Dharma verfällt und Adharma stark wird, dann manifestiere ich mich.“ Wir können auch davon ausgehen, dass Gott einen gewissen Gang des Universums vorgesehen hat. Gleichzeitig hat er aber auch Lebewesen geschaffen, die eine gewisse Willensfreiheit haben und ihren Willen zum Guten oder zum Schlechten einsetzen und damit den Gang des Universums verändern können. Diese Lebewesen können sich auch an die Naturgesetze anpassen oder nicht anpassen. Wenn sie sich nicht anpassen, inkarniert Gott sich wieder.

So wird er in jedem Zeitalter wieder geboren. Unter dem Begriff „Zeitalter“ könnte man jetzt die Einteilung nach Yugas verstehen, das hieße dann: Alle paar hundert (oder Tausend) Jahre inkarniert sich ein Avatar.

 

In der Bhagavatam werden zehn Hauptavatare aufgezählt, nämlich:

Matsyavatar (Fischavatar), Kurmavatar (Schildkrötenavatar), Vamanavatar (Zwergavatar), Narasimha (der Menschlöwe), Varahavatar (Eberavatar), Parashurama, Ikshvaku Rama (Rama, den wir aus der Ramayana kennen), Krishna, Buddha und Kalki.

 

Was bedeuten jetzt diese Avatare? Darüber gibt es unterschiedliche Interpretationen. Manche Interpreten sagen, dass sie die Evolutionen des Lebens darstellen: Das Leben hat im Wasser begonnen. Dafür steht Matsya, der Fischavatar. Dann hat Gott eingegriffen. Und der Schildkrötenavatar inkarnierte sich. Er symbolisiert sozusagen den Übergang vom Meer auf das Land. Auf dem Land inkarnierte sich dann der Eberavatar. Er steht für die ersten Säugetiere. Dann inkarnierte sich Narasimha, der halb Mensch und halb Löwe war. Er steht für den Übergang der Säugetiere zu den Primaten. Der Zwergavatar steht für die Primaten und den Übergang von den Affen zum Menschen. Parashurama gilt als der erste Bauer, steht also symbolisch dafür, dass aus dem Jäger und Sammler der Steinzeit ein Landwirtschaftsmensch wird. Ikshvaku Rama als nächste Inkarnation kann man als Begründer des modernen Staatswesens sehen. Nach ihm inkarniert sich mit dem Beginn der Moderne Krishna. Krishna symbolisiert die Entwicklung von Künsten, Weisheit und Liebe. Krishna soll um 3227 v. Chr. zu Beginn des Kaliyugas gestorben sein. Kaliyuga heißt „dunkles Zeitalter“. Interessanterweise datieren unsere Historiker um 3000 v. Chr. den Beginn der Hochkulturen. Sie würden niemals behaupten, dass 3000 v. Chr. das dunkle Zeitalter begonnen hat, sondern eigentlich hat für sie um 3000 v.Chr. die Hochkultur begonnen. Zu dieser Zeit wurden die ersten größeren Städte gebaut. Vorher gab es höchstens kleinere Siedlungen, Dörfer und Kleinstädte. Um 3000 v.Chr. entstanden große Städte, systematische Bewässerungssysteme und größere Staatssysteme. Die Zeit der Inkarnation von Krishna gilt als eine besondere Wendezeit. Sie wird allerdings als dunkles Zeitalter interpretiert. Eine interessante Parallele ist, dass die Christen des Mittelalters glaubten, Gott habe 3.500 v. Chr. die Welt geschaffen.

Auf Krishna folgte Buddha. Buddha lebte um 500 v. Chr. Es gab einen deutschen Philosophen namens Karl Jaspers, der die Zeit des 6. Jahrhunderts als die Achsenzeit bezeichnete.

