{"id":4195,"date":"2017-07-04T15:01:17","date_gmt":"2017-07-04T13:01:17","guid":{"rendered":"http:\/\/schriften.yoga-vidya.de\/patanjali-raja-yoga-sutra\/?p=4195"},"modified":"2017-07-04T15:38:44","modified_gmt":"2017-07-04T13:38:44","slug":"2-kapitel-vers-9","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/schriften.yoga-vidya.de\/patanjali-raja-yoga-sutra\/2-kapitel-vers-9\/","title":{"rendered":"Kapitel 2, Vers 9"},"content":{"rendered":"<h3>Deutsche \u00dcbersetzung:<\/h3>\n<p>Furcht vor dem Tod ist der fortgesetzte Wunsch zu leben, von dem sogar der Weise beherrscht wird.<\/p>\n<h3>Sanskrit Text:<\/h3>\n<p style=\"text-align: left;\">svarasv\u0101hi vidu\u1e63o-\u201api sam\u0101r\u016b\u1e0dho-\u201abhinive\u015ba\u1e25 ||9||<\/p>\n<p><span style=\"font-size: 1.5em; text-align: left;\"><strong>\u0938\u094d\u0935\u0930\u0938\u094d\u0935\u093e\u0939\u093f \u0935\u093f\u0926\u0941\u0937\u094b\u093d\u092a\u093f \u0938\u092e\u093e\u0930\u0942\u0922\u094b\u093d\u092d\u093f\u0928\u093f\u0935\u0947\u0936\u0903 \u0965\u096f\u0965<\/strong><\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">svarasvahi vidusho \u201api samarudho \u201abhiniveshah ||9||<\/p>\n<h3>Wort-f\u00fcr-Wort-\u00dcbersetzung:<\/h3>\n<ul>\n<li style=\"text-align: left;\">sva = eigene<\/li>\n<li style=\"text-align: left;\">rasa = Natur, Essenz, Kern<\/li>\n<li style=\"text-align: left;\">v\u0101h\u012b = Tr\u00e4ger<\/li>\n<li style=\"text-align: left;\">vidu\u1e63a = der Gelehrte, Weise<\/li>\n<li style=\"text-align: left;\">api = sogar<\/li>\n<li style=\"text-align: left;\">sam\u0101 = sehr, v\u00f6llig<\/li>\n<li style=\"text-align: left;\">r\u016bdha = reitend, beherrschend<\/li>\n<li style=\"text-align: left;\">abhinive\u015ba = tief in uns sitzende Angst, Todesangst, Lebenswille<\/li>\n<\/ul>\n<div class=\"responsive-tabs\">\n<h2 class=\"tabtitle\">Kommentar<\/h2>\n<div class=\"tabcontent\">\n\n<p>Einen <a href=\"https:\/\/www.yoga-vidya.de\/reinkarnation-wiedergeburt\/tod.html\" target=\"_blank\">Selbsterhaltungstrieb<\/a> hat sogar noch der Weise.<\/p>\n<p>Jetzt k\u00f6nnte man sagen \u2013 und so argumentiert die westliche Psychologie \u2013: Selbsterhaltungstrieb ist ein menschlicher Instinkt, das ist Teil des menschlichen Lebens, und das ist gut so. Aber die Yogis sagen: \u201eDas ist eine Ursache des Leidens und man kann durchaus etwas dagegen tun.\u201c<\/p>\n<p>Patanjali gibt uns also eine Kette von Leid-Ursachen:<\/p>\n<ul>\n<li>Unwissenheit ist Ursache des Leidens<\/li>\n<li>Identifikation ist Ursache des Leidens.<\/li>\n<li>Etwas besonders gern zu haben, ist Ursache des Leidens.<\/li>\n<li>Etwas abzulehnen, ist Ursache des Leidens.<\/li>\n<li>Und letztlich ist die Furcht vor dem Tod, also der Selbsterhaltungstrieb, auch Ursache des Leidens.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Wir k\u00f6nnen das jetzt sehr abstrakt oder sehr konkret sehen.<\/p>\n<p>Nehmen wir die Sache mit dem <strong>K\u00f6rper<\/strong> als Beispiel.<\/p>\n<p><strong><a href=\"https:\/\/wiki.yoga-vidya.de\/Avidya\" target=\"_blank\"><em>Avidya<\/em><\/a><\/strong>, Nichtwissen: Wir vergessen, wer wir wirklich sind. Wir vergessen, da\u00df wir das unsterbliche Selbst sind, und identifizieren uns mit diesem K\u00f6rper (<strong><a href=\"https:\/\/wiki.yoga-vidya.de\/Asmita\" target=\"_blank\"><em>asmita<\/em><\/a><\/strong>). Konsequenz davon ist <strong><a href=\"https:\/\/wiki.yoga-vidya.de\/Raga\" target=\"_blank\"><em>raga<\/em><\/a><\/strong>, wir m\u00f6gen etwas, und <strong><a href=\"https:\/\/wiki.yoga-vidya.de\/Dvesha\" target=\"_blank\"><em>dvesha<\/em><\/a><\/strong>, wir m\u00f6gen etwas nicht. Der K\u00f6rper hat bestimmte W\u00fcnsche, Vorlieben u.s.w. Nun m\u00f6gen wir dies und jenes, und bestimmte andere Dinge m\u00f6gen wir nicht. Dann m\u00f6gen wir nat\u00fcrlich auch, da\u00df der K\u00f6rper sch\u00f6n aussieht, da\u00df das Haar f\u00fcllig ist, gl\u00e4nzt, glatt oder gelockt oder wie auch immer ist. Wir m\u00f6gen es nicht, wenn wir wieder ein paar zus\u00e4tzliche graue Haare haben. Wir m\u00f6gen es dar\u00fcberhinaus, da\u00df uns jemand sagt: \u201eSiehst du aber gut aus!\u201c Wir m\u00f6gen es nicht, wenn man uns sagt: \u201eDu siehst aber mitgenommen aus heute!\u201c oder sonst etwas \u00c4hnliches. Nun passiert es aber mehr oder weniger h\u00e4ufig, da\u00df das, was wir m\u00f6gen, nicht eintritt, und das, was wir nicht m\u00f6gen, passiert. Das f\u00fchrt dann zu <a href=\"https:\/\/wiki.yoga-vidya.de\/Leiden\" target=\"_blank\">Leiden<\/a>. Und schlie\u00dflich<strong> <a href=\"https:\/\/wiki.yoga-vidya.de\/Abhinivesha\" target=\"_blank\"><em>abhinivesha<\/em><\/a><\/strong>: Wir identifizieren uns mit diesem K\u00f6rper und haben Angst davor, ihn zu verlieren. Eines ist aber sicher: Wir verlieren den K\u00f6rper irgendwann. Und manchmal hat man Krankheiten, schwere Krankheiten. Das bringt Menschen total durcheinander. Ihre ganze Lebensphilosophie mu\u00df sich \u00e4ndern.