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03-10 Kommentar Sukadev

In der Mythologie gibt es die so genannte Kamadhenu, die dem Vashistha gehörte. Sie war eine wunscherfüllende Kuh. Kama heißt „Wunsch“ und dhenu heißt, „sie gibt“. Wenn Vashistha irgendetwas brauchte, dann sagte er das seiner Kuh gesagt und sie hat es ihm gegeben. Eines Tages kam der König Vishwamitra mit einem riesigen Gefolge in die Einsiedelei des Vashistha. Vashistha lud ihn zu einer Mahlzeit ein. Vishwamitra antwortete ihm: „Ich habe ein paar hundert Menschen hier in meinem Gefolge. Wie willst du die alle verpflegen? Lass mich weiterziehen.“ Vashistha lehnte ab und meinte: „Nein, nein, ich bewirte euch gerne.“ Vashistha ging zu Kamadhenu, flüsterte ihr etwas ins Ohr und im nächsten Moment manifestierte sich das großartigste Mahl, was der König je gesehen und gegessen hatte. Der König und seine Gefolgsleute schlemmten. Nachdem sie satt waren, wurde der König allerdings sehr gierig. Er sagte zu Vashistha: „Du, Vashistha, du brauchst so eine Kuh doch überhaupt nicht. Ich gebe dir alles, was du brauchst. Gib mir diese Kuh, ich habe eine bessere Verwendung für sie.“ Vashistha lehnte ab und daraufhin nahm Vishmamitra die Kuh mit Gewalt. Mithilfe von Mantras holte Vashistha seine Kuh zurück. Diese Mantras waren stärker als alle Macht der Soldaten. Vishwamitra wurde ärgerlich und meinte: „Okay, wenn spirituelle Kräfte stärker als weltliche Kräfte sind, dann will ich auch spirituelle Kräfte bekommen.“ Daraufhin ruhte er nicht bis er alle seine Wünsche und alle seine Gedanken bezwungen und die Selbstverwirklichung erreicht hatte.

Diese Geschichte lässt sich vielfältig interpretieren. Wir selbst sind nicht so getrennt, wie wir uns das vielleicht vorstellen. Eigentlich sind wir wie Zellen in einem Körper. Wenn die Zelle das tut, was sie im Körper tun soll, dann bekommt sie auch die Nährstoffe, die sie braucht. Angenommen in unserem Zeigefinger gibt es eine Zelle. Was muss diese Zelle tun, damit sie ernährt wird? Eigentlich muss sie nur ihre Aufgabe erfüllen und dann die Nährstoffe annehmen, die der Körper ihr gibt. Angenommen diese eine Zelle würde jetzt sagen, dass sie mehr Nährstoffe haben möchte, da das, was sie bekommt, ihr nicht ausreicht. Außerdem macht sie weniger als ihre Nachbarzellen. Eine Weile lang macht sie nichts für den Körper, sondern wird einfach nur noch dicker und faulenzt. Wie nennt sich so eine Zelle? Krebszelle. Eine Krebszelle tut nichts mehr für den Körper, sie absorbiert nur noch Nährstoffe. Und es heißt, dass solche Krebszellen ständig im Körper entstehen. Was macht der Körper, wenn er ein gutes Immunsystem hat? Er eliminiert sie. Das Problem ist dann nur, wenn diese Zelle zu viele andere Zellen ansteckt, und zu viele Zellen zu diesem Egoismus konvertieren, dann macht der Körper einen Wall um diese Zellen und das ganze wird zu einem Tumor, der getrennt ist vom restlichen Gewebe. Es ist der Körper, der versucht den Tumor einzuengen. Die Krebszellen werden versuchen, wenigstens ein paar Blutgefäße hineinzubekommen, so dass sie wenigstens ein paar Nährstoffe bekommen, um dadurch den Tumor von innen heraus zu vergrößern und Metastasen zu bilden. Der Körper bemüht sich weiterhin einzuengen. Angenommen, die Krebszellen sind erfolgreich darin, Metastasen zu bilden, dann verlässt irgendwann der Astralkörper den physischen Körper und die Krebszellen sterben alle ab. Die Krebsüberlebensstrategie ist nicht sehr hilfreich.

