{"id":4030,"date":"2017-07-03T14:18:05","date_gmt":"2017-07-03T12:18:05","guid":{"rendered":"http:\/\/schriften.yoga-vidya.de\/patanjali-raja-yoga-sutra\/?p=4030"},"modified":"2017-07-03T14:22:26","modified_gmt":"2017-07-03T12:22:26","slug":"1-kapitel-vers-37","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/schriften.yoga-vidya.de\/patanjali-raja-yoga-sutra\/1-kapitel-vers-37\/","title":{"rendered":"Kapitel 1, Vers 37"},"content":{"rendered":"<h3>Deutsche \u00dcbersetzung:<\/h3>\n<p>Oder durch Konzentration auf jemanden, dessen Geist den Bereich von Gier und Verhaftung transzendiert hat.<\/p>\n<h3>Sanskrit Text:<\/h3>\n<p style=\"text-align: left;\">v\u012btar\u0101ga vi\u1e63ayam v\u0101 cittam ||37||<\/p>\n<p><span style=\"font-size: 1.5em; text-align: left;\"><strong>\u0935\u0940\u0924\u0930\u093e\u0917 \u0935\u093f\u0937\u092f\u092e\u094d \u0935\u093e \u091a\u093f\u0924\u094d\u0924\u092e\u094d \u0965\u0969\u096d\u0965<\/strong><\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">vitaraga vishayam va chittam ||37||<\/p>\n<h3>Wort-f\u00fcr-Wort-\u00dcbersetzung:<\/h3>\n<ul>\n<li style=\"text-align: left;\">v\u012bta = aufgeh\u00f6rt<\/li>\n<li style=\"text-align: left;\">r\u0101ga = Wunsch, Gier, Verhaftung<\/li>\n<li style=\"text-align: left;\">vi\u1e63aya = Bereich<\/li>\n<li style=\"text-align: left;\">v\u0101 = oder, auch<\/li>\n<li style=\"text-align: left;\">citta = Geist, Gem\u00fct, Verstand<\/li>\n<\/ul>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<div class=\"responsive-tabs\">\n<h2 class=\"tabtitle\">Kommentar<\/h2>\n<div class=\"tabcontent\">\n\n<p>Ein gro\u00dfer <a href=\"https:\/\/wiki.yoga-vidya.de\/Meister\" target=\"_blank\">Meister<\/a>, eine gro\u00dfe Meisterin inspirieren einen immer.<\/p>\n<p>Mit <a href=\"https:\/\/wiki.yoga-vidya.de\/Chitta\" target=\"_blank\"><em>chitta<\/em><\/a>, dem Verstand, k\u00f6nnen wir dar\u00fcber meditieren, welche menschlichen Leidenschaften und Versuchungen der Meister, die Meisterin transzendiert hat. Oder wir k\u00f6nnen uns selbst in der Situation dieses Meisters vorstellen, indem wir \u00fcberlegen: Wie w\u00e4re ich, wenn ich vollkommen w\u00e4re? Wie w\u00fcrde ich denken, f\u00fchlen und handeln?<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.yoga-vidya.de\/Bilder\/Galerien\/Krishnatext.html\" target=\"_blank\">Krishna<\/a> z\u00e4hlt in der <a href=\"https:\/\/www.yoga-vidya.de\/Yoga--Buch\/bhagavad-gita\/\" target=\"_blank\">Bhagavad Gita<\/a> mehrfach die Eigenschaften eines Vollkommenen auf. Er wiederholt sich dabei mehrere Male, so da\u00df manche sich fragen, warum sagt er das wieder und wieder. Diese Wiederholung dient zum einen dazu, da\u00df wir uns wirklich jemanden vorstellen k\u00f6nnen, der so vollkommen ist und zum zweiten dazu, da\u00df wir uns selbst in diese Idealrolle hineinversetzen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Wir Menschen im Westen sind es nicht gew\u00f6hnt, uns vorzustellen, da\u00df wir selbst vollkommen sein k\u00f6nnten. Wir streben zwar nach spiritueller Vollkommenheit, aber wir k\u00f6nnen sie uns bei uns selbst gar nicht vorstellen. Wir geh\u00f6ren einer <a href=\"https:\/\/www.yoga-vidya.de\/yoga-anfaenger\/yoga-wissen\/yoga-tradition.html\" target=\"_blank\">Tradition<\/a> an, wo Demut in der Spiritualit\u00e4t eine sehr gro\u00dfe Rolle spielt und auch der h\u00f6chste Heilige noch von sich sagt: \u201eIch bin der gr\u00f6\u00dfte S\u00fcnder.