{"id":4116,"date":"2017-07-03T18:44:14","date_gmt":"2017-07-03T16:44:14","guid":{"rendered":"http:\/\/schriften.yoga-vidya.de\/patanjali-raja-yoga-sutra\/?p=4116"},"modified":"2017-07-03T18:51:59","modified_gmt":"2017-07-03T16:51:59","slug":"1-kapitel-vers-50","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/schriften.yoga-vidya.de\/patanjali-raja-yoga-sutra\/1-kapitel-vers-50\/","title":{"rendered":"Kapitel 1, Vers 50"},"content":{"rendered":"<h3>Deutsche \u00dcbersetzung:<\/h3>\n<p>Die daraus entstandenen Eindr\u00fccke (samskaras) ersetzen alle anderen.<\/p>\n<h3>Sanskrit Text:<\/h3>\n<p style=\"text-align: left;\">tajjas-sa\u1e41sk\u0101ro-\u2019nya-sa\u1e41sk\u0101ra pratibandh\u012b  ||50||<\/p>\n<p><span style=\"font-size: 1.5em; text-align: left;\"><strong>\u0924\u091c\u094d\u091c\u0938\u094d\u0938\u0902\u0938\u094d\u0915\u093e\u0930\u094b\u093d\u0928\u094d\u092f\u0938\u0902\u0938\u094d\u0915\u093e\u0930 \u092a\u094d\u0930\u0924\u093f\u092c\u0928\u094d\u0927\u0940 \u0965\u096b\u0966\u0965<\/strong><\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">tajjas sanskaro \u2019nya sanskara pratibandhi ||50||<\/p>\n<h3>Wort-f\u00fcr-Wort-\u00dcbersetzung:<\/h3>\n<ul>\n<li style=\"text-align: left;\">tadja = aus ihm entstanden<\/li>\n<li style=\"text-align: left;\">sa\u1e41sk\u0101ra = Eindruck<\/li>\n<li style=\"text-align: left;\">anya = von anderen<\/li>\n<li style=\"text-align: left;\">sa\u1e41sk\u0101ra = Eindr\u00fccke<\/li>\n<li style=\"text-align: left;\">pratibandha = verhindern, ersetzen<\/li>\n<\/ul>\n<div class=\"responsive-tabs\">\n<h2 class=\"tabtitle\">Kommentar<\/h2>\n<div class=\"tabcontent\">\n\n<p><em><a href=\"https:\/\/wiki.yoga-vidya.de\/Samskara\" target=\"_blank\">Samskaras<\/a><\/em> sind Eindr\u00fccke im Unterbewu\u00dftsein. Manche Eindr\u00fccke im Unterbewu\u00dftsein beziehen sich auf bestimmte F\u00e4higkeiten und M\u00f6glichkeiten. Manche Menschen sind musikalisch, andere haben eine besondere handwerkliche, mathematische oder schriftstellerische Begabung, nat\u00fcrliche Menschenkenntnis oder F\u00fchrungsf\u00e4higkeiten, mit denen sie schon auf die Welt gekommen sind, also angeborene <em>samskaras<\/em>.<\/p>\n<p><em>Samskaras<\/em> sind auch W\u00fcnsche und Neigungen. Oft erg\u00e4nzen sich F\u00e4higkeiten und Neigungen, aber nicht immer. Manche Kinder m\u00f6gen zum Beispiel von klein auf eine Farbe mehr als andere, manche m\u00f6gen dieses, andere jenes lieber. Manche Menschen k\u00f6nnen etwas ganz gut, haben aber keine Lust dazu, sondern wollen gerne etwas anderes machen.