Er nannte es den Beginn des philosophischen Zeitalters. In China lebten Lao Tse und Konfuzius, in Indien Buddha, Mahavira. Es entstanden die späteren Upanishaden. In Griechenland wirkten große Philosophen, wie Thales, Heraklitt und Pythagoras und in Persien Zarathustra.

Als nächste Inkarnation nach Buddha soll Kalki sich inkarnieren. Was dieser genau bewirken wird, wissen wir heute noch nicht. Von Kalki wird gesagt, dass er auf einem metallenen, Feuer spuckenden Vogel reiten würde, von dem aus alles Negative vernichtet werden würde. Kalki soll sich allerdings erst in ein paar Tausend Jahren inkarnieren.

 

Man könnte die zehn Avatare als die zehn Stufen der Evolution der Entwicklung des Lebens betrachten. Jede Stufe wurde mit Gottes Hilfe erschaffen. Das widerspräche der Darwinschen Evolutionstheorie, dass nämlich die Evolution ohne göttliches Eingreifen über Genmutationen und dem Prinzip „Survival of the Fittest“ geschieht. Die Theorie der zehn Avatare sagt, dass Gott immer wieder in die Evolution eingreift, damit die Evolution einen nächsten Sprung machen kann. Übrigens haben auch moderne Biologen festgestellt, dass sich die Arten nicht schrittweise entwickelt haben, sondern es immer wieder Sprünge in der Entwicklung gibt. Das können sie bis heute immer noch nicht ganz erklären. Bis heute wird versucht es damit zu erklären, dass man behauptet, es gebe immer wieder genetische Variationen. Mal kommen Menschen mit drei Armen, vier Armen, drei Beinen, Magen unten, Magen oben usw. auf die Welt. Die Mehrheit der Menschen kommt mit zwei Armen und Beinen auf die Welt. Aber ab und zu mal gibt es diese Varianten und wenn diese Varianten besser sind für das Leben, dann überleben sie und pflanzen sich fort. In den meisten Fällen sind sie nicht besser für das Überleben und sterben deshalb schnell aus. Wenn sie besser wären, würden sie sich in der Evolution durchsetzen und eine neue Art würde entstehen.

Schwierig wird es vor allen Dingen, wenn man z.B. die Erfindung von Flügeln betrachtet. Wenn man davon ausgeht, die Flügel hätten sich schrittweise entwickelt, funktioniert diese Theorie nicht. Mit einem halben Flügel oder gar nur einem viertel Flügel kann niemand fliegen. Der Flügel muss voll ausgebildet und ausgebreitet sein, dass er irgendeinen Sinn macht. In der Evolution findet man meines Wissens keine Zwischenwesen mit einem Viertelflügel, an dem vielleicht erst einmal nur drei Federn dran sind. In fossilen Funden sind Flügel entweder ganz oder gar nicht da.

 

Die Biologen selbst geben zu, dass es nicht so ganz einfach zu erklären ist. Man kann es nur mit großen Sprüngen erklären, die zufällige Varianten darstellen. Aber ich meine, man kann die Darwinsche Evolutionstheorie durchaus verbinden mit der Vorstellung von Gottes Steuerung der Schöpfung. Ähnlich tut es ja die amerikanische Theorie des „Kreationismus“, der aber seine eigenen Schwierigkeiten hat.

 