<\/p>\n<p>Manche Menschen identifizieren sich weniger mit ihrem K\u00f6rper, sondern mehr mit einem bestimmten Teil ihrer Pers\u00f6nlichkeit. K\u00fcnstler zum Beispiel definieren sich oft \u00fcber ihr K\u00fcnstlertum, wie etwa ein Musiker, Dichter oder Maler: \u201eIch bin Musiker.\u201c Ein Musiker hat eine ganz bestimmte Pers\u00f6nlichkeit und Identifikation. Er hat bestimmte Vorlieben. Er macht zum Beispiel gern Musik. Und er spielt bestimmte Arten von Musik besonders gern. Er ist gern mit anderen Musikern zusammen. Er freut sich, wenn er f\u00fcr seine Musik gelobt wird. Wenn man einen Musiker, der sich sehr mit seiner Musik identifiziert, daf\u00fcr lobt, was f\u00fcr eine sch\u00f6ne Krawatte er tr\u00e4gt, dann interessiert ihn das nicht \u00fcberm\u00e4\u00dfig. Wenn er aber von einem von ihm selbst geachteten anderen Musiker gelobt wird, wie gut er gespielt hat, dann w\u00e4chst er. Findet jemand sein Spiel nicht gut, dann mag er das \u00fcberhaupt nicht. Er hat auch <a href=\"https:\/\/www.yoga-vidya.de\/Yoga--Artikel\/Art-Artikel\/art_furcht.html\" target=\"_blank\">Angst<\/a> davor, kritisiert zu werden, nicht anerkannt zu werden, seine Musikalit\u00e4t zu verlieren.<\/p>\n<p>Man kann sich mit jedem Beruf identifizieren. Ein Handwerker zum Beispiel m\u00f6chte alles immer ordentlich und richtig machen.<\/p>\n<p>Intellektuelle Menschen identifizieren sich sehr mit ihrem <a href=\"https:\/\/wiki.yoga-vidya.de\/Intellekt\" target=\"_blank\">Intellekt<\/a>. Und dann m\u00f6gen sie zum Beispiel intellektuelle Diskussionen mit anderen <a href=\"https:\/\/www.yoga-vidya.de\/Yoga--Artikel\/art_mensch.html\" target=\"_blank\">Menschen<\/a>, die klug sind. Sie m\u00f6gen es nicht, mit scheinbar dummen Menschen etwas zu tun zu haben. Sie haben gro\u00dfe Angst davor, da\u00df die Sch\u00e4rfe ihres Intellekts nachl\u00e4\u00dft. Ihre gr\u00f6\u00dfte Angst w\u00e4re, Alzheimer oder eine \u00e4hnliche <a href=\"https:\/\/www.yoga-vidya.de\/ayurveda\/leben-nach-ayurveda\/gesundheit-und-krankheit-aus-ayurvedischer-sicht.html\" target=\"_blank\">Krankheit<\/a> zu bekommen. Alles andere w\u00e4re f\u00fcr sie vielleicht nicht so schlimm, aber wenn sie irgendwann einmal merken, sie haben etwas vergessen, sie verstehen etwas nicht so schnell, das wirft sie total aus der Bahn<\/p>\n<p>Manche Menschen identifizieren sich mit ihrer Rolle als Mutter, Ehefrau, Ehemann, Sohn etc. Viele identifizieren sich sehr stark mit einem anderen Menschen, beziehungsweise mit ihrem Bild von diesem Menschen. Manche identifizieren sich mit ihrem Haus, ihrer Firma, ihrem Auto, ihrer Briefmarkensammlung u.s.w.<\/p>\n<p>Neben diesen allgemeinen gibt es auch negative Identifikationen. Manche Menschen halten sich f\u00fcr unf\u00e4hig, meinen, da\u00df sie kaum etwas k\u00f6nnen, und identifizieren sich damit. Sie m\u00f6gen es, eher einfache Sachen zu tun. Und sie haben Angst vor vielen Aufgaben und vor Kritik. Sie identifizieren sich mit einer Rolle als Ungl\u00fccksrabe, als S\u00fcndenbock etc.<\/p>\n<p>Identifikation gibt es auch mit der spirituellen \u00dcbung: Angenommen, jemand identifiziert sich besonders mit seiner\/ihrer Asanapraxis. Dann will er\/sie nat\u00fcrlich auch ein Lob haben. Er\/sie will z.B. auch den <a href=\"https:\/\/www.yoga-vidya.de\/de\/asana\/skorpion.html\" target=\"_blank\">Skorpion<\/a> (eine Yogastellung) k\u00f6nnen, und wehe, er gelingt nicht. Oder wenn er gelingt, dann schaut der <a href=\"https:\/\/www.yoga-vidya.de\/ausbildung-weiterbildung\/yogalehrer-ausbildung.html\" target=\"_blank\">Yogalehrer<\/a> gerade nicht hin und das erwartete Lob bleibt aus. Angenommen, jemand bekommt vom Arzt gesagt: \u201eDrei Monate lang d\u00fcrfen Sie keine R\u00fcckbeugen machen\u201c, bricht manchmal f\u00fcr diesen Menschen die Welt zusammen. Dabei w\u00e4re es so einfach, sich zu sagen: \u201eGut, dann mache ich halt mal drei Monate lang andere \u00dcbungen.\u201c Ich kenne Menschen, die jahrelang <a href=\"https:\/\/www.yoga-vidya.de\/yoga.html\" target=\"_blank\">Yoga<\/a> \u00fcben und pl\u00f6tzlich aus irgendwelchen Gr\u00fcnden bestimmte \u00dcbungen nicht mehr machen k\u00f6nnen. Das wirft manchen total aus der Bahn. Besser w\u00e4re es, dann eben andere \u00dcbungen zu machen. Und manchen wirft es auch aus der Bahn, wenn er mal weniger Zeit hat zum \u00dcben oder es mal nicht so gut gelingt.