{"id":3947,"date":"2017-07-03T12:09:36","date_gmt":"2017-07-03T10:09:36","guid":{"rendered":"http:\/\/schriften.yoga-vidya.de\/patanjali-raja-yoga-sutra\/?p=3947"},"modified":"2017-07-03T12:36:23","modified_gmt":"2017-07-03T10:36:23","slug":"1-kapitel-vers-30","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/schriften.yoga-vidya.de\/patanjali-raja-yoga-sutra\/1-kapitel-vers-30\/","title":{"rendered":"Kapitel 1, Vers 30"},"content":{"rendered":"<h3>Deutsche \u00dcbersetzung:<\/h3>\n<p>Die Hindernisse f\u00fcr die Verwirklichung sind Krankheit, geistige Tr\u00e4gheit, Zweifel, Gleichg\u00fcltigkeit, Faulheit, Verlangen nach Vergn\u00fcgen, T\u00e4uschung, die Unf\u00e4higkeit zur Konzentration und Ruhelosigkeit des Geistes durch Ablenkungen.<\/p>\n<h3>Sanskrit Text:<\/h3>\n<p style=\"text-align: left;\">vy\u0101dhi sty\u0101na sa\u1e41\u015baya pram\u0101da-\u0101lasya-avirati bhr\u0101ntidar\u015bana-alabdha-bh\u016bmikatva-anavasthitatv\u0101ni citta-vik\u1e63ep\u0101\u1e25 te antar\u0101y\u0101\u1e25 ||30||<\/p>\n<p><span style=\"font-size: 1.5em; text-align: left;\"><strong>\u0935\u094d\u092f\u093e\u0927\u093f \u0938\u094d\u0924\u094d\u092f\u093e\u0928 \u0938\u0902\u0936\u092f \u092a\u094d\u0930\u092e\u093e\u0926\u093e\u0932\u0938\u094d\u092f\u093e\u0935\u093f\u0930\u0924\u093f \u092d\u094d\u0930\u093e\u0928\u094d\u0924\u093f\u0926\u0930\u094d\u0936\u0928\u093e\u0932\u092c\u094d\u0927\u092d\u0942\u092e\u093f\u0915\u0924\u094d\u0935\u093e\u0928\u0935\u0938\u094d\u0925\u093f\u0924\u0924\u094d\u0935\u093e\u0928\u093f \u091a\u093f\u0924\u094d\u0924\u0935\u093f\u0915\u094d\u0937\u0947\u092a\u093e\u0903 \u0924\u0947 \u0905\u0928\u094d\u0924\u0930\u093e\u092f\u093e\u0903 \u0965\u0969\u0966\u0965<\/strong><\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">vyadhi styana sanshaya pramada alasya avirati bhrantidarshana alabdha bhumikatva anavasthitatvani chitta vikshepah te antarayah ||30||<\/p>\n<h3>Wort-f\u00fcr-Wort-\u00dcbersetzung:<\/h3>\n<ul>\n<li style=\"text-align: left;\">vy\u0101dhi = Krankheit, k\u00f6rperliche Einschr\u00e4nkung<\/li>\n<li style=\"text-align: left;\">sty\u0101na = Stumpfsinn, geistige Tr\u00e4gheit, Steifheit, Rigidit\u00e4t<\/li>\n<li style=\"text-align: left;\">sa\u1e41\u015baya = Zweifel, Z\u00f6gern, Unentschlossenheit<\/li>\n<li style=\"text-align: left;\">pram\u0101da = Achtlosigkeit, Nachl\u00e4ssigkeit, Gleichg\u00fcltigkeit<\/li>\n<li style=\"text-align: left;\">\u0101lasya = Faulheit<\/li>\n<li style=\"text-align: left;\">avirati = Haften an Dingen, Gier, Verlangen nach Vergn\u00fcgen<\/li>\n<li style=\"text-align: left;\">bhr\u0101nti = Irrtum<\/li>\n<li style=\"text-align: left;\">dar\u015bana = Ansicht<\/li>\n<li style=\"text-align: left;\">bhr\u0101nti-dar\u015bana = Verblendung, Fanatismus<\/li>\n<li style=\"text-align: left;\">bh\u016bmi = Erde, Stufe<\/li>\n<li style=\"text-align: left;\">alabdha-bh\u016bmikatva = Nichterreichen einer Stufe, Unf\u00e4higkeit, einen Halt zu finden, Unf\u00e4higkeit zur Konzentration<\/li>\n<li style=\"text-align: left;\">anavasthitatv\u0101ni = Unstetigkeit, Unbest\u00e4ndigkeit<\/li>\n<li style=\"text-align: left;\">citta = Verstand<\/li>\n<li style=\"text-align: left;\">vik\u1e63epa = Zerstreuung<\/li>\n<li style=\"text-align: left;\">te = sie, diese<\/li>\n<li style=\"text-align: left;\">antar\u0101ya = Hindernisse<\/li>\n<\/ul>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<div class=\"responsive-tabs\">\n<h2 class=\"tabtitle\">Kommentar<\/h2>\n<div class=\"tabcontent\">\n\n<p>Hier erw\u00e4hnt <a href=\"https:\/\/wiki.yoga-vidya.de\/Patanjali\" target=\"_blank\">Patanjali<\/a> ein paar ganz typische Hindernisse, mit denen man sich auseinandersetzen mu\u00df. Wenn Menschen mir von ihrem Problem erz\u00e4hlen, reicht es oft aus, wenn ich ihnen sage, da\u00df es den meisten Menschen so geht. Wenn sie wissen, das ist normal, andere haben das auch, k\u00f6nnen sie beruhigter damit umgehen.<\/p>\n<p><strong><a href=\"https:\/\/wiki.yoga-vidya.de\/Krankheit\" target=\"_blank\">Krankheit<\/a><\/strong> ist ein Hindernis aus verschiedenen Gr\u00fcnden. Zum einen nat\u00fcrlich, weil Krankheit uns schw\u00e4cht. Wenn wir m\u00fcde oder erk\u00e4ltet sind oder ein Bein gebrochen haben, ist es etwas schwer, sich zur <a href=\"https:\/\/www.yoga-vidya.de\/meditation.html\" target=\"_blank\">Meditation<\/a> hinzusetzen. Zum zweiten f\u00fchrt Krankheit aber auch oft zu Zweifeln am <a href=\"https:\/\/www.yoga-vidya.de\/yoga-anfaenger\/yoga-wissen\/yoga-wege.html\" target=\"_blank\">Yogaweg<\/a>. Es gibt diese eigenartige Vorstellung, da\u00df man nicht mehr krank wird, wenn man <a href=\"https:\/\/www.yoga-vidya.de\/yoga.html\" target=\"_blank\">Yoga<\/a> \u00fcbt. Das wird best\u00e4rkt durch die teilweise etwas \u00fcbertriebene Darstellung von Wirkungen der Yoga\u00fcbungen in Yogab\u00fcchern \u2013 auch in denen von <a href=\"https:\/\/www.yoga-vidya.de\/de\/yogi\/sivananda.html\" target=\"_blank\">Swami Sivananda<\/a> und <a href=\"https:\/\/www.yoga-vidya.de\/yoga-anfaenger\/yoga-wissen\/yoga-tradition\/swami-vishnu-devananda.html\" target=\"_blank\">Swami Vishnu-devananda<\/a>. Im Kapitel \u00fcber Gesundheit im Buch \u201eG\u00f6ttliche Erkenntnis\u201c von Swami Sivananda hei\u00dft es: \u201eGesundheit ist das Geburtsrecht des Menschen, und gesund sind wir dann, wenn wir die Gesetze der Natur beachten.\u201c Das ist der typisch indische Stil der \u00dcbertreibung. Es stimmt, da\u00df wir weniger krank werden, wenn wir Yoga \u00fcben. In Amerika wurde eine Studie durchgef\u00fchrt, die belegt, da\u00df Menschen, die regelm\u00e4\u00dfig Yoga \u00fcben, nur ein Viertel der Krankheitskosten im Vergleich zum Durchschnitt verursachen. Das ist viel. Man k\u00f6nnte also die Gesundheitsvorsorgekosten auf ein Viertel reduzieren, wenn alle Yoga \u00fcben w\u00fcrden. Nur \u2013 Menschen, die Yoga \u00fcben, werden im Schnitt auch mindestens zehn Jahre \u00e4lter als andere, so da\u00df die Renten l\u00e4nger beansprucht werden. Folglich m\u00fc\u00dften die Krankenkassenbeitr\u00e4ge gesenkt und die Rentens\u00e4tze erh\u00f6ht werden. Es kann als gesichert gelten, da\u00df \u00dcben von Yoga in all seinen Aspekten \u2013 <a href=\"https:\/\/www.yoga-vidya.de\/yoga-anfaenger\/yoga-ernaehrung.html\" target=\"_blank\">richtige Ern\u00e4hrung<\/a>, K\u00f6rper\u00fcbungen, Entspannungstechniken, Atmung, positives Denken, gesunde Lebenseinstellung, <a href=\"https:\/\/wiki.yoga-vidya.de\/Gottvertrauen\" target=\"_blank\">Gottvertrauen<\/a>, Sinn im Leben, gesunde Einstellung zum Schicksal und zum Stre\u00df \u2013 den Menschen erheblich ges\u00fcnder macht und ein l\u00e4ngeres Leben schenkt. Aber auch Yoga-\u00dcbende k\u00f6nnen Krankheiten bekommen.