Die „Bhagavatam“ (eine andere indische Schrift) kennt nicht nur die zehn Hauptavatare, sondern sie kennt auch 22 Nebenavatare. Es heißt, Gott kann sich auch teilweise inkarnieren und wirkt dann darauf hin, die Welt zum Guten zu bringen. In diesem Sinn haben die Inder überhaupt kein Problem, Jesus als einen göttlichen Avatar inmitten von vielen anderen Avataren anzuerkennen. Die Christen halten Jesus für einzigartig. Mit dieser Vorstellung sind sie wiederum einzigartig. Juden und Moslems glauben nicht daran, dass sie die einzigen sind, die das Heil erreichen. Mit der jeweils richtigen Religion sei es leichter das Heil zu erreichen, aber mit der „falschen“ Religion sei es ebenfalls möglich. Moslems gehen davon aus, dass es viele andere Propheten vor Mohammed gab. Allerdings sehen sie Mohammed als den letzten Propheten an. Es soll kein neuer Prophet mehr folgen. Dies macht wenig Sinn: Wie ist das in einer Million Jahren, in 10 Millionen Jahren, in 1 Milliarde Jahren? Angenommen es gibt dann noch intelligente Wesen: Müssen sie sich dann auf einen Propheten vor 10 Millionen Jahren berufen? Diese Glaubensvorstellung hängt mit der Weltanschauung zusammen, die zur Zeit Mohammeds vorherrschte: Es wurde davon ausgegangen, dass das Ende der Welt nahe bevorsteht. Auch im Christentum ist das bekannt. Viele evangelischen Theologen sagen, dass die Jünger Jesu davon ausgingen, dass noch zu ihrer Lebenszeit die Welt unterginge. Die Frühchristen mussten dann damit umgehen, was als „Eschatologie-Verzögerung“ (Verzögerung des Weltuntergangs) bezeichnet wird. Jesus sagt ja an einigen Stellen in der Bibel: „Ihr werdet noch zu Lebzeiten das Herabkommen des Königreichs Gottes erleben.“ Und er sagt auch: „Noch zu euren Lebzeiten werde ich wiederkommen.“ Und so haben die Christen angenommen, dass noch zu ihren Lebzeiten die Erde praktisch vergeht und das Göttliche Zeitalter, das Himmlische Jerusalem, eingerichtet wird. Nachdem das nach ein paar Jahrzehnten immer noch nicht geklappt hat, musste man mit dieser Verzögerung leben. Immer wieder wurde angenommen, dass demnächst der Weltuntergang bevorstehe. 1000 n.Chr. haben infolgedessen Klöster riesige Ländereien geschenkt bekommen. Man hat angenommen um 1000 n. Chr. käme das Himmlische Gericht auf Erden herab.

So gab es auch Frühchristen, die Kommunisten waren. In manchen Gemeinden konnte man nur Christ werden, wenn man sein gesamtes Eigentum der Gemeinde überschrieb. In vielen christlichen Gemeinden war das üblich. In dem Glauben, dass man sowieso demnächst allen Besitz verliert (weil ja der Weltuntergang kommen würde), fiel es den Menschen leicht, vorher alles an die Gemeinde zu überschreiben. Denn so würde man dann leichter in den Himmel kommen.

Diese Endzeitprophezeiungen, die in der Bibel, besonders in der Johannesoffenbarung, manifest beschrieben werden, sorgen dafür, dass in jeder Generation einige Christen (und Moslems und Juden) denken, dass das, was in den Heiligen Schriften als Weltuntergangsszenario beschrieben wird auf ihr jeweiliges Zeitalter bezogen ist. Vor dem Hintergrund dieser historischen Zukunftsverkürzung kann man dann auch verstehen, wie Extremismus in diesen Religionen und der Alleinvertretungsanspruch zustande kommen. Währenddessen haben Religionen wie Hinduismus, Buddhismus, Taoismus, schon immer in Jahrmillionen, in Äonen gedacht. Sie glauben, selbst wenn die Welt mal zugrunde geht, es irgendwann später mal eine Neue gibt. Daher macht es keinen Sinn, dass in einem Universum, das Jahrmilliarden und noch viel länger dauert, sich Gott sich nur einmal inkarniert.

