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03-29 Kommentar Sukadev

Wir identifizieren uns mit unserem Körper. Wir überlegen, ist er schön oder nicht schön? Ist er von guter oder eher von schlechter Gesundheit? Ist unser Denken klar oder nicht klar? Ist unser Prana hoch oder nicht hoch?

Alles in uns ist sattwig, rajassig oder tamassig. Trotzdem sollten wir nicht denken, dass die Welt sowieso unwirklich ist und ich deswegen machen kann, was ich will. Das ist nicht das Richtige.

Es gab einmal einen Schüler, der zu einem Lehrer ging. Der Lehrer sagte zu ihm: „Die ganze Welt ist unwirklich. Brahman allein ist wirklich. Brahman ist das Selbst hinter allen Wesen. Es gibt nur ein einziges unendliches Selbst.“ Daraufhin antwortete der Schüler: „Das klingt gut.“ Und er ging in eine Gaststätte und bestellte sich ein großes Essen. Als es dann ans Bezahlen ging sagte er: „Ich bin nicht der Körper, du bist nicht dieser Körper. Ich bin Atman. Du bist Atman. Wir sind alle eins. Warum sollte das universelle Selbst sich selbst etwas bezahlen?“

Nachdem der Kellner kein Geld von dem Schüler einnehmen konnte, kam der Wirt zu dem Aspiranten und er bekam die gleiche Geschichte zu hören. Daraufhin nahm der Wirt einen Stock und verprügelte unseren Aspiranten. Der Aspirant wanderte dann mit vielen blauen Flecken zu seinem Guru und sprach: „Du, Guru, deine Philosophie funktioniert nicht.“ „Wieso funktioniert die nicht?“ fragte der Guru. „Na ja, ich habe das ausprobiert und der Wirt hat mich daraufhin geschlagen.“ Der Guru antwortete: „Wenn du sagst, ich bin das Selbst hinter allem, dann bist du nicht nur das Selbst hinter dem Wirt, der dir etwas zu Essen gibt, sondern dann bist du auch das Selbst hinter dem Wirt, der dich verprügelt hat. Also, worüber beschwerst du dich?“

Wenn wir so weit entwickelt sind, hinter allem Gott zu sehen, dann ist das eine Sache. Solange wir das nicht sehen können, sollten wir den Regeln des Lebens folgen.

Eine zweite Geschichte, die diese Lehre verdeutlicht, ist eine Geschichte von Shankara. Shankara war ein großer Jnana Yoga Meister, der einen König als Schüler hatte. Mit dem König diskutierte er oft und viel. Er forderte ihn oft auf, nicht so verhaftet an sein Königreich zu sein. Die Welt sei unwirklich und Brahman allein sei wirklich. Und das Selbst sei nichts als Brahman. Es sei zwar gut, dass er sich um das Königreich kümmere, aber er sollte das nicht überbewerten. Letztlich sei alles Maya, alles Illusion. Shankara riet dem König, zu meditieren und für sein Selbst zu sorgen. Der bekam das so oft von Shankara zu hören, dass es ihn schon völlig nervte. Eines Tages dachte er bei sich: „Dem Shankara werde ich eine Lektion erteilen.“ Shankara ging am nächsten Tag die Straße entlang zum Palast und der König hatte befohlen, dass niemand auf der Straße sein sollte. Dann ließ er einen wild gemachten Elefanten durch die Straßen rennen um Shankara zu erschrecken.

Als Shankara den Elefanten sah, kletterte er schnell auf einen Baum hoch. Er war in guter körperlicher Verfassung. Der Baum grenzte an ein Haus und Shankara schaffte es auf den Balkon zu kommen. Hinter dem Balkonfenster war der König, lachte und sagte: „Oh Shankara, du hast gesagt, das Selbst ist hinter allen Wesen und alles Weltliche ist Maya. Wieso bist du jetzt vor dem Elefanten weggelaufen?“ Shankara antwortete verschmitzt dem König: „Was erzählst du da? Wo ist ein Elefant? Wo ist jemand den Baum hochgeklettert? Wo ist überhaupt etwas passiert?“

Wenn wir von der höchsten Ebene aus argumentieren, und das sollten wir ruhig öfters tun, im Bewusstsein, dass wir den ganzen Tag nichts gemacht haben, dann ist das eine Ebene der Wirklichkeit. Aber es gibt noch eine andere Ebene der Wirklichkeit und auf dieser Ebene müssen wir handeln. Auf dieser Ebene sollen wir auch keinen Unsinn treiben. Es gilt: Wir handeln für das Wohlergehen aller. Wir sind uns bewusst, dass das, was wir tun, auch ein Beispiel für andere ist. Krishna argumentiert hier ähnlich wie Kant in seinem „Kategorischen Imperativ“. Handle stets so, dass die Maxime des Handelns als Grundprinzip einer allgemeinen Gesetzgebung dienen könnte.

Heutzutage haben wir nicht mehr das positive Verständnis von Gesetzen. Zurzeit von Kant waren Gesetze eine große Errungenschaft. Adel, Könige und Geistlichkeiten haben sich um keine Gesetze geschert. Dass man dann Gesetze hat, die das Zusammenleben und Wohl von Menschen regeln, das war was Gutes. Die Gesetze mussten auch bestimmte Grundlagen, Maximen haben. Im Rechtsstaat bauen sie erst einmal auf den Menschenrechten auf.

Wenn alle Menschen aus einer ähnlichen Motivation heraus handeln wie wir, würde das das menschliche Zusammenleben fördern? So ähnlich sagt es Krishna hier. Manchmal kann man sich fragen: „Handele ich wirklich so, dass die Grundprinzipien meines Handelns auch von anderen übernommen werden können und, dass das menschliche Zusammenleben dadurch gut gestaltet wird? Oder hoffe ich, dass sich nur die anderen an Regeln halten, und ich tun und lassen kann, was ich will, in der Hoffnung, dass keiner es merkt?“

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