{"id":797,"date":"2011-05-21T20:00:04","date_gmt":"2011-05-21T18:00:04","guid":{"rendered":"http:\/\/schriften.yoga-vidya.de\/bhagavad-gita\/?p=797"},"modified":"2015-06-05T12:21:38","modified_gmt":"2015-06-05T10:21:38","slug":"02-71-kommentar-sukadev","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/schriften.yoga-vidya.de\/bhagavad-gita\/02-71-kommentar-sukadev\/","title":{"rendered":"02-71 Kommentar Sukadev"},"content":{"rendered":"<p>Dieser Vers beinhaltet einen wichtigen Gedanken. Wenn wir sagen, das ist \u201eMein\u201c, mein Yogacenter, meine Yogasch\u00fcler, mein Kooperationscenter und mein Gebiet, dann m\u00fcssen wir in irgendeiner Weise damit umgehen lernen. Wir haben Verpflichtung f\u00fcr etwas. Ich z.B. bin der Leiter von <a href=\"https:\/\/www.yoga-vidya.de\" target=\"_blank\">Yoga Vidya<\/a>, was bestimmte Verpflichtungen beinhaltet. Doch es ist nicht \u201emein\u201c Yoga Vidya. Es kann sein, dass wir Pleite gehen. Es kann sein, dass eines Tages ein gro\u00dfartiger <a href=\"https:\/\/www.yoga-vidya.de\/Bilder\/Galerien\/Meister2.html\" target=\"_blank\">Meister<\/a> kommt und er die Leitung des Hauses \u00fcbernimmt. Vieles ist m\u00f6glich. Wir identifizieren uns mit etwas. Und diese Identifikation und das Sagen: \u201eDas ist meins\u201c schafft uns Probleme. Verschiedenste Beispiele, die ich \u00f6fters gebrauche, verdeutlichen das. Nehmen wir einmal an, ich identifiziere mich besonders mit dieser Uhr, die ich am Handgelenk trage. Ich sage: \u201eDas ist meine Uhr.\u201c W\u00e4hrend der <a href=\"https:\/\/www.yoga-vidya.de\/meditation\/\" target=\"_blank\">Meditation<\/a> lege ich die Uhr ab und vergesse manchmal hinterher sie wieder an mich zu nehmen oder es tritt jemand auf sie. Angenommen ich sage: \u201eDas ist meine Uhr\u201c und es tritt jemand auf sie, dann bin ich sehr \u00e4rgerlich. Wenn ich aber nicht denke, dass das meine Uhr ist, und jemand tritt auf sie, dann ist es zwar immer noch ein finanzieller Verlust und ich muss mir eine andere Uhr anschaffen, aber ich bin nicht so <a href=\"https:\/\/wiki.yoga-vidya.de\/\u00c4rger\" target=\"_blank\">\u00e4rgerlich<\/a>. Bei manchen ist es aber mehr als nur ein finanzieller Verlust. Sie sagen: \u201eDas ist meine Uhr. So eine Uhr finde ich nie wieder. Sie ist ein Erbst\u00fcck. Was wird der Schenker von mir denken.\u201c<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.yoga-vidya.de\/yoga-anfaenger\/yoga-wissen\/yoga-tradition\/swami-vishnu-devananda\/\" target=\"_blank\">Swami Vishnu<\/a> hat gerne Wortspiele gemacht. Er sagte z.B. einmal \u201eMine is a mine\u201c, was man mit \u201eMein ist eine Miene\u201c \u00fcbersetzen kann. Entsch\u00e4rfen k\u00f6nnen wir diese Miene indem wir sagen: \u201eNicht mein, sondern dein <a href=\"https:\/\/wiki.yoga-vidya.de\/Wille\" target=\"_blank\">Wille<\/a> geschehe. Oh <a href=\"https:\/\/wiki.yoga-vidya.de\/Gott\" target=\"_blank\">Gott<\/a>, du hast mich als deinen Verwalter eingesetzt und deshalb habe ich bestimmte <a href=\"https:\/\/wiki.yoga-vidya.de\/Aufgabe\" target=\"_blank\">Aufgaben<\/a> dort.