<\/p>\n<p>Manche Krankheiten haben den Sinn, uns bestimmte Erfahrungen machen zu lassen, an denen wir wachsen. Diese Krankheiten suchen uns auch dann heim, wenn wir alles richtig machen im Leben. Andere Krankheiten kommen aus karmischen Gr\u00fcnden, weil wir in fr\u00fcheren Leben jemand anderem Krankheiten zugef\u00fcgt haben oder \u00e4hnliches. Dann m\u00fcssen wir uns mit der Krankheit abfinden. Und wieder andere kommen einfach deshalb, weil sie unseren Fortschritt beschleunigen.<\/p>\n<p>In der Krankheit kann also durchaus eine Lektion liegen. Aber weil man dadurch oft tr\u00e4ge wird und einem die spirituellen Praktiken wie <a href=\"https:\/\/www.yoga-vidya.de\/de\/asana\/index.html\" target=\"_blank\"><em>asanas<\/em><\/a>, <a href=\"https:\/\/wiki.yoga-vidya.de\/Pranayama\" target=\"_blank\"><em>pranayama<\/em><\/a> und <a href=\"https:\/\/www.yoga-vidya.de\/meditation.html\" target=\"_blank\">Meditation<\/a> schwerfallen oder ganz unm\u00f6glich werden, kommen viele Menschen dadurch ins Zweifeln am ganzen Weg. Deshalb sind Krankheiten in erster Linie Hindernisse und wir bem\u00fchen uns insbesondere mit <a href=\"https:\/\/www.yoga-vidya.de\/de\/asana\/index.html\" target=\"_blank\">Hatha Yoga<\/a> \u00dcbungen, unseren K\u00f6rper gesund zu halten. Aber es kommt nicht auf die physische Langlebigkeit an, sondern darauf, wie viele Erfahrungen wir machen, wieviel wir lernen.<\/p>\n<p>Das n\u00e4chste Hindernis ist <strong>Tr\u00e4gheit<\/strong>. Patanjali erw\u00e4hnt gleich drei Aspekte davon, n\u00e4mlich geistige Tr\u00e4gheit, Gleichg\u00fcltigkeit und Faulheit. Von den neun Hindernissen, die er aufz\u00e4hlt, sind drei letztlich <a href=\"https:\/\/wiki.yoga-vidya.de\/Tamas\" target=\"_blank\"><em>tamas<\/em><\/a> (Tr\u00e4gheit, Dunkelheit). Wir m\u00fcssen <em>tamas<\/em> \u00fcberwinden. Das geschieht durch regelm\u00e4\u00dfige spirituelle Praxis.<\/p>\n<p>Als n\u00e4chstes Hindernis folgt <a href=\"https:\/\/wiki.yoga-vidya.de\/Zweifel\" target=\"_blank\"><strong>Zweifel<\/strong><\/a>. Der Mensch hat st\u00e4ndig Zweifel. Es hei\u00dft, es gibt nur zwei Arten von Menschen, die nie Zweifel haben: Das eine sind die Fanatiker und die anderen die Selbstverwirklichten. Bis zur Verwirklichung schlagen wir uns immer wieder mit vielen kleinen Zweifeln herum und ab und zu auch mit einem grunds\u00e4tzlichen, gr\u00f6\u00dferen. Die Hauptzweifel sind:<\/p>\n<ul>\n<li>Gibt es so etwas wie Selbstverwirklichung \u00fcberhaupt?<\/li>\n<li>Kann ich es tats\u00e4chlich selbst erreichen?<\/li>\n<li>Befinde ich mich auf dem richtigen Weg dorthin?<\/li>\n<li>Ist der Mensch oder der <em>guru<\/em>, dessen Tradition ich folge, der Richtige? Kann er mich richtig f\u00fchren?<\/li>\n<li>Ist das, was ich jetzt gerade praktiziere, \u00fcberhaupt das richtige?\u201c<\/li>\n<\/ul>\n<p>Solche Fragen kommen oft auch noch nach Jahren der Praxis.