\u201c Je mehr man sich als S\u00fcnder bezeichnet, desto heiliger gilt man. Das ist in unserer Kultur so. In Indien haben zwar die Meister auch echte Demut, aber sie haben auch keine Hemmungen, gegen\u00fcber engeren Sch\u00fclern festzustellen: \u201eIch habe das selbst verwirklicht, ich habe die <a href=\"https:\/\/wiki.yoga-vidya.de\/Erleuchtung\" target=\"_blank\">Erleuchtung<\/a> erreicht.\u201c Andererseits laufen sie nat\u00fcrlich nicht st\u00e4ndig herum und erz\u00e4hlen es jedem. Wenn sie das tun, ist es auch nicht echt, denn dann haben sie es n\u00f6tig, es zu erz\u00e4hlen!<\/p>\n<p>Aber nehmen wir zum Beispiel einen <a href=\"https:\/\/wiki.yoga-vidya.de\/Swami_Vivekananda\" target=\"_blank\">Swami Vivekananda<\/a>, der zu Paramahamsa <a href=\"https:\/\/wiki.yoga-vidya.de\/Ramakrishna\" target=\"_blank\">Ramakrishna<\/a>, einem der gr\u00f6\u00dften Yoga-Meister des 19. Jahrhunderts gekommen ist und ihn gefragt hat: \u201eHast du Gott gesehen?\u201c<br \/>\nRamakrishna schaute ihm in die Augen und antwortete: \u201eJa.\u201c<br \/>\nDaraufhin fragte Vivekananda: \u201eWann siehst du ihn?\u201c<br \/>\n\u201eImmer. Ich sehe ihn so, wie ich dich sehe, nur immer und deutlicher.\u201c<br \/>\n\u201eKann ich ihn auch sehen?\u201c<br \/>\n\u201eJa. Willst du sehen?\u201c<br \/>\n\u201eJa.\u201c<br \/>\n\u201eSicher?\u201c<br \/>\n\u201eJa!\u201c<br \/>\nUnd Ramakrishna streckt den Fu\u00df aus und ber\u00fchrte Vivekananda, worauf Vivekananda eine Gotteserfahrung hatte \u2013 diese war f\u00fcr ihn jedoch zu gro\u00dfartig, zu machtvoll, so da\u00df er nachher darum bat, so schnell nicht wieder eine zu haben.<\/p>\n<p>Im 11. Kapitel der Bhagavad Gita bittet Arjuna Krishna, ihm die Vision der kosmischen Gestalt zu geben. Krishna fragt: \u201eWillst du es wirklich sehen?\u201c Arjuna bejaht, Krishna gibt ihm die Vision, Arjuna ist ganz \u00fcberw\u00e4ltigt und am Ende des 11. Kapitels bittet er Krishna, sich ihm wieder so zu zeigen wie vorher \u2013 die Vision ist ihm zu gewaltig. Krishna ist freundlich und zeigt ihm die Welt wieder wie vorher. Dieses Erlebnis ver\u00e4ndert nat\u00fcrlich die ganze Sichtweise von Arjuna. Er hat das G\u00f6ttliche erfahren. Aber Krishna zum Beispiel hat auch keine Hemmungen, von sich zu sagen, da\u00df er alle seine fr\u00fcheren Geburten kennt und da\u00df er urspr\u00fcnglich der Lehrer aller anderen war. Wie auch Jesus sagt: \u201eIch bin das Licht und das Leben und die Wahrheit\u201c, \u201eIch und mein Vater sind eins.\u201c Und Jesus meint das nicht nur f\u00fcr sich. Er sagt auch: \u201eSeid vollkommen, wie Euer Vater im Himmel vollkommen ist\u201c, \u201eWenn der J\u00fcnger vollkommen ist, ist er wie sein Meister\u201c, \u201eIhr seid das Licht der Welt\u201c.