{"id":867,"date":"2011-03-28T20:00:11","date_gmt":"2011-03-28T18:00:11","guid":{"rendered":"http:\/\/schriften.yoga-vidya.de\/bhagavad-gita\/?p=867"},"modified":"2015-06-23T16:36:57","modified_gmt":"2015-06-23T14:36:57","slug":"03-33-kommentar-sukadev","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/schriften.yoga-vidya.de\/bhagavad-gita\/03-33-kommentar-sukadev\/","title":{"rendered":"03-33 Kommentar Sukadev"},"content":{"rendered":"<p>Diese Worte <a href=\"https:\/\/www.yoga-vidya.de\/Bilder\/Galerien\/Krishnatext.html\">Krishna<\/a>s kommen f\u00fcr den Leser relativ unvermittelt. Vorher erz\u00e4hlt Krishna uns die ganze <a href=\"https:\/\/wiki.yoga-vidya.de\/Zeit\" target=\"_blank\">Zeit<\/a>, dass wir unsere <a href=\"https:\/\/wiki.yoga-vidya.de\/Sinne\" target=\"_blank\">Sinne<\/a> beherrschen sollen, nicht aus geistigem Fieber heraus handeln sollen, und jetzt sagt er: \u201eAuch der Weise handelt gem\u00e4\u00df seiner Natur; die Wesen folgen der <a href=\"https:\/\/wiki.yoga-vidya.de\/Natur\" target=\"_blank\">Natur<\/a>; wozu \u00fcberhaupt Selbstbeherrschung?\u201c<\/p>\n<p>Wir k\u00f6nnen diesen Gegensatz nicht vollst\u00e4ndig aufl\u00f6sen. Es gibt mehrere Gegensatzpaare, die in der <a href=\"https:\/\/schriften.yoga-vidya.de\/bhagavad-gita\/\" target=\"_blank\">Bhagavad Gita<\/a> beschrieben werden. Das eine Gegensatzpaar ist Entsagung versus Handlung. Das zweite ist Selbstbeherrschung versus seine Natur leben.<\/p>\n<p>Man kann auf mehrere Weisen versuchen diesen Widerspruch aufzul\u00f6sen. Man kann sagen, dass es eine tiefere Natur und oberfl\u00e4chliche W\u00fcnsche und Vorstellungen gibt. Der tieferen Natur sollte man folgen. Die oberfl\u00e4chlichen W\u00fcnsche und Vorstellungen, die so aufgesetzt sind, die sollte man ablegen. Der Unterschied ist allerdings nicht immer klar zu erkennen. <a href=\"https:\/\/www.yoga-vidya.de\/ayurveda.html\">Ayurveda<\/a> z.B. sagt, dass ein gewisses Temperament mit der <a href=\"https:\/\/www.yoga-vidya.de\/reinkarnation-wiedergeburt\/\" target=\"_blank\">Geburt<\/a> schon festgesetzt ist. Bei der Geburt wei\u00df man schon, ob jemand haupts\u00e4chlich <a href=\"https:\/\/www.yoga-vidya.de\/ayurveda\/ayurveda-typen\/ayurveda-typen-vata.html\">Vata<\/a>, <a href=\"https:\/\/wiki.yoga-vidya.de\/Pita\" target=\"_blank\">Pita<\/a> oder <a href=\"https:\/\/www.yoga-vidya.de\/ayurveda\/ayurveda-typen\/ayurveda-typen-kapha.html\">Kapha<\/a> ist. Damit sind wir schon auf die <a href=\"https:\/\/wiki.yoga-vidya.de\/Welt\" target=\"_blank\">Welt<\/a> gekommen und k\u00f6nnen wenig daran \u00e4ndern. Es ist unsere tiefere Natur und es rentiert sich auch nicht, jetzt zu versuchen, anders zu sein, als es ihr entspricht. Das k\u00f6nnen wir auch daran erkennen, dass es ganz viele <a href=\"https:\/\/wiki.yoga-vidya.de\/Weise\" target=\"_blank\">Weise<\/a> gibt, die ganz unterschiedlich sind. <a href=\"https:\/\/www.yoga-vidya.de\/yoga-anfaenger\/yoga-wissen\/yoga-tradition\/swami-vishnu-devananda\/\" target=\"_blank\">Swami Vishnu<\/a> z.B. ist ein eher emotionaler Typ. Swami Chidananda ist immer ein sehr ruhiger <a