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08-10 Kommentar Sukadev

Krishna rät uns zu meditieren und zu praktizieren. Nur durch Yogapraktiken können wir Samadhi erreichen.

Es gibt drei Haupthindernisse, die verhindern, dass wir die Verwirklichung erreichen:

Das erste ist Karma. Wenn noch zu viel Karma auf uns lastet, wir also noch viele Aufgaben zu bewältigen und viel zu lernen haben, können wir nicht in die tiefe Meditation hineingehen. Wenn wir viel Karma abgebaut haben, dann können wir mit Nirvikalpa Samadhi das verbleibende Karma noch verbrennen. Aber zunächst müssen wir einen großen Teil unseres Karmas durch bewusstes Handeln ausarbeiten.

Das zweite große Hindernis besteht aus unseren Samskaras, den Eindrücken im Unterbewusstsein. Wenn wir diese nicht vorher ausreichend ausgearbeitet haben, dann erlaubt es uns nicht in die Meditation zu gehen.

Das dritte ist der Mangel an Ojas. Wenn wir nicht ausreichend Ojas, spirituelle Energie haben, gelingt es uns nicht, unseren Geist in die höheren Ebenen zu führen, dass der Geist schließlich still ist.

Besonders wichtig ist, Krishna wiederholt es erneut, der letzte Gedanke. Mit diesem Gedanken müssen wir zur höchsten Ebene kommen. Dies ist jedoch sehr schwierig. Es gibt auch Meister, sogenannte Adwaita Lehrer, die lehren: „Denke nur: Alles ist eins und dann bist du verwirklicht.“ Es wäre schön, wenn alle Probleme auf diese Weise verschwinden und man nichts mehr zu machen brauchte. Ein halbes Jahr oder zwei Jahre lang kann man sich etwas vormachen und sich einbilden: „Ich bin vollkommen“. Danach holt einen die Realität ein und man merkt, dass es nicht wirklich so ist. Ein bekannter Advaita Meister hat Ende der 90ger Jahre gelehrt: „Du musst nur nach dem Höchsten streben und dir bewusst sein, es ist alles eins, dann bist du verwirklicht.“ Als ich mir einige Jahre später Kassenvorträge von ihm angehört habe, macht er viel differenziertere Aussagen. Er gibt Anleitung zu einem ethischen Leben, lehrt Meditation und empfiehlt die Arbeit an allen Ebenen der Persönlichkeit. Er hat erkannt, dass es nicht ausreicht, nur zu sagen: „Ich bin vollkommen.“

Swami Vishnu erzählte in diesem Zusammenhang gerne die Geschichte von dem Papageienjäger und dem Einsiedler:

