Suche
  • TIPP: Nutze die Suche, um bestimmte Verse zu finden.
  • z. B.: die Eingabe 01-21 bringt dir 1. Kapitel, 21 Vers.
Suche Menü
Kapitel
Vers
Schrift öffnen

14-15 Kommentar Sukadev

Wenn wir dagegen im Moment des Todes in Rajas sind, bedauern wir vielleicht, was wir alles noch hätten machen wollen oder machen uns Sorgen, was mit unserem Hund oder der Katze passiert, oder mit unseren Aktien, dem Geschäft, der Familie usw. Wenn wir in diesem Gemütszustand den Körper verlassen, werden wir nach dem Tod mit all diesen Dingen weiter konfrontiert sein. Wir kommen in die mittleren Astralwelten. Wenn wir dabei nicht allzu verhaftet sind, ist die Zeit nach dem Tod dort auch auf gewisse Weise schön. Wir haben alle möglichen Wünsche, die sich sofort erfüllen, sobald wir nur an sie denken – also wie eine Art Schlaraffenland. Allerdings erfüllen sich auch negative Gedanken wie z.B. Ängste sofort.

Da gibt es eine schöne Geschichte: Ein Mann kam einmal auf einer Wanderung zu dem Wunsch erfüllenden Baum. Er setzte sich unter den Baum und dachte: Ach wäre das schön, wenn ich etwas zu essen hätte. Prompt stand eine fertige Mahlzeit vor ihm. „Jetzt hätte ich gern noch ein Dessert“ – das kam auch sofort. „Wenn es doch ein bisschen kühler wäre“ – schon breiteten sich die Blätter des Baumes weiter aus und spendeten mehr Schatten. „Toll, mir geht es so gut. Aber, was wenn jetzt ein Löwe kommt und mich frisst?“ – Im nächsten Moment wurde er von einem Löwen gefressen…

In der Astralwelt ohne Körper wäre ein solcher Gedanke nicht ganz so tragisch, denn man ist ja schon physisch tot, und kann sich daher als Nächstes etwas anderes vorstellen oder wünschen. Aus dieser rajasigen Astralwelt wird man wieder geboren mit verschiedensten Wünschen, welche sich dann im nächsten und allenfalls weiteren künftigen Leben erfüllen. Über all diese Wünsche und Vorstellungen entsteht also aus Rajas die Gebundenheit an das Karma.

„…Und wer in Tamas stirbt, wird im Schoß der Vernunftlosen geboren.“ Manchmal wird das als Wiedergeburt in der Tierwelt interpretiert, denn Tiere haben keine Buddhi (Vernunft, Unterscheidungskraft). Das heißt nicht, dass sie dumm sind, aber sie haben eben nicht die Möglichkeit der freien Wahl und der bewussten Entscheidung und Unterscheidung des Handelns. Manchen Menschen erscheint die Vorstellung, in einem Tierleib wiedergeboren zu werden, als sehr schlimm. Yogis gehen davon aus, dass der Unterschied von Tier und Mensch nicht so essentiell ist, wie es in unserer Kultur angenommen wird. In Indien ging man schon immer davon aus, dass alle Lebewesen in ihrem wahren Kern Atman, Ausdruck des höchsten Bewusstseins, sind, und der Unterschied zwischen Mensch und Tier nur graduell ist. Die moderne Wissenschaft stellt übrigens bei immer mehr Tierarten fest, dass ein gewisses Selbstbewusstsein und eine gewisse Fähigkeit zu logischem Denken vorhanden sind. Die Übergänge sind fließend.

Nach anderen Interpretationen kommen wir zwar nicht als Tier sondern als Mensch auf die Welt im nächsten Leben, aber in Umständen, wo sich erst unser Tamas ausleben will.

Viele Menschen kommen erst in späteren Jahren auf den spirituellen Weg, vielleicht als Vierzig- oder Fünfzigjährige. Vielleicht hatten sie vorher eine Zeit, wo Sinnesbefriedigung – also tamasiges Karma – wichtiger war oder wo Erfolg, also eher rajasige Tendenzen für sie wichtig war, und dann kam die Zeit wo Sattwa wichtig wurde. Das heißt nicht, dass sie erst in diesem Leben mit Yoga begonnen haben. Vielleicht haben sie im früheren Leben Yoga gemacht, aber sie haben sich die letzten Jahre oder Momente ihres Lebens mehr in Tamas oder Rajas fallen lassen. Dann werden diese Teile im nächsten Leben erst mal dominieren, bis sie ausgelebt sind, und anschließend knüpft man an die frühere spirituelle Praxis an.

 

Schreibe einen Kommentar

Pflichtfelder sind mit * markiert.