<\/p>\n<p>Also, wir d\u00fcrfen ruhig etwas Mut aufbringen und uns vorstellen, wie wir sein w\u00fcrden, wenn wir vollkommen w\u00e4ren. Probiere das gleich aus: Schlie\u00dfe die Augen und denke dar\u00fcber nach: \u201eWie w\u00e4re ich, wenn ich vollkommen w\u00e4re.\u201c Die Schwierigkeit vieler Europ\u00e4er damit ist mir neulich bei einem Workshop klar geworden. Ein Seminarleiter hat die Teilnehmer gebeten, auf einem Blatt alle ihre Fehler aufzuschreiben. Und die Menschen haben geschrieben und geschrieben und geschrieben. Als zweite \u00dcbung sollten sie dann ihre positiven Eigenschaften auflisten. Dabei sind die wenigsten \u00fcber zwei, drei Zeilen hinausgekommen. Ich mu\u00df zugeben, das hat mich doch etwas verbl\u00fcfft. Und dann sollten alle an Menschen denken, die sie besonders sch\u00e4tzen und deren positive Eigenschaften notieren. Da haben alle wieder sehr viel geschrieben. Anschlie\u00dfend sollte sich jeder \u00fcberlegen, ob er nicht die positiven Eigenschaften, die er in anderen sieht, selbst auch hat. Da mu\u00dften einige dann doch lachen, denn was sie an positiven Eigenschaften in anderen gesehen haben, waren tats\u00e4chlich ihre ureigenen St\u00e4rken. Es scheint f\u00fcr Menschen in unserem Kulturkreis leichter zu sein, bei anderen etwas Positives zu sehen als bei sich selbst.<\/p>\n<p>Man k\u00f6nnte sich stattdessen auch abstrakt vorstellen, wie ein Geist beschaffen sein m\u00fc\u00dfte, der vollkommen und jenseits von Verhaftungen und Leidenschaften w\u00e4re.<\/p>\n<p>Am leichtesten f\u00e4llt es, sich einen Meister, eine Meisterin, eine\/n <a href=\"https:\/\/wiki.yoga-vidya.de\/Heilige\" target=\"_blank\">Heilige<\/a>\/n, vorzustellen. Das ist greifbar, \u00fcber sie gibt es B\u00fccher, Videos, oder es gibt Menschen, die \u00fcber ihre Erfahrungen mit ihnen berichten. Man kann sich sein Foto aufstellen, auf ihn meditieren, zu ihm beten, seine Gegenwart f\u00fchlen, \u00fcber sein Leben und seine Vollkommenheit nachdenken. Das erhebt einen. Es erhebt einen deshalb, weil die gleiche Vollkommenheit, die dieser Meister hat, in uns selbst vorhanden ist. Weil sie in uns ist, erhebt es uns, wenn wir dar\u00fcber nachdenken. Es inspiriert uns. Wir bekommen selbst eine kleine Ahnung, wie es sein k\u00f6nnte, wenn wir so w\u00e4ren.<\/p>\n\n<\/div><h2 class=\"tabtitle\">Audio<\/h2>\n<div class=\"tabcontent\">\n\n<div class=\"powerpress_player\" id=\"powerpress_player_81\"><audio class=\"wp-audio-shortcode\" id=\"audio-4030-1\" preload=\"none\" style=\"width: 100%;\" controls=\"controls\"><source type=\"audio\/mpeg\" src=\"https:\/\/jkv3wg.podcaster.de\/download\/354_Yoga-Sutra-1.37.mp3?