<\/p>\n<p>Auch mit anderen Aspekten des spirituellen Lebens, die eigentlich gut sind, k\u00f6nnen wir durch Anhaften zum <a href=\"https:\/\/wiki.yoga-vidya.de\/Leiden\" target=\"_blank\">Leid<\/a> kommen. Man hat konkrete Vorstellungen \u00fcber den spirituellen <a href=\"https:\/\/www.yoga-vidya.de\/yoga-anfaenger\/yoga-wissen\/yoga-wege.html\" target=\"_blank\">Weg<\/a>. Nur, wir m\u00fcssen uns auch hierbei vor Identifikationen h\u00fcten. Vieles auf dem spirituellen Weg kommt anders als wir erwarten.<\/p>\n<p>Immer wenn man ungl\u00fccklich ist, dann ist die <a href=\"https:\/\/www.yoga-vidya.de\/Yoga--Artikel\/Art-Artikel\/art_karma.html\" target=\"_blank\">Ursache<\/a> die Identifikation mit irgend etwas. Irgendwo hat man seine wahre Natur als umfassendes Bewu\u00dftsein, als unverg\u00e4ngliches Sein, Wissen und Gl\u00fcckseligkeit vergessen. Das ist <em>avidya<\/em>. Man hat sich mit etwas identifiziert, was man nicht wirklich ist (<em>asmita<\/em>). Irgendwie hat man daraus ein M\u00f6gen (<em>raga<\/em>) und Nichtm\u00f6gen (<em>dvesha<\/em>) gemacht und Angst entwickelt, etwas zu verlieren oder nicht zu k\u00f6nnen u.s.w. (<em>abhinivesha<\/em>). Und dann ist etwas eingetreten, was dem widersprochen hat, was wir m\u00f6gen.<\/p>\n<p>Es gibt Identifikationen verschiedener Grade. Zun\u00e4chst haben wir einen K\u00f6rper, einen Geist, eine Psyche, au\u00dferdem F\u00e4higkeiten und Neigungen, mit denen wir uns identifizieren. Das ist eine Identifikation ersten Grades. Nun identifizieren wir uns aber nicht mit dem K\u00f6rper, dem <a href=\"https:\/\/wiki.yoga-vidya.de\/Geist\" target=\"_blank\">Geist<\/a> und unseren F\u00e4higkeiten, wie sie wirklich sind, sondern wir haben ein Bild davon, wie unser K\u00f6rper, unser Geist, unsere F\u00e4higkeiten und Neigungen, kurz unsere Pers\u00f6nlichkeit, sind. Das ist eine Identifikation zweiten Grades. Eine ganze Reihe von Menschen halten sich f\u00fcr zu dick, die, medizinisch gesehen, Normalgewicht haben. Sogar viele, die medizinisch untergewichtig sind, halten sich f\u00fcr \u00fcbergewichtig. Man identifiziert sich mit seinem Selbstbild. Als drittes gibt es das Bild, das andere von uns haben. Und das vierte ist das Bild, von dem wir wollen, da\u00df andere es von uns haben. Je mehr diese vier Bilder divergieren und je st\u00e4rker sie verankert sind, desto mehr Spannungen gibt es.<\/p>\n<p>Zu <a href=\"https:\/\/wiki.yoga-vidya.de\/Satya\" target=\"_blank\"><em>satya<\/em><\/a>, Wahrhaftigkeit, geh\u00f6rt in diesem Sinne durchaus, authentisch zu sein und herauszufinden: Was sind meine St\u00e4rken und Schw\u00e4chen, was ist meine Pers\u00f6nlichkeit? Und wir sollten uns so akzeptieren, dazu stehen und nicht versuchen, anders zu sein oder zu scheinen als wir eigentlich sind. Auf diese Weise n\u00e4hert sich auch das Bild, das die anderen von uns haben, unserem Selbstbild. Das allein hilft, innere Konflikte abzubauen. Das ist schon ein etwas positiveres <em>asmita<\/em>.<\/p>\n<p>Im Laufe der Zeit l\u00e4uft die <a href=\"https:\/\/wiki.yoga-vidya.de\/Yogapraxis\" target=\"_blank\">Yogapraxis<\/a> typischerweise darauf hinaus, da\u00df man ein authentischerer Mensch wird, da\u00df man keine Angst davor hat, nat\u00fcrlich zu sein, zu seinen Schw\u00e4chen zu stehen. Dabei hilft es nat\u00fcrlich auch, daran zu arbeiten, <em>avidya<\/em> zu reduzieren und zu erkennen: Ich bin weder der K\u00f6rper noch der Geist, eigentlich bin ich das unsterbliche <a href=\"https:\/\/wiki.yoga-vidya.de\/Selbst\" target=\"_blank\">Selbst<\/a>. Dieser K\u00f6rper und dieser Geist sind mein Instrument. Und dieses Instrument k\u00f6nnen die anderen ruhig so sehen, wie es ist. Und ich selbst kann es ruhig auch kennenlernen. Und ich kann es auch entwickeln, es ist ja nicht fest vorgegeben. Meine F\u00e4higkeiten, meine M\u00f6glichkeiten sind nicht festgeschrieben, ich kann vorhandene St\u00e4rken ausbauen und neue entwickeln. Das ist auch bei den <a href=\"https:\/\/www.yoga-vidya.de\/de\/asana\/index.html\" target=\"_blank\"><em>asanas<\/em><\/a> (Yoga-\u00dcbungen) so. Wenn man das Gef\u00fchl hat, steif und unbeweglich zu sein, hei\u00dft das noch l\u00e4ngst nicht, da\u00df man das auch ewig bleiben mu\u00df. Man kann an den <em>asanas<\/em> arbeiten und irgendwann wird man flexibler.<\/p>\n<p>Um die <a href=\"https:\/\/wiki.yoga-vidya.de\/Kleshas\" target=\"_blank\"><em>kleshas<\/em><\/a> zu mindern, \u00fcbt man die drei Teile des <a href=\"https:\/\/wiki.yoga-vidya.de\/Kriya_Yoga\" target=\"_blank\"><em>kriya yoga<\/em><\/a>: <em><a href=\"https:\/\/wiki.yoga-vidya.de\/Tapas\" target=\"_blank\">tapas<\/a>, <a href=\"https:\/\/wiki.yoga-vidya.de\/Swadhyaya\" target=\"_blank\">swadhyaya<\/a><\/em> und <a href=\"https:\/\/wiki.yoga-vidya.de\/Ishvara_Pranidhana\" target=\"_blank\"><em>ishvara pranidhana<\/em><\/a>. <em>Swadhyaya<\/em> bedeutet Selbststudium. Selbststudium hat zwei verschiedene Aspekte. Der eine ist das Studium der Schriften, der andere ist Innenschau, Studium des eigenen Geistes: <em>swa<\/em> = Selbst, <em>adhyaya<\/em> = Studium, <em>swadhyaya<\/em> = Selbststudium. Es bezieht sich auf die beiden Seiten. Letztlich helfen einem die Schriften, sich selbst zu verstehen. <em>Swadhyaya<\/em> ist eine Weise, wie wir <a href=\"https:\/\/wiki.yoga-vidya.de\/Leiden\" target=\"_blank\">Leiden<\/a> vermeiden k\u00f6nnen. Das hei\u00dft noch nicht, da\u00df wir es damit ganz aufl\u00f6sen, aber wir k\u00f6nnen es zumindest vermindern (<a href=\"https:\/\/wiki.yoga-vidya.de\/Tanukarana\" target=\"_blank\"><em>tanukarana<\/em><\/a>). Dieses Schema der <em>kleshas<\/em> kann man sehr oft anwenden.