href=\"https:\/\/www.yoga-vidya.de\/Bilder\/Galerien\/Meister2.html\">Meister<\/a>, den nichts aus der Ruhe bringen kann. Ein Meister ist nicht spiritueller als ein anderer Meister. Sie haben ihre Natur und diese Natur wird in den Dienst anderer gestellt. Und so \u00e4hnlich ist es mit uns. Wir haben unsere eigene Natur und unsere eigene Natur sollen wir nicht beschr\u00e4nken, sondern sie leben. Aber individuelle W\u00fcnsche und Zu- und Abneigungen sollen wir beherrschen lernen. Nicht immer ist der Unterschied klar. Aber wir k\u00f6nnen es machen, so gut wir es k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Es gibt eine Nasrudin Geschichte: Eines Tages flog ein Falke zu Nasrudin. Falken haben einen langen Schnabel und einen langen Schwanz und sind ganz besondere Tiere. Nasrudin hatte so einen Vogel noch nie gesehen. Er schnitt ihm den Schnabel klein, schnitt den Schwanz klein, f\u00e4rbte die Federn noch ein bisschen und die Krallen ein bisschen und sagte dann: \u201eJetzt siehst du aus, wie ein Vogel auszusehen hat.\u201c<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Es gibt auch die \u201eGeschichte vom h\u00e4sslichen Entlein.\u201c Es war einmal ein Schwan, der viele Eier legte. Eins dieser Eier gelangt in das Nest einer Entenfamilie. Alle anderen Schwaneneier wurden get\u00f6tet oder weggenommen. Der Schwan wuchs dann in dem <a href=\"https:\/\/wiki.yoga-vidya.de\/Glaube\">Glauben<\/a> auf, er sei eine Ente. Aber er sah ganz anders aus, als die Enten. In seiner Jugend war er besonders h\u00e4sslich, viel h\u00e4sslicher als alle die kleinen Enten und er war traurig dar\u00fcber. Aber er wuchs zu einem wundersch\u00f6nen Schwan heran und galt als der h\u00fcbscheste Vogel vom ganzen See.<\/p>\n<p>Bei uns <a href=\"https:\/\/www.yoga-vidya.de\/Yoga--Artikel\/Art-Artikel\/art_mensch.html\" target=\"_blank\">Menschen<\/a> kann es sich \u00e4hnlich verhalten. Wenn wir das, was in unserer Natur angelegt ist, und von dem wir denken, es st\u00f6rt uns, mal n\u00e4her betrachten, kann es in <a href=\"https:\/\/www.yoga-vidya.de\/Yoga--Artikel\/Art-Artikel\/art_wahrheit.html\">Wahrheit<\/a> besonders sch\u00f6n sein. Auf diese Weise kann man mit sich selbst umgehen. Wenn wir glauben, wir h\u00e4tten diese oder jene negative Eigenschaft und w\u00e4ren in dieser oder jener Hinsicht schlecht, dann k\u00f6nnten wir auch \u00fcberlegen, ob hinter dieser Eigenschaft nicht vielleicht ein besonderes Talent von uns verborgen ist. Wir haben oft schon lange versucht, es zu beherrschen, und es gelingt uns trotzdem nicht. Vielleicht ist es ja gar keine oberfl\u00e4chliche Eigenschaft, die es zu \u00e4ndern gilt, sondern ein Teil meiner <a href=\"https:\/\/wiki.yoga-vidya.de\/Prakriti\" target=\"_blank\">Prakriti<\/a>, meiner <a href=\"https:\/\/wiki.yoga-vidya.de\/Swabhava\" target=\"_blank\">Svabhava<\/a>, die ich nur in die richtige Richtung lenken muss, dass es meiner Situation angemessen ist, die ich dann <a href=\"https:\/\/wiki.yoga-vidya.de\/Gott\" target=\"_blank\">Gott<\/a> darbringe. Ich mich nicht damit identifiziere sondern sage: \u201eDas ist die Prakriti von mir und diese Prakriti will ich in den Dienst Gottes und der <a href=\"https:\/\/wiki.yoga-vidya.de\/Menschheit\" target=\"_blank\">Menschheit<\/a> stellen.