Atma Bodha – Vers 12

Der grobstoffliche Körper als Mittel um Vergnügen und Schmerz zu erfahren

Atma Bodha – Vers 12

Deutsche Übersetzung:

Der grobstoffliche Körper, das Medium, durch das Freude und Schmerz erfahren wird (das „Zelt der Erfahrungen“), wird für jedes Individuum durch seine eigenen vergangenen Handlungen bestimmt und besteht aus den fünf Elementen, die den Vorgang der „fünffachen Selbstteilung und gegenseitigen Verbindung“ (Panchikarana) durchlaufen haben.

Sanskrit Text:

pañcīkṛtamahābhūtasambhavaṃ karmasañcitam ।
śarīraṃ sukhaduḥkhānāṃ bhogāyatanam ucyate ॥ 12 ॥

पञ्चीकृतमहाभूतसम्भवं कर्मसञ्चितम् ।
शरीरं सुखदुःखानां भोगायतनमुच्यते ॥ १२ ॥

panchikritamahabhutasambhavam karmasanchitam |
shariram sukhaduhkhanam bhogayatanam uchyate || 12 ||

Wort-für-Wort-Übersetzung:

  • pañcī-kṛta-mahā-bhūta-sambhava : hat seinen Ursprung (Sambhava) in den (fünf) grobstofflichen Elementen (Mahabhuta), jeweils in Verbindung mit allen fünf feinstofflichen Elementen gebracht (Panchikrita)
  • karma-sañcitam : ist gemäß der Handlungen (früherer Leben, Karman) zusammengesetzt („angehäuft“, Sanchita)
  • śarīram : der (grobstoffliche) Körper (Sharira)
  • sukha-duḥkhānām : von Freude (Sukha) und Schmerz (Duhkha)
  • bhogāyatanam : die Stätte (Ayatana) der Erfahrungen (Bhoga)
  • ucyate : er wird genannt (vac)     ॥ 12 ॥