<\/p>\n<p>Wir m\u00fcssen \u00fcber <a href=\"https:\/\/wiki.yoga-vidya.de\/Selbstverwirklichung\" target=\"_blank\">Selbstverwirklichung<\/a> lesen und h\u00f6ren und \u00fcber Menschen, die sie wirklich selbst erreicht haben. Mit Menschen zu sprechen, die selbstverwirklichte <a href=\"https:\/\/wiki.yoga-vidya.de\/Meister\" target=\"_blank\">Meister <\/a>erlebt haben, oder vielleicht sogar pers\u00f6nlich einen zu treffen, verhilft uns zu der Gewi\u00dfheit: Ja, es gibt sie tats\u00e4chlich, die Selbstverwirklichung. Auch die \u00dcberzeugung, mit der alle Meister sagen, da\u00df es jeder erreichen kann, hilft uns. Wenn nicht in diesem Leben, dann im n\u00e4chsten \u2013 aber wir k\u00f6nnen es erreichen!<\/p>\n<p>Wir m\u00fcssen uns zuerst gr\u00fcndlich Gedanken machen \u00fcber den Weg, den wir gehen. Wir m\u00fcssen \u00fcberlegen, ob das der richtige Weg und der richtige Lehrer ist oder wir sp\u00fcren es einfach. Und wenn wir merken, im letzten Jahr oder in den letzten zwei Jahren habe ich diese und jene Fortschritte gemacht, dann wird es sicher auch weitergehen. Sehr n\u00fctzlich dabei ist ein Tagebuch, in dem man seine Erfahrungen und Schwierigkeiten aufschreibt. Wenn man dann n\u00e4mlich ein paar Jahre sp\u00e4ter sein Tagebuch liest und sieht, was f\u00fcr Schwierigkeiten man damals hatte, dann l\u00e4chelt man und wei\u00df: Ich bin doch erheblich gewachsen. Ohne Tagebuch vergi\u00dft man gern, mit welchen Problemen man sich vorher herumgeschlagen hat.<\/p>\n<p>Und ab und zu mu\u00df man seinem <a href=\"https:\/\/wiki.yoga-vidya.de\/Geist\" target=\"_blank\">Geist<\/a> sagen, er soll aufh\u00f6ren mit seinen Zweifeln. Wenn man einmal einen Entschlu\u00df gefa\u00dft hat, dann sollte man ihn auch ausf\u00fchren. Hin und wieder kann man die Angelegenheit vielleicht nochmals gr\u00fcndlich \u00fcberdenken, aber nicht st\u00e4ndig zweifeln. Es gibt Menschen, die sich st\u00e4ndig in Selbstzweifeln suhlen. Man mu\u00df einfach auch mal einen Entschlu\u00df fassen und sich notfalls sagen: \u201eVon jetzt an \u00fcbe ich ein halbes Jahr mal so; danach schaue ich: War es der richtige Weg? Habe ich Fortschritte gemacht?\u201c Und dann soll man dieses halbe Jahr auch durchhalten, ohne seinen Entschlu\u00df dazwischen st\u00e4ndig in Frage zu stellen. Wenn ein halbes Jahr zu lange ist, nimmt man sich halt nur einen Monat vor oder eine Woche, aber es ist wichtig, da\u00df man einen Entschlu\u00df fa\u00dft und sich von Etappe zu Etappe durchw\u00fchlt.<\/p>\n<p>Auch wenn es darum geht, eine Entscheidung zu treffen, kann man sich einen Zeitrahmen setzen und sich vornehmen: \u201eIch gebe mir bis dahin Zeit, dann treffe ich eine Entscheidung und halte mich auch daran.\u201c Notfalls mu\u00df man dann den Entschlu\u00df fassen, auch wenn man nicht ganz sicher ist. Dann kann man sich sagen: \u201eDas erscheint mir als das richtige. Wenn sich nicht bis dann und dann etwas Erhebliches \u00e4ndert, sehe ich das als Hinweis Gottes an und bleibe bei dieser Entscheidung.\u201c<\/p>\n<p><strong>Gleichg\u00fcltigkeit<\/strong> ist das n\u00e4chste Hindernis. Diese \u201eEs ist ja alles egal\u201c-Mentalit\u00e4t und Wurstigkeit darf sich nicht einschleichen. Gleichmut ist etwas anders als Gleichg\u00fcltigkeit. Gleichg\u00fcltig ist <em>tamasig<\/em> (tr\u00e4ge, dunkel), gleichm\u00fctig ist <em>sattvig<\/em> (rein, klar).<\/p>\n<p><strong>Faulheit<\/strong> ist ein gro\u00dfes Hindernis. Ohne regelm\u00e4\u00dfige \u00dcbung kommt man nirgendwo hin.