<\/p>\n<p>Es gibt auch Menschen mit alten Yoga-<em>samskaras<\/em>. Sie belegen aus irgendwelchen eigenartigen Gr\u00fcnden einen Yogakurs \u2013 weil ein Freund, eine Freundin sie mitschleppt, weil sie zuf\u00e4llig ein Buch dar\u00fcber sehen, weil sie sich gestre\u00dft f\u00fchlen oder R\u00fcckenschmerzen haben, weil sie einfach mal etwas Neues ausprobieren m\u00f6chten oder jemand ihnen erz\u00e4hlt hat, wie toll <a href=\"https:\/\/www.yoga-vidya.de\/yoga.html\" target=\"_blank\">Yoga<\/a> ist \u2013 und dann gef\u00e4llt es ihnen so gut, sie wollen einfach mehr machen. <a href=\"https:\/\/www.yoga-vidya.de\/yoga-anfaenger\/yoga-wissen\/yoga-tradition\/swami-vishnu-devananda.html\" target=\"_blank\">Swami Vishnu<\/a> hat gesagt: Wer in diesem <a href=\"https:\/\/wiki.yoga-vidya.de\/Kali_Yuga\" target=\"_blank\"><em>kali yuga<\/em><\/a> (eisernes, materialistisches Zeitalter) ein spirituelles Leben wirklich konsequent leben kann, der mu\u00df schon tiefe spirituelle <em>samskaras<\/em> haben, der mu\u00df schon in einigen Leben vorher ab und zu mal Yoga ge\u00fcbt haben! Und wenn die Zeit reif ist, dr\u00fccken sich diese <em>samskaras<\/em> von selbst aus.<\/p>\n<p>Nun kann man nat\u00fcrlich fragen: Wenn das so ist, warum passiert es mir dann erst jetzt mit 35 oder 40 Jahren oder noch sp\u00e4ter, da\u00df ich anfange, Yoga zu \u00fcben? \u2013 Das kommt daher, da\u00df man aus fr\u00fcheren Leben auch noch andere <em>samskaras<\/em> hat, W\u00fcnsche oder Neigungen, die man nicht ausgelebt und daher bedauert hat. Vielleicht hat man in seinem fr\u00fcheren Leben gedacht: \u201eJetzt habe ich 20 Jahre oder mehr ge\u00fcbt, aber das und das habe ich verpa\u00dft.\u201c Wenn man diese Vorstellung hatte, dann wird man eben im gegenw\u00e4rtigen Leben erst all diese Sachen ausleben und vielleicht erst mit 40, 60, 80 Jahren oder sogar noch sp\u00e4ter zum Yoga kommen. Aber dann geht es in der Regel recht schnell und konsequent, das Leben wird sich recht z\u00fcgig umwandeln, eben wegen dieser bereits vorhandenen Eindr\u00fccke.<\/p>\n<p>Nat\u00fcrlich sind unsere <em>samskaras<\/em> nicht nur vom letzten Leben abh\u00e4ngig, sondern sie werden auch in diesem Leben weitergepr\u00e4gt \u2013 durch unsere Erziehung, unsere Eltern, unsere Klassenkameraden, unsere Lehrer und durch das, was wir bewu\u00dft im Leben tun.<\/p>\n<p>Wir k\u00f6nnen unsere<em> samskaras<\/em> \u00e4ndern. Ein gro\u00dfer Teil des spirituellen Fortschritts besteht darin, die<em> samskaras<\/em> Schritt f\u00fcr Schritt zu ver\u00e4ndern. Das ist einer der Gr\u00fcnde, warum das spirituelle Wachstum so lange dauert. In unserem Unterbewu\u00dftsein ist so viel gespeichert \u2013 \u00c4rger, Eifersucht, Angst, Selbstsucht, Gier, Zorn, Neid, Ha\u00df. All das m\u00fcssen wir Schritt f\u00fcr Schritt umwandeln. Das geht nicht von heute auf morgen, sondern dauert seine Zeit. Yoga gibt uns Techniken an die Hand, wie wir bewu\u00dft daran arbeiten k\u00f6nnen. Wir m\u00fcssen positive Denkgewohnheiten schaffen, unser Unterbewu\u00dftsein Schritt f\u00fcr Schritt transformieren.