Krishna sagt also, dass er sich in jedem Zeitalter, letztlich überall wieder inkarniert, um diese höchste Weisheit wiederzugeben, um die Menschen zu lehren. Seine Lehren hat er auch an Ishvaku weitergegeben, der sie Manu und anderen gelehrt hat. Auch Patanjali spricht im Yoga Sutra davon, dass Iswhara, Gott, der ursprüngliche Lehrer von allen Lehrern ist. Und es heißt dann auch, angenommen unsere Zivilisation bekäme eine neue Diktatur, es gäbe einen neuen Materialismus und die Verehrung Gottes würde verboten werden und in drei Generationen würde niemand mehr an Gott glauben, dann würde sich wieder ein neuer Avatar, eine Inkarnation manifestieren. Selbst wenn alle Schriften vernichtet werden, würde Gott wird sich wieder manifestieren, die alten Lehren neu verkünden, und den Menschen die Weisheit beibringen. Ob dabei auch Asanas und Pranayama wären, weiß man natürlich nicht… Es gibt ja viele verschiedene Praktiken, die alle zur Verwirklichung führen.

Auch heutzutage wird von einigen Menschen behauptet oder sie sagen von sich selbst, sie wären Avatara. Heutzutage gibt es einen inflationären Gebrauch des Begriffs Avatar. Dies hängt damit zusammen, dass Inder ihre Meister ganz besonders verehren. Sie neigen zu Übertreibungen. Das größte, was ein Mensch sein kann, ist eben ein Avatar. Und so gibt es zurzeit wahrscheinlich 20 oder 30 indische Meister, die von ihren Schülern als Avatar bezeichnet werden. Sai Baba, Amritananda und Mutter Mira werden als solche bezeichnet.

Legt man Krishnas Definition von Avataren zugrunde, dann sind diese drei keine Avatare. Sie sind nicht auf die Welt gekommen, um die Bösen zu vernichten und die Guten zu schützen. Ammachi mag Tausende von Schülern haben, aber man darf nicht glauben, dass sie eine solche übergeordnete Bedeutung hat, wie Krishna den Avataren zuschreibt. Oder auch Satya Sai Baba, der von sich selbst sagt, er sei der Avatar. Er mag ein paar Millionen Schüler haben, aber dass er wirklich den Gang der Weltgeschichte verändert, kann man nicht von ihm behaupten.

 

Swami Venkateshananda ein Schüler von Swami Sivananda hat mal gesagt, dass die Avatare immer die Charakteristika des betreffenden Zeitalters annehmen. In unserem Zeitalter sei die vielleicht großartigste Erfindung die Demokratie. Deshalb würde es auch in unserem Zeitalter keinen einzelnen Avatar geben, sondern Gott würde sich gleichzeitig demokratisch an verschiedenen Stellen manifestieren als Avatar. So könnte man die vielen verschiedenen sogenannten Avatare heute erklären.

 

Man kann 3 Arten von Avataren unterscheiden:

Bhava Avatar,

Amsa Avatar,

Purna Avatar.

In beschränktem Sinne können viele Menschen kleine Avatare sein. Wir können uns alle bemühen, dass Gott herabkommt, durch jeden einzelnen von uns.

 

Ein Purna Avatar ist im engeren Sinne eine vollständige Herabkunft Gottes. Krishna gilt als der besondere Purna Avatar. Dann gibt es die fast vollständigen Purna Avatare, also die echten Avatare, welches die zehn zuvor genannten sind. Es kann natürlich auch noch andere in anderen Teilen der Welt geben.

Und dann gibt es Amsa Avatare, d.h. Gott kommt in einem Teil seiner Großartigkeit auf die Welt. Vyasa gilt als ein Amsa Avatar. Shankaracharya gilt als ein Amsa Avatar von Shiva. Gott verhüllt sein eigenes Wissen, geht teilweise in Avidya hinein und hat auch nur Teile der Kräfte Gottes. Von Amsa Avataren heißt es, sie kämen nicht auf die Welt, weil sie Karma usw. hätten, sondern aus Dharma heraus. Allerdings definieren die Inder selten etwas 100% eindeutig. Es heißt z.B. auch, dass es Amsa Avatare mit eigenem Karma gibt, die bei ihrer Inkarnation noch zusätzlich göttliche Kraft bekommen.  soll ein solcher Avatar sein. Mit Gottes Hilfe hat er die Veden, Puranas, Kommentare zu den Brahma Sutras, zum Yoga Sutra und diversen anderen schreiben können.