<\/p>\n<p>Wenn man feststellt, da\u00df man sich irgendwie im Leiden befindet, kann man schauen: Wo habe ich mich f\u00e4lschlicherweise identifiziert? Wo habe ich irgendwelche falschen Erwartungen gehabt? Wo ist etwas eingetreten, von dem ich gedacht habe, da\u00df es nicht eintreten darf? Wo hatte ich \u00c4ngste? Dieses Analysieren und Zur\u00fcckf\u00fchren kann oft Leiden vermeiden, denn wenn wir etwas verstehen, k\u00f6nnen wir daran arbeiten und versuchen, es in Zukunft besser zu machen oder zu vermeiden. Das ist <a href=\"https:\/\/wiki.yoga-vidya.de\/Swadhyaya\" target=\"_blank\"><em>swadhyaya<\/em><\/a>, Selbststudium, Selbsterforschung, der erste Aspekt von <em>kriya yoga<\/em>.<\/p>\n<p>Vieles wird allein schon vermindert, indem wir erkennen, wo die <em>kleshas<\/em> gewirkt haben. Manchmal mu\u00df man dann \u00fcber sich selbst lachen, und damit ist die Sache vorbei. Manchmal erkennt man zwar die Ursachen, aber das hilft und n\u00fctzt einem trotzdem nicht so viel. Aber es verhindert die Besessenheit, wie ich es nennen m\u00f6chte. Manche Menschen sind besessen von ihrem Leid, der Vorstellung, da\u00df sie dies und jenes brauchen, um irgend etwas zu erreichen, oder von der Vorstellung einer Kr\u00e4nkung, weil jemand sie nicht so behandelt hat, wie sie es ihrer Meinung nach verdient bzw. erwartet haben. Diese Besessenheit kann vermindert werden, wenn man die <a href=\"https:\/\/www.yoga-vidya.de\/karma.html\" target=\"_blank\">Ursachen<\/a> erkennt.<\/p>\n<p>Dann kommt <em><strong>tapas<\/strong><\/em>, Askese. <em>Tapas<\/em> im weiteren Sinne bedeutet, bewu\u00dft Dinge zu tun, die man nicht mag. Das hilft, frei zu werden vor allem von <em>raga-dvesha<\/em>, M\u00f6gen und Nichtm\u00f6gen. Man kann sich \u00fcberlegen, welche Dinge mache ich nicht gerne, und sie dann analysieren. Manches ist ja durchaus begr\u00fcndet, zum Beispiel, weil es gef\u00e4hrlich, ungesund oder nicht sattvig ist. Und das tut man dann nat\u00fcrlich auch weiterhin nicht. Aber angenommen, man hat eine Abneigung gegen das B\u00fcgeln, dann sollte man b\u00fcgeln, und lernen, freudig zu b\u00fcgeln. Oder angenommen, man hat eine Abneigung gegen das Kochen. Dann sollte man kochen. Hat man eine Abneigung dagegen, Toiletten zu putzen, dann sollte man gerade das machen. Angenommen, man hat eine Abneigung dagegen, am Computer zu sitzen. Dann sollte man sich mal eine Weile damit besch\u00e4ftigen. Es mu\u00df nicht f\u00fcr den Rest des Lebens sein, aber es sollte eigentlich nichts geben, wogegen man eine Abneigung hat, es sei denn aus ethischen oder gesundheitlichen Gr\u00fcnden. Denn manchmal oder meistens steckt hinter der Abneigung Angst. Wenn man es ein paar Mal gemacht hat, verschwinden Angst und Abneigung. Und es gibt einem ein Riesengef\u00fchl von <a href=\"https:\/\/www.yoga-vidya.de\/Yoga--Artikel\/Art-Artikel\/art_freiheit.html\" target=\"_blank\">Freiheit<\/a>, wenn man sich \u00fcberwunden hat und feststellt: Ich kann es irgendwie doch, und es spielt eigentlich keine gro\u00dfe Rolle!<\/p>\n<p>Oft bringt das Schicksal uns in Situationen, wo wir Dinge tun m\u00fcssen, die wir nicht m\u00f6gen. Die innere Einstellung ist dann das Wichtigste. Wenn wir erkennen: \u201eDas geschieht, damit ich mich weiterentwickle, eine willkommene Gelegenheit f\u00fcr<em> tapas<\/em>. Meine Aufgabe ist es, in jeder Situation gl\u00fccklich zu sein, und ich kann tats\u00e4chlich in jeder Situation gl\u00fccklich sein\u201c, dann hat es eine sehr gro\u00dfe Wirkung, die man noch verst\u00e4rken kann, indem man sich bewu\u00dft daf\u00fcr bereit erkl\u00e4rt und bewu\u00dft Situationen sucht, die man nicht mag. Es mu\u00df die innere Bereitschaft da sein, daran zu wachsen. Ansonsten kann es sich auch ins Gegenteil verkehren und zu <a href=\"https:\/\/wiki.yoga-vidya.de\/Depression\" target=\"_blank\">Depression<\/a> oder \u00c4rger f\u00fchren.