\u201c<\/p>\n<p>Es gibt auch noch eine interessante Geschichte aus der <a href=\"https:\/\/wiki.yoga-vidya.de\/Ramayana\" target=\"_blank\">Ramayana<\/a>. <a href=\"https:\/\/wiki.yoga-vidya.de\/Janaka\" target=\"_blank\">Janaka<\/a>, der K\u00f6nig von Videha, ist zu Ashtavacra in die Lehre gegangen, um die <a href=\"https:\/\/wiki.yoga-vidya.de\/Weisheit\" target=\"_blank\">Weisheit<\/a> des <a href=\"https:\/\/wiki.yoga-vidya.de\/Selbst\" target=\"_blank\">Selbst<\/a> zu erfahren. In <a href=\"https:\/\/wiki.yoga-vidya.de\/Indien\" target=\"_blank\">Indien<\/a> ist es \u00fcblich, wenn man zu einem Lehrer geht, dass man ihm am Ende des Gespr\u00e4chs oder der Unterweisung ein <a href=\"https:\/\/wiki.yoga-vidya.de\/Dakshina\" target=\"_blank\">Dakshina<\/a>, eine \u201eGabe\u201c, gibt. Man bezahlt nicht im Voraus, sondern erst hinterher. Oft sind diese Gaben nennenswerte Summen, da man das Wertvollste bekommen hat. Janaka war K\u00f6nig, er konnte also viel geben. Allerdings sah er, dass sein <a href=\"https:\/\/wiki.yoga-vidya.de\/Meister\" target=\"_blank\">Meister<\/a> viele reiche Sch\u00fcler hatte, die ihm wertvolle Geschenke gaben. Er lebte in einer H\u00fctte, hatte eine zweite, in der alle Geschenke untergebracht waren. Wenn ein Bed\u00fcrftiger kam, dann schenkte der Meister diesem etwas von den Geschenken. Eigentlich brauchte der Meister nichts. Deshalb entschloss sich Janaka den Meister zu fragen, was er ihm geben k\u00f6nnte. Er sagte: \u201eMeister, ich wei\u00df nicht, was ich dir als Dakshina geben soll. Bitte w\u00fcnsche dir etwas. Egal, was es sein wird, ich werde es dir geben, wenn ich es dir geben kann.\u201c Ashtavacra schaute Janaka verschmitzt an und fragte nach: \u201eEgal was?\u201c \u201eDas Wort eines K\u00f6nigs gilt.\u201c<\/p>\n<p>Darauf hin l\u00e4chelte Ashtavacra Janaka an und sagte: \u201eOkay, dann m\u00f6chte ich dein K\u00f6nigreich haben.\u201c Ashtavacra beobachte Janakas Gesichtsausausdruck und Janaka antwortete nur: \u201eOkay, mein Wort gilt. Du sollst mein K\u00f6nigreich haben.\u201c <a href=\"https:\/\/wiki.yoga-vidya.de\/Ashtavacra\" target=\"_blank\">Ashtavacra<\/a> reichte Janaka ein Blatt Papier und forderte ihn auf, seine Abtretungserkl\u00e4rung zu unterschreiben. Janaka unterschrieb und setzte das k\u00f6nigliche Siegel auf den Briefbogen. Mehrere Menschen bezeugten dieses Treffen mit ihren Siegeln auf dem Papier. Am Ende teilte Ashtavacra Janaka mit, dass er jetzt gehen k\u00f6nnte. Janaka eilte davon und \u00fcberlegte, was er denn jetzt machen sollte. Er hatte als Beruf nur K\u00f6nig gelernt. In die Hauptstadt wollte er nicht gehen. Kurz bevor er ganz au\u00dfer Sichtweite war h\u00f6rte er Ashtavacra aus der Ferne rufen: \u201eJanaka, komm noch mal zur\u00fcck.\u201c Und weiter fragte er ihn: \u201eWei\u00dft du Janaka, was soll ich mit einem K\u00f6nigreich. Ich bin hier in der H\u00fctte viel <a href=\"https:\/\/wiki.yoga-vidya.de\/Zufriedenheit\" target=\"_blank\">zufriedener<\/a>. Ich gebe dir eine neue <a href=\"https:\/\/wiki.yoga-vidya.de\/Aufgabe\" target=\"_blank\">Aufgabe<\/a>. Du wirst der Verwalter meines K\u00f6nigreichs. F\u00fcr mich regierst du dieses K\u00f6nigreich und zwar so, als ob du der K\u00f6nig w\u00e4rst. Du erz\u00e4hlst niemandem, dass das K\u00f6nigreich mir geh\u00f6rt, sondern du regierst es und tust so, als ob du der K\u00f6nig w\u00e4rst. Ich habe hier in meinen H\u00e4nden die Abtretungserkl\u00e4rung und es kann jederzeit passieren, dass ich zu dir komme und mein Recht dort behaupte.