\u201c<\/p>\n<p>Wenn wir z.B. eine Eigenschaft wie Ungeduld haben, k\u00f6nnen wir \u00fcberlegen, welche positiven Aspekte in ihr stecken. Wo wir die Ungeduld zum Wohl anderer einsetzen k\u00f6nnen, und es in der karmischen Situation angebracht ist. Krishna weist an vielen Stellen in der <a href=\"https:\/\/schriften.yoga-vidya.de\/bhagavad-gita\/\" target=\"_blank\">Bhagavad Gita<\/a> immer wieder daraufhin, dass wir unsere Prakriti, unsere Swabhava genauso anerkennen sollen, wie die Tatsache, dass verschiedene Menschen verschiedene <a href=\"https:\/\/wiki.yoga-vidya.de\/Pflicht\" target=\"_blank\">Pflichten<\/a> und <a href=\"https:\/\/wiki.yoga-vidya.de\/Aufgabe\" target=\"_blank\">Aufgaben<\/a> haben. Meistens r\u00e4t er das, wenn er vorher auf Selbstbeherrschung aufmerksam gemacht hat.<\/p>\n<p>Wir k\u00f6nnen uns also immer wieder um Beherrschung bem\u00fchen und in Situationen, wo es nicht m\u00f6glich ist oder wir es nicht schaffen, k\u00f6nnen wir lernen uns nicht damit zu identifizieren, sondern schauen, wie wir es leben, dass es zum Wohle anderer ist. Wir k\u00f6nnten theoretisch unser ganzes <a href=\"https:\/\/www.yoga-vidya.de\/Yoga--Artikel\/Art-Artikel\/art_leben.html\">Leben<\/a> damit verbringen, unsere Schw\u00e4chen zu beseitigen und ich behaupte, der Mehrheit der Menschen w\u00fcrde es nicht gelingen, alle Schw\u00e4chen zu beseitigen. Wir k\u00f6nnen aber lernen, die am st\u00e4rksten st\u00f6renden Schw\u00e4chen zu bearbeiten. Wir k\u00f6nnen schauen, was in unserer Prakriti eigentlich verkannte St\u00e4rken sind. Und dann k\u00f6nnen wir lernen, wie wir diese St\u00e4rken positiv einsetzen. Da sto\u00dfen wir oft an Grenzfragen, die wir nicht leicht beantworten k\u00f6nnen. Wo sollen wir k\u00e4mpfen und wo sollen wir unsere St\u00e4rken nutzen?<\/p>\n<p>Krishna geht von beidem aus. Es gibt einen Raum f\u00fcr Selbstbeherrschung, Selbstkontrolle. Es geht auch darum, positive Eigenschaften zu entwickeln, negative Eigenschaften und Gewohnheiten zu \u00fcberwinden. Nicht umsonst erz\u00e4hlt er ja auch von den gro\u00dfen <a href=\"https:\/\/wiki.yoga-vidya.de\/Heilige\" target=\"_blank\">Heiligen<\/a> und den Eigenschaften der Heiligen. Krishna r\u00e4te <a href=\"https:\/\/wiki.yoga-vidya.de\/Arjuna\">Arjuna<\/a>, positive Eigenschaften zu entwickeln. Aber auch die Heiligen haben ihre Prakriti (ihre Wesensnatur), die sie leben. Manche Heilige sind sogar nach den Standards der westlichen <a href=\"https:\/\/www.yoga-vidya.de\/yoga-psychologie.html\">Psychologie<\/a> vor ihrer <a href=\"https:\/\/wiki.yoga-vidya.de\/Verwirklichung\" target=\"_blank\">Verwirklichung<\/a> verr\u00fcckt, psychotisch gewesen. Ramakrishna z.B. war in der Jugend niemand, der besonders ausgeglichen war, sondern im Gegenteil, er wurde von seinen Eltern und der Gesellschaft als jemand mit starken geistigen St\u00f6rungen klassifiziert. Er war nicht in der Lage, l\u00e4ngere <a href=\"https:\/\/www.yoga-vidya.de\/Yoga--Artikel\/Art-Artikel\/art_Zeit.html\">Zeit<\/a> in der <a href=\"https:\/\/www.yoga-vidya.de\/center.html\">Schule<\/a> zu