Atma Bodha – Vers 25

Sein und Bewusstsein als Grundlage allen Wissens

Atma Bodha – Vers 25

Deutsche Übersetzung:

Durch das unterscheidungslose Verbinden dieser beiden – des Sein-Bewusstsein-Aspekts (Sat-Chit) des Selbst und der Gedankenwelle des Intellekts – entsteht die Auffassung „Ich weiß“.

Sanskrit Text:

ātmanaḥ saccidaṃśaś ca buddher vṛttir iti dvayam ।
saṃyojya cāvivekena jānāmīti pravartate ॥ 25 ॥

आत्मनः सच्चिदंशश्च बुद्धेर्वृत्तिरिति द्वयम् ।
संयोज्य चाविवेकेन जानामीति प्रवर्तते ॥ २५ ॥

atmanah sachchidamshash cha buddher vrittir iti dvayam |
samyojya chavivekena janamiti pravartate || 25 ||

Wort-für-Wort-Übersetzung:

  • ātmanaḥ : des Selbst (Atman)
  • sac-cid-aṃśaḥ : den Aspekt („Teil“, Amsha) von Sein (Sat) und Bewusstsein (Chit)
  • ca : und (Cha)
  • buddheḥ : des Geistes (Buddhi, hier im Sinne von Manas)
  • vṛttiḥ : eine Fluktuation, eine Welle (Vritti)
  • iti : so, in dieser Weise (Iti)
  • dvayam : (diese) beiden („das Paar“, Dvaya)
  • saṃyojya : in Verbindung bringend („verbunden habend“, sam + yuj)
  • ca : und
  • avivekena : aufgrund fehlender Unterscheidungsfähigkeit (Aviveka)
  • jānāmi : ich weiß, ich erkenne (jñā)
  • iti : (der Gedanke) in Form von („so“, Iti)
  • pravartate : entsteht (pra + vṛt)     ॥ 25 ॥

Kommentar von Sukadev Bretz

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Durch das unterscheidungslose Verbinden dieser beiden – des Sein-Bewusstsein-Aspekts (Sat-Chit) des Selbst und der Gedankenwelle des Intellekts – entsteht die Auffassung „Ich weiß“.

Im vorigen Vers hatte Shankara darüber gesprochen: Wer bin ich? Er hat gesagt: „Ich bin nirmala, ewig rein, makellos. Ich bin nitya, ewig, ich bin Sat-Chid-Ananda, Sein-Wissen-Glückseligkeit.“
Jetzt will er beschreiben, wie man von dieser Ewigkeit, Unendlichkeit in ein relatives Bewusstsein kommt. Und hier sagt er: Indem man den Sat- und Chid-Aspekt verbindet mit einer Gedankenwelle, kommt die Vorstellung „Ich weiß“.
Sat heißt Sein und Chid heißt Wissen, Bewusstsein. Wenn du also eine Gedankenwelle hast, zum Beispiel irgendwo etwas siehst, wie zum Beispiel ein Kissen. Dieses Kissen hat ein Licht, eine Leuchtkraft, das Auge sieht das, es wandelt sich zu einem elektromagnetischen Impuls im Gehirn um, ein Bild entsteht im Geist. Das Bewusstsein nimmt das wahr und sagt: „Ich sehe ein Kissen. Ich weiß, da ist ein Kissen. “ Wie kommt jetzt dieses Wissen zustande? Da gibt es den Seins-Aspekt. Es gibt den Bewusstseins- und Wissensaspekt. Also den „Ich“ und „weiß“ und dann kommt eine Gedankenwelle, nämlich die Gedankenwelle des Kissens. Bewusstsein nimmt die Gedankenwelle des Kissens wahr und sagt dann: „Ich sehe ein Kissen.“ Ohne dass Bewusstsein da ist, wird nichts wahrgenommen. Natürlich wird auch ohne Gedankenwelle nichts wahrgenommen. So braucht es beides. Bewusstsein muss da sein und eine Gedankenwelle muss da sein. Nur wenn beide zusammenkommen kann das Bewusstsein sagen: „Ja, ich nehme ein Kissen wahr.“
Bewusstsein kann sich damit aber auch identifizieren und dann sagen: „Ich sehe das Kissen.“ Korrekter wäre: Bewusstsein nimmt Kissen-Vritti, Kissenwelle wahr. Mag etwas abstrakt klingen, ist aber trotzdem recht praktisch. Praktisch im Sinne von: Wer bin ich? – Ich bin Bewusstsein. Wie nehme ich die Welt wahr? Ich nehme die Welt wahr, indem die Welt sich über die Sinne in meinem Geist manifestiert. Die Welt spiegelt sich im Gehirn, würden die westlichen Psychologen sagen. Die Yogis würden sagen, spiegelt sich in einer Gedankenwelle wieder. Und diese Gedankenwelle wird dann von dem Bewusstsein wahrgenommen. Dadurch, dass Bewusstsein das wahrnimmt, sieht man etwas, weiß man etwas. Bewusstsein kann sich davon lösen. Bewusstsein kann dann auch weiter wirken, indem das Bewusstsein dann irgendwo den Impuls gibt, um zu sagen: „Dieses Kissen will ich jetzt haben, um besser meditieren zu können.“ Aber alles geht vom Atman aus. Ohne Atman gibt es kein Wahrnehmen. Ohne Atman gibt es kein Handeln. Aber Atman existiert auch ohne konkretes Wahrnehmen und ohne konkretes Handeln.

Noch mal den Vers:
Durch das unterscheidungslose Verbinden dieser beiden – des Sein-Bewusstsein-Aspekts (Sat-Chit) des Selbst und der Gedankenwelle des Intellekts – entsteht die Auffassung „Ich weiß“.

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