<\/p>\n<p>Das Schicksal hilft uns, \u00f6fter Dinge zu tun, die wir nicht m\u00f6gen. Wenn wir einen spirituellen Lehrer haben, wird dieser daf\u00fcr sorgen, da\u00df wir Dinge zu tun haben, die wir nicht m\u00f6gen. Und wir k\u00f6nnen sie selbst suchen. Daneben sollten wir es uns auch zur Aufgabe machen, die Dinge zu m\u00f6gen, die wir zu tun haben. Der Dichter Tagore sagt: \u201eIn der Jugend dachte ich, das Leben sei zum Vergn\u00fcgen da. Als Erwachsener dachte ich, das Leben sei f\u00fcr die Pflicht da. Jetzt wei\u00df ich, Pflicht ist Vergn\u00fcgen.\u201c Also lernen, das zu m\u00f6gen, was zu tun ist.<\/p>\n<p><em>Tapas<\/em> im engeren Sinn ist Askese, zum Beispiel fasten, auf S\u00fc\u00dfigkeiten oder auf Salz verzichten, auf dem Boden schlafen. Im <a href=\"https:\/\/www.yoga-vidya.de\/yoga.html\" target=\"_blank\">Yoga<\/a> machen wir nat\u00fcrlich nur solche Askese-\u00dcbungen, die der Gesundheit f\u00f6rderlich sind. Auch Askese-\u00dcbungen in diesem engeren Sinne helfen, den Geist st\u00e4rker zu machen.<\/p>\n<p>Der dritte Aspekt von <em>Kriya Yoga<\/em> ist<strong><em> ishvara pranidhana<\/em><\/strong>, Hingabe an Gott, Vertrauen zu Gott.<\/p>\n<p>Wenn wir denken, ich kann nur gl\u00fccklich sein, wenn diese und jene Situation eintritt, werden wir oft ungl\u00fccklich sein, denn oft geschieht es anders, als wir wollen \u2013 gl\u00fccklicherweise. Wenn wir aber das Gef\u00fchl haben, alles tritt ein, so wie Gott es gerne hat und wie es f\u00fcr uns richtig ist, sind eigentlich die meisten kleshas mit einem Schlag verschwunden. Das k\u00f6nnen wir uns immer vor Augen f\u00fchren: Was geschieht, ist irgendwie von Gott gelenkt. Gott gibt mir die Aufgaben, die notwendig sind. Gott gibt mir das, was ich brauche. Er wei\u00df besser als ich, was ich brauche. Wir k\u00f6nnen zu Gott beten und sagen: \u201eBitte, gib mir das, was ich brauche. Gib mir die Lektionen, die ich zu lernen habe.\u201c<\/p>\n<p>Gott hilft uns zu wachsen. Gott gibt uns alles, was wir brauchen. Gott liebt uns. Alles ist da. Und als weiteren Schritt k\u00f6nnen wir alles, was wir tun, Gott opfern. So verschwinden <a href=\"https:\/\/wiki.yoga-vidya.de\/Ego\" target=\"_blank\">Ego<\/a>, <em>raga, dvesha, abhinivesha<\/em> alle zusammen. Auf diese Weise hilft dieser Aspekt des <em>kriya yoga<\/em> auch wiederum, die <em>kleshas<\/em> zu verdr\u00e4ngen.<\/p>\n<p>Ich will jetzt den <em>kriya yoga<\/em> noch weitergehender interpetieren, n\u00e4mlich als drei produktive Weisen, mit allen Arten von Problemen umzugehen. Wenn wir irgendeine Schwierigkeit, irgendein Problem haben, gibt es drei Dinge, die wir tun k\u00f6nnen:<\/p>\n<p>Zum einen k\u00f6nnen wir versuchen, das Problem zu verstehen, die Ursache herauszufinden, also <em>swadhyaya<\/em> anzuwenden. Zweitens k\u00f6nnen wir versuchen, etwas zu \u00e4ndern, <em>tapas<\/em>. Und drittens k\u00f6nnen wir loslassen und versuchen, die Situation anzunehmen wie sie ist, also <em>ishvara pranidhana<\/em>.<\/p>\n<p>Das l\u00e4uft letztlich auf den Mystikerspruch hinaus:<\/p>\n<p>\u201eGott, gib mir die Gelassenheit, Dinge hinzunehmen, die ich nicht \u00e4ndern kann,<br \/>\nden Mut, Dinge zu \u00e4ndern, die ich \u00e4ndern kann,<br \/>\nund die Weisheit, das eine vom anderen zu unterscheiden.\u201c<\/p>\n<p>Gerade die Unterscheidung ist nicht so einfach. Ich habe einmal <a href=\"https:\/\/wiki.yoga-vidya.de\/Swami_Chidananda\" target=\"_blank\">Swami Chidananda<\/a>, einen engen Sch\u00fcler von <a href=\"https:\/\/www.yoga-vidya.de\/de\/yogi\/sivananda.html\" target=\"_blank\">Swami Sivananda<\/a>, gefragt, woran man erkennen kann, ob man die Situation \u00e4ndern kann oder ob man sie annehmen mu\u00df. Er hat geantwortet, man m\u00fcsse zuerst einmal versuchen, sie zu \u00e4ndern. Wenn mehrere \u00c4nderungsversuche nichts bewirken, dann ist es ein Zeichen, sie anzunehmen, Hingabe zu \u00fcben, loszulassen und zu sagen: \u201e Gott, dein Wille geschehe!\u201c<\/p>\n<p>Nehmen wir einmal an, wir befinden uns in einer Situation, in der wir uns ungl\u00fccklich f\u00fchlen. Dann k\u00f6nnen wir zuerst \u00fcberlegen: Wie stellt sich die Situation dar, warum \u00e4rgert sie mich, warum bin ich jetzt ungl\u00fccklich? Das ist <strong><em>swadhyaya<\/em><\/strong>. Wenn wir zum Beispiel pl\u00f6tzlich mit einem Menschen in unserer Umgebung nicht mehr zurechtkommen, k\u00f6nnen wir versuchen, herauszufinden, ob die Ursache in uns selbst liegt oder bei dem anderen. Manchmal stellt man fest, der andere steht aus irgendeinem Grund gerade sehr unter Druck und ist deshalb sehr reizbar. Wenn wir das verstehen, reicht es aus, mit der Situation souver\u00e4ner umzugehen. Wir verstehen und erkennen, da\u00df wir uns eigentlich grundlos \u00e4rgern oder grundlos ungl\u00fccklich sind. Wir k\u00f6nnen dar\u00fcber lachen und die Situation so aufl\u00f6sen.