<\/p>\n<p><strong>Verlangen nach Vergn\u00fcgen<\/strong> taucht manchmal einfach so auf. Als spiritueller Aspirant \u00fcberlegt man manchmal: Gibt es nicht doch zu vieles, worauf ich verzichtet habe?<\/p>\n<p>Ich selbst meditiere seit meinem 16. Lebensjahr. Ich bin noch nie in meinem Leben betrunken gewesen, habe noch nie ausgelassen auf einer Feier mitgemacht, \u2013 au\u00dfer bei spirituellen Festen, und die waren harmonisch und sch\u00f6n. Manchmal sagen Leute zu mir: \u201eWie kannst du \u00fcberhaupt wissen, was du da verpa\u00dft hast?\u201c Gut, mir geht es jetzt nicht so, da\u00df ich Angst habe, etwas zu verpassen oder verpa\u00dft zu haben. Schon damals hat mir das nichts bedeutet. Ich habe die Menschen beobachtet, die das alles gemacht haben, und kam in relativ jungen Jahren zu dem Schlu\u00df, da\u00df sie nicht wirklich gl\u00fccklich sind. Ich kann mich erinnern, wie mich meine Cousine einmal in eine Disko mitgeschleppt hat. Kurz vorher hatte ich den \u201eSteppenwolf\u201c von Hermann Hesse gelesen, wo etwas \u00fcber Tanzen vorkam, und so dachte ich, Ekstase \u00fcber Tanzen zu erreichen, das m\u00fc\u00dfte ja auch ganz sch\u00f6n sein. Dann habe ich das also ausprobiert \u2026 \u2013 nun gut, von einem Diskobesuch allein klappt das wahrscheinlich auch noch nicht! Aber ich habe auch die anderen beobachtet, und es kam mir zu hohl vor. Wenn Ekstase durch Drogen induziert ist, wenn man Drogen oder Alkohol dazu braucht, ist es keine wertvolle Erfahrung und f\u00fchrt \u00fcberdies anschlie\u00dfend nur zu einem Kater. Man hat zwar bis vor kurzem angenommen, Ecstasy sei harmlos, aber es scheint so zu sein, da\u00df man davon schwere Sch\u00e4digungen im Gehirn davontragen und langfristig chronisch depressiv werden kann.<\/p>\n<p>Aber manche Menschen auf dem spirituellen Weg haben doch manchmal das Gef\u00fchl, etwas zu verpassen. Eine Seminarteilnehmerin hat mir neulich erz\u00e4hlt, sie mache jetzt zwar auch t\u00e4glich <a href=\"https:\/\/www.yoga-vidya.de\/de\/asana\/index.html\" target=\"_blank\"><em>asanas<\/em><\/a>, <a href=\"https:\/\/wiki.yoga-vidya.de\/Pranayama\" target=\"_blank\">pranayama<\/a> und <a href=\"https:\/\/www.yoga-vidya.de\/meditation.html\" target=\"_blank\">Meditation<\/a>, aber einmal in der Woche gehe sie schon mit ihrem Freund in ein sehr gutes Restaurant, und der Rotwein geh\u00f6re dort einfach dazu. Sie hat das Gef\u00fchl, mit dem Glas Rotwein w\u00fcrde ihr ein gro\u00dfes St\u00fcck Lebensqualit\u00e4t entgehen. Gut, ich habe ihr jetzt auch nicht geraten, darauf zu verzichten, sondern gemeint, einmal in der Woche ein Glas Rotwein wird nicht so tragisch sein, wenn es ihr so wichtig ist. Aber wenn man eine Weile auf dem Weg ist, dann stellt man fest: Es ist es nicht wert, mit einem Glas Rotwein einen Teil der Wirkung der <em>pranayama<\/em>-Praxis (Atem\u00fcbungen) zu vernichten. Und letztlich ist es kein so gro\u00dfes Vergn\u00fcgen.<\/p>\n<p><strong>T\u00e4uschung<\/strong> ist das n\u00e4chste Hindernis. Man kann sich oft t\u00e4uschen, indem man Dinge falsch versteht oder falsch sieht oder indem man den niederen Geist f\u00fcr die innere Stimme der Intuition h\u00e4lt. Swami Vishnu hat gern gesagt: \u201eNever trust your mind\u201c \u2013 \u201eTraue nie deinem Geist\u201c. Aber wem kann man sonst trauen?