Es war einmal ein Papageienjäger, der spannte eines Tages sein Netz in der Nähe einer Einsiedelei aus. Der Einsiedler, der dort lebte, sah, wie der Jäger über zwanzig Papageien fing.
Vorwurfsvoll sagte er: „Hörst du nicht, wie gequält die armen Tiere schreien? Wie kannst du die Vögel, die Freiheit gewöhnt sind, in solche Not bringen?“
Der Jäger antwortete: „Ich fange sie, um sie zu verkaufen, das ist mein Broterwerb. So sorge ich für mich und meine Familie.“
„Kannst du dein Brot nicht auf andere Weise verdienen?“
„Ich habe nichts anderes gelernt.“
„Und wie viel Geld bekommst du für die armen Tiere?“
Der Jäger nannte eine Summe.
„Das passt gut“, sagte der Einsiedler, „denn bis vor kurzem lebten einige Schüler bei mir. Sie sind jetzt nach Hause zurückgekehrt, und sie haben mir genau die Summe Geldes überlassen, die du nennst. Ich möchte dir das Geld geben, wenn du dafür die Vögel frei lässt. Für wie lange kannst du mit dem Geld deine Familie ernähren?“
„Für einen Monat.“
„Gut. Ich gebe Dir das Geld und du versprichst mir, während eines Monats keine Papageien zu jagen.“
„Ja, wenn du mir die genannte Summe gibst, dann tue ich das gern.“
Der Einsiedler sagte: „Aber zwei dieser Papageien möchte ich mit in meine Hütte nehmen.“
„Einverstanden.“
Der Einsiedler gab dem Jäger das Geld und der Vogelfänger ließ alle Tiere bis auf zwei frei.
In seiner Hütte lehrte der Einsiedler die Papageien immer wieder den Satz: „Jäger wird kommen, spannt sein Netz, fliegt nicht hinein, fliegt weg! Jäger wird kommen, spannt sein Netz, fliegt nicht hinein, fliegt weg!“
Nach zwei Wochen sprachen die Vögel den Satz fehlerfrei und er gefiel ihnen so gut, dass sie ihn von morgens bis abends krächzten: „Jäger wird kommen, spannt sein Netz, fliegt nicht hinein, fliegt weg! Jäger wird kommen, spannt sein Netz, fliegt nicht hinein, fliegt weg!“
„Ausgezeichnet“, dachte der Einsiedler, „die habe ich gut unterrichtet. Ich werde ihnen jetzt die Freiheit zurückgeben und im Wald können sie die Gurus der anderen Papageien sein.“
Also ließ er die beiden gelehrigen Schüler frei.
Froh flogen sie zu ihren Schwestern und Brüdern, Tanten und Onkeln, Cousinen und Cousins und erzählten ihnen: „Jäger wird kommen, spannt sein Netz, fliegt nicht hinein, fliegt weg! Jäger wird kommen, spannt sein Netz, fliegt nicht hinein, fliegt weg!“
Nach zwei weiteren Wochen hallte es im ganzen Wald:
„Jäger wird kommen, spannt sein Netz, fliegt nicht hinein, fliegt weg! Jäger wird kommen…!“
Der vereinbarte jagdfreie Monat war vorüber und der Jäger kehrte mit seinem Netz zurück! Er hörte das Geschrei und es klang ihm entsetzlich in den Ohren.
„Auweia“, dachte er, „jetzt hat mich der Einsiedler aber hereingelegt. Nun werde ich hier wohl niemals mehr einen Papagei fangen.“ Aber dann dachte er: „Nun, wenn den Menschen etwas beigebracht wird, dann gibt es immer einige, die nicht lernen wollen, oder die das Gelehrte nicht begreifen, oder die es vergessen. Ich bin jetzt den weiten Weg bis hierher gegangen, darum spanne ich einfach einmal mein Netz aus, und warte was geschieht.“
Er breitete also das Netz aus. Und weil er die Situation so einschätzte, dass er lange ausharren müsste, um vielleicht zwei, drei Papageien zu fangen, legte er sich seitwärts zu einem Mittagschläfchen nieder.
Bereits nach einer halben Stunde erwachte er durch lautes Geschrei und Gezeter: „Jäger wird kommen, spannt sein Netz, fliegt nicht hinein, fliegt weg! Jäger wird kommen, spannt sein Netz…!“
„Ja, ja“, dachte er, „nun haben also die klugen Vögel das Netz bemerkt und darum schreien sie jetzt noch lauter und aufgeregter. Ich werde schnell meine Sachen packen und verschwinden, denn das Jagen in diesem Wald hier ist sinnlos und wird es auch in Zukunft sein.“
Er ging zu dem Netz und was sah er? Hunderte von Papageien hatten sich in dem Netz verfangen, schreiend: „Jäger wird kommen, spannt sein Netz, fliegt nicht hinein, fliegt weg! Jäger wird kommen…!“

So reicht es auch nicht aus, dem Papageien zu raten: „Jäger wird kommen, spannt sein Netz, fliegt nicht hinein, fliegt weg! Jäger wird kommen…!“ oder den Menschen „Aham Brahma Asmi“ sagen zu lassen. Aham Brahmasmi zu sagen ist ein guter Beginn des spirituellen Weges.

Wenn wir das wissen, können wir den Rest des spirituellen Weges leichter gehen. Wenn wir wissen, auch wenn wir Fehler machen, wenn wir allemöglichen Probleme haben, auch wenn wir Rückschläge haben, Aham Brahmasmi bleibt trotzdem Brahman, ist das hilfreich.

Aber um zur Verwirklichung zu kommen, müssen wir unser Karma abarbeiten, unsere Lektionen lernen. Die Früchte unseres Karmas bis zu einem gewissen Grade ernten, wir müssen dafür sorgen, dass unser Prana in höhere Ebenen kommt, zu Ojas wird. Und wir müssen an unserem Geist arbeiten.

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