<\/p>\n<p>Es kann aber auch sein, da\u00df wir etwas \u00e4ndern m\u00fcssen. Dann sollten wir handeln, also <strong><em>tapas<\/em><\/strong> anwenden. Zum Beispiel mit dem Menschen sprechen, notfalls einen Dritten zu Rate ziehen, aktiver werden, Lebensumst\u00e4nde \u00e4ndern, was auch immer. Und da braucht man auch keine Hemmungen zu haben. Manche Menschen, die zu sch\u00fcchtern sind, etwas zu unternehmen, machen dann nichts und versuchen, die Situation zu akzeptieren als Entschuldigung f\u00fcr ihre Unt\u00e4tigkeit. Aber sie akzeptieren die Situation nicht wirklich von innen her, sondern sie sind einfach nur zu \u00e4ngstlich oder zu bequem, etwas zu tun.<\/p>\n<p>Und wenn man nichts \u00e4ndern kann, dann kommt <strong><em>ishvara pranidhana<\/em><\/strong>: Es ist der Wille Gottes. Loslassen. \u201eDein Wille geschehe.\u201c<\/p>\n<p>Man kann diese drei Verhaltensweisen in allen Situationen anwenden, in denen etwas nicht so l\u00e4uft, wie wir es uns vorstellen. Wir k\u00f6nnen dann erst mal im Rahmen von <em>swadhyaya<\/em> schauen: Wie k\u00f6nnte diese Situation mit den <em>kleshas<\/em> zusammenh\u00e4ngen? Als zweites k\u00f6nnen wir uns fragen: Was kann ich jetzt tun (<em>tapas<\/em>)? Und je nachdem kann man vielleicht feststellen: Die Situation ist eigentlich gar nicht so schlimm. Ich habe sie nur durch meine Gedanken aufgebauscht und mich verr\u00fcckt gemacht, falsche Erwartungen gehabt und wenn ich das verstehe, kann ich die Situation annehmen, wie sie ist (<em>ishvara pranidhana<\/em>).<\/p>\n<p>Manchmal erkennt man: Eigentlich habe ich falsche Erwartungen, aber die Situation befriedigt mich trotzdem nicht. Dann kann ich schauen, was ich \u00e4ndern kann. Manchmal mu\u00df man dann wieder <em>swadhyaya<\/em> anwenden, um sich zu fragen: Wie k\u00f6nnte ich in der Situation wieder gl\u00fccklich sein? Und dann kommt oft die Antwort. Eigentlich sind ja die Antworten meistens schon in uns. Wir m\u00fcssen nur die richtigen Fragen stellen. Meine magischen drei Fragen sind immer:<\/p>\n<ul>\n<li>Was ist meine Aufgabe bzw. meine Pflicht in der Situation?<\/li>\n<li>Was kann ich daraus lernen?<\/li>\n<li>Was mu\u00df ich tun, um in der Situation wieder gl\u00fccklich zu sein?<\/li>\n<\/ul>\n<p><em>Kriya Yoga<\/em> beschreibt also drei positive, konstruktive Weisen, mit einer schwierigen Situation umzugehen.<\/p>\n<p>Menschen haben<strong> f\u00fcnf negative Weisen<\/strong>, mit denen sie einer schwierigen Situation begegnen:<\/p>\n<p>Das erste ist, sie einfach zu <strong>leugnen<\/strong>, nach au\u00dfen und nach innen so zu tun, als ob nichts sei. Man leidet zwar darunter, verdr\u00e4ngt es aber, tut so, als h\u00e4tte man kein Problem<\/p>\n<p>Die zweite, noch unproduktivere Art ist es, sich nur \u00fcber etwas zu <strong>\u00e4rgern<\/strong> und w\u00fctend zu sein, aber nichts zu tun.<\/p>\n<p>Die dritte ist <strong>Depression<\/strong>, Resignation, Niedergeschlagenheit, das Gef\u00fchl, nichts tun zu k\u00f6nnen, dem Schicksal hilflos ausgeliefert zu sein.<\/p>\n<p>Die zwei weiteren, nicht sehr produktiven Verhaltensweisen, n\u00e4mlich unreflektiertes <strong>Fliehen<\/strong> und <strong>K\u00e4mpfen<\/strong> kommen direkt aus dem Flucht- und Kampfmechanismus.. Manche Menschen werden sofort aggressiv, wenn ihnen etwas nicht pa\u00dft. Sie fangen an herumzubr\u00fcllen, Streit zu suchen, reizbar zu werden, andere zu bek\u00e4mpfen. Andere entfliehen sofort, statt sich der Situation zu stellen.<\/p>\n<p><em>Kriya Yoga<\/em> ist also der Dreischritt: bewu\u00dft machen \u2013 t\u00e4tig werden \u2013 loslassen. Und dies versetzt uns in die Lage, Leiden zu vermeiden, und damit ein erf\u00fclltes, freudevolles Leben zu f\u00fchren.<\/p>\n<p>Die richtige Entscheidung zu treffen, richtig zu handeln, an der richtigen Stelle loslassen, ist eine Gratwanderung, die man mit viel <a href=\"https:\/\/wiki.yoga-vidya.de\/Gebet\" target=\"_blank\">Gebet<\/a> begleiten mu\u00df. Ich sagte vorher, da\u00df man auch an den spirituellen Praktiken nicht h\u00e4ngen sollte. Trotzdem ist es wichtig, t\u00e4glich spirituelle Praktiken wie <a href=\"https:\/\/www.yoga-vidya.de\/meditation.html\" target=\"_blank\">Meditation<\/a>, <em><a href=\"https:\/\/www.yoga-vidya.de\/de\/asana\/index.html\" target=\"_blank\">asanas<\/a><\/em> und <a href=\"https:\/\/wiki.yoga-vidya.de\/Pranayama\" target=\"_blank\"><em>pranayama<\/em><\/a> zu machen. Nur so bekommt man Zugang zur Intuition, erh\u00e4lt, wie es <a href=\"https:\/\/wiki.yoga-vidya.de\/Patanjali\" target=\"_blank\">Patanjali<\/a> im ersten Kapitel sagt, \u201eerleuchtete Innenschau\u201c. Nur so kann man tats\u00e4chlich alle Handlungen des t\u00e4glichen Lebens spiritualisieren. Ohne eigene spirituelle Praxis macht man auch aus den eigenen Pflichten kein <a href=\"https:\/\/wiki.yoga-vidya.de\/Karma_Yoga\" target=\"_blank\"><em>Karma Yoga<\/em><\/a>. Dann ist es nur Schaffen. Und vom Schaffen allein erreicht man nicht die <a href=\"https:\/\/wiki.yoga-vidya.de\/Selbstverwirklichung\" target=\"_blank\">Selbstverwirklichung<\/a>. Es ist nicht das Ziel des Lebens, einfach nur zu schaffen, sondern das Ziel des Lebens ist die Selbstverwirklichung.