<\/p>\n<p>Auch alle W\u00fcnsche, die wir noch haben, pr\u00e4gen uns und unser Leben. Es hei\u00dft, da\u00df jeder Wunsch auf irgendeine Art und Weise erf\u00fcllt werden mu\u00df. Wenn der Wunsch klein ist, kann er auch manchmal im Traum erf\u00fcllt werden. Andere k\u00f6nnen in der Zeit zwischen zwei Leben auf der <a href=\"https:\/\/wiki.yoga-vidya.de\/Bhur_Loka\" target=\"_blank\">Astralebene<\/a> erf\u00fcllt werden. Und wieder andere m\u00fcssen sich auf der physischen Ebene manifestieren. Es ist also wichtig, aufzupassen, welche W\u00fcnsche man kultiviert, welche man in sich stark werden l\u00e4\u00dft. All das h\u00e4lt uns davon ab, zur Wahrheit zu kommen.<\/p>\n<p>Es gibt drei Ursachen, die unseren spirituellen Fortschritt bremsen: die <em>samskaras<\/em>, das <em><a href=\"https:\/\/www.yoga-vidya.de\/karma.html\" target=\"_blank\">karma<\/a><\/em> und Mangel an <a href=\"https:\/\/wiki.yoga-vidya.de\/Ojas\" target=\"_blank\"><em>ojas<\/em><\/a>, spiritueller Energie.<\/p>\n<p>Unseren Geist auf eine h\u00f6here Ebene zu bringen, zu <a href=\"https:\/\/wiki.yoga-vidya.de\/Samadhi\" target=\"_blank\"><em>samadhi<\/em><\/a> (\u00fcberbewu\u00dfter Zustand), braucht sehr viel <em>ojas<\/em>, das wir durch systematische spirituelle Praxis und Sublimierung aller anderen Energien erst ansammeln m\u00fcssen.<\/p>\n<p>Dabei handelt es sich erst einmal um die Grundenergien <a href=\"https:\/\/www.yoga-vidya.de\/prana.html\" target=\"_blank\"><em>prana<\/em><\/a>, <a href=\"https:\/\/wiki.yoga-vidya.de\/Apana\" target=\"_blank\"><em>apana<\/em><\/a>, <a href=\"https:\/\/wiki.yoga-vidya.de\/Samana\" target=\"_blank\"><em>samana<\/em><\/a>, <a href=\"https:\/\/wiki.yoga-vidya.de\/Udana\" target=\"_blank\"><em>udana<\/em><\/a>, <a href=\"https:\/\/wiki.yoga-vidya.de\/Vyana\" target=\"_blank\"><em>vyana<\/em><\/a> als Manifestationen des <em>pranas<\/em>. Durch systematische Yogapraktiken sublimieren wir diese. Auch W\u00fcnsche k\u00f6nnen wir durch Nichterf\u00fcllung sublimieren. Und auch andere Impulse und Emotionen k\u00f6nnen wir sublimieren, in spirituelle Energie umwandeln, indem wir ihnen nicht nachgeben.<\/p>\n<p>Und dann wirkt nat\u00fcrlich <em>karma<\/em>. Wir haben verschiedene Lektionen zu lernen. Solange wir noch sehr viel <em>karma<\/em> haben, wird auch die <a href=\"https:\/\/wiki.yoga-vidya.de\/Selbstverwirklichung\" target=\"_blank\">Selbstverwirklichung<\/a> auf sich warten lassen. Trotzdem hei\u00dft es: Wenn es uns trotz allen <em>karmas<\/em> doch irgendwie gelingt, zu <em>samadhi<\/em> zu kommen, dann werden die Eindr\u00fccke von<em> samadhi<\/em> so stark sein, da\u00df sie alle anderen Eindr\u00fccke ersetzen. Eine tiefe spirituelle Erfahrung wird dann so stark, da\u00df vieles andere abgeschw\u00e4cht wird und keine so gro\u00dfe Rolle mehr spielt. Wenn man eine gro\u00dfe Vision, eine tiefe Meditationserfahrung hat und sich dabei dem Unendlichen, <a