Kommentar von Sukadev Bretz

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Der grobstoffliche Körper ist das Medium, durch das Vergnügen und Schmerz erfahren wird. Das Zelt der Erfahrungen wird für jedes Individuum durch seine vergangenen Handlungen bestimmt und besteht aus den fünf Elementen, die den Vorgang der fünffachen Selbstteilung und gegenseitigen Verbindung – Panchikarana – durchlaufen haben. Shankara beschreibt hier das, was wir nicht sind. Er hat vorher beschrieben, dass wir uns mit den Upadhis identifizieren, mit den begrenzenden Attributen und er geht sie jetzt der Reihe nach durch.
Er beginnt mit dem physischen Körper, er geht weiter mit dem Astralkörper und beschäftigt sich dann mit dem Kausalkörper. Jetzt beschreibt er den physischen Körper, den grobstofflichen Körper auch hier Sharira genannt, durch den Vergnügen und Schmerz erfahren wird und dadurch gibt es angenehme und weniger angenehme Erfahrungen. Ein gutes Essen kann zum Beispiel angenehm sein und ein etwas weniger gutes Essen als unangenehm empfunden werden. Manchmal ist streicheln angenehm, ein Stein fällt auf deinen Fuß – eher unangenehm. So wird über diesen Körper alles Mögliche erfahren, der Körper ist wie ein Raumanzug, durch den du alles Mögliche erfährst. Shankaracharya sagt hier noch, dieser Körper wird durch das Karma bestimmt, das heißt unterschiedliche Menschen haben unterschiedliche Körper, der eine hat einen größeren, der anderen einen kleineren, der andere einen gesunderen, der andere einen weniger gesunden Körper. Der eine Körper hat vielleicht die ein oder andere Behinderung und der andere Körper ist gesund bis ins hohe Alter. Manches hast du in der Hand, durch das, was du selbst tust, verbunden mit einem gewissen Karma. Wenn du gesund lebst, ist die Wahrscheinlichkeit größer, dass dein Körper gesund bleibt: Wenn du Körperübungen machst, Asanas und Pranayama praktizierst , dich gesund ernährst, an die frische Luft gehst, aber auch deinen Körper forderst usw., gesunde Schlafgewohnheiten hast, ist die Wahrscheinlichkeit größer, dass du länger gesund bleibst. Daraus folgernd bestimmen deine eigenen Handlungen auch, wie gesund der Körper ist, auch wenn du nicht alles in der Hand hast. Bestimmte Dinge kommen, auch das ist vergangenes Karma, ein Körper mag Erbkrankheiten haben, ein Körper mag bestimmte Neigungen haben, bestimmte Krankheiten zu entwickeln, auch Unfälle können passieren.
Shankaracharya würde sagen, all das kommt von früherem Karma, nicht nur von diesem Leben, auch von früheren Leben. Du hast also einen Körper und dieser Körper ist geschaffen worden aus Karma. Karma in diesem Leben, dies sind deine Handlungen, die du bisher gemacht hast und Karma aus früheren Leben, was du früher gemacht hast. Dieser Körper ist das Zelt der Erfahrungen, das heißt, du machst über diesen Körper Erfahrungen, er besteht aus fünf Elementen: Feuer, Erde, Luft, Wasser und Äther. Und auch aus diesen fünf Elementen erkennst du, du bist nicht so getrennt und der Körper ist nicht so getrennt.
Du hast jetzt diesen Körper. Erde ist das Grobstoffliche, bestehend aus der Nahrung. Der Körper wird gebildet aus der Nahrung und gibt natürlich auch wieder etwas ab. Du isst und du eliminierst Nahrung. Wasser: Der Körper besteht aus Flüssigkeit, du trinkst Wasser und du scheidest Wasser wieder aus. Der Körper besteht aus Luft, du atmest Luft ein und du atmest Luft aus. Körper besteht auch aus Feuer / Temperatur. Du nimmst Temperatur auf, du gibst Temperatur ab und du erzeugst deine eigene Körpertemperatur. Feuer: Körper besteht auch aus transformatorischen Dingen in deinem Körper, Agni ist Feuer, wenn du Nahrung verdaust, ist das Feuer, welches angeregt wird durch das, was du isst. Wenn du zum Beispiel Ingwer isst, wird dein Verdauungsfeuer gestärkt, andere Nahrung, die du isst, macht das Feuer wieder schwächer. Also nimmst du auf und du gibst ab, genauso auch der Raum (Akasha), es gibt nur einen kosmischen Raum, der Raum innerhalb und außerhalb des Körpers scheint getrennt, ist aber nur Eins. So hilft es zu sehen, der Körper ist nicht so getrennt, er könnte gar nicht existieren, ohne die Erde, ohne die Nahrung. Er besteht aus der Nahrung, Teile von dir sind wieder zu der Nahrung geworden. Du atmest und Luft wird zu deinem Körper, Teile von dir werden wieder an die Luft abgegeben, dann nehmen anschließend Pflanzen diese Luft auf, geben wieder ab und jemand anderes atmet es wieder ein. Moleküle von deinem Körper gehen in Moleküle von anderen Körpern, so getrennt bist du gar nicht, auch weil auf der Elemente Ebene alles miteinander verbunden ist, eines geht in das andere über.
Du machst Erfahrungen durch diesen Körper. So ähnlich wie ein Raumanzug. Angenommen, du wolltest zum Mond reisen, dann nimmst du erst einmal eine Rakete, steigst aus, brauchst einen Raumanzug. Über den Raumanzug machst du Erfahrungen auf dem Mond. So ähnlich auch: Auf dieser Erde nimmst du einen Raumanzug an, er nennt sich physischer Körper. Du bist Bewusstsein. Dieses Bewusstsein hat einen Astralkörper, mit dem kann man fühlen. Und dieses Bewusstsein braucht einen Raumanzug, um auf dieser Erde Erfahrungen zu machen, zu handeln und etwas zu bewirken. In diesem Sinne: Löse dich von der Identifikation mit dem Körper. Der Körper ist ein Instrument von Erfahrungen, von Vergnügen und Schmerz. Er ist ein Instrument, mit dem du Dinge bewirken kannst und er besteht aus den 5 Elementen und ist als solcher verbunden mit den 5 Elementen anderer, mit den 5 Elementen dieser Erde. Du hast einen Körper, du bist nicht dieser Körper. Sei dankbar für diesen Körper, aber löse dich von der Identifikation mit dem Körper.

Denke darüber nach, meditiere darüber und gehe sorgsam mit deinem Raumanzug namens Körper um. Gehe sorgfältig damit um aber wisse, der Raumanzug hat einen Anfang und ein Ende. Du kannst ihn beeinflussen durch deine Handlungen – begrenzt beeinflussen. Doch du bist nicht dieser Körper, du bist das unsterbliche Selbst, der Atman.

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