<\/p>\n<p>Wenn man einen <a href=\"https:\/\/wiki.yoga-vidya.de\/Guru\" target=\"_blank\"><em>guru<\/em><\/a> hat, kann man ihn fragen. Aber die Antwort ist meistens nicht eindeutig.<\/p>\n<p>Ich habe Swami Vishnu oft gefragt. Bei technischen Fragen wie: \u201eWer kann <a href=\"https:\/\/www.yoga-vidya.de\/de\/asana\/kapalabhati.html\" target=\"_blank\"><em>kapalabhati<\/em><\/a> auch wechselseitig ausf\u00fchren?\u201c oder \u201eSollte man bei <em>kapalabhati<\/em> (Schnellatmung; eine Atem\u00fcbung im Yoga) den Brustkorb erhoben oder drunten halten?\u201c \u201eSollte man vor dem Atemanhalten nach <em>bhastrika<\/em> (fortgeschrittene Atem\u00fcbung im Yoga) rechts einatmen oder links?\u201c \u2013 denn das steht unterschiedlich in den B\u00fcchern \u2013, hat er mir klare Antworten gegeben.<\/p>\n<p>Aber als ich ihn gefragt habe, ob ich mein Studium aufgeben oder ob ich weitermachen soll, da kam keine klare Antwort. Oder als ich ihn mal etwas anderes gefragt habe, hat er mir auch nicht gesagt, was ich machen soll. Er sagte nur: \u201eEntwickle Hingabe.\u201c In solchen F\u00e4llen gibt ein <a href=\"https:\/\/wiki.yoga-vidya.de\/Meister\" target=\"_blank\">Meister<\/a> nur Kriterien an, an denen man sich orientieren und nach denen man selbst entscheiden kann. Ein <em>guru<\/em> macht seine Sch\u00fcler nicht abh\u00e4ngig. Er nimmt ihnen die Entscheidungen nicht ab. So wie <a href=\"https:\/\/www.yoga-vidya.de\/Bilder\/Galerien\/Krishnatext.html\" target=\"_blank\">Krishna<\/a> am Ende der Bhagavad Gita zu Arjuna sagt: \u201eUnd jetzt mache, was du willst\u201c. Am Anfang sagt er, er solle k\u00e4mpfen, weil Arjuna das so heftig abgelehnt hat. Aber sp\u00e4ter, nachdem er ihm die <a href=\"https:\/\/www.yoga-vidya.de\/yoga-anfaenger\/yoga-wissen\/yoga-wege.html\" target=\"_blank\">Yogawege<\/a> erkl\u00e4rt hat, \u00fcberl\u00e4\u00dft er ihm die Entscheidung \u2013 und so ist auch ein <em>guru<\/em>. Der <em>guru<\/em> hilft einem, aus der T\u00e4uschung herauszukommen und die Antwort selbst zu finden.<\/p>\n<p>Die <strong>Unf\u00e4higkeit zur Konzentration<\/strong> kann eine Schwierigkeit sein. Vielen Menschen f\u00e4llt es am Anfang schwer zu meditieren. Manchmal kommt auch nach einer Weile eine Unreinheit im Geist hoch. Und obgleich man vielleicht ein Jahr oder l\u00e4nger sehr sch\u00f6ne Meditationen hatte, kann man pl\u00f6tzlich nicht mehr meditieren. Dann denkt man: Jetzt mache ich so viel Yoga und kann nicht mehr meditieren! Vorher habe ich weniger gemacht und es ging viel besser! Die Ursache ist eben eine st\u00e4rkere Unreinheit, die sich l\u00f6st, so da\u00df man eine Weile von der Meditation wie abgeschnitten ist. Das mu\u00df man aushalten und trotzdem die Unterscheidungskraft behalten. Die wahrscheinlich wirkungsvollste Weise, die Konzentrationsf\u00e4higkeit zu erh\u00f6hen, ist intensives <em>pranayama<\/em>. Das mu\u00df man aber von einem kompetenten Lehrer richtig lernen.<\/p>\n<p>Und schlie\u00dflich ist <strong>Ruhelosigkeit<\/strong> des Geistes durch Ablenkungen ein Hindernis. \u00c4u\u00dfere Dinge lenken uns ab und machen den Geist unruhig. Wir sollten uns nicht ablenken lassen.<\/p>\n\n<\/div><h2 class=\"tabtitle\">Audio<\/h2>\n<div class=\"tabcontent\">\n\n<p>.