Atma Bodha Vers 59

Brahman ist alldurchdringend

Atma Bodha Vers 59

Deutsche Übersetzung:

Alle Objekte sind von Brahman durchdrungen. Alle Handlungen sind durch Brahman möglich: deshalb durchdringt Brahman alles, wie Butter Milch durchdringt.

Sanskrit Text:

tadyuktam akhilaṃ vastu vyavahāras tadanvitaḥ ।
tasmāt sarvagataṃ brahma kṣīre sarpir ivākhile ॥ 59 ॥

तद्-युक्तमखिलं वस्तु व्यवहारस्तदन्वितः ।
तस्मात्सर्वगतं ब्रह्म क्षीरे सर्पिरिवाखिले ॥ ५९ ॥

tadyuktam akhilam vastu vyavaharas tadanvitah |
tasmat sarvagatam brahma kshire sarpir ivakhile || 59 ||

Wort-für-Wort-Übersetzung:

  • tad-yuktam : mit ihm (dem Brahman, Tad) ist verbunden (Yukta)
  • akhilam : jegliches (Akhila)
  • vastu : Ding (Vastu)
  • vyavahāraḥ : (jeder) Vorgang (Vyavahara)
  • tad-anvitaḥ : ist von ihm (dem Brahman, Tad) begleitet (Anvita)
  • tasmāt : deshalb (Tasmat)
  • sarva-gatam : ist alldurchdringend („allgegenwärtig“, Sarvagata)
  • brahma : das Brahman
  • kṣīre : Milch (Kshira)
  • sarpiḥ : Butterschmalz (Sarpis)
  • iva : wie (Iva)
  • akhile : in der gesamten (Akhila)     ॥ 59 ॥

Kommentar von Sukadev Bretz

Lesen

Alle Objekte sind von Brahman durchdrungen. Alle Handlungen sind durch Brahman möglich: deshalb durchdringt Brahman alles, wie Butter Milch durchdringt.
In diesem Vers will Shankaracharya eingehen: Wie ist das Verhältnis von Brahman und Objekten? Wenn man im Normalbewusstsein ist, dann sieht man ja nicht ständig Brahman, sondern man sieht Dinge, man sieht Steine, man sieht Blumen, man sieht Vasen und Kerzen, man sieht Menschen, man sieht Tiere, Vögel, man sieht Computer und Abfalleimer, man sieht schönes wie auch weniger schönes. Wo ist hier jetzt Brahman?
Und hier gebraucht er so ein Beispiel: Butter und Milch. Natürlich, ich bin Veganer und trinke keine Milch, ich esse keine Milchprodukte usw. Trotzdem – in der indischen Mythologie werden immer wieder Milchanalogien auch gebraucht, weil das alte Indien eben auch eine Landwirtschaft, auch eine Viehwirtschaft war. Wenn du Milch hast und willst daraus Butter gewinnen – wo findest du die Butter? In welchem Teil der Milch ist die Butter? Wo ist die Butter? Du könntest gucken – ist sie oben, unten, links, rechts – wo ist die Butter? Die Butter ist überall. Wenn du dann ausreichend die Milch quirlst, nachher kommt Sahne, aus der Sahne kommt irgendwann Butter. Wo ist die Butter? Sie ist in der ganzen Milch.
So ähnlich: Wo ist Brahman? Ist Brahman im Herzen? Ist Brahman im linken großen Zeh? Ist er hier? Wir sagen zwar: Gehe ins Herz und dort findest du Brahman. Aber letztlich – alles ist eine Manifestation von Brahman. Brahman ist das Substrat hinter allem. Brahman ist überall. So sagt er hier: Alle Objekte sind von Brahman durchdrungen. Alle Handlungen sind durch Brahman möglich. Deshalb durchdringt Brahman alles so wie Butter die Milch durchdringt. Er sagt auch hier: Alle Handlungen sind durch Brahman möglich. Ohne Brahman gäbe es auch keine Handlungen. Ohne Brahman existiert nichts. Und ohne Brahman kann auch nichts passieren. Alles ist aus Brahman gemacht, alles existiert in Brahman, alles wird getan in Brahman. Alles ist eine Manifestation von Brahman. Bewusstsein, das hinter allen Handlungen steckt, ist auch Brahman. Und auch Ananda, die Freude, die hinter allem steckt, ist auch Brahman. Es gibt nur Brahman. Die Analogie, die er hier gebraucht, im Atma Bodha gibt es ja letztlich unter den 68 Versen in etwa 40 Verse mit verschiedenen Analogien, hier die Analogie Milch und Butter. Die Butter ist in der Milch, die Butter gilt – mindestens in Indien – als die Essenz der Milch, und ohne Butter gibt es auch keine Milch. Aus der Milch kommt die Butter, und die Butter ist wichtiger Teil der Milch.
Ähnlich: Das ganze Universum ruht in Brahman, Brahman ist die Essenz des ganzen Universums, Brahman kann überall erfahren werden. Und wenn du dein Bewusstsein quirlst in der Meditation, erfährst du dieses unendliche und ewige Brahman. Mache dir das wieder bewusst. Meditiere wieder darüber, handle daraus. Wenn du vielleicht gleich einen Moment in die Meditation gehst, mache dir bewusst: Ich bin Brahman – aham brahma asmi. Alles ist Brahman – Sarvam Kalvidam Brahman. Das ganze Universum sind letztlich die Wellen in einem Ozean. Es gibt nur Ozean. Das alles ist wie Butter in der Milch. Das Ganze ist wie Traumgestalten im kosmischen Raum. Alles wie Gestalten in einem kosmischen Drama. Aber alles ist Brahman. Ich bin Brahman, alles ist Brahman. Erfahre das in der Meditation und auch zwischendurch. Wenn du mal auf irgendetwas warten musst oder wenn es irgendwo was gibt, wo du gerade nicht voll gegenwärtig sein musst, spüre. In jedem Menschen, den du siehst, ist Brahman. Hinter der Erde ist Brahman. Hinter dem Gezwitscher der Vögel – überall Brahman. Es gibt nur Brahman. Sarvam Kalvidam Brahman. Erkenne das, erfahre das. Spüre das. Insbesondere jetzt, ein paar Sekunden lang. Und dann immer wieder, den ganzen Tag.

Anhören

Ansehen


Siehe auch:

Hinterlasse einen Kommentar

Hinterlasse den ersten Kommentar!

Benachrichtige mich zu:
avatar
wpDiscuz