\u201c Nach diesen Worten ging Janaka zur\u00fcck ins K\u00f6nigreich und regierte es als Verwalter von Ashtavacra. Die Untertanen wussten es nicht. Nur Janaka und die eingeweihten Sch\u00fcler wussten es. Janaka lebte, als w\u00fcrde ihm das K\u00f6nigreich geh\u00f6ren. Aber es machte einen Unterschied aus, da er es f\u00fcr seinen <a href=\"https:\/\/wiki.yoga-vidya.de\/Guru\" target=\"_blank\">Guru<\/a> verwaltet hat.<\/p>\n<p>Im Grunde genommen ist es auch so. Gibt es irgendetwas, was <a href=\"https:\/\/wiki.yoga-vidya.de\/Wirklichkeit\" target=\"_blank\">wirklich<\/a> uns geh\u00f6rt? Jeden Moment kann <a href=\"https:\/\/wiki.yoga-vidya.de\/Gott\" target=\"_blank\">Gott<\/a> uns sagen, dass geh\u00f6rt nicht dir, sondern mir und mir gef\u00e4llt es jetzt, dir das wegzunehmen. Wir besitzen nichts, mit dem uns das nicht passieren k\u00f6nnte. Alles, was wir haben, haben wir als Verwalter bekommen. Ob wir Verm\u00f6gen vererbt bekommen haben, ob wir geistige F\u00e4higkeiten besitzen, ob wir Menschen in unserer N\u00e4he haben, die <a href=\"https:\/\/wiki.yoga-vidya.de\/Liebe\" target=\"_blank\">liebe<\/a>voll und freundlich mit uns umgehen, all das geh\u00f6rt uns nicht. Wir sind nur Verwalter, mit anderen Menschen haben wir f\u00fcr einen beschr\u00e4nkten Zeitraum gemeinsames <a href=\"https:\/\/wiki.yoga-vidya.de\/Karma\" target=\"_blank\">Karma<\/a>, bestimmte Aufgaben und k\u00f6nnen uns gegenseitig unterst\u00fctzen. Wir k\u00f6nnen uns gegenseitig helfen, gegenseitig Freude schenken. Die anderen Menschen geh\u00f6ren uns aber nicht. <a href=\"https:\/\/wiki.yoga-vidya.de\/Yama\">Yama<\/a>, der Totengott, kann sie uns jederzeit wegnehmen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Frei von Mein und auch ohne Ichbewusstsein bedeutet, dass wir nicht denken: \u201eIch bin dieses oder ich bin jenes.\u201c Wir sagen oft: \u201eIch bin der und der. Ich bin klug. Ich bin klein. Ich bin d\u00fcnn. Ich bin ein Handwerker. Ich bin eine liebevolle <a href=\"https:\/\/wiki.yoga-vidya.de\/Mutter\" target=\"_blank\">Mutter<\/a>. Ich bin ein <a href=\"https:\/\/www.yoga-vidya.de\/Yoga--Artikel\/Art-Artikel\/art_mensch.html\" target=\"_blank\">Mensch<\/a>, der immer wieder Abwechslung braucht. Ich bin jemand, der sehr best\u00e4ndig ist. Ich bin Wassermann, Aszendent Sch\u00fctze. Ich bin 70% <a href=\"https:\/\/www.yoga-vidya.de\/ayurveda\/ayurveda-typen\/ayurveda-typen-vata.html\" target=\"_blank\">Vata<\/a>, 20% <a href=\"https:\/\/www.yoga-vidya.de\/ayurveda\/ayurveda-typen\/ayurveda-typen-kapha.html\" target=\"_blank\">Kapha<\/a> und 10% <a href=\"https:\/\/wiki.yoga-vidya.de\/Pita\" target=\"_blank\">Pita<\/a>.\u201c Wir identifizieren uns auf vielf\u00e4ltigste Weisen. Dennoch sind wir weder dies noch das. Wir sind das unsterbliche Selbst. Alles, womit wir uns identifizieren, vergeht irgendwann. Identifikation ist immer ein Grund f\u00fcr <a href=\"https:\/\/www.yoga-vidya.de\/karma\/schuld-und-leid.html\" target=\"_blank\">Leiden<\/a>. Angenommen, wir identifizieren uns damit, dass wir sehr musikalisch sind. Wir bekommen einen H\u00f6rsturz und was passiert dann?