<\/p>\n<p>Eine enge Sch\u00fclerin von <a href=\"https:\/\/www.yoga-vidya.de\/yoga-anfaenger\/yoga-wissen\/yoga-tradition\/swami-vishnu-devananda.html\" target=\"_blank\">Swami Vishnu<\/a> hat uns einmal erz\u00e4hlt, wie Swami Vishnu ihr das einmal sehr drastisch klar machte. Sie hatte gerade ein neues Yoga-Zentrum f\u00fcr Swami Vishnu-devananda er\u00f6ffnet und dabei richtig geschuftet. Eines Tages kam Swami Vishnu zu Besuch und hat zu ihr gesagt: \u201eDu arbeitest wie ein Esel. Und wei\u00dft du, Esel m\u00f6gen von morgens bis abends arbeiten, aber sie erreichen nicht die Verwirklichung.\u201c<\/p>\n<p>Arbeit und Pflichterf\u00fcllung sind gut und wichtig \u2013 aber sie sind nicht das Ziel des Lebens. Das Ziel ist die Selbstverwirklichung! Es ist die innere Einstellung, die z\u00e4hlt und die wichtig ist. Und um diese Einstellung zu erzeugen, brauchen wir <em>asanas<\/em>, <em>pranayama<\/em> und Meditation (oder andere spirituelle Praktiken). Nur wenn wir das regelm\u00e4\u00dfig machen, haben wir die Kraft, unsere Einstellung so zu \u00e4ndern, da\u00df wir etwas lernen und uns im t\u00e4glichen Leben auch f\u00fcr andere einsetzen k\u00f6nnen. Und Meditation ist sowieso unabdingbar. Swami Sivananda schrieb in seinem Buch \u201eG\u00f6ttliche Erkenntnis\u201c: \u201eEin tugendhaftes Leben allein ist nicht ausreichend f\u00fcr die Selbstverwirklichung. Tugendhaftes Leben bereitet den Geist nur darauf vor.\u201c Man mu\u00df innere St\u00e4rke aufbauen durch die Praktiken. Es n\u00fctzt niemandem etwas, wenn man ausgelaugt ist.<\/p>\n<p>Wenn einmal die Notwendigkeit besteht, vor\u00fcbergehend f\u00fcr kurze Zeit auf die eigene Praxis zu verzichten aus Gr\u00fcnden des selbstlosen Dienstes, mu\u00df man sehr darauf achten, dies nicht zur Gewohnheit werden zu lassen. Es besteht die Gefahr, da\u00df man die Praxis nicht wieder aufnimmt und den Dreh nicht mehr kriegt. Deshalb sollte man sich im allgemeinen strikt an seine Praxis halten. Hier darf man, im Gegensatz zu dem von mir oben Gesagten, ruhig eine gewisse Starrheit an den Tag legen. Man braucht die Praxis letztlich f\u00fcr andere, denn wenn man sich ersch\u00f6pft und seine Batterien nicht mehr aufl\u00e4dt, dient man niemandem damit.<\/p>\n<p>Als spiritueller Aspirant kann man alles <a href=\"https:\/\/www.yoga-vidya.de\/Yoga--Artikel\/Art-Artikel\/art_gott.html\" target=\"_blank\">Gott<\/a> opfern und sagen: \u201eAlles, was ich mache, ist letztlich dazu da, da\u00df ich anderen helfen kann. Ich mu\u00df darauf achten, da\u00df der K\u00f6rper funktioniert, dazu mu\u00df ich gesund sein. Und ich mu\u00df <em>asanas<\/em> und <em>pranayama<\/em> machen, damit ich das <a href=\"https:\/\/www.yoga-vidya.de\/prana.html\" target=\"_blank\"><em>prana<\/em><\/a> habe, anderen richtig zu helfen. Ich mu\u00df meditieren, damit ich auch die Einsicht, die Feinf\u00fchligkeit und das Gef\u00fchl der Gegenwart Gottes habe. Au\u00dferdem mu\u00df ich ab und zu mal spazierengehen, damit der Geist offen ist und der K\u00f6rper gesund bleibt. Es kann auch dazu geh\u00f6ren, da\u00df ich mal ins Kino gehen mu\u00df, um den Geist auf andere Weise zu entspannen, so da\u00df ich dann wieder in der Lage bin, anderen besser zu dienen.\u201c Mit dieser Einstellung kann man alles Gott und dem Dienst an anderen opfern.<\/p>\n<p>Wenn wir das alles tun, kommen wir nicht mehr ins Leiden. Wir lernen auch, von der Unwissenheit (<em>avidya<\/em>) wegzukommen. Wir h\u00f6ren auf, aus dem Ego zu handeln (<em>asmita<\/em>). Wir handeln nicht mehr nur aus M\u00f6gen und Nichtm\u00f6gen, <em>raga<\/em> und <em>dvesha<\/em>. Und wir brauchen auch keine Angst mehr zu haben (<em>abhinivesha<\/em>). Wir haben das Vertrauen, da\u00df letztlich alles zum besten ist. Das ist in <em>ishvara pranidhana<\/em> eingeschlossen.<\/p>\n<p>Bei einem tieferen<em> swadhyaya<\/em> erkennt man letztlich, wer man wirklich ist, n\u00e4mlich das unsterbliche Selbst. Daraus entwickelt man Vertrauen, Dinge tun zu k\u00f6nnen. Und Dinge zu tun, die einem am Anfang keinen Spa\u00df machen, also <em>tapas<\/em> zu \u00fcben, bedeutet bei weitem nicht, zu leiden. Im Gegenteil, unsere moderne vergn\u00fcgungss\u00fcchtige Gesellschaft ist eigentlich ein Rezept zum Leiden. Es gilt ethnopsychologisch als gesichert, da\u00df es in keinem anderen Kulturkreis so viele deprimierte Menschen gibt wie in unserer westlichen Gesellschaft. In manchen urspr\u00fcnglichen Lebensgemeinschaften ist Depression v\u00f6llig unbekannt.