bleiben. Die Lehrer dachten, er tr\u00e4ume nur. Er konnte sich nicht konzentrieren. Wenn er irgendwo in den <a href=\"https:\/\/www.yoga-vidya.de\/reinkarnation-wiedergeburt\/tod\/himmel-und-hoelle.html\">Himmel<\/a> geschaut hat, dann ist er in Ohnmacht gefallen. Als Jugendlicher wusste er nicht, was das war. Aber er hatte von Natur aus die Neigung zu Mystik und zu spirituellen Erfahrungen. Und irgendwann hatte er die Erfahrungen als au\u00dferordentliche Gotteserfahrungen erkennen k\u00f6nnen und weiterentwickelt bis zur <a href=\"https:\/\/wiki.yoga-vidya.de\/Erfahrung\" target=\"_blank\">Erfahrung<\/a> der vollst\u00e4ndigen Einheit. Man muss also nicht psychisch gesund sein um die <a href=\"https:\/\/wiki.yoga-vidya.de\/Selbstverwirklichung\" target=\"_blank\">Selbstverwirklichung<\/a> zu erreichen. Und auch nach der Selbstverwirklichung haben viele Heiligen sich au\u00dfergew\u00f6hnlich verhalten.<\/p>\n<p>Wir stehen hier bei <a href=\"https:\/\/www.yoga-vidya.de\" target=\"_blank\">Yoga Vidya<\/a> nat\u00fcrlich in der Tradition des ganzheitlichen Yoga von Swami <a href=\"https:\/\/www.yoga-vidya.de\/de\/yogi\/sivananda.html\">Sivananda<\/a>. Da gilt es, sich auch um k\u00f6rperliche <a href=\"https:\/\/www.yoga-vidya.de\/seminare\/interessengebiet\/gesundheit\/\" target=\"_blank\">Gesundheit<\/a> und psychisches Gleichgewicht zu bem\u00fchen und parallel sich spirituell zu entwickeln. Swami Sivananda hatte, so wie er in den Biographien beschrieben wird, sicherlich eine hohe psychische Gesundheit. Er ist wahrscheinlich einer der psychisch ges\u00fcndesten Menschen gewesen, anders als z.B. Ramakrishna vor seiner Verwirklichung. Bei Yoga Vidya arbeiten wir also an der ganzheitlichen Entwicklung. Wir arbeiten an der Gesundheit des K\u00f6rpers, der Gesundheit der Psyche, der Gesundheit des <a href=\"https:\/\/www.yoga-vidya.de\/prana\/\" target=\"_blank\">Prana<\/a>s, der Gesundheit des Intellekts und des Unterscheidungsverm\u00f6gen und dann wollen wir all das transzendieren, um die Selbstverwirklichung zu erreichen. Aber wir m\u00fcssen nicht 100% gesund sein, um die Verwirklichung zu erreichen. Wir m\u00fcssen nicht die <a href=\"https:\/\/www.yoga-vidya.de\/kundalini-Yoga.html\">Kundalini<\/a> vollst\u00e4ndig erweckt haben, wenn wir die Verwirklichung erreichen. Durch die Verwirklichung wird die Kundalini sowieso mit erweckt. Wir m\u00fcssen auch nicht vollkommen psychisch gesund sein, um die Verwirklichung zu erreichen. Es hilft aber, wenn wir an allen Dingen parallel arbeiten, an denen wir arbeiten k\u00f6nnen. Und das, was wir nicht \u00e4ndern k\u00f6nnen, k\u00f6nnen wir in den Dienst Gottes stellen. Wir k\u00f6nnen also entspannt und ohne Leistungszwang den spirituellen Weg gehen. Auf gewisse Weise k\u00f6nnen wir dann die Selbstverwirklichung als <a href=\"https:\/\/wiki.yoga-vidya.de\/Gnade\" target=\"_blank\">Gnade<\/a> empfangen.<\/p>\n<p>Nachdem Krishna uns nun gelehrt hat, was so eine Einstellung bewirken kann, sagt er:<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Diese Worte Krishnas kommen f\u00fcr den Leser relativ unvermittelt. 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