 

Im ganz weiten Sinne könnten wir sagen, dass wir alle wie ganz kleine Amsa Avatare sind, wenn wir uns zu Instrumenten von Gott machen. Und wenn es bis heute von indischen Meistern heißt, sie seien Avatare, dann sind sie eben Amsa Avatare (Avatare mit eigenem Karma und göttlicher Kraft).

Neben den Amsa Avataren gibt es noch die Bhava Avatare, welche in Südindien weit verbreitet sind. Das sind solche, die sich in ekstatische Zustände begeben und dann nicht mehr sie selbst sind. Wenn sie in ekstatischen Zuständen sind und sprechen, heißt es, Gott spreche durch sie. Es ist vergleichbar mit Channeling, nur dass dann kein Geist durch sie hindurch spricht, sondern ein Aspekt Gottes.

Besonders oft sprechen Durga und Sharavanabhava durch diese Avatara.

Von Amritananda wird gesagt, sie wäre ein Bhava Avatar. Normalerweise ist sie eigentlich ein Mensch. Aber wenn sie in den Devi Darshan geht, dann heißt es, dass sie nicht mehr sie selbst ist, sondern dann wirkt die Durga durch sie hindurch.

 

Swami Vishnu hat uns immer vom Channeling abgeraten. Wir sollten keinen Kontakt zu den Verstorbenen aufnehmen, sondern nur Om Tryambakam für sie singen und sie loslassen, weil wir nicht wissen würden, welchem Geist wir sonst zum Opfer fallen würden. Trotzdem war das bekannteste Channelmedium seine Schülerin.

 

Durch Bhava Avatare können auch Engelswesen oder Lokalgottheiten sprechen. In Südindien gibt es die so genannte Kavadi Zeremonie. Dabei durchbohren sich die Menschen mit 108 Speeren. Die Theorie ist, dass sie in Ekstase eingehen und dann Sharavanabhava durch sie hindurch wirkt. Sie sind nicht mehr sie selbst. Sie stellen ihren Körper zur Verfügung und die Speere symbolisieren dann Nadis, Energiekanäle, die nach außen gehen, so dass Sharavanabhava dort Licht und Energie hindurchschicken kann. Nach der Zeremonie ziehen sie die Speere wieder heraus. Es fließt kein Blut und am nächsten Tag sieht man keine Wunde mehr.

1983 in Berlin beim Global Village Peace Festival konnte man eine solche Zeremonie beobachten. Da war ich sogar derjenige, der dafür verantwortlich war den Malaysiern alle Artikel für die Puja zu bringen und folglich saß ich dann auch in der ersten Reihe. Dann fingen sie an zu singen. Er begann zu tanzen. Irgendwann geriet er in Ekstase, warf sich auf den Rücken und fing an wie ein Käfer mit Beinen und Armen zu zittern. Dann haben die anderen ihn festgehalten. Zwei Menschen haben seine Arme festgehalten, zwei Menschen die Beine. Er hat wild um sich geschlagen. Dann haben sie ihm die Zunge herausgezogen und ein Messer durch die Zunge hindurch gestochen. Ein weiteres durch die Wangen und ein drittes durch die Stirnhaut. Er wurde dann auf einen Hocker gesetzt und bekam 108 Speere, circa einen halben Zentimeter dick, spitz und aus Metall, durch den Körper gestochen. Sie wurden dann 3-5 cm unter die Haut gestochen. Danach ist er aufgestanden und zwei Stunden durch die Straßen von Berlin getanzt. Nach zwei Stunden fing er an, wilder zu tanzen und alle Speere sind herausgefallen und wurden eingesammelt. Dies war nicht ungefährlich. Aber es heißt, dass Sharavanabha sich darum kümmert, dass nichts kaputt geht, dass nichts passiert. Als er dann wieder normal zu Bewusstsein gekommen ist, sah er ein bisschen geschwächt aus. Aber es ist kein Blut geflossen. Am nächsten Tag ging es ihm wieder gut, er hatte keine Wunde – auch in der Zunge nicht. Kavaditräger machen diese Zeremonien regelmäßig. Sie haben festen Glauben, dass Sharavanabhava unendliche Kraft hat und den Körper immer wieder heilt.