Im menschlichen Körper gibt es mehr Zellen, die nicht die menschliche DNA haben, als andere Zellen. Wir haben mehr Bakterien, Viren und Pilze in uns, als wir Körperzellen in uns haben. Das schöne ist, dass sich die Mehrheit der anderen Zellen wunderbar in den Körper eingliedern. Die Zellen, die wunderbar mit dem menschlichen Körper zusammenarbeiten, können sehr lange überleben. Manche bekommt man schon im Mutterleib mit, manche mit der Muttermilch oder mit anderem. Sie arrangieren sich mit dem menschlichen Körper. Wir könnten gar nicht richtig verdauen, wenn wir nicht diese Bakterien hätten. Auch in der Haut gibt es viele dieser Bakterien. Die Haut kann auch nur gesund sein, wenn diese Bakterien da sind. Wenn man zu aggressive Seifen nutzt werden nicht nur der Dreck und die Fettschutzschicht der Haut weggewaschen, sondern auch die Bakterien der Haut und dann geht die Haut kaputt.

Daneben gibt es Zellen, die sich nicht mit unserem Körper arrangieren. Sie tun nichts für uns. Infolgedessen werden die meisten von ihnen erst einmal eliminiert. Jeden Tag dringen etwa 50.000 neue Bakterien in den Körper ein und der Körper eliminiert sie normalerweise sehr zuverlässig. Wenn sie nicht früh genug umgebracht werden, weil wir es nicht sofort merken, dann wird es etwas komplizierter. Der Körper muss mehr tun. Im schlimmsten Fall wird man krank und der Körper stirbt. Mit dem Körper sterben dann auch alle Krankheitserreger. Es ist nie hilfreich seinen Wirt immer nur auszusaugen. Es ist nie hilfreich, immer nur egoistisch zu sein. Das gleiche gilt auch für Menschen. Menschen sind im Grunde genommen nämlich nur Zellen. Wenn die Zelle will, dass es ihr gut geht, dass es ihr langfristig gut geht und ihren Nachfahren auch – sie teilt sich ja öfters auch mal – dann muss sie selbst etwas für den Körper tun und bereitwillig die Nährstoffe annehmen. Angenommen, die Zelle würde sich jetzt sagen: „Ich bin heroisch, aufopfernd. Ich werde keine Nährstoffe mehr annehmen. Ich werde nur noch geben.“ Was würde dann mit dieser Zelle passieren? Sie würde absterben. Das kommt übrigens auch öfters im Körper vor. Es gibt Zellen, die aus irgendwelchen Gründen plötzlich keine Nährstoffe mehr aufnehmen und dann ebenfalls absterben. Das ist dieses Opfer. Wir nehmen an, was wir bekommen und wir tun das, für die Gemeinschaft, für Gott, für die Erde, für die Menschen, die um uns herum sind. Woher weiß eine Zelle, was ihre Aufgabe ist?

Einmal weiß sie es durch ihren Standort. Dort wo sie ist, ergeben sich einzelne Aufgaben für sie. Zum zweiten weiß sie es durch ihre eigene Natur. Nehmen wir mal an, eine Schweißdrüse würde sich jetzt überlegen, dass Schweißabsonderung nicht so gut ist und stattdessen lieber Wärme und Kälte übertragen wollen. Da ist sie dann fehl am Platz. Es klappt nicht gut mit ihr. Allerdings gibt es auch Zellen, die Aufgaben von anderen Zellen übernehmen können. Zum einen gibt es die Stammzellen, die sich in jede beliebige Zelle weiterentwickeln können, was hoch faszinierend ist. Zum anderen gibt es andere Zellen. Nehmen wir mal an, das Kreuzband wäre gerissen, dann könnte der Chirurg ein Stückchen von der Quadrizepssehne herausschneiden und als künstliches Kreuzband in den Körper einsetzen. Diese Zellen werden dann die Funktionen des Kreuzbandes übernehmen. Das machen sie sehr gut. Unser Körper macht es öfters, dass eine Zelle in einen völlig anderen Teil des Körpers kommt und ihr Aufgabengebiet wechselt. Manche Zellen, wie z.B. die Stammzellen, haben eine größere Fähigkeit sich anzupassen als andere, die so spezialisiert sind, dass sie eine spezifische Aufgabe übernehmen können. Eine Nervenzelle kann z.B. nicht plötzlich zur Muskelzelle werden. Eine Muskelzelle jedoch kann die Aufgaben einer anderen Muskelzelle übernehmen. Und das ist das, woraus unser Dharma letztlich kommt. Unser Dharma kommt aus der Kombination von Swarupa und Swabhava. Swarupa + Karma = Swadharma. Swarupa, unsere Natur, so ähnlich schreibt auch Paulus in seinen Briefen: Menschen haben verschiedene Talente und es ist ihre Aufgabe, diese Talente zum Wohl der Gemeinde einzusetzen. Er sagt ferner, die Gemeindeleiter hätten die Aufgabe die Talente ihrer Gemeindemitglieder zu koordinieren und dem größtmöglichen Nutzen zuzuführen zum Wohl der Gemeinde.