<\/p>\n<p>Ich kannte mal einen Menschen, der ein sehr guter Hornspieler war. Er hatte alle Wettbewerbe, an denen er teilgenommen hat, gewonnen. Er selbst bezeichnete sich als den weltbesten Hornspieler. Au\u00dferdem hat er sich f\u00fcr eine Millionen Euro versichern lassen. Wenn ihm irgendetwas passieren w\u00fcrde und er nicht mehr Horn w\u00fcrde spielen k\u00f6nnen, dann w\u00fcrde er eine Million Euro bekommen. Er war auch ein <a href=\"https:\/\/wiki.yoga-vidya.de\/Yogi\" target=\"_blank\">Yogi<\/a>. Er hat in einem <a href=\"https:\/\/www.yoga-vidya.de\/center\/\" target=\"_blank\">Yogazentrum<\/a> gewohnt. Dort hat er ein bisschen mitgeholfen. Er war auch ein sehr guter <a href=\"https:\/\/www.yoga-vidya.de\/ausbildung-weiterbildung\/yogalehrer-ausbildung.html\" target=\"_blank\">Yogalehrer<\/a>. Eines Tages musste er zum Zahnarzt. Dort hat er eine Wurzelbehandlung bekommen und etwas ist schief gegangen. Er musste operiert werden und das Ergebnis war, dass die H\u00e4lfte des Gesichts gef\u00fchllos wurde. Er konnte keinen einzigen Ton mehr auf dem Horn hervorbringen. Er bekam also eine Million Euro und eigentlich k\u00f6nnte er als Yogi doch froh sein. Er br\u00e4uchte nichts mehr zu tun und k\u00f6nnte von den Zinsen leben. Er k\u00f6nnte sich ein gutes, bequemes <a href=\"https:\/\/www.yoga-vidya.de\/Yoga--Artikel\/Art-Artikel\/art_leben.html\" target=\"_blank\">Leben<\/a> machen. Er selbst aber war am Boden zerst\u00f6rt, denn seine wichtigste Identifikation war Hornspieler. Er hat dann \u00fcberlegt, ob er vielleicht singen k\u00f6nnte, da er ja eine fantastische Stimme hatte. Der Mensch hat auch sofort Gesangsunterricht genommen, um zu schauen, ob er eine S\u00e4ngerkarriere starten k\u00f6nnte. Au\u00dferdem hat er <a href=\"https:\/\/wiki.yoga-vidya.de\/Swami\" target=\"_blank\">Swami<\/a> <a href=\"https:\/\/www.yoga-vidya.de\/Bilder\/Galerien\/Vishnu.html\" target=\"_blank\">Vishnu<\/a> gefragt, was er tun sollte. Swami Vishnu hat ihm geraten einfach weiter Horn zu spielen und Gerstensaft zu trinken. Der Mann ist Swami Vishnus Rat gefolgt und nach einem Monat kam das Gef\u00fchl in seine Lippen wieder zur\u00fcck. Obwohl der Nerv zertrennt worden ist, hat er es geschafft, neue Verbindungen herzustellen und so konnte er bis heute Hornist bleiben. Diese Geschichte hatte ein Happy end. Sie zeigt uns aber auch, wie wir uns identifizieren und Dinge uns verloren gehen k\u00f6nnen. Wenn wir kein \u201eMein\u201c und kein Ich-<a href=\"https:\/\/wiki.yoga-vidya.de\/Bewusstsein\" target=\"_blank\">Bewusstsein<\/a> haben, dann erlangen wir <a href=\"https:\/\/www.yoga-vidya.de\/Yoga--Artikel\/Art-Artikel\/art_friede.html\" target=\"_blank\">Frieden<\/a>. Dann k\u00f6nnen wir unsere W\u00fcnsche und unser <a href=\"https:\/\/wiki.yoga-vidya.de\/Verlangen\" target=\"_blank\">Verlangen<\/a> aufgeben.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Dieser Vers beinhaltet einen wichtigen Gedanken. 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