href=\"https:\/\/www.yoga-vidya.de\/Yoga--Artikel\/Art-Artikel\/art_gott.html\" target=\"_blank\">Gott<\/a> oder dem <a href=\"https:\/\/wiki.yoga-vidya.de\/Meister\" target=\"_blank\">Meister<\/a> sehr nahe oder verbunden f\u00fchlt, dann wird das mit einem Schlag st\u00e4rker als alles andere. Nat\u00fcrlich k\u00f6nnen anschlie\u00dfend die anderen W\u00fcnsche und <em>samskaras<\/em> auch wieder wachsen, wenn wir sie f\u00fcttern, oder sie k\u00f6nnen noch kleiner werden, wenn wir uns bewu\u00dft mehr spirituell orientieren. Wir m\u00fcssen also auch nach einer solchen Erfahrung wachsam sein und unsere spirituelle Praxis diszipliniert weiterf\u00fchren.<\/p>\n<p>Deshalb kann man sagen, der spirituelle Weg ist eine Mischung aus schrittweiser Arbeit und pl\u00f6tzlicher <a href=\"https:\/\/wiki.yoga-vidya.de\/Gnade\" target=\"_blank\">Gnade<\/a>.<\/p>\n<p>Wir arbeiten ganz langsam, \u00e4ndern, ersetzen einen negativen Gedanken durch einen positiven, eine negative Eigenschaft durch eine positive, alles Schritt f\u00fcr Schritt. Es gibt R\u00fcckf\u00e4lle, wir fallen in alte Gewohnheiten zur\u00fcck, m\u00fcssen uns t\u00e4glich neu motivieren und \u00fcberwinden. Und pl\u00f6tzlich gibt es eines Tages eine wundersch\u00f6ne <a href=\"https:\/\/www.yoga-vidya.de\/meditation.html\" target=\"_blank\">Meditation<\/a> oder ein tiefgehendes <a href=\"https:\/\/wiki.yoga-vidya.de\/Pranayama\" target=\"_blank\"><em>pranayama<\/em><\/a>, und mit einem Schlag sind all die Schwierigkeiten erst einmal verschwunden.<\/p>\n<p>Das Resultat von h\u00f6heren Bewu\u00dftseinszust\u00e4nden ist, da\u00df sie die <em>samskaras<\/em> ersetzen. Und das ist auch ein Kriterium, um zu beurteilen, ob eine Erfahrung wirklich <em>samadhi<\/em> war oder nicht. War es <em>samadhi<\/em>, dann \u00e4ndert dieses Erleben etwas Grundlegendes in uns. Wir sind nicht mehr so wie vorher. Unser Denken, F\u00fchlen, Wollen, M\u00f6gen und W\u00fcnschen haben sich verwandelt.<\/p>\n\n<\/div><h2 class=\"tabtitle\">Audio<\/h2>\n<div class=\"tabcontent\">\n\n<p>.\/.<\/p>\n<\/div><\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Deutsche \u00dcbersetzung: Die daraus entstandenen Eindr\u00fccke (samskaras) ersetzen alle anderen. Sanskrit Text: tajjas-sa\u1e41sk\u0101ro-\u2019nya-sa\u1e41sk\u0101ra pratibandh\u012b ||50|| \u0924\u091c\u094d\u091c\u0938\u094d\u0938\u0902\u0938\u094d\u0915\u093e\u0930\u094b\u093d\u0928\u094d\u092f\u0938\u0902\u0938\u094d\u0915\u093e\u0930 \u092a\u094d\u0930\u0924\u093f\u092c\u0928\u094d\u0927\u0940 \u0965\u096b\u0966\u0965 tajjas sanskaro \u2019nya sanskara pratibandhi ||50|| Wort-f\u00fcr-Wort-\u00dcbersetzung: tadja = aus ihm entstanden sa\u1e41sk\u0101ra = Eindruck anya = von anderen sa\u1e41sk\u0101ra = Eindr\u00fccke pratibandha = verhindern, ersetzen Samskaras sind Eindr\u00fccke im Unterbewu\u00dftsein. 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