So ähnlich ist es auch bei uns. Wir haben Talente, Fähigkeiten, Möglichkeiten und diese müssen wir einsetzen. Allerdings können wir sie nicht einfach so einsetzen. Angenommen, man wäre ein Künstler mit großen künstlerischen Fähigkeiten und könnte fantastisch malen. Jetzt gibt es gerade eine riesige Überschwemmung. Was ist jetzt die Aufgabe unseres Künstlers?

Seine Aufgabe ist es, jetzt Menschen zu retten. Auch wenn er vorher immer gedacht hat, er wäre körperlich schwach und unfähig Dinge zu tun, ist es jetzt seine Aufgabe zu helfen und körperlich aktiv zu sein. Swarupa ist die eine Sache, Karma ist die andere Sache. Aus dem, was wir innerlich fühlen und den äußeren Umständen ergibt sich unser Swadharma. Aus unserer Swarupa ergibt sich auch, wie wir mit unseren karmischen Aufgaben umgehen.

Ich erzähle euch mal eine Sache aus meinem Leben. Es war eine Erkenntnis, die ich zu der Zeit gewonnen habe, als ich ein Pariser Yogazentrum leitete. Die Yogaräume waren im fünften Stock und es gab keinen Aufzug. Das Zentrum war sehr gut besucht. Wir hatten jeden Abend an die hundert Teilnehmer, für die wir auch immer gekocht haben. Zum Essen blieben zwar immer nur 30 oder 40 Menschen, aber für diese Menschen brauchten wir doch eine Menge an Obst und Gemüse, was immer die fünf Stockwerke hoch geschafft werden musste. Wie konnte man das jetzt am Geschicktesten machen? Verschiedene Menschen hatten die Küchenleitung und Aufgabe desKüchenleiters war es, dafür zu sorgen, dass das Gemüse da war. Der erste Küchenleiter war ein sehr kräftiger und gleichzeitig sehr schüchterner Mann, der selbst einkaufen ging und die gesamten Lebensmittel hochbrachte. Der zweite Küchenchef war ziemlich faul und gleichzeitig auch sehr geschickt. Er hat mit allen Gemüsehändlern gesprochen, bis er jemanden gefunden hat, der das Gemüse anlieferte. Heute ist es üblich, dass Dinge angeliefert werden. Vor 20 Jahren war das nicht besonders weit verbreitet. Der Mann konnte aber gut sprechen und hat immer mit den Lieferanten gesprochen. Irgendwann wurde er mal kritisiert, dass er zuviel Zeit mit denen verbrachte, noch dazu, wenn er über alles Mögliche mit ihnen sprach. Darauf antwortete er nur gelassen: „Wenn ich nicht mit ihnen reden würde, dann müsste ich es selbst transportieren. Da rede ich lieber.“ Er hat seine Swarupa zur Erfüllung seiner Aufgabe eingesetzt. Später hat er dann das Center gewechselt und prompt wurde nicht mehr geliefert und der neue Küchenchef musste es wieder hoch tragen. Er hatte aber wieder eine andere Technik entwickelt. Für ihn war es leicht mit Menschen in Kursen, die morgens kamen, zu sprechen. Mit denen hat er dann ausgemacht, dass sie nach dem Yogakurs mit runtergehen und ihm beim Hochtragen der Lebensmittel helfen.