1987 arbeitete Swami Vishnu intensiv mit der Universität von Prag zusammen, die verschiedene Forschungsarbeiten über Yoga begonnen hatte. Er hatte darum gebeten, dass der Kavaditräger, der 1983 beim Global Village Peace Festival aufgetreten war, in die Forschungsarbeiten einbezogen werden sollte. Dieser stellte sich zu Forschungszwecken zur Verfügung und bekam 108 Speere und Messer durch Zunge, Wangen und Stirn gestochen und ein EEG und ein EKG mit 30 Elektroden angelegt.

Es stellte sich heraus, dass das EEG-Gerät Werte anzeigte, als ob der Kavaditräger im Tiefschlaf wäre. Während gleichzeitig das EKG-Gerät Werte anzeigte, als würde er gerade Hochleistungssport machen.

Der Blutdruck war so hoch, dass man ihn im Normalfall als behandlungsbedürftig eingestuft hätte, aber gleichzeitig war das EEG so ruhig, als ob er gar nichts mitbekommen würde. Er hat auch nichts mitbekommen. Er tanzte, konnte sich sehr wohl orientieren, Dinge sehen und hören. Man konnte ihm Aufgaben geben, die er dann auch erledigt hat. Aber im Gehirn ist, wenn man ihm etwas gesagt hat, nichts abgelaufen. Ganz ruhige Wellen, als ob er im Tiefschlaf wäre, wenn er sich bewegt hat, oder wenn man ihn angesprochen hat, gab es keine Ausschläge. Das würde darauf hindeuten, dass sein Gehirn nichts damit zu tun hatte.

Es gibt es sehr oft, dass Menschen in anderen Bewusstseinszuständen außergewöhnliche Dinge machen.

 

