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02-39 Kommentar Sukadev

Sankhya ist in der Bhagavad Gita der Name für Jnana Yoga (Yoga des Wissens) verbunden mit Entsagung.

In der Einleitung habe ich über die sechs klassischen Philosophiesysteme geschrieben. Krishna versteht unter Sankhya etwas Umfassenderes als was „Sankyha“ im Kontext der sechs Philosophiesysteme bedeutet. Die sechs Philosophiesysteme waren zu Krishnas Zeiten noch nicht fertig ausformuliert. Wenn Krishna in der Bhagavad Gita von Sankhya spricht, dann ist es zum einen eben das System von Sankhya, wie ihr es kennt: Das Zusammenspiel der zwei Urprinzipien Purusha (Seele, Bewusstsein) und Prakriti (Natur, Universum). Zum anderen subsummiert Krishna auch das Vedantasystem von Brahman und Atman unter Sankhya. Krishna ist ein großer Praktiker. Er legt auf philosophische Präzision nicht allzu großen Wert. Deshalb kann die Bhagavad Gita auch so unterschiedlich interpretiert werden. Sie hat hier große Ähnlichkeit mit der christlichen Bibel: Auch da gibt es die unterschiedlichsten sich widersprechenden Konfessionen und Theologien, die sich aus der Bibel begründen. Wie Jesus kommt es auch Krishna mehr auf das Praktische an. Es ist wichtig zu verstehen: „Ich bin nicht der Körper. Ich bin nicht die Emotion. Ich bin nicht die Gedanken“. Das sagt Krishna klar. Da ist er eindeutig. Aber ob das jetzt heißt, dass die Welt eins ist mit Brahman oder getrennt ist von Brahman, darüber lässt er sich nicht aus. Ob die Welt eine relative Wirklichkeit hat, wie das die Dwaita Vedanta sagt oder ob sie gänzlich unwirklich ist, wie Adwaita sagt, auch das sagt er nicht so genau. Es gibt zwar den einen Vers (II 16), wo er sagt: „Das Unwirkliche hat kein Sein, das Wirkliche hat kein Nichtsein.“ Da erscheint es so, dass Krishna auf Advaita Vedanta hinaus will. Aber in anderen Versen scheint es so, als ob er von einer dualistischeren Sicht ausgeht. Sicher ist: Was wir denken, was die Welt ist, das ist sie nicht wirklich. Aber ob es jetzt tatsächlich eine Welt gibt, oder keine Welt gibt, und die Welt nur eingebildet, ein Traum ist, das lässt Krishna ein bisschen offen. Dass die Welt nicht so ist, wie wir sie wahrnehmen, dürfte allen Menschen klar sein. Vom wissenschaftlichen Standpunkt aus betrachtet gibt es keine Farben, es gibt nur Schwingungen. Wie wir die Welt wahrnehmen, ist von wissenschaftlichem Standpunkt aus betrachtet, ein Zusammenspiel von dem, was außen in der Welt ist und was unser Gehirn daraus macht. Und seit Psychologie Volksgut geworden ist, ist jedem Menschen klar, dass ein und dasselbe Ereignis von zwei verschiedenen Menschen unterschiedlich wahrgenommen und interpretiert wird. Ein einfaches Beispiel: Heute ist die Temperatur um 10 Grad gestiegen. Gestern war noch Schnee draußen, heute ist der Schnee geschmolzen. Manche finden es toll, dass es jetzt so viel wärmer ist. Andere finden es schade, dass der Schnee weg ist.

 

Bei der Übersetzung muss man aufpassen. In den meisten deutschen Übersetzungen der Bhagavad Gita wird „Karma“ übersetzt als „Handlung“. Meist wenn ihr in einer deutschen Übersetzung der Bhagavad Gita „Handeln“, „Handlung“ lest, steht im Sanskrittext „Karma“. Der Sanskrit-Ausdruck Karma ist jedoch viel vielschichtiger als der deutsche Ausdruck Handlung. Karma heißt sowohl „handeln“, als auch „Resultat des Handelns“, als auch das „Gesetz des Karmas“. Daher übersetze ich diesen Vers am liebsten: „Wenn du die Weisheit des Yoga besitzt, Oh Arjuna, wirst du die Bande des Karma abwerfen.“

„Bande des Karma“ heißt Verschiedenes: Zum einen heißt es, dass wir verhaftet sind an das, was wir tun und daher gebunden sind. Zum anderen gibt es das Gesetz des Karma: Wenn wir Gutes tun, bekommen wir gutes Karma, wenn wir schlecht handeln, bekommen wir schlechtes Karma. Das Ziel des Yoga ist es, weder gutes noch schlechtes Karma zu bekommen. Wir sollten ohne Verhaftung und ohne Identifikation handeln.

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