Atma Bodha – Schluss und Zusammenfassung

Deutsche Übersetzung:

So endet der Text Atma Bodha, das „Wissen vom Selbst“.

Sanskrit Text:

॥ iti śaṅkarācāryaviracita ātmabodhaḥ samāptaḥ ॥

॥ इति शङ्कराचार्यविरचित आत्मबोधः समाप्तः ॥

|| iti shankaracharyavirachita atmabodhah samaptah ||

Kommentar von Sukadev Bretz

Lesen

Om Namah Shivaya und herzlich willkommen zum Abschluss-Beitrag über den wunderbaren Vedantatext Atma Bodha. Die Erkenntnis des Selbst von Shankaracharya. Atma Bodha ist einer der schönsten Texte über Vedanta, die es überhaupt gibt. Atma Bodha ist auch ein Text, den man nehmen kann für die Meditation. Die vier Schritte im Vedanta sind hören oder lesen. So hab ich jetzt 69 Vorträge oder Beiträge gegeben über Atma Bodha. Den Einleitungsbeitrag, dann über die 68 Verse des Atma Bodha und jetzt der 70. Beitrag, also der Abschluss-Beitrag darüber. Es ist gut, es zu lesen und es ist gut, es zu hören. Das ist der erste Schritt: Shravana.
Der zweite Schritt ist darüber nachdenken: Manana. Und der Jnana Yoga Weg ist auch immer wieder nachdenken. Immer wieder überlegen. Was heißt das für mein Leben? Wie kann ich es ausdrücken? Wie kann ich es erfahren? Manana.
Das Dritte ist Nididhyasana. Tief darüber meditieren und aus diesem Geist heraus leben. Und schließlich als viertes: Atmasakshatkara – die Verwirklichung des Selbst. Anubhava – Verwirklichung der Einheit.
Vedanta ist auch praktisch. Und es reicht nicht aus sich nur in der Freizeit mit Vedanta zu beschäftigen, sondern setze es um. Es gibt eine Reihe von praktischen Wirkungen von Vedanta. Zum einen mache dir bewusst: Anandoham: Ich bin Freude. Gehe immer wieder nach innen und wisse, du brauchst nichts zum Glücklichsein. Mach dein Glück nicht abhängig vom Erfüllen von Wünschen und der Freundlichkeit der Menschen. Lerne es, nach innen zu gehen. Lerne, Freude in Dir selbst zu erfahren. Freude kannst du auch erfahren, indem du dich verbindest mit anderen. Trennung bedeutet du gehst von der Erfahrung des Selbst weg. Verbindung heißt: das Selbst leuchtet auf.
In diesem Sinne, auch wenn du dich mit Menschen auseinandersetzt, auch wenn du im Rahmen deiner Rolle Menschen in ihre Grenzen weisen musst, spüre immer wieder die Herzensverbindung. Spüre Liebe. In der Liebe leuchtet Gott auf. Auch wenn du im Alltag immer wieder alles Mögliche tun musst, zwischendurch nimm dir einen Moment und spüre Verbundenheit. Fühle: das Selbst ist überall. Und wenn du im Alltag durch die Gegend gehst, wisse, der Körper ist dein Kostüm. Deine Psyche ist die Rolle, die du annimmst. Oder auch: Der Körper ist dein Raumanzug. Und du hast eine gewisse Mission und für diese Mission hast du auch eine Psyche. Und mache dir zwischendurch bewusst: Ich bin das unsterbliche Selbst, der Atman. Erfülle deine Rolle. Tue das, was zu tun ist. Erfülle deine Mission. Aber wisse immer wieder: Ich bin nicht der Raumanzug. Ich bin nicht die Rolle. Ich bin nicht das Kostüm. Ich bin das unsterbliche Selbst.
Und auch andere sind letztendlich Kostüme, ob sie es wissen oder nicht. Und das ganze Weltall ist letztlich ein Traum Gottes. Gott ist der Regisseur. Gott ist auch das Weltall. Gott ist Bewusstsein. Gott ist Dein Bewusstsein. Hinter allem ist das eine und unendliche Selbst. Handle aus diesem Bewusstsein heraus. Du kannst auch zwischendurch „so tun als ob“. Ein spirituelles Prinzip ist auch, selbst wenn du es nicht verwirklicht hast, tu mal so, als ob es so wäre. Lebe aus dem Geist heraus. Erfahre!
