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02-56 Kommentar Sukadev

In Situationen, wo einem ein Unglück geschieht, kann man am besten erkennen, ob jemand weise ist oder nicht. Wir können sehen, wie jemand in so einer Situation reagiert. Wird er durch sie erschüttert oder nicht. Reagiert er voller Angst oder eher ärgerlich. Manchmal gibt es Meister, die, um ihre Schüler zu lehren, auch mal ein bisschen Ärger zeigen. Wenn wir etwas lernen wollen ist es gut, wenn in den Worten des Meisters eine große Kraft liegt. Angenommen der Meister wäre wie eine wandelnde Statue oder wie ein Computer, der ganz monoton sprechen und sagen würde: „Du hast dich heute nicht richtig verhalten. Ich erwarte von dir, dass du das änderst.“ So etwas hilft uns nicht zu lernen. Manchmal wird bei den Meistern der Geist zum Spiegel des Schülers. Man erkennt aber trotzdem wenn er ärgerlich wird, dass es sich nicht um einen tiefen Ärger handelt, sondern nur etwas ist, wie eine Art Lehrenergie, die durch den Meister fließt. Swami Vishnu z.B. war ein Meister, der auch sehr gut schimpfen konnte. Allerdings hat er auch nie von sich behauptet, dass er selbstverwirklicht wäre. Er meinte Ärger sei eine Schwäche von ihm, die er noch überwinden müsste. Ich selbst habe Swami Vishnu mal während einer Mitarbeiterbesprechung erlebt, wo jemand etwas zum wiederholten Male nicht getan hat, was er hätte tun sollen. Swami Vishnu wurde sehr ärgerlich und sagte: „Warum hast du das nicht gemacht? Wie oft habe ich dir gesagt, dass du das tun sollst? Das mir das nie mehr vorkommt bei dir.“ Wenn ein Meister, der sehr viel Energie hat, mal ärgerlich wird, dann wird das Tamas im Astralkörper des Gegenübers durcheinander gerüttelt und nicht nur bei dem Angesprochenen, sondern bei allen anderen Menschen im Raum ebenfalls. Es war noch nicht einmal notwendig, dass Swami Vishnu die Stimme erheben musste, um diese Wirkung zu erzielen. In der gleichen Versammlung sprach er direkt danach zu einer Frau, die erst ein paar Wochen im Ashram und sehr schüchtern war, und fragte sie: „Wie geht es dir? Hat alles geklappt mit deiner Aufgabe? Ist alles in Ordnung?“ Swami Vishnu änderte seine Stimmung von einem Moment auf den nächsten. Er musste nicht vorher den Raum verlassen und sich abzukühlen, bevor er mit dem nächsten Menschen sprechen konnte. Swami Vishnu war nicht wirklich ärgerlich, sondern es floss einfach eine Lehrenergie durch ihn hindurch.

Ähnlich ist es mit dem Gefühl der Angst.

Es gibt eine Geschichte von Swami Sivananda. Er hatte mal einen Schüler, der ihm eine große Stütze schon seit Beginn des Aufbaus der Divine Life Society war. Es bestand eine enge Bindung zwischen Swami Sivananda und seinem Schüler. Der Schüler wusste fast immer schon intuitiv, was Swami Sivananda wollte. Swami Sivananda brauchte ihn nur anzusehen und dann wusste der Schüler was zu tun war und erledigte es auch sofort. Eines Tages wurde dieser Schüler nun von einem tollwütigen Hund gebissen. Swami Sivananda hat ihn daraufhin in ein Krankenhaus geschickt. Er hat sich bemüht alles Notwendige für seinen Schüler zu tun. Er gab ihm einen Arzt des Ashrams mit ins Krankenhaus, damit der sich auf dem Weg ins Krankenhaus um den Schüler kümmern konnte. Der Arzt sollte auch dafür sorgen, dass der Schüler im Krankenhaus die richtige Behandlung bekommt. Am nächsten Tag bekam Swami Sivananda ein Telegramm aus dem Krankenhaus, in dem es hieß, seinem Schüler ginge es besser. Alle umherstehenden Menschen konnten daraufhin ein freudiges Leuchten auf Swami Sivanandas Gesicht wahrnehmen.

Am nächsten Tag folgte ein zweites Telegramm mit der Nachricht, dass der Schüler gestorben sei. Der Bote, der Swami Sivananda das Telegramm überbrachte, wurde von Swami Sivananda gebeten, ihm das Telegramm vorzulesen. Aus den Augen des Boten flossen Tränen. Swami Sivananda sah erst einmal sehr schockiert aus, als er die Todesnachricht erhielt. Eine Stunde später wurde der Leichnam zum Ashram gebracht. Swami Sivananda vollzog die Toten-Riten, die bei dem Tod eines Swamis üblich waren und kurze Zeit später war Swami Sivananda wieder der gleiche Mensch wie vorher. Die Zeremonie war sehr bewegend. Aber nach der Zeremonie war alles abgeschlossen. Swami Sivananda zeigte keine Emotionen mehr und ging wieder zum normalen Alltag über. Die Geschichte war für ihn abgeschlossen.

Swami Sivananda war, wie Krishna beschreibt, frei von Zorn, Furcht und Anhaftung. Direkte Emotionen sind ein Teil der Persönlichkeit großer Meister. Sie sind aber nichts, was sehr tief geht, nichts, was sich verankert, nichts, was den Menschen erschüttert.

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