Atma Bodha Vers 60

Erkenne Brahman!

Atma Bodha Vers 60

Deutsche Übersetzung:

Erkenne das als Brahman, was weder fein noch grob ist; weder kurz noch lang; ohne Geburt oder Veränderungen; ohne Form, Eigenschaften, Farbe und Name.

Sanskrit Text:

anaṇv asthūlam ahrasvam adīrgham ajam avyayam ।
arūpaguṇavarṇākhyaṃ tad brahmety avadhārayet ॥ 60 ॥

अनण्वस्थूलमह्रस्वमदीर्घमजमव्ययम् ।
अरूपगुणवर्णाख्यं तद्ब्रह्मेत्यवधारयेत् ॥ ६० ॥

ananv asthulam ahrasvam adirgham ajam avyayam |
arupagunavarnakhyam tad brahmety avadharayet || 60 ||

Wort-für-Wort-Übersetzung:

  • anaṇu : nicht fein (Ananu)
  • asthūlam : nicht grob (Asthula)
  • ahrasvam : nicht kurz (Ahrasva)
  • adīrgham : nicht lang (Adirgha)
  • ajam : ungeboren (Aja)
  • avyayam : unveränderlich (Avyaya)
  • arūpa-guṇa-varṇākhyam : ohne Form (Arupa), Eigenschaften (Guna), Farbe (Varna) oder Name (Akhya)
  • tat : das (Tad)
  • brahma : (ist) das Absolute (Brahman)
  • iti : so, in dieser Weise (Iti)
  • avadhārayet : soll man begreifen, bei sich denken (ava + dhṛ)     ॥ 60 ॥

Kommentar von Sukadev Bretz

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Erkenne das als Brahman, was weder fein noch grob ist; weder kurz noch lang; ohne Geburt, ohne Veränderungen; ohne Form, Eigenschaften, Farbe und Name.
Shankara spricht über Brahman. Was ist Brahman? In diesem Vers spricht er über Brahman in der Verneinung. Er sagt: Brahman ist nicht dies, Brahman ist nicht jenes. Er sagt hier: Brahman ist weder fein noch grob. Brahman ist weder kurz noch lang. Brahman ist ohne Geburt und ohne Veränderung. Brahman ist ohne Form, ohne Eigenschaften, ohne Farbe und ohne Name. Man könnte es auch so sagen: Brahman ist feiner als das Feinste, und gröber als das Gröbste. Es ist kürzer als das Kürzeste und länger als das Längste. Es ist da vor der Geburt, es bleibt inmitten aller Veränderungen. All das ist Brahman. Schwer in Worte zu fassen. So ist Brahman erfahrbar.
Und letztlich dieser Vers dient auch dafür: Wenn du etwas erfährst und wissen willst: Was ist Brahman? Dann kannst du danach gehen. Denn wenn du meditierst, kannst du ja auf höheren Bewusstseinsebenen erfahren. Wenn du höhere Bewusstseinsebenen erfährst, kannst du überlegen: Entspricht das Brahman? War das, was ich erfahre, sehr fein? Gut, dann war es vielleicht noch nicht das Höchste. Denn Brahman ist sogar jenseits der Feinheit. Alltagsbewusstsein ist natürlich grob. Auch das ist nicht die Erfahrung von Brahman. Wenn du siehst: „Ah, Brahman war riesengroß – was ich erfahren hab.“ Auch das ist nicht Brahman, denn Brahman ist unendlich. „Oh, ich habe Brahman ganz tief in meinem Herzen ganz klein gespürt.“ Auch das ist noch nicht Brahman. Das ist schön, aber noch nicht Brahman, denn Brahman ist auch jenseits dieser Kleinheit. Oder du kannst sagen: „Ich hatte eine Vision von Gott gehabt“ oder „Gott ist mir irgendwie erschienen.“ Wenn es ein Anfang hat und ein Ende, ist es auch nicht wirklich Brahman. Veränderungen: „Oh, Gott war sehr lichtvoll. Danach war er wieder dunkel. Ja, und dann war er wieder großartig.“ Auch das ist noch nicht Brahman. Brahman ist ohne Veränderung. „Oh, Gott ist zu mir erschienen als großartiges Licht. Und Feuerzungen überall.“ Auch das ist noch nicht Brahman. Das ist vielleicht eine Vision von Ishvara. „Oh, Gott ist mir als Liebe erschienen. Und war so freundlich zu mir. In seiner Gegenwart wurd‘ mir so warm ums Herz.“ Auch das ist noch nicht Brahman.
Es ist wunderbar, solche Visionen zu haben, und glücklicherweise gibt es solche Erfahrungen. Wir können immer wieder uns geborgen fühlen von Gott und wir spüren, dass Gott sich um uns kümmert. Aber das ist Ishvara oder Ishtadeva. Der liebe Gott, der uns erscheint. Brahman selbst ist jenseits von alldem. Glücklicherweise im Relativen können wir auch Kontakt aufbauen zu Ishtadevata, zu einem geliebten Gott. Glücklicherweise können wir uns geführt fühlen von Gott. Glücklicherweise gibt es die großen Meister, deren Gegenwart wir auch spüren. Nur, wir sollten uns nicht darauf beschränken, diese ab und zu mal zu erfahren. Es ist gut, sich geführt zu fühlen von einer höheren Wirklichkeit. Es ist gut, Gott im Herzen zu spüren. Es ist großartig, eine Vision von Gott zu haben und Gott zu sehen oder zu spüren. Oder den Meister zu spüren. Aber Brahman ist noch jenseits von all diesem Relativen. Brahman ist alles. Brahman ist hinter allem. Brahman manifestiert sich als alles. Und die Erfahrung von Brahman ist unbegrenzt.
Ich wiederhole nochmals diese Worte. Und es ist auch eine Meditationstechnik, eine fortgeschrittene Meditationstechnik, wo du, wenn du einmal dein Bewusstsein erhoben hast, jenseits aller Begrenzungen gehen kannst. Erkenne das als Brahman, das jenseits von fein und grob ist. Erkenne das als Brahman, was jenseits von klein und groß ist. Erkenne das als Brahman, was ohne Geburt ist und ohne Veränderungen. Ohne Form, ohne Eigenschaften, ohne Farbe und ohne Name.

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