_=1\" \/><a href=\"https:\/\/jkv3wg.podcaster.de\/download\/354_Yoga-Sutra-1.37.mp3\">https:\/\/jkv3wg.podcaster.de\/download\/354_Yoga-Sutra-1.37.mp3<\/a><\/audio><\/div><p class=\"powerpress_links powerpress_links_mp3\" style=\"margin-bottom: 1px !important;\">Podcast: <a href=\"https:\/\/jkv3wg.podcaster.de\/download\/354_Yoga-Sutra-1.37.mp3\" class=\"powerpress_link_pinw\" target=\"_blank\" title=\"Play in new window\" onclick=\"return powerpress_pinw('https:\/\/schriften.yoga-vidya.de\/patanjali-raja-yoga-sutra\/?powerpress_pinw=4030-podcast');\" rel=\"nofollow\">Play in new window<\/a> | <a href=\"https:\/\/jkv3wg.podcaster.de\/download\/354_Yoga-Sutra-1.37.mp3\" class=\"powerpress_link_d\" title=\"Download\" rel=\"nofollow\" download=\"354_Yoga-Sutra-1.37.mp3\">Download<\/a><\/p>\n<\/div><\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Deutsche \u00dcbersetzung: Oder durch Konzentration auf jemanden, dessen Geist den Bereich von Gier und Verhaftung transzendiert hat. Sanskrit Text: v\u012btar\u0101ga vi\u1e63ayam v\u0101 cittam ||37|| \u0935\u0940\u0924\u0930\u093e\u0917 \u0935\u093f\u0937\u092f\u092e\u094d \u0935\u093e \u091a\u093f\u0924\u094d\u0924\u092e\u094d \u0965\u0969\u096d\u0965 vitaraga vishayam va chittam ||37|| Wort-f\u00fcr-Wort-\u00dcbersetzung: v\u012bta = aufgeh\u00f6rt r\u0101ga = Wunsch, Gier, Verhaftung vi\u1e63aya = Bereich v\u0101 = oder, auch citta = Geist, Gem\u00fct, Verstand &hellip; <a href=\"https:\/\/schriften.yoga-vidya.de\/patanjali-raja-yoga-sutra\/1-kapitel-vers-37\/\" class=\"more-link\"><span class=\"screen-reader-text\">Kapitel 1, Vers 37<\/span> weiterlesen<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[242,3],"tags":[49],"class_list":["post-4030","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-1-kapitel-verse-31-40","category-samadhi-pada","tag-1-kapitel-37-vers"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/schriften.yoga-vidya.de\/patanjali-raja-yoga-sutra\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/4030","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/schriften.yoga-vidya.de\/patanjali-raja-yoga-sutra\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/schriften.yoga-vidya.de\/patanjali-raja-yoga-sutra\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/schriften.yoga-vidya.de\/patanjali-raja-yoga-sutra\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/schriften.yoga-vidya.de\/patanjali-raja-yoga-sutra\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=4030"}],"version-history":[{"count":2,"href":"https:\/\/schriften.yoga-vidya.de\/patanjali-raja-yoga-sutra\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/4030\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":4032,"href":"https:\/\/schriften.yoga-vidya.de\/patanjali-raja-yoga-sutra\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/4030\/revisions\/4032"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/schriften.yoga-vidya.de\/patanjali-raja-yoga-sutra\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=4030"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/schriften.yoga-vidya.de\/patanjali-raja-yoga-sutra\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=4030"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/schriften.yoga-vidya.de\/patanjali-raja-yoga-sutra\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=4030"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}