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03-24 Kommentar Sukadev

Krishna spricht also davon, dass die Weisen ein Beispiel geben müssen mit ihrem Leben. Sie erfüllen die Pflichten, wie es ihren Lebensumständen entspricht, auch ohne dass sie selbst irgendetwas sich davon erwarten. Ein „Noch-nicht-Selbstverwirklichter“ handelt, um etwas zu erreichen, um sich fortzuentwickeln, zu reinigen etc. Ein Weiser findet in sich Glück und Zufriedenheit. Da er das Höchste erreichte hat, kann er selbst ja nichts Höheres mehr erreichen. Sein Handeln ist also nicht davon geprägt, dass er Wünsche erfüllen will, Lernaufgaben absolvieren will, sich spirituell fortentwickeln will. Ein Weiser könnte also im Grunde tun, was er will oder auch nichts tun. Aber auch wenn Selbstverwirklichte nichts mehr für sich erreichen wollen durch ihr Tun, haben sie dennoch eine Aufgabe: Ein Beispiel zu sein für andere. Da andere die großen Meister als Richtschnur für ihr Handeln nehmen, muss die Handlungsweise eines Meisters richtungweisend für andere sein. Immanuel Kant hat als kategorischen Imperativ postuliert: „Handle stets so, dass die Maxime deines Handelns als Grundlage einer allgemeinen Gesetzgebung dienen könnte.“ Die Maxime für einen Selbstverwirklichten und eine Gottinkarnation könnte man analog formulieren: „Handle stets so, dass, wenn andere so handeln wie du, das gut für die gesamte Gesellschaft ist“.

Natürlich gibt es auch Selbstverwirklichte, die in der Einsamkeit leben. Es muss aber auch solche geben, die in normalem Beruf und Familie leben, um so ein Beispiel für andere zu sein.

Swami Sivananda übersetzt den zweiten Halbvers mit „Ich wäre der Urheber der Vermischung von Kasten…“ Im Sanskrit steht hier: „Sankara“. Sankara heißt „Verwirrung“, „Vermischung“ (nicht zu verwechseln mit „Shankara“, einem Beiname von Shiva, wörtlich übersetzt „der Liebe und Wohlwollen bringt“). Wenn Swami Sivananda von „Vermischung von Kasten“ spricht, meint er das nicht als „Kaste“ im modernen Sinn. Die modernen Yogameister wie Swami Sivananda,Vivekananda und Gandhi hielten das indische Kastenwesen der Neuzeit ja für eine der großen, zu überwindenden Ungerechtigkeiten und haben sich sehr stark für seine Abschaffung eingesetzt. Durchaus mit beachtlichem Erfolg.

Swami Sivananda spricht in seinem Kommentar zu diesem Vers von Vernachlässigung der Pflichten des „Varnashrama Dharma“, also den Normen, welche den Lebensstand und das Lebensalter regeln. Weise werden in verschiedene Lebensumstände geboren und erfüllen dann die ethischen Pflichten, die ihren Lebensumständen entsprechen. So hatte es auch Krishna getan: Als er in der Kindheit in einem Hirtenstamm aufwuchs, hat er sich verhalten wie ein Kind. Als Schüler bei einem Lehrer hat er bescheiden gelebt. Als er König wurde, hat er prachtvoll wie ein König gelebt und gerecht regiert. Zwischendurch ist er immer wieder auf Pilgerreise gegangen und hat dort das Ideal eines einfachen Pilgers vorgelebt. So hat Krishna in seinem Leben gezeigt, dass ein spiritueller Mensch in allen Umständen ein spirituelles Leben führen kann, und dass die ethischen Grundsätze im Yoga verschieden gelebt werden müssen.

Ebenso könnte man „Sankara“ auch als Vermischung/Verwirrung verschiedener spiritueller Traditionen verstehen. Dem indischen Denksystem ist eine „Einheitsreligion“, „Universalreligion“ fremd. „Einheit in Verschiedenheit“ ist ein wichtiges Prinzip. So haben verschiedene Menschen verschiedene Pflichten. Jeder hat seinen eigenen spirituellen Weg. Eine Aufgabe einer Gottinkarnation ist, zu zeigen, dass jeder seinen eigenen Weg gehen muss, und nicht den von jemand anderem imitieren kann.

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