Die Erkenntnis des Selbst, Atma Bodha, ist es wert, danach zu streben. Alle anderen menschlichen Bestrebungen sind nur relativ und werden dich nie zufrieden stellen. Egal was du erfährst, erst wenn du Atma Bodha erreicht hast, die vollkommene Erkenntnis des Selbst, die vollkommene Erleuchtung, die vollkommene Gotteserfahrung, wirst du glücklich sein. In diesem Sinne erfülle deine Mission und tue, was zu tun ist. Aber stelle alles unter das Hauptziel, Gott zu verwirklichen. Dann wirst du diese Gottverwirklichung erreichen und zwar noch in diesem Leben. Schon ein klein wenig Erfahrung kann dir helfen, diese so zu interpretieren, dass du weißt: Es stimmt, was Shankaracharya sagt. Und schon etwas daraus leben, macht dich glücklicher, freudevoller, liebevoller und gelassener.
In diesem Sinne wünsche ich dir viel Inspiration, viel Erfolg und viel Erkenntnis. Auch schon kleine Zwischenerkenntnisse auf dem Weg zur vollen Erkenntnis, Aham brahma asmi (Ich bin Brahman), Ayam Atma Brahman (dieses Selbst ist Brahman), Prajnanam Brahma (Bewusstsein ist Brahman), Tat Twam Asi (Dieses Bewusstsein, dieses Brahman bist du tatsächlich), Sarvam Kalvidam Brahman (All dies ist tatsächlich Brahman). Iti Atma Bodha Samaptah. So endet der Text oder Kommentar der Atma Bodha, das „Wissen vom Selbst“. Hari Om Tat Sat.
Noch ein paar zusätzliche Worte. Du hast jetzt Atma Bodha gehört oder gelesen. Es gibt natürlich noch viele andere Texte. Ich habe ja schon Kommentare gemacht, sowohl als Texte als auch als Hörsendungen über Bhagavad Gita, Hatha Yoga Pradipika und Yoga Sutra. Diese findest du auf unseren Internetseiten und so findest du noch mehr Inspirationen. Ich habe auch eine Videoreihe gemacht mit Vorträgen über Narada Bhakti Sutra, über Gottesverehrung und wie du über Gottesverehrung zum Höchsten kommen kannst. Ich werde auch Viveka Chudamani als Texte besprechen und als Kommentare. Dies ist eines der Hauptwerke von Shankara. Dieses Werk ist auch viel länger als das Atma Bodha. So findest du viele Inspirationen. Wichtig ist: Selbst praktizieren. Wichtig ist: Selbst nachdenken. Und oft fällt es leichter, wenn du in einen Ashram gehst. So haben wir bei Yoga Vidya verschiedene Ashrams, wo du auch Vedanta lernen kannst, wo du ein spirituelles Retreat machen kannst, mal weg bist vom Alltag, und dich so zu lösen von allen Ablenkungen des Alltags. Einfach wirklich die Erfahrung von Aham Brahma asmi tiefer werden zu lassen. Dann musst du es im Alltag wieder leben, im Alltag wieder umsetzen, im Alltag daraus leben und deine Rolle spielen. Dann wieder zurück in den Ashram gehen, wieder ein Retreat machen oder eine Weiterbildung, tiefer gehen und das im Alltag umsetzen. Und irgendwann erfährst du Aham Brahma asmi. Und noch etwas. Wenn du nicht gebunden bist aus irgendwelchen Gründen und tief zu Gott kommen willst und bereit bist, dafür auch Karma Yoga zu üben, d. h. uneigennützig zu dienen, ist ein besonders guter spirituelle Lebensstil, der dir hilft sehr zügig zur Gottverwirklichung zu kommen, mindestens zügiger als auf andere Weisen, die Mitgliedschaft in einer spirituellen Gemeinschaft. Und so ist es auch möglich in Yoga Vidya Ashrams und Zentren zu leben, zu lernen und zu wachsen. Das ist für dich dann geeignet, wenn du dein Leben ausrichten willst auf die Gottverwirklichung. Wenn du bereit bist, an dir zu arbeiten. Wenn du bereit bist, in einer spirituellen Gemeinschaft deine Bedürfnisse hinten an zu stellen und die Bedürfnisse von anderen vorne an zu stellen. Mit anderen Worten: Aus deinem Ego heraus zu kommen. Wachstum in einer spirituellen Gemeinschaft geht sehr gut. Aber es geht dann, wenn du wirklich das Höchste erfahren willst. Wenn du dich öffnest für Führung. Wenn du bereit bist, deine persönlichen Anliegen hinten an zu stellen und dienen willst; dann loslässt und überall Brahman siehst.
Informationen über alle Inspirationen von Yoga Vidya, die verschiedenen Texte und Kommentare, Audios, Videos, Meditationsanleitungen und Yogastunden, das Seminarprogramm, Ausbildungsprogramm und die Möglichkeiten bei Yoga Vidya Mitglied in einer spirituellen Gemeinschaft zu werden, findest du auf: www.yoga-vidya.de.

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