Atma Bodha – Vers 47

Erkenne durch das Auge der Weisheit dein wahres Selbst

Atma Bodha – Vers 47

Deutsche Übersetzung:

Der Yogi mit vollkommener Erkenntnis und Erleuchtung sieht durch sein „Auge der Weisheit“ (Jnana Chakshush) das ganze Universum in seinem eigenen Selbst und betrachtet alles als sein eigenes Selbst und nichts anderes.

Sanskrit Text:

samyagvijñānavān yogī svātmany evākhilaṃ jagat ।
ekaṃ ca sarvam ātmānam īkṣate jñānacakṣuṣā ॥ 47 ॥

सम्यग्विज्ञानवान्योगी स्वात्मन्येवाखिलं जगत् ।
एकं च सर्वमात्मानमीक्षते ज्ञानचक्षुषा ॥ ४७ ॥

samyagvijnanavan yogi svatmany evakhilam jagat |
ekam cha sarvam atmanam ikshate jnanachakshusha || 47 ||

Wort-für-Wort-Übersetzung:

  • samyag-vijñānavān : von vollkommener (Samyak) unterscheidender Erkenntnis (Vijnana)
  • yogī : ein Yogi (Yogin)
  • svātmani : im eigenen (Sva) Selbst (Atman)
  • eva : gewiss, wahrlich (Eva)
  • akhilam : die gesamte (Akhila)
  • jagat : Welt (Jagat)
  • ekam : als eins (Eka)
  • ca : und (Cha)
  • sarvam : jegliches, jedes (Sarva)
  • ātmānam : Selbst (Atman)
  • īkṣate : sieht, betrachtet (īkṣ)
  • jñāna-cakṣuṣā : mit dem Auge der Erkenntnis (Jnanachakshus)     ॥ 47 ॥

Kommentar von Sukadev Bretz

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Der Yogi mit vollkommener Erkenntnis und Erleuchtung sieht durch sein Auge der Weisheit (Jnana Chakshush) das ganze Universum in seinem eigenen Selbst und betrachtet alles als sein eigenes Selbst und nichts anderes.

Das Studium dieser Verse von Shankaracharya ist eine spirituelle Praxis an sich. Und das Hören dieser Vorträge ist eine spirituelle Praxis an sich. Es kommt jetzt nicht unbedingt Neues, aber es kommt immer wieder Tiefes von unterschiedlichen Weisen. Wenn du jeden Tag einen dieser Verse auf dich wirken lässt, darüber nachdenkst, in deinem Alltag umsetzt, wirst du erfahren, wer du wirklich bist.

Er sagt hier: „Der Yogi mit vollkommener Erkenntnis und Erleuchtung sieht durch sein Auge der Weisheit das ganze Universum in seinem eigenen Selbst und betrachtet alles als sein eigenes Selbst und nichts anderes.“ Das ist jetzt die non-dualistische Philosophie – Advaita in Reinstform. Wenn du wirkliche Erkenntnis erlangt hast, dann weist du, du bist nicht getrennt von allem. In vollkommener Erkenntnis und Erleuchtung öffnet sich dein Drittes Auge – Jnana Chakshu – d. h. das Auge der Erkenntnis. Es ist nicht mehr eine reine Theorie, es ist kein reines intellektuelles Wissen, es ist keine Affirmation mehr, sondern das Auge des Wissens öffnet sich und du weißt, ich bin das unsterbliche Selbst – der Atman.

Er sagt hier auch, das ganze Universum als dein Selbst. Es gibt nur das eine Unendliche und Ewige und dieses Unendliche und Ewige – das bin ich. Das ganze Universum besteht nur aus Bewusstsein. Ich könnte wieder die Traumanalogie nehmen. Im Traum träumst du. Du träumst die ganze Welt, du träumst viele Einzelseelen, du träumst dich selbst. Aber du selbst bist im Traum nicht nur dieses kleine Individuum, das du träumst, du bist auch jede Gestalt im Traum. Und die ganze Welt besteht nur aus dir. Wenn du aufwachst, dann weißt du, es war nur ein Traum. Und wenn du den Traum analysierst, erkennst du, der ganze Traum bestand nur aus meinen eigenen Gedanken. Daher: Aham Brahma Asmi – ich bin dieses Brahman und dieses Brahman ist das ganze Universum. Es wird gesagt, Brahma, der Schöpfer, träumt das ganze Universum. Damit bist du eins mit diesem Bewusstsein von Brahma, also von Brahman und da du Brahman bist und Brahma die Welt träumt, die ganze Welt nur Traum von Brahman ist, bist du dieses Bewusstsein, aus dem die Welt ist. Daher, wie Shankaracharya hier sagt: „Du siehst das ganze Universum in deinem eigenen Selbst und betrachtest alles als dein eigenes Selbst und nichts anderes. Das kannst du auch immer wieder erfahren. Es ist wie eine mystische Erfahrung, wenn du immer wieder dein Bewusstsein ausdehnst. Wenn du die Sonne siehst, sagst du: „Da ist mein Selbst.“ Wenn du den Mond siehst: „Da ist mein Selbst.“ Wenn du einen Menschen siehst: „Da bin ich selbst.“ Wenn du etwas siehst, was auch immer, kannst du dir bewusst machen, das ist alles mein Selbst. Zunächst ist das Erkenntnis, zunächst ist das Affirmation, dann wird es lebendige Erfahrung und irgendwann verschwindet die ganze gegenständliche Welt, Jnana Chakshu – das Auge der Weisheit – öffnet sich. Plötzlich sind keine Namen mehr da, keine Formen mehr da. Es ist nur Sat Chid Ananda – Sein, Wissen und Glückseligkeit. Du wachst auf aus dem Traum und es bleibt nur unendliches Sein, reine Bewusstheit, unendliche Glückseligkeit.

In diesem Sinne übe dieses Jnana Abhyasa, also die Übung dieses Wissens. Löse dich von Verhaftungen, sage dir: „Ich bin das unsterbliche Selbst.“ Spüre es im Alltag, erfahre es immer mehr. In der Meditation löse dich von allen Gedanken, Gefühlen, Emotionen. Dehne dich aus. Plötzlich kommt dieses Auge des Wissens, das Auge der Intuition. Du verlässt die gegenständliche Welt, du wachst auf und du erfährst „Aham Brahma Asmi“.
Nochmal dieser Vers zum Abschluss dieses Kurzvortrages: „Der Yogi mit vollkommener Erkenntnis und Erleuchtung sieht durch sein Auge der Weisheit das ganze Universum in seinem eigenen Selbst und betrachtet alles als sein eigenes Selbst und nichts anderes.“

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