Krishna sagt also, dass ein Avatar in jedem Zeitalter hier auf die Erde kommt. Und ich meine schon, dass wir heute in einem anderen Zeitalter sind, das sich unterscheidet von dem vor ein paar hundert Jahren. Wenn Krishna in jedem Zeitalter auf die Erde kommt, dann muss er auch in diesem Zeitalter auf die Erde kommen. Es gibt da ja diese vielen Amsha Avatare oder Meister, die als Avatare verehrt werden. In wie weit sie es tatsächlich sind oder das nur eine Übertreibung der Schüler ist, weiß man nicht. Ich sehe durchaus die Möglichkeit, dass wir in ein besseres Zeitalter hineingehen, ein sehr viel besseres Zeitalter, als die letzten Jahrtausende gewesen sind und ich sehe, dass es sogar zu unseren Lebzeiten besser werden kann. Es erscheint realistischer als jemals zuvor, dass wir in ein paar Jahren ein wahrhaft friedvolleres Zeitalter haben werden. Ich sehe es aber umgekehrt, dass wir auch in ein grässliches Zeitalter hineinschlittern können. Ein Zeitalter, das grässlicher ist, als jemals zuvor. Was zeigt die Chancen für ein besseres Zeitalter? Seit 1945 ist in den meisten Teilen Europas Frieden. Vorher hat es das noch nie gegeben, dass in den größten Teilen Europas Frieden herrscht. In Nordamerika hat es auch die letzten circa 100 Jahre keinen Krieg gegeben. Das hat es auch vorher nie gegeben, dass es auf einem ganzen Kontinent 100 Jahre keinen Krieg gegeben hat. Interessant auch: Bis jetzt hat noch kein Land mit einer demokratischen Regierung ein anderes Land mit einer demokratischen Regierung im Krieg bekämpft. Es könnte ein Konzept geben, wie Kriege dauerhaft verschwinden könnten. Das gibt Anlass zur Hoffnung. Ein weiterer Grund zur Hoffnung: jahrhundertelang gab es die Philosophie, dass es das Gute und das Böse gibt, und dass das Böse vertilgt werden muss. Diese Philosophie ist in immer breiteren Teilen der Welt überwunden worden. Selbst wenn jemand schlimme Sachen begangen hat, sogar ein Massenmörder ist, dann wird in den Zeitschriften sofort untersucht: Wieso ist so geworden? Was ist in seiner Kindheit passiert? Der Mensch hat schlimm gehandelt. Aber aus der Biografie werden Erklärungen gesucht, warum so ein Mensch, der doch irgendwie in seinem Inneren das Gute haben muss, so etwas Schlimmes getan hat. Man versucht also selbst den Schlechtesten zu verstehen und nicht zu vertilgen. Der Versuch das Schlechte zu vertilgen, ist immer der Beginn aller Kriege. Wenn diese Einstellung nicht mehr da ist, dass man das Schlechte/die Schlechten von der Erde vertilgen will, dann könnte vielleicht doch Krieg dauerhaft von der Erde verschwinden. Und wir können dazu einen gewissen Beitrag leisten. Wir können spirituelle Praktiken machen, wir können Gedanken des Friedens aussenden, wir können Menschen ausbilden, die selbst Gedanken des Friedens rausschicken. So, meine ich, haben Yogalehrer eine besondere Verantwortung: Dadurch dass Menschen Entspannung und Frieden in sich erfahren, können sie Frieden an andere ausstrahlen. Natürlich können sich die nächsten Jahrzehnte auch ganz grässlich entwickeln: Terrorismus kann ohne weiteres nach Europa kommen, es kann versucht werden, Gegenschläge zu machen, das „Böse“ zu vertilgen. Das „Böse“ kann zurückschlagen, weil es denkt, es wäre das Gute und die anderen wären die Bösen und deswegen schlagen sie wieder zurück mit noch stärkeren Waffen als zuvor. Dann kann es einen Atomkrieg geben. Und dann kann es zu unseren Lebzeiten schlimmer auf der Erde sein als jemals zuvor. Es gibt zurzeit eine Reihe von Kriegen. Aber was bei all diesen Kriegen hoffnungsvoll stimmt: Es gibt kaum Kriege zwischen Nationen. Es gibt umso mehr Bürgerkriege und Konflikte innerhalb eines Landes. Und wir können immer im Kleinen helfen. So wie es heiß: „Groß denken und im Kleinen handeln“. An die Ökologie des Planeten denken und die Heizung herunterdrehen. An Frieden denken in der ganzen Welt und mit dem Nachbar friedlich leben und Konflikte freundlich bereinigen unter Achtung des anderen und Friedensgedanken schicken. Global denken, lokal handeln. Das entspricht auch Kants Kategorischem Imperativ: „Handle stets so, dass die Maxime deines Handelns zur Grundlage einer allgemeinen Gesetzgebung dienen könnte.“ So habt ihr auch als spirituell Suchende durchaus eine Funktion für die positive Entwicklung auf dieser Erde. Ich möchte euch ermutigen, gebt das, was ihr erfahren habt, weiter. Jetzt ist die Zeit, wo Menschen offen dafür sind. Wir können alle Instrumente dafür sein, auf friedvolle und mitfühlende Weise Instrumente Gottes zu werden. Und vielleicht manifestiert sich also der Avatar dieses Zeitalters demokratisch durch jeden von uns.

 

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