Atma Bodha – Vers 32

Du bist jenseits von Geburt, Alter und Tod

Atma Bodha – Vers 32

Deutsche Übersetzung:

Ich bin verschieden vom Körper und also frei von Veränderungen wie Geburt, Alter, Senilität, Tod usw. Ich habe nichts zu tun mit den Sinnesobjekten wie Klang und Geschmack, da ich ohne Sinnesorgane bin.

Sanskrit Text:

dehānyatvān na me janmajarākārśyalayādayaḥ ।
śabdādiviṣayaiḥ saṅgo nirindriyatayā na ca ॥ 32 ॥

देहान्यत्वान्न मे जन्मजराकार्श्यलयादयः ।
शब्दादिविषयैः सङ्गो निरिन्द्रियतया न च ॥ ३२ ॥

dehanyatvan na me janmajarakarshyalayadayah |
shabdadivishayaih sango nirindriyataya na cha || 32||

Wort-für-Wort-Übersetzung:

  • dehānyatvāt : aufgrund des ein anderer (Anya) als der Körper (Deha) Seins
  • na : nicht (Na)
  • me : mir (gehören an, Me)
  • janma-jarā-kārśya-layādayaḥ : Geburt (Janma), Alter (Jara), Abmagerung (Karshya), Tod („Auflösung“, Laya) usw. (Adi)
  • śabdādi-viṣayaiḥ : mit den Sinnesobjekten (Vishaya) wie Klang (Shabda) usw. (Adi)
  • saṅgaḥ : Anhaftung, Kontakt (Sanga)
  • nirindriyatayā : aufgrund des keine Sinnesorgane Habens (Nirindriya)
  • na : nicht
  • ca : auch (Cha)     ॥ 32 ॥

Kommentar von Sukadev Bretz

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Ich bin verschieden vom Körper und also frei von Veränderungen wie Geburt, Alter, Senilität, Tod usw. Ich habe nichts zu tun mit den Sinnesobjekten wie Klang und Geschmack, da ich ohne Sinnesorgane bin.

Hier beschreibt Shankaracharya, wie du zu dir selbst sprechen kannst. Er hat im Vers zuvor darüber gesprochen, wer du nicht bist, hat die Methode des Neti-Neti beschrieben. Aus der Methode des Neti-Neti kommt dann diese Aussage: Ich bin verschieden vom Körper. Körper geht durch Veränderungen. Ich kann ihn beobachten und bis zu einem gewissen Grad beeinflussen. Ich mache Erfahrungen durch den Körper, ich bewirke etwas durch ihn. Aber ich bin nicht der Körper, ich bin verschieden von ihm. Wenn ich verschieden bin vom Körper, dann bin ich auch frei von Veränderungen, wie Geburt, Alter, Senilität, Tod usw. Körper wird geboren, er wächst und wird irgendwann alt. Er ist der Krankheit unterworfen und stirbt irgendwann. Aber das ist der Körper. Ich als Bewusstsein bin jenseits davon. Das zu verwirklichen fällt natürlich leicht, wenn du tatsächlich mal in der Meditation das Körperbewusstsein transzendiert hast, wenn du deinen Körper mal von oben gesehen hast. Wenn es dir gelungen ist, weite Bewusstheit zu erfahren, dich als eins mit der Weltenseele wahrzunehmen. Wenn diese Erfahrung da ist, dann ist die Erkenntnis umso leichter.
Ansonsten wäre auch der Jnana Yoga Weg eine Möglichkeit, es einfach logisch zu erschließen, indem du dir bewusst machst: Bewusstsein bleibt gleich, egal, was mit dem Körper passiert. Das gleiche Bewusstsein „Ich bin“ ist da, egal wie die Gedanken, die Gefühle sind. Du kannst dich davon lösen. Du kannst dir auch bewusst sagen, ich bin frei von all diesen Veränderungen. Ich habe auch nichts zu tun mit den Sinnesorganen. Ich erfahre vielleicht mal Schönes und weniger Schönes. Schöner Klang und weniger schöner Klang. Lob und Tadel. Schöne Farben und weniger schöne Farben. Guter Geruch, weniger guter Geruch. Guter Geschmack, weniger guter Geschmack. Wir brauchen nicht gleich zu springen oder uns zu ärgern.
Gute Klänge mögen mal da sein – schön. Gute Klänge mögen mal nicht da sein – auch schön. Gutes Essen mag mal da sein – schön. Gutes Essen mag mal fehlen – auch schön. Wir sind jenseits von allen Sinnen. Wir sind reines Selbst. Wir können zwar Erfahrungen sammeln über die Sinne, aber wir müssen davon nicht zum Sklaven werden. Und gerade dann, wenn du mal die eine oder andere Erkrankung spürst, kannst du dir sagen: Ich bin nicht der Körper, ich bin nicht die Erkrankung. Gerade, wenn mal unangenehme Erfahrungen kommen, sage dir: Ich bin nicht die Erfahrung. Ich bin das unsterbliche Selbst. Und wenn dir das mal gelingt, wenn der Körper erkrankt ist und sogar Schmerzen da sind und du dich dann davon lösen kannst und dich in diesem Moment erfahren kannst als unendliches Selbst, voller Freude, ewig, dann hast du wirklich etwas erreicht. Dann kann dich nichts mehr erschüttern. Und wenn es dir mal gelungen ist, in der Freude zu verharren, auch wenn unangenehme Gerüche da waren, wenn dir etwas vorgeworfen wurde, wenn es sehr kalt war oder sehr heiß und du dich dabei zurückziehst von all dem und hinter allem das höchste Selbst erfährst, dann hast du etwas erreicht. Dann brauchst du nie mehr Angst zu haben. Du kannst immer Freude haben. Du kannst die Sinneserfahrungen so nehmen, wie sie sind – als Informationen. Angenehm oder unangenehm sind nur etwas, was dir das Unterbewusstsein als Empfehlungen gibt. Aber du bist nicht davon abhängig. Du musst nicht automatisch nach etwas Angenehmen streben, um etwas Unangenehmes zu verhindern. Im Inneren bist du Atman, das unsterbliche Selbst. Jenseits von allem, egal, was mit dem Körper passiert. Egal, was du erfährst oder nicht erfährst, du bist immer das unsterbliche Selbst.

Denke darüber nach und sprich so zu dir selbst, wie Shankara hier empfiehlt.

Ich bin verschieden vom Körper. Frei von Veränderungen wie Geburt, Alter, Senilität, Tod usw. Ich habe nichts zu tun mit den Sinnesobjekten wie Klang und Geschmack, da ich ohne Sinnesorgane bin.

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