Verschiedene Menschen nutzen verschiedene Talente. Einer kann Arabisch sprechen und unterhält sich mit den Lieferanten. Der nächste Mann nutzte seine körperliche Kraft und der letzte Küchenchef sein Talent, Schüler zum selbstlosen Dienen zu bringen.

Und so können wir öfters überlegen, dass wir diese und jene Aufgabe, dieses und jenes Karma haben und wie wir sie mit der eigenen persönlichen Swarupa, den eigenen persönlichen Talenten am besten lösen können. Wir sollten nicht überlegen, wie würde ich diese Aufgabe lösen, wenn ich jemand anderes wäre. Manchmal denken wir, das müssten wir eigentlich so und so machen. Das ist nicht die Aussage von Swarupa. Es gibt kein „eigentlich müssten wir es so und so machen.“ Wir müssen es so machen, wie wir persönlich es machen können. Und das ist oft eine hilfreiche Frage, die wir uns da stellen können. Normalerweise lehren wir, wenn man Hatha Yoga unterrichtet nicht die Asanas selbst mitzumachen. Wir sollen uns auf die Schüler und nicht auf uns selbst einstellen. Es gab irgendwann mal ein Intensivseminar, das von morgens um 6.00 Uhr bis abends um 22.00 Uhr ging und zwischendurch gab es noch viel zu tun und ich wusste, ich brauche zwischendurch meine Asanas. Dann habe ich überlegt, wie ich es machen kann, dass ich jetzt zu meinen Asanas komme. Dann habe ich eine Ausnahme gemacht und bei einer der beiden Stunden einfach mitgemacht. Ich brauche meine Asanas, wenn ich sie nicht mache, dann ist es nicht gut. Ich hoffe, ich komme nie karmisch in die Situation, dass ich sie nicht machen kann. Mein Karma war jetzt, den Kurs zu unterrichten. Der andere, der den Kurs hätte geben können, war ausgefallen. Heute ist das Gott sei dank nicht mehr so. Wir haben genügend Yogalehrer, die all das unterrichten könnten, was ich unterrichte.

 

Ein weiteres Beispiel, was ich euch erzählen möchte, ist das Folgende: Eine Leiterin einer zweijährigen Yogalehrerausbildung hatte ein Problem. Ihre Mutter war krank geworden und musste gepflegt werden. Infolgedessen konnte sich die Leiterin nicht auf die Kurse vorbereiten. Wie löst man dieses Problem? Man kann versuchen, jemanden aus einem anderen Zentrum anzufordern oder jemanden zu finden, der die Pflege der Mutter übernimmt. Beides klappte nicht. Daraufhin verteilte sie Referate. Die Teilnehmer sollten selbst über die Themen referieren. Das trainiert bei den Teilnehmern die Fähigkeit Vorträge zu geben, was ja auch zu einer Yogalehrerausbildung dazugehört und es führt dazu, dass die Teilnehmer sich untereinander auch ein bisschen näher kommen. Aus der Not heraus hat sich eine Tugend entwickelt und weil es sehr gut geklappt hatte, wird es heute in den 2-jährigen Yogalehrerausbildungen öfters so gemacht. So können wir auch schauen, was ist unser Karma. Anatomie und Physiologie gehört dazu. In jedem Fall war die Swarupa: ich habe keine Zeit mich darauf vorzubereiten. Was ist die Lösung? Referate halten zu lassen. Das soll jetzt nicht heißen, dass wann immer Referate gegeben werden, Lehrer sich nicht vorbereitet haben. Manchmal sollen sich die Teilnehmer auch nur näher kennen lernen. So kann man damit umgehen.

Es ist sehr wichtig sich zu vergegenwärtigen, wann immer ihr in einer Situation seid könnt ihr schauen, was das für eine Situation ist, was eure Aufgabe ist und ihr könnt überlegen: wie kann ich meine spezifischen Fähigkeiten dafür einsetzen? Nicht überlegen, wie würde xy machen, sondern überlegen, wie kann ich meine spezifischen Fähigkeiten einbringen?

Ich habe viele Worte gebraucht, um den Vers des Opfers zu erklären. Wir sind nicht so vertraut mit Opferritualen, sondern eher mit Wissenschaft und Zellbiologie.

 

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