\/.<\/p>\n<\/div><\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Deutsche \u00dcbersetzung: Die Hindernisse f\u00fcr die Verwirklichung sind Krankheit, geistige Tr\u00e4gheit, Zweifel, Gleichg\u00fcltigkeit, Faulheit, Verlangen nach Vergn\u00fcgen, T\u00e4uschung, die Unf\u00e4higkeit zur Konzentration und Ruhelosigkeit des Geistes durch Ablenkungen. Sanskrit Text: vy\u0101dhi sty\u0101na sa\u1e41\u015baya pram\u0101da-\u0101lasya-avirati bhr\u0101ntidar\u015bana-alabdha-bh\u016bmikatva-anavasthitatv\u0101ni citta-vik\u1e63ep\u0101\u1e25 te antar\u0101y\u0101\u1e25 ||30|| \u0935\u094d\u092f\u093e\u0927\u093f \u0938\u094d\u0924\u094d\u092f\u093e\u0928 \u0938\u0902\u0936\u092f \u092a\u094d\u0930\u092e\u093e\u0926\u093e\u0932\u0938\u094d\u092f\u093e\u0935\u093f\u0930\u0924\u093f \u092d\u094d\u0930\u093e\u0928\u094d\u0924\u093f\u0926\u0930\u094d\u0936\u0928\u093e\u0932\u092c\u094d\u0927\u092d\u0942\u092e\u093f\u0915\u0924\u094d\u0935\u093e\u0928\u0935\u0938\u094d\u0925\u093f\u0924\u0924\u094d\u0935\u093e\u0928\u093f \u091a\u093f\u0924\u094d\u0924\u0935\u093f\u0915\u094d\u0937\u0947\u092a\u093e\u0903 \u0924\u0947 \u0905\u0928\u094d\u0924\u0930\u093e\u092f\u093e\u0903 \u0965\u0969\u0966\u0965 vyadhi styana sanshaya pramada alasya avirati bhrantidarshana &hellip; <a href=\"https:\/\/schriften.yoga-vidya.de\/patanjali-raja-yoga-sutra\/1-kapitel-vers-30\/\" class=\"more-link\"><span class=\"screen-reader-text\">Kapitel 1, Vers 30<\/span> weiterlesen<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[236,3],"tags":[42],"class_list":["post-3947","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-1-kapitel-verse-21-30","category-samadhi-pada","tag-1-kapitel-30-vers"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/schriften.yoga-vidya.de\/patanjali-raja-yoga-sutra\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/3947","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/schriften.yoga-vidya.de\/patanjali-raja-yoga-sutra\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/schriften.yoga-vidya.de\/patanjali-raja-yoga-sutra\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/schriften.yoga-vidya.de\/patanjali-raja-yoga-sutra\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/schriften.yoga-vidya.de\/patanjali-raja-yoga-sutra\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=3947"}],"version-history":[{"count":4,"href":"https:\/\/schriften.yoga-vidya.de\/patanjali-raja-yoga-sutra\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/3947\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":3982,"href":"https:\/\/schriften.yoga-vidya.de\/patanjali-raja-yoga-sutra\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/3947\/revisions\/3982"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/schriften.yoga-vidya.de\/patanjali-raja-yoga-sutra\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=3947"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/schriften.yoga-vidya.de\/patanjali-raja-yoga-sutra\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=3947"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/schriften.yoga-vidya.de\/patanjali-raja-yoga-sutra\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=3947"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}