<\/p>\n<p>Das erinnert mich daran, wie ich <a href=\"https:\/\/www.yoga-vidya.de\/de\/yogi\/shrikartikeyan.html\" target=\"_blank\">Shri Karthikeyan<\/a> einmal gebeten habe, ein Seminar \u00fcber Gedankenkraft und positives Denken zu halten. Er hat gesagt, \u00fcber Gedankenkraft, ja, das kann er sich vorstellen, aber \u201epositives Denken\u201c, da w\u00fcrde er sich immer fragen, was eigentlich \u201enegatives Denken\u201c sein solle. Er k\u00e4me jetzt seit f\u00fcnfzehn Jahren in den Westen und w\u00fcrde sich immer wieder mit Leuten dar\u00fcber unterhalten, was sie eigentlich unter negativem Denken verst\u00fcnden. Gut, es gibt negative Situationen, dann mu\u00df man die Ursache herausfinden. Manchmal haben Menschen unerf\u00fcllte W\u00fcnsche, dann mu\u00df man das entweder akzeptieren oder etwas \u00e4ndern, aber er w\u00fcrde viele Menschen treffen, die grundlose Depressionen h\u00e4tten. Das g\u00e4be es in Indien nicht.<\/p>\n<p>Und bis zu einem gewissen Grad stimmt das wohl auch. Wenn man die Inder anschaut, scheinen sie auch unter schwierigen Bedingungen immer fr\u00f6hlich zu sein. Sie m\u00f6gen in einer kleinen H\u00fctte wohnen, die nur aus einem Zimmer besteht, wo tags\u00fcber vorn eine Werkstatt oder ein Laden ist und hinten zehn Kinder \u2013 wenn man fr\u00fchmorgens mit dem Bus vorbeif\u00e4hrt, sieht man, wie die T\u00fcr aufgeht, eine Art Fenster klappt auf, Waren werden ins Fenster gestellt, und nacheinander kommen ein Kind heraus, zwei Kinder, drei Kinder, vier, f\u00fcnf, sechs, sieben, acht, dann die Mutter, der Vater, Gro\u00dfmutter, Urgro\u00dfmutter \u2026 unvorstellbar, wie die alle da drin wohnen k\u00f6nnen \u2013, aber sie kommen lachend heraus, um sechs Uhr morgens! Wenn man dagegen morgens um sieben in Frankfurt mit der U-Bahn f\u00e4hrt, dann kommen die Leute aus ihren 30-100 Quadratmeter-Wohnungen, und sie sehen nicht fr\u00f6hlich und gl\u00fccklich aus. Wenn bei uns zwei Menschen in einer Einzimmerwohnung mit 25 Quadratmetern leben, gilt das schon als asozial. Und im Verh\u00e4ltnis zu Indien ist das Luxus. Dort steckt eine andere Lebensphilosophie dahinter.<\/p>\n<p>Die Philosophie, da\u00df die <a href=\"https:\/\/wiki.yoga-vidya.de\/Welt\" target=\"_blank\">Welt<\/a> nur zum Genie\u00dfen da ist, macht den Menschen nicht gl\u00fccklich, ebensowenig wie die blinde Pflichtphilosophie.<\/p>\n<p>Aber das Bewu\u00dftsein, da\u00df das Leben dazu da ist, zur Selbstverwirklichung zu kommen, macht uns auch im Westen zu gl\u00fccklichen Menschen.<\/p>\n<p>Auch wenn Dinge schiefgehen, sind sie in Ordnung. An etwas Anstrengendem wachsen wir. Wie Swami Vishnu einmal gesagt hat: Ein <a href=\"https:\/\/wiki.yoga-vidya.de\/Yogi\" target=\"_blank\">Yogi<\/a> kann sich immer freuen. Wenn die Dinge so ausgehen, wie man es gerne h\u00e4tte, freut man sich sowieso und ist Gott dankbar. Wenn sie anders ausgehen, freut man sich \u00fcber die Lektion, die man lernen kann, und die Gelegenheit,<em> tapas<\/em> zu \u00fcben und geistige St\u00e4rke zu entwickeln. Das ist wirklich ein Rezept zum <a href=\"https:\/\/wiki.yoga-vidya.de\/Gl%C3%BCck\" target=\"_blank\">Gl\u00fcck<\/a>. Es ist nicht leicht, den Geist davon zu \u00fcberzeugen. Aber diese Einstellung immer aufrechtzuerhalten und von neuem zu schaffen, ist eine \u00dcbung, die m\u00f6glich und sehr befriedigend ist.<\/p>\n\n<\/div><h2 class=\"tabtitle\">Audio<\/h2>\n<div class=\"tabcontent\">\n\n<div class=\"powerpress_player\" id=\"powerpress_player_1303\"><audio class=\"wp-audio-shortcode\" id=\"audio-4195-1\" preload=\"none\" style=\"width: 100%;\" controls=\"controls\"><source type=\"audio\/mpeg\" src=\"https:\/\/jkv3wg.podcaster.de\/download\/365_Furcht-vor-dem-Tod.mp3?_=1\" \/><a href=\"https:\/\/jkv3wg.podcaster.de\/download\/365_Furcht-vor-dem-Tod.mp3\">https:\/\/jkv3wg.podcaster.de\/download\/365_Furcht-vor-dem-Tod.mp3<\/a><\/audio><\/div><p class=\"powerpress_links powerpress_links_mp3\" style=\"margin-bottom: 1px !important;\">Podcast: <a href=\"https:\/\/jkv3wg.podcaster.de\/download\/365_Furcht-vor-dem-Tod.mp3\" class=\"powerpress_link_pinw\" target=\"_blank\" title=\"Play in new window\" onclick=\"return powerpress_pinw('https:\/\/schriften.yoga-vidya.de\/patanjali-raja-yoga-sutra\/?powerpress_pinw=4195-podcast');\" rel=\"nofollow\">Play in new window<\/a> | <a href=\"https:\/\/jkv3wg.podcaster.de\/download\/365_Furcht-vor-dem-Tod.mp3\" class=\"powerpress_link_d\" title=\"Download\" rel=\"nofollow\" download=\"365_Furcht-vor-dem-Tod.mp3\">Download<\/a><\/p>\n<\/div><\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Deutsche \u00dcbersetzung: Furcht vor dem Tod ist der fortgesetzte